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1885

Freitag, den 11. September

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— mit der

±t D. B. Gunkelmann & Cie.

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,Sie verzeihen/ redete er den Buchhalter an, „aber ich vermiffe mein Uhrenmedaillon. Es muß mir in der Aufregung vorhin verloren gegangen sein. Haben Sie dasselbe vielleicht gefunden?"

Der Buchhalter fchüttelte erstaunt den Kopf.

„Ihr Medaillon?" fragte er verwundert. „Hm, der" Verlust desselben sollte mir sehr leid thun. Haben Sie Ihre Herren Kollegen schon danach befragt?" , „

,E» ist leider bis jetzt unmöglich gewesen," entgegnete Hilker betrübt, „denn ich habe das Fehlen des Schmuckstückes erst entdeckt, als ich eben den Kasienschrankschlüflel an Fräulein Irm­gard abgegeben. Unterdessen hatten meine Kollegen sich bereit» entfernt."

„Nun, dann müsien S,e Ihre Nachfrage bi» morgen aufschieben, Hilker," suchte der heuchle- rische Faack den eifrig am Boden herumsuchenden jungen Mann zu beruhigen. „Bei der eingetre­tenen Dunkelheit finden sie doch Nicht» mehr. Kommen Sie."

Hilker mußte da» Nutzlose ferner heutigen Be- mühungen einsehen und folgte dem Buchhalter tief betrübten Herzen».

sätzen. (Bravo!) Die Resolutionen werden auch das aussprechen, daß wir in Deutschland weiter kommen müssen, und das führt mich zu der Lage unserer kirchenpolitischen Angelegenheiten, Über dre sie vielleicht auch etwas von mir hören wollen.

(Bravo!)

Meine Herren! Es ist augenblicklich in diesen Angelegenheiten ein Stillstand eingetreten. Die Verhandlungen, die ftattgefunden haben, scheinen mir ganz zu ruhen; und es kommt nur vor, als ob man glaubte, durch diese Passivität könne man uns allmählich zwingen, das anzunehmen, was man uns gern aufoctroyiren will. Ob diese Be­rechnung existirt, kann ich ja mit Bestimmtheit nicht sagen; es macht aber so den Eindruck. Die­sem Beginnen gegenüber haben wir selbstverständ- lich keine anderen als absolut gesetzliche Mittel, und darum müsien wir, wie ich es vorhin bezeichnet habe, unsere Anträge wegen Aenderung dieses Za- standes erneuern und sie immer von Neuem stellen (Bravo!) und alle parlamentarisch erlaubten Mittel brauchen, um unseren Willen durchzusetzen. (Bravo!) Lieber wäre es uns ja natürlich, wenn uns frei« willig gegeben würde, was uns gebührt; was ja vielleicht nun geschieht, wenn sie den Vortrag des Herrn Domcapitulars aus Mainz gelesen haben werden. (Heiterkeit.) Also seien wir nicht fangut» msch. Rasch zu einem Ende kommen wir an­scheinend noch nicht, aber wir kommen zum Ende. Wann? Das weiß ich nicht, das kann auch Nie­mand mit Bestimmtheit sagen, denn das hängt von Gottes Willen ab, der die Herzen der Menschen leitet wie Wasierbäche. Wir haben nur die Pflicht, festzuhalten und nicht zu wanken, denn es sind das eben Gebiete, auf denen nicht nachgegeben werden kann, wenn man es auch noch so gerne wollte, weil es die ewigen Principien der Wahrheit betrifft und die Bedingungen de» Heils, welches wir für uns hier zu erwirken haben. (Bravo!) Um nun aber so handeln zu können, muß Ihre Vertretung im Parlamente erhalten bleiben, und zwar inmitten der Parteien also erhalten bleiben, daß sie etwas bedeutet; denn sonst wird man sie eben nicht weiter hören. Und das veranlaßt mich, Ihnen zu sagen, daß jetzt die Arbeit zunächst bei Ihnen liegt. Sie müsien dafür sorgen, daß in das Abgeordnetenhaus die rechten Männer kommen (Lebhafte Zustimmung) und ich richte an Sie den Appell, daß Zeder an feiner Stelle aufmerksam mache, wie wichtig die

Faack schloß die Lokalitäten sorgfältig und gab dann die Schlüssel zu den Räumlichkeiten dem herbeigeeilten Bureaudiener.

