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208.

1885.

Sonnabend, den 12. September

Deutsches Reich.

Berlin, 11. September.

* Von angeblich zuverlässiger Seite wird der Mrkf. Ztg.' gemeldet, daß die Wahlmänner. wählen zum Landtage auf den 6., die Ab geord- netenwahlen auf den 12. November festgesetzt seien.

* Die Note des Reichskanzlers an den Ge­sandten in Madrid wird allgemein so aufgefaßt, daß bei aller formellen Nachgiebigkeit, die An­gesichts der Tumulte in Madrid gezeigt worden ist, an ein Aufgeben der Ansprüche auf die Ka­rolinen doch nicht zu denken sei. Die spanische Antwort soll, wie es heißt, bereits in den Händen des Reichskanzlers sein. Die Genugthuungsfrage gilt danach für geregelt, doch soll Spanien seine Ansprüche auf die Karolinen unter Wiederholung der bekannten Besitztitel aufrecht erhalten und unter Ablehnung des vorgeschlagenen Schieds- gerichts auf direkten Verhandlungen bestehen.

* Die Redaktion des ,Dziennik Poz.' wurde von einer 75jährigen Frau aus Powidz besucht, welche gleichfalls den Ausweisungsbefehl er­halten hat und aller Mittel baar ist. Sie hat in­zwischen ein gastfreundliches Haus gefunden, in welchem sie ihren Unterhalt bekommt. Auch aus W e st- preußen wurden einige sehr bejahrte Personen ausgewiesen: aus Löbau ein 7Ojähriger Greis mit steifem Fuße, seit vier Jahren Hospitalit und ein j 67jähriger am Fuße gelähmter Greis. Wir über­lassen es dem Leser, sich weitere Gedanken hierüber zu machen.

* Bei der General-Versammlung der Katholiken Schlesiens in Gleiwitz wurde von polizeilicher Seite angefragt, ob in der Damen-Versammlung auch über Politik geredet würde. Hierauf er- klärte der Vorsitzende, Hr. v. Schalscha, daß es gesetzlich nicht begründet werden könne, in solchen Versammlungen das Sprechen über Politik zu verbieten. Ob man aber, um das der Gleiwitzer Po­lizei zu beweisen, Frau Canzius, Fräulein Wab- nitz und Frau Staegemann aus Berlin kommen lasten soll?

* In Betreff der zu Eisenach tagenden 39. Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins faßt die ,Germ.' ihre kritischen Bemerkungen heute in folgendem Schlußsätze zusammen: „Die Reden der Herren Pastoren und noch mehr die Art und

# D. V. Gnnkelmann & Cie.

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Und aufstehend schritt er dem vorangegangenen Buchhalter hastig nach.

„Thorheit!" rief dieser dem jungen Manne unwirsch zu. „Wollen Sie uns wieder dieselbe Komödie vorspielen, wie damals, al» die sechszig­tausend Mark und wieder, als die neunzigtausend Mark verschwanden? Sparen Sie sich die Mühe. Ich fange nach und nach an, Ihr saubere» Spiel zu durchschauen!"

„Herr Faack, noch ein solche» Wort," rief Hilker außer sich vor gerechter Entrüstung, „und ich werde die Schmach nicht auf mir haften klaffen!"

Faack, aschgrau im Gesicht, hatte unterdesten den im Schlöffe steckenden Schlüstel ergriffen und nach einigen vergeblichen Anstrengungen glückte e» ihm, den Schlüstel umzudrehen. Da» Schloß knackte und die schwere Eisenthür sprang auf.

„Teufel," rief der Buchhalter plötzlich, indem er auf den unteren Boden de» Kassenschranke» wie», ,,wa» ist denn da» für ein glänzende» Schmuckstück, welche» da im Schranke liegt?"

Da» Personal trat näher und einer der An- gestellten, welcher vorhin schon Hilker auf sein

„Wozu ist noch eine Revision nöthig?" rief Faack mit bodenloser Unverschämtheit. „Es steht dem Burschen ja auf der Stirn geschrieben, daß er wiederum einen seiner famosen Kastendiebstähle ausgesührt hat.

Jetzt aber war es um die Selbstbeherrschung des erzitternden jungen Mannes geschehen.

Mit einem heiseren Schrei, welcher von einem gereizten Raubthiere herzustammen schien, warf sich Hilker auf den zurückbebenden Buchhalter, diesem mit der einen Hanv die Kehle zuschnürend, so daß Faacks Antlitz sich dunkelbau färbte, wäh- rend er die andere Hand zu wiederholten Malen durch die Luft sausen und mit furchtbarer Heftig­keit auf da» Gesicht de» Angeklagten niederfallen ließ.

„Elender Schurke!" keuchte Hilker in maß­losester Wuth. „Hast Du noch nicht genug an den begangenen Unthaten? Willst Du noch einen Schuldlosen dem Zuchthause überantworten?"

Faack war feige zurückgewichen. D« trat Gun­kelmann zwischen ihn und seinen Züchtiger.

„Wegen dieses unerhörten Vorganges," sprach er einschneidend zu dem von zwei Kollegen zurück- gehaltenen Hilker, „werden Sie mein Geschäft so- fort verlassen. Zuvor aber will ich mich von dem Stande der Kaste vergewiflern."

Die,Fuldaer Zeitung- erscheint täglich. Sann- und Feiertage ausgenommen. B-erteljährttcher' 1 &° ""

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organ für das Großherzogthum Sachsen-Weimar ist, recht dankbar für diese Erzählung, indesten er­lauben wir uns an die verehrliche Redaktion die dringendste Bitte, den Ort und die Zeit anzu­geben, wo und wann dieses geschehen ist. Sollte man uns aber die Antwort schuldig bleiben, fo sehen wir diese grausige Morithat als ein Mär­chen an, das sich allenfalls für ein protestantisches Geschichtswerk eignet, aber keineswegs für ein amt­liches Organ, das für beide Konfessionen, Katho­liken wie Protestanten, bestimmt ist.

* Eisenach, 11. Sept. Der Gustav-Adolph- Verein hat beschlosten, im nächsten Jahre seine 40. Hauptversammlung in Düsseldorf abzuhalten.

* München, 10. Sept. Frhr. v. Soden wird demnächst im bayrischen Landtage entsprechend dem preußischen Antrag Huene den Antheil Bay­erns aus dem Mehr-Ertrag der landwrrthschaft- lichen Zölle zur finanziellen Erleichterung der Gemeinden zu verwenden.

iry Erinnerungen an die katholische General - Versammlung zu Münster.

(Fortsetzung.)

In der dritten öffentlichen Generalversammlung bestieg nach dem Herrn Bischof Marty der Herr Rechtsanwalt Julius Bachem von Köln die Rednertribüne und sprach über die katholische Presse. Eingangs seiner Rede recht­fertigte sich Herr Bachem, daß er dieses Thema sich zur Besprechung gewählt habe; er habe nämlich schon als Stu­dent Zeitungsartikel geschrieben, insbesondere aberstehe er seit dem Jahre 1869 einem in Köln erscheinenden Blatte sehr nahe, so daß er, da Kriegojehr« doppelt zählten, sein 25jähriaes Jubiläum als Journalist schon seit Langem ge­feiert habe. Die ,Fuld. Ztg.' hat den Inhalt seiner Rede bereits auszugsweise angegeben, aber nur jenen Theil, welcher von den Pflichten des katholischen Publikums gegen­über der kathol. Presse handelt; Redner sprach jedoch auch von den Pflichten der Presse. Die katholische Presse, be­tonte er hierbei, müsse unter allen Umständen jederzeit sich eines anständigen Tones befleißigen, dürfe auch im Feuer der Abwehr nicht allzu hitzig oder leidenschaftlich, nie aber persönlich werden. Täglich tauchten neue Fragen auf, zu denen die katholisch-Presse sofort Stellung nehmen müsse; sie sollte sich hierbei nicht sogleich allzusehr engagiren, da­mit sie nicht später den Rückzug anzutreten gezwungen werde, was immer unangenehm sei. Man brauche auch nicht in jedem Falle Alles zu sagen, was man wiffe, solle vielmehr reservirt sich zeigen; dagegen aber gäbe es Fälle, in welchen man mit aller Entschiedenheit Stellung nehmen müsse, wenn auch ein Preßprozeß und preßgesetzliche Ver- urtheilung drohe. So sei er einmal über die Aufnahme eines höchst kritischen Artikels in das ihm befreundete Blatt befragt worden, wobei er entschieden erklärt habe, der Ar­tikel müsse ausgenommen werden, obgleich mindestens eine

Weise, wie die Hauptprotektoren des Gustav-Adolf- Vereins, die .Nordd. Allg. Ztg/ und die ,Nat.- Ztg.' über diese Reden Bericht erstatteten, bestätigen auf’» Neue, daß der Verein im Wesentlichen eine protestantenvereinliche Schöpfung ist und daß er politische Tendenzen verfolgt, daß Herr Eisenbahnminister Maybach, der die Ka­tholikenversammlung und die Augustkonferenz der Orthodoxen für politische Zusammenkünfte hält, gegen die Grundsätze der Parität verstieß, als er den beiden letzteren die Fahrerleichterungen ver­sagte, sie dagegen dem Gustav-Adolf-Verein ge­währte. Wir betonen mit aller Schärfe, daß das zum System gehört, der Herr Eisenbahnminister trägt an dieser Bevorzugung persönlich keine Schuld. Und wenn etwas dieses System kennzeichnet, so ist es die gerügte Berichterstattung der ,Nordo. Allg. Ztg.', welche ihren officiellen Lesern die Stellen vorenthült, welche politische Färbung haben und Zeugniß gegen das System ablegen."

chft Thüringen, 11. Sept. In Nro. 211 der .Weimarischen Zeitung' vom 9. September lesen wir in einem Leitartikel „Zur 39. Haupt­versammlung des Gustav-Adolf-Vereins in Eisenach" folgende Geschichte. „Ein evangelischer Steuer­beamter war aus Sachsen nach Schlesien versetzt worden, an die russische Grenze, in einen kleinen Ort. Da war die Familie einsam unter lauter Katholiken. Keinen Gottesdienst sahen sie lange Zeit hindurch, meilenweit war der Weg zur näch­sten evangelischen Kirche. Jhx "mfiges Töchterchen wurde krank, todtkrank. O wie sehnten sie sich nach einem Seelsorger, nach freundlichem Zuspruch aus Gottes Wort. Aber vergebens. Und das Kind starb. Wo sollte es begraben werden? Es gab nur einen katholischen Friedhof und dort wurde das Grab für das „Ketzerkind" in den Winkel, an die Mauer verwiesen. Einsam standen die Trauernden dort am Sarge ihres Lieblings, kein Glockenton, kein Wort des Trostes, keine Stimme des Friedens drang an ihr Ohr. Da wollten die Elternherzen springen vor Schmerz. Der Mann aber schrieb einen Brief an seinen Seelsorger in der früheren Heimath, legte 5 Thaler hinein und bat um eine Leichenpredigt für sein Kind in der dortigen Kirche und bat ausdrücklich, dabei der Ge­meinde zu sagen, sie möge nie vergessen, welchen Segen sie habe an der kirchlichen Gemeinschaft. Wir sind der .Weimarischen Zeitung', die Amts-

Befragen Antwort gegeben, rief mit sichtbarer Verwunderung aus:

„O, das ist ja Ihr Medaillon, Hilker! Ja, haben Sie den Kassenschrank denn noch einmal geöffnet? Ich erinnere mich deutlich, daß Sie gestern nach erfolgtem Kassenschluß noch mit der Hand an Ihrem Medaillon spielten."

„Was soll das heißen?" fragte Gunkelmann mit" durchbohrender Schärfe. „Wie kommt das Schmuckstück in den Kaffenschrank?"

Um die Gruppe der Hauptbetheiligten hatte das Personal einen dichten Kreis gebildet und starrte unablässig auf Hilker, der beim Erblicken de» ihm gehörenden Medaillons todtenblcich im Gesicht geworden war und sich Gewalt anthun mußte, damit er nicht schwankte und zu Boden ^,Jch — ich — weiß — es nicht!" brachte er endlich mit bebender, stockender Stimme hervor.

„Das wird sich finden," sagte Gunkelmann mit vernichtender Kälte. „Gehen Sie an die Revision de» Kasseninhaltes."

In dem umherstehenden Kreise begann un­ruhige» Geflüster sich breit zu machen und Dieser und Jener begann auf den jungen Kassirer schon i mit unverhohlenem Abscheu zu blicken.