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210.

Dienstag, den 15. September

Fuldaer

1885.

V, — mit der

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Deutsches Reich.

Berlin, 14. September.

* Konservative Blätter bestätigen jetzt, daß die Wahlmänner-Wahlen am 5., nicht am 6. November und die Abgeocdneten-Wahlen am 12. stattfinden sollen.

** Auf kirchenpolitischem Gebiet herrscht eine verdächtige Stille. Es lagert über der Situa­tion die Ruhe, die dem Sturm vorhergcht. Die Versumpfung des Culturkampfes ist mißglückt. Man behauptet in offiziösen Kreisen mit viel Wahrschein­lichkeit, daß dem neuen Landtage eine kirchen­politische Vorlage gemacht werden solle, um etwaigen Anträgen des Centrums bezüglich einer durchgreifenden Revision der Maigesetze und Auf­hebung der Maßregeln gegen die verbannten Geist­lichen und die kirchlichen Orden zuvorzukommen. Welchen Werth ein vom Cultusminister Preußens allein bearbeitetes Kirchengesetz haben kann, ver­mögen wir uns im Voraus lebhaft vorzustellen. Der maigesetzliche Kriegsplan soll in Kraft blei­ben, man zieht höchstens hier und da eine Angriffs­linie ein, weil man sich von ihrer Nutzlosigkeit überzeugt hat. Bis jetzt aber haben die belagerten Katholiken jeden Sturm auf die Festung ihrer Kirche abgeschlagen. Die Feinde haben es mit Versprechungen und Drohungen versucht, — wir sind standhaft geblieben. Sie haben uns durch den Eingriff in die kirchlichen Erziehungsrechte des Klerus die Zufuhr abgeschnitten, also das System des Aushungerns versucht, aber die Beschlüffe in Münster haben ihnen gezeigt, daß wir die Vernichtung- der priesterlichen Heeresmacht ihrer Verstaat­lichung vorziehen. Der entscheidende Schlag wird am Wahltage fallen.

* Der Moniteur deRome' bemerkt zu der Münster'schen Rede des Abg. Windthorst, welche er seinen Lesern in einem ausführlichen Auszugs mittheilt:

„Man wird in derselben den Geist des Glaubens und der Treue gegen Rom und den Papst erkennen, welcher das Centrum beseelt, das Interesse, welches diese wach­samen Katholiken an den Bedrängnissen Leo's XIII. und des h. Stuhles nehmen; man wird daraus ersehen, mit welcher Geduld, Ausdauer und Selbstverleugnung sie ihr schon so umfassendes Werk auszudehnen suchen, um die große katholische Idee zu verbreiten. Entsprechend den Ermahnungen des h. Vaters, schaaren sie sich um die kirchliche Hierarchie, und zeigen dadurch Allen, daß, um streitende Glieder der Kirchs zu sein, man sich an die natürlichen, von Gott gesetzten Führer halten muß. Man

# D. B. Grmkelmanrr & Cie.

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Die männliche Dienerschaft des Handelsherrn rückte drohend gegen die beiden Verbrecher vor, während die weiblichen Bediensteten sich um Gunkel­mann beschäftigten und eifrig bestrebt waren, den­selben ins Leben zurückzurufen.

Allein der Anführer der Polizeiwache legte sich ins Mittel.

Ein Wink von ihm und die beiden Verbrecher waren von rücklings ergriffen und in einem Augen­blick gefeffelt.

„Ich protestire gegen diese Gewaltthat!" rief Faack außer sich, während er sich vergeblich von den Schlingen loszumachen bestrebte.

Willem dagegen ergab sich, nachdem er einge­sehen, daß aller Widerstand nutzlos, mit dumpfer Resignation in sein Schicksal.

„Ich protestire!" wiederholte Faack, während ihm vor Wuth kaum die Worte über die Lippen wollten. „ Nicht ich, sandern Jener ist der Schuldige!"

Damit wies er mit dem Fuße auf Gunkelmann, der mit Hülfe der männlichen Diener sich langsam vom Boden erhob.