„Kommen Sie, Hilker," sagte er zu dem jun- gen Manne, auf die Straße tretend und ging ein gutes Stück mit ihm, in freundlichem Tone von Diesem und Jenem mit ihm sprechend.

Hilker gab nur zerstreute Antworten; wider­strebte es schon seiner ganzen Natur, mit einem Manne über die Straße zu gehen, den er in nur zu begründeter Weise für einen Kassendieb halten mußte, so beraubte der Schmerz um da» verlo­rene kostbare Andenken Irmgard'» ihn jede» ver­nünftigen Gedanken».

Er war daher herzlich froh, al» sie vor der Behausmig Faack's angelangt waren, und schied mit flüchtigem Gruße von dem Buchhalter, der sich nochmal» in Danke»bezeugungen für den ge­leisteten Dienst erschöpfte, um bald darauf eben­falls in fein stille» Heim einzutreten, da» er an diesem Abend nicht mehr verließ.

O, daß keine innere Stimme dem jungen Mann da» entsetzliche Unwetter verrieth, welche», bereit, feine zündenden Blitze niederzusenden, sich über seinem Haupte angesammelt hatte! —

, Ein aufmerksamer Beobachter hätte um Mittet-

Schlußrede Sr. Exeellenzdes Staats- Ministers a. D. Dr. Windthorst

auf der 32. Geueral-Versammlung der Katholiken Deutschlands zuMünster.

(Schluß.)

Auf die anderen Resolutionen gehe ich nicht ein, soweit sie die sozialen Fragen betreffen. Es werden Ihnen aber noch verschiedene Resolutionen vorge- schlagen werden, welche über das Verhältniß zu der Kirche fidr äußern, und da stehen in erster Linie diejenigen, welche den Protest wegen Be­raubung des hl. Stuhles erneuern (Bravo!) welche die Mißbilligung aussprechen über das Unrecht, welches der Propaganda angethan wird (Bravo!), und gegen alle Verletzungen, welche der hl. Stuhl und die Kirche von der italienische« Regierung zu dulden hat. Ich brauche hier nicht zu wiederholen, daß der hl. Stuhl so gestellt werden muß, daß er unabhängig ist von allen weltlichen Mächten (Bravo!) er muß frei und ungehindert feines Amtes walten können, denn er kommt nur zu oft in den Fall, gerade die weltlichen Mächte zur Ordnung zu rufen. (Bravo!) Darum kann das Verhältniß wie es heute ist, nun und nimmer bleiben (Bravo!), und die deutschen Katholiken sollen das wenigstens alle Jahr einmal sagen. (Bravo!) Man denkt leicht, wenn es einmal gesagt ist, dann ist es doch genug. Nein, m. H„ dann ist es gar nicht genug; e« gibt gewisse Leute, die furchtbar taub f - sind (Heiterkeit), und wenn es beinahe scheint, als ob sie es gehört hätten, haben sie es doch nicht gehört. Darum muß man denn immer von Neuern schreien, uno immer lauter. So machen es auch die Engländer. Wenn die Engländer im Parlament etwas vorhaben, so bringen sie ihre Anträge ein; sie bekommen zuerst nur wenige Stimmen und er­reichen kaum, daß der Antrag verlesen wird; sie wiederholen den Antrag; allmählich wächst die Sache, wie eine Lawine; und endlich haben sie den Antrag durch: so müssen wir'S auch machen. In Berlin thun wir'S auch so. (Heiterkeit.) Da bringen wir unsere Anträge wegen der kirchen- politischen Sachen immer wieder vor. (Bravo!) Und zwar immer auf dieselbe Weise, damit sie nicht glauben, wir hätten uns bedacht, es fei uns etwas Anderes eingefallen. Es kann uns aber nicht Anderes einfallen, wir müssen immer von Neuem dasselbe sagen, vielleicht mit einigen Zu-

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bevorstehenden Wahlen sind. (Bravo!)£ Es muß zunächst dafür gesorgt werden, daß die CentrumS- leute wiedergewählt werden, ober daß da, wo sie ausgeschieden sind ober auSscheiben müssen, andere an ihre Stelle kommen, die das Gleiche thun, waS wir gethan haben, (Bravo!) und in den Bezirken, wo wir unsere Candidaten nicht burchbriugen kön­nen, ba müssen wir uns ben Canbidaten der anberen Parteien aussuchen, welcher am meisten geneigt ist, uns gerecht zu werben. (Bravo!) Für uns ist unb bleibt die Hauptsache die kirchliche Freiheit (Bravo!) unb bie Erhaltung bet christ­lichen Schule. (Bravo!) Alles Anbere ist zwar nicht ohne Bebeutung für dieses Leben unb soll gewiß nicht unbeachtet bleiben; wie Sie denn ja gewiß daraus gesehen haben werden, daß ^hre Vertreter sich auf allen Gebieten an den Arbeiten auch betheiligt haben. (Bravo!) Aber wenn es sich um die Wahlen handelt, so steht Kirche und Schule absolut im Vordergrund und wir können keinem Candidaten unsere Stimme geben, der uns in der Hinsicht nicht die genügende Garantie gibt. (Bravo!) Wir haben in früherer Zeit, vielleicht mehr als jetzt, uns in der Sage befunden, von den anderen Parteien diejenigen zu bezeichnen, welche uns wohl am nächsten stehen. Wie sich neuerdings die Sache gestaltet hat, ist es gar nicht mehr möglich, dieses mit voller Sicher­heit nach den Parteigruppirungen zu thun. Wir müssen uns deshalb an bas einzelne Individuum halten und unter allen Umständen van dem Indi­viduum, welche» wir wählen sollen, Versprechungen fordern, die nöthig sind, damit wir in dieser kirch­lichen Frage gesichert sind. (Bravo!) Das aber kann ich Ihnen sagen: ein Nationalliberaler und Freieonservativer kann nie gewählt werden, denn die hörten auf zu existiren, wenn sie nicht mehr den Culturkampf hätten. (Heiterkeit.) Das in Beziehung auf die Wahlen, was ich Ihnen noch- wendig ans Herz legen muß. Gern würde ich noch über verschiedene andere Materien, die hier verhandelt worden sind, mich auslassen, aber dre Zeit drängt und ich muß zum Schluß kommen. Meinestheil» danke ich Ihnen für all das freund­liche Entgegenkommen und für die freundliche Aus- mertfamteit, bie Sie mir unoerbienter Weise gaben zu Theil werben lassen. Ich bitte Sie mir dieses Wohlwollen zu erhalten und dadurch zu betätigen, daß Sie bann unb wann auch im Gebete meiner

nacht Faack seine Behausung verlassen unb nach bem Wirthshause „Zum Pfannenstiel" eilen sehen können, aus welchem er halb in bet Begleitung Willcm'S wieder herauskam.

Die Beiden machten einen weiten Weg mit einander, bis sie endlich schweigend vor der nie- brigen Mauer stauben, welche an der Hinteren Seite ben Park Gunkelmann'S begrenzte.

Die beiden Genossen schwangen sich gewandt über die Mauer und waren im nächsten Moment in dem undurchdringlichen Dunkel der lichtlosen Nacht verschwunden, wie zwei Schatten.

8. Kapitel.

Sonnen Untergang.

Al» der Buchhalter am nächsten Morgen zu ungewöhnlich früher Stunde die Bureauräumlich- teilen betrat und durch dieselben, welche noch un- besetzt waren, hindurchschritt, fand et zu seiner Verwunderung im Privatkabinet schon den Han­delsherrn eifrig mit der Durchsicht bet bisher von Faack verwalteten Bücher beschäftigt.

Dieser biß sich unwillkürlich auf die Lippe. Wenn der Kaufherr sich derart mit der Durch- sicht beeilte, mußte er bald genug Aufschluß über ben wahren Charakter seine» Buchhalter» erhalten, indessen Faack fürchtete Nicht». In vier Tagen