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Die .Fuldaer Zeitung' erscheint tiiglich. Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Biertsljährüchsr Abonn-m-ntzprsis ohue BrmM 1 3Wf< 50 ^S" mit bet

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* Der Gustav-Adolf-Verein

tagte jüngst in Eisenach, an der Stätte, welche einst die hl. Elisabeth geweiht und später Luther'S Aufenthalt — nicht geweiht hat. Der Eisenbahn­minister hat den Theilnehmern Fahrpreisermäßigung bewilligt, weil angeblich politische und kirchenpoli­tische Erörterungen von den Verhandlungen aus­geschlossen sein sollten. Nun finden wir aber in den betreff. Berichten keine sachlichen Verhandlun­gen über die evangelischen Missionszwecke, sondern hochtönende Reden über den Sedantag, Gustaph Adolf, die Schlacht von Breitenfeld, sowie lange Philippiken gegen Rom und den Ultramontanismus, insbesondere gegen die Rede Windthorst's in Mün­ster. Wenn nun der Eisenbahnminister die Reden in Münster „politisch oder kirchenpolitisch" hielt, muß er denn nicht die Polemik gegen diese Reden ebenfalls für politisch oder kirchenpolitisch erachten? Das ist eine ernste Frage der staatlichen Pari­tät. Noch bedenklicher erscheinen die'Verhandlun­gen in Eisenach vom Siandpunkte des konfessionel­len Friedens. Durch die letzten Jahrzehnte hindurch kann man es bei allen konfessionellen Versammlun­gen verfolgen, daß die Katholiken über ihre eigenen Angelegenheiten sprechen, während die Protestanten immer und überall über die katholischen Dinge los­ziehen. Die Protestanten haben in ihrem eigenen Hause mancherlei Unordnung und Schutt aufzu­räumen; aber statt Hand anzulegen, stemmen sie lieber die Hände in die Seiten und raisonniren mit salbungsvoller Fertigkeit über das Nachbarhaus. Man kann es begreift», wenn sie das einzige Dogma, in welchen; sie alle einig sind, die Verwerfung der Mutterkirche, mit Vorliebe betonen. Aber alles mit Maß! Der Eisenbahnminister glaubte doch, daß der Gustav-Adolf Verein bestimmte positive Aufgaben auf dem Missionsgebiete habe, zu deren Erörterung man sich versammle. Einen ganzen geschlagenen Tag, in allen Reden und sogar in der gottesdienstlichen Predigt kein Wort von den kon­kreten Bedürfniffen der Diaspora-Gemeinden zu sprechen, sondern statt dessen in immer neuen Varia­tionen dem „Haß gegen Rom" Ausdruck zu geben — ist doch ein wenig stark!

„Noch heute wird unsere evangelische Kirche arg von Rom bedroht." Damit fängt gleich der erste Redner an. Hat etwa der Papst oder eine katho­lische Mehrheit Maigesetze gemacht, welche den Evan-

# D. V. Gunkelmann & Cie.

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Als der Kaufherr geendet, trat der Kriminal­beamte dicht an den noch immer wie vernichtend auf den Knieen daliegenden, jungen Mann heran.

„Stehen Sie aus," sagte er in ernstem Tone, ihm die Hand auf die Schulter legend. „Im Namen des Gesetzes erkläre ich Sie für verhaftet! Folgen Sie mir ohne Widerstand!"

Viktor sah den Sprechenden mit so erloschenen Blicken an, als begriffe er nicht, was dieser zu ihm gesagt hatte. Doch den Polizeibeamten waren die Worte ihres Vorgesetzten genügender Befehl. Sie ergriffen Viktor am Arm und führten ihn mit sich fort. Der junge Mann schritt mecha­nisch in ihrer Mitte, ohne zu wissen, was er eigentlich thal.

Am Aufgang der zu der Privatwohnung Gun- kslmann's führenden Treppe stürzte dem traurigen Zuge Irmgard entgegen.

Das thränenbleiche Gesicht des jungen Mädchens erblickend, schrie Viktor laut auf.

„Irmgard," rief er, „sie führen mich ins Ge- fängniß, aber ich bin unschuldig!"

Im nächsten Augenblick hatte das junge Mäd­chen die Polizeibeamten zurückgedrängt und stand

gelischen Seelsorge und Gottesdienst, die Tröstungen am Sterbebette und das kirchliche Begräbniß be­schränkt haben ? „Zur Abwehr gegen Rom und seine Jesuiten" citirte der nächste Festredner Luthers Geist. Die Sedanfeier gab ihm Anlaß, von „Roms Sedan" zu schwärmen. „Jeder evangelische Christ, der mit Rom liebäugelt, gehört nicht zur evan­gelischen Kirche, sondern zu Rom." Diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bannfluch mögen sich die centrumsfreundlichen Konservativen merken, sowie auch der „unpolitische" Eisenbahnminister. Derselbe Redner (Dr. Fricke) ging dann gegen die Katholikenversammlung von Münster los, besonders gegen Windthorst's Ausspruch: Der Papst regiere die Welt! Abg. Windthorst hob die Macht des Papstes nicht hervor im Gegensatz zum kirchlichen Protestantismus, sondern im Gegensatz zu den weltlichen Großmächten, welche sich einbilden, ohne Rücksicht auf die geistige Gewalt mit ihrer Real­politik allein regieren zu können, vr. Fricke ruft demgegenüber aus: „Der protestantische Geist, die protestantische Wissenschaft, die protestantische Ge­sinnung regieren die Welt, nicht der Papst und Rom." Wirklich? Sehen wir doch nur genau, welcher Art dieser „Protestantismus" ist. welcher hier und da der Weltherrschaft des Oberhauptes der Christenheit Abbruch thut. Es ist nicht der gläubige Protestantismus, dessen Einfluß auf die Geister, die Wissenschaft und die Gesittung im großen Ganzen kaum noch in Betracht kommt, sondern es ist das Neuheidenthum, welches sich aus dem Protestantismus entwickelt hat, der Un­glaube mit einem falschen Geisiessiolz und feiner Gesittung 1

Das Traurigste war der Mißbrauch der Kanzel zu einer argen Hetzrede. Der Prediger rief gegen das Wort Windthorsts den „Lutherzorn" auf und polemisirte auch seinerseits gegen die Politiker, welche „mit Rom paktiren" wollten. „Wir fürchten uns nicht vor tausend Päpsten und Verwirrern. Und wenn die Welt voll Teufel wäre, so soll es ihnen nicht gelingen!" Wenn ein katholischer Christ ähnliche Worte gegen die Protestanten von der Kanzel schleuderte, so würde von jener Seite ein wildes Geschrei nach dem Kanzelparagraphen sich erheben. Wir brauchen keine Strafparagraphen zum Schutze gegen so armselig-ohnmächtige Angriffe. Wir verlangen nur eines im preußischen Staate: Parität, gleiches Recht für Alle. Und diese

dicht vor Viktor. Tief blickte sie ihm ins Auge. Dann neigte sie sich plötzlich nieder und berührte mit ihren Lippen flüchtig die Stirne des zusammen­bebenden jungen Mannes.

„Du bist unschuldig, ja, ich weiß es!" sprach sie feierlich. „Gehe mit Zuversicht Deinen Weg. Ein gerechter Gott wird Dich beschützen!"

Ein schwacher aufleuchtender Blick aus dem Auge Viktor's dankte ihr. Dann setzte sich der traurige Zug wieder geschlossen in Bewegung und fort ging es, dem Gefängniß zu.

9. Kapitel.

In der Macht des Bösen.

Eine Helle Mondscheinnacht lag über der schla­fenden Großstadt ausgebreitet. Es war um die zweite Morgenstunde. Tiefste Stille herrschte überall.

Auch im Hause des reichen Handelsherrn Gun­kelmann regte sich Nichts. Kein Laut war ver- nehmbar.

Da, war es nicht, als ob eine Thür langsam und vorsichtig geöffnet und nach einer Weile wieder geschlossen würde? Knarrte jetzt nicht ganz leise das Schloß an der Thür zum Kassen­zimmer?

Im nächsten Augenblicke flammte cs in dem

Forderung zu erneuern, gibt auch der Gustav-Adolf- Tag wieder Veranlassung.______________________

Deutsches Reich.

Berlin, 13. September.

♦ Zum Beweise, wie ernst der Exceß in Madrid und die feindselige Stimmung in Spanien an maßgebender Stelle Hierselbst doch aufgefaßt wor­den fft, mag die Mittheilung des.Reichsanzeigers' dienen, daß der Dampfer „Nachtigall" telegraphisch angewiesen worden ist, in einem englischen Hafen zu bleiben, weil er sonst auf seiner Weiterfahrt nach Kamerun spanische Häsen hätte anlaufen müssen. Uebrigens glaubt man nach wie vor, daß der Dampfer Nicht recht feetüchiig ist. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bewacht eifrig die Haltung der eng­lischen und französischen Presse.

♦ Ueber die Kriegstüchtigkeit der deutschen Flotte wird der Illg. Ztg.' von der Ostseeküste geschrieben: Der alte Grundsatz „si vis pacem para bellum“ wird bei uns nicht vernachlässigt. Sollte es, woran jedoch nicht zu denken ist, zu einem Kriege mit Spanien kommen, so wird und kann ein solcher allein doch nur zur See ausge- fochten werden, denn daß wirklich spanische Trup- pen an der deutschen Küste landen könnten, will uns ebenso undenkbar erscheinen, wie etwa der Marsch einer deutschen Armee gegen Madrid. Um aber eine Musterung unserer deutschen Streitkräfte zur See vorzunehmen, dürfte es wohl nicht ohne Bedeutung sein, daß kürzlich ein Geschwader von 31 kleineren deutschen Kriegsschiffen mit 2400 Mann Besatzung unter dem Contre-Admiral von Blanc bei Wilhelmshaven Manöver ausführte und die Vice-Admiräle v. Wickede uno Graf Monts vom Marineminister Caprivi zu einer Conferenz mit ihm dahin beordert wurden Es ist auch kürz­lich an der Ostseeküste eine genaue Prüfung ge­schehen, wie viele ausgebildete Seeleute bei einer Mobilmachung der Flotte sofort zum Dienst einbe­rufen werden könnten. Hierbei hat sich ergeben, daß an Küstenschiffern, Bootsleuten, Seefischern u. s. w. eine verhältnißmäßig große Zahl früherer Kriegsschiffmatrosen in wehrpflichtigem Alter vor- Händen ist, die, wenn es so sein müßte, innerhalb weniger Tage wieder auf unseren Kriegsschiffen dienen könnten. Aus Freiwilligen unserer Ponton- nier-Compaonien, die vielfach aus Flußschiffern be­stehen, dann von der Küsten-Artillerie lassen sich Gemache auf, als ob ein Zündholz angesteckt worden wäre, und bei der schwachen Helligkeit, welches dasselbe spendete, vermochte man zwei Gestalten zu unterscheiden, welche sich bemühten, den Docht einer kleinen Blendlaterne anzuzünden.

Die beiden nächtlichen Eindringlinge waren der Buchhalter Faack und sein Genosse Willem.

„Teufel," flüsterte der lange Willem mit leiser Stimme, „mir ist heute ganz unbehaglich zu Muthe. Ich wollte die Geschichte wäre erst glücklich überstanden."

„Hasenfuß," knirschte Faack verächtlich. „Mache, daß Du das Schloß ausbekommst und Deine dreißigtausend Mark sind Dir sicher!'

„So leuchte!" gebot der Schlosser kurz, indem er sich zum Schlüsselloch herunterbeugte und eine Reihe Instrumente, sowie einen sonderbar geform­ten Schlüssel aus der Tasche nahm.

„Still!" fuhr er plötzlich zurück. „Hast Du Nichts gehört? Mir war es, als ob oben im Hau e eine Thür geöffnet ward."

Faack schrack zusammen, daß die Laterne m seiner Hand zu zittern begann; unhörbar wie em Schatten glitt er an die AuSgangsthür und horchte angestrengt. Willem folgte ihm lautlos.

Aber so angestrengt die Gauner auch lauschten,