„Das wird sich finden," sagte der Wachkomman-

wird auch das feine Taktgefühl des Abg. Windthorst be­wundern, mit welcher er seiner Bewunderung für Leo XIII. Ausdruck gibt, das unbegrenzte Vertrauen, das er in die Mission des Papstthums setzt. Man staunt über den unr- fassenden Geist, der nichts vergißt, der alles und Alle eint in einer Idee: Kampf für die Kirche. Man wird vor allem mit großem Interesse lesen, was Windthorst über die Zukunft und Recrutirung des Centrums sagt."

* Offiziös wird versichert, das Hr. v. Schlözer mit dem Minister v. Goßler die „gesammte kirchen­politische Lage" erörtert habe und nach Rom keineswegs neue Vorschläge mitnehmen werde. Preußen habe weder in der Posener Erzbischofs­frage, noch betreffs der Vorbildung und Juris­diktion der Geistlichkeit etwas vorzuschlagen; das sei Sache Rom's. Die Negierung glaubt also warten zu können!

* Es sind zur Zeit fast alle sozial-demokra­tischen Reichstagsabgeordneten in Prozesse verwickelt. In den Chemnitzer Monstre-Prozeß sind sechs, nämlich Auer, Bebel, Dietz, Frome, Viereck und v. Vollmar verwickelt. Diätenklagen des Fiskus richten sich gegen drei (Hasenclever, Heine und Kräcker). Heine verbüßt außerdem zur Zeit eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten wegen Beleidigung des Vorstandes der Arbeiter-Cilonie Sayda. Noch übler ist Kräcker daran, dem man nicht nur die Druckerei versiegelt hat, sondern auch noch 1818 Mark Diäten abverlangt für vier Sessionen des Reichstages. Liebknecht hat demnächst eine Strafe wegen Beleidigung abzubüßen. Singer hat eine Untersuchung wegen Verstoßes gegen das preußische Vereinsgesetz, ebenso Viereck, der außer­dem noch wegen Beleidigung oer Frankfurter Polizei angeklagt ist. Es schweben also im Ganzen zur Zeit 11 Prozesse gegen 18 sozial-demokratische Reichstags-Abgeordnete.

• Seit einem halben Jahre erscheint in Berlin unter Redaktion des Schriftstellers Dr. Angerstein eine .Wochenschrift für deutsche Bahn­meister'. Sie enthält vorwiegend technische Mit­theilungen, welche zur Fortbildung und Belehrung der Beamten, für welche sie berechnet und auf deren Anregung sie entstanden ist, dienen; zugleich bespricht sie die persönlichen und Standes-Jntercssen der Bahnmeister. Hierdurch scheint sie das Miß­fallen höherer Eisenbahnbeamten hervorgerufen zu haben; denn dem Verleger ist in der jüngsten Zeit eine größere Zahl von Zuschriften zugegangen, durch welche mit dem Bemerken, es sei das Abon-

deur mit offenem Hohn. „Wie sind Sie überhaupt in dieses Gemach gekommen?"

„Ich bin der Disponent dieses Hauses," rief der lügengewandte Faack hastig, indem er seiner Stimme wirklich einen Anstrich von Glaubhaftig­keit zu verleihen verstand. „Da ich wußte, daß heute eine bedeutende Summe eingegangen war, und einen abermaligen Einbruch befürchtete, so ersuchte ich meinen Bekannten, die Nacht mit mir zu durchwachen. Es gelang uns, ohne daß Jemand cs merkte, uns in die Geschäftsräume einschließen zu lassen. Nach 1 Uhr Nachts vernahmen wir plötzlich ein Geräusch. Langsam wurde die Kassen- zimmerthür geöffnet; — wir hielten uns noch immer verborgen. Da, als der Einbrecher den Kaffen­schrank geöffnet, stürzten wir hervor, schlugen ihn zu Boden und riefen laut nach Hülfe. Das Uebrige wissen Sie. Freilich, das habe ich nicht ahnen können, daß cs der reiche Handelsherr war, der seine eigene Kasse bestahl!"

„Lüge! Alles Lüge!" rief die empörte Irmgard und sich schluchzend zu ihrem Vater wendend, rief sie: „Ach, Vater, sprich ein einziges Wort, welches diesen schurkenhaften Menschen entlarvt!"

Gunkelmann versuchte, einige Laute hervorzu­stoßen, die entsetzliche Aufregung raubte ihm in- i

nement auf die Wochenschrift von den Vorgesetzten verboten worden, das Blatt abbestellt wird. Der Verleger und Redakteur der .Wochenschrift für deutsche Bahnmeister' hat gegen die Verbote beim Minister der öffentlichen Arbeiten Beschwerde ge­führt.

* Vom Niederrhein. 13. September. In katholischen Blättern wurde in der letzten Zeit wiederholt Klage darüber geführt, daß in den Badeorten es an paffender Zeitungslcktüre fehle, und daß in Folge von Reklamationen diesem Nebel wenigstens stellenweise einigermaßen abge­holfen worden sei. Eine ähnliche Klage muß ich bezüglich der an den Eisenbahzügen ange­botenen Zeitungen erheben. Selten hört man etwas anderes ausrufen als: .Kölnische Zei­tung', .Berliner Tageblatt'. .Frankfurter Zeitung', .Kladderadatsch' u. s. w. Man kann kommen, wohin man will, überall dieselbe Leier. Dieser Tage forderte ich von einem Zeitungsverkäufer ein katholisches Blatt. Bedauernd zuckte er die Schultern und meinte: „Katholische Blätter werden von uns nicht verlangt." Wäre das wahr, so könnte man allerdings dem Manne nicht zumuthen, daß er sich derartige Blätter hält, und daß sie nicht genug verlangt werden, mag richtig sein. Nicht deshalb, weil die Katholiken weniger reisen, sondern weil Manchs sich scheuen, mit einem katholischem Blatte zu reisen. So erklärt es sich höchst einfach, warum unsere Blätter dem Rei­senden auf der Eisenbahn nicht zugänglich sind. Mit leeren Redensarten ist nichts gsholssn, also dreist gefordert und ohne Unterlaß; die Zeitungs­verkäufer kommen dann schon von selbst dazu, sich katholische Blätter zu halten.

♦ In Nassau stellen die National-Libe­ralen in fünf bisher freisinnig vertretenen Wahl­kreisen, Stadtkreis Wiesbaden (Wißmann), Land­kreis Wiesbaden (Lieber), Obertaunuskreis (Wirth), Unterlahnkreis (Mohr), Oberlahnkreis (Farr), eigene Kandidaten auf; einen sechsten, den bisher durch den kürzlich verstorbenen Dr. Thilenius vertretenen Wahlkreis — Oberwesterwaldkreis — wollen sie den Konservativen ausliefern, auf deren Unterstützung sie in den übrigen Kreisen rechnen. Die Konservativen haben bereits 1882 den Kreis Biedenkopf erobert.

* Cassel, 14. Sept. Von betheiligter Seite geht der ,Caff. Ztg.' die Mittheilung zu, daß die

dessen momentan die Stimme und er schlug nur verzweiflungsvoll die Hände vor das Gesicht. Ein Mißtrauischer mochte diese Bewegung für ein Zeichen des Schuldbewußtseins halten.

Der Polizist wandte sich deshalb auch achsel­zuckend gegen den Buchhalter und fragte nochmals:

„Und Sie beharren auf Ihrer Aussage?"

„Ja," entgegnete der Elende. „Kein Anderer als Herr Gunkelmann ist der Thäter!"

„Dann thut es mir leid," sprach der Polizist achselzuckend. „Ich muß wohl oder übel auch den Kaufherrn für verhaftet erklären!"

Irmgard schrie laut auf vor Entsetzen und stürzte mit flehender Geberde vor Gunkelmann nieder.

„Vater!" rief sie in namenloser Aufregung. „Bei Allem, was Dir heilig ist, sprich nur ein einziges Wort!"

Aber der gerade, ehrenfeste Sinn des Handels- Herrn war zu tief erschüttert, als daß er so schnell auf die höllischste aller falschen Anklagen ein Wort der Rechtfertigung hätte finden können.

„O," stöhnte er einzig und preßte den Kopf zwischen beide Hände, „mir ist so öde, so dumpf zu Sinn! Ich wollte, ich wäre tobt und begraben!"

„O, Du darfst nicht so sprechen, Vater," schluchzte Irmgard und sich an den Anführer der