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1885.

Donnerstag, den 10. September

J\£ 206.

Fuldaer

möchte mit ihm die Bitte hier aussprechen, daß wir doch unsere Gaben für den Bonifatius-Verein verdoppeln, und daß die, welche bisher noch gar nichts gegeben haben, anfangen, etwas zu geben. (Bravo!) Und da ich gern auch die Damen in Bewegung setze, wenn es sich darum handelt, etwas Gutes zu thun, so möchte ich an sie die Bitte richten, daß sie dann und wann Lotterien von ihren schönen Arbeiten einrichten; ich werde immer 10 Loose nehmen. (Heiterkeit.) Meine Herren, wir haben eine ganze Reihe anderer Vereine an uns vorübergehen sehen. Alle haben uns erfreut mit ihrem Wachsthum und ihrem nützlichen Wirken. Es würde zu weit führen, wenn ich jeden einzelnen Verein hervorheben wollte. Nur in Beziehung auf einen Verein möchte ich einige Worte an sie richten: das ist der Palästina-Verein. Ich kann selbstver­ständlich mit Ihnen Allen die Tendenz dieses Ver­eins nur in jeder Rücklicht billigen, und ich bin demselben mit Freuden beigetreten. Es ist aber vielfach der Gedanke entstanden, nun wäre der Verein vom hl. Grabe nicht mehr erforderlich, der brauche nicht mehr unterstützt zu werden. Das ist ein großer Jrrthum; und ich weiß, daß der verehrte Kardinal Melchers ein ganz besonderes Gewicht darauf legt, hervorgehoben zu sehen, daß der Verein vom hl. Grabe in keiner Weise un- nöthig geworden ist, und ich möchte deshalb bitten, daß die Mitglieder des Vereins und die Gläubigen überhaupt sich diesem Vereine nicht entzögen. Man kann beide Vereine recht gut unterstützen. Gebe der Mann für das Grab und die Frau für Palästina oder umgekehrt. (Heiterkeit.)

Dann muß ich auf Vereine noch übergehen, dre in der Bildung begriffen sind, das sind die von dem Herrn Wiese in seiner trefflichen Rede so warm empfohlenen Arbeitervereine.

M. H.! Derselbe Herr Wiese hat uns die Ge- sahren der Sozialdemokratie sehr klar und bestimmt gezeichnet; und der Herr v. Schorlemer hat in seiner ebenso vortrefflichen Rede uns die große Gefahr geschildert, welche, wenn wir die soziale Frage nicht selbst in die Hand nehmen, von der Sozialdemokratie droht. Die Mittel, dieselbe zu bekämpfen, sind verschieden, und keines derselben wollen wir vernachlässigen; aber die wirksamste B^ kämpfung würde liegen in der Bildung christlich katholischer Arbeitervereine. (Bravo!)

Auf der Versammlung in Amberg hat der höchst

Als Faack die Lektüre beendet, nickte er boshaft mit dem Kopf. ,, ,,

Ganz recht, mein Herr Gunkelmann, siusterte er dann vor sich hin, „der Brief mußte fort so rasch als möglich! Und das darauf Eintreffende, hahaha, gibt zum Abschied noch ein herrliches Sümmchen für mich." ,,

Damit verschloß er das erbrochene Schreiben von Neuem in einen Umschlag und schrieb mit fester Hand die vorige Adresse darauf. Man hätte schwören mögen, die Schriftzüge Gunkelmanns seien es, welche sich scharf von dem Papiere abhoben.

Als der Buchhalter dies beendet, schritt er einige Male langsam im Zimmer auf und ab. Auf sei­nem Gesichte prächte sich ein solch' teuflischer Aus­druck aus, daß selbst ein beherzter Mann beklommen hätte zurückweichen können.

„Für den Alten ist die Falle gestellt und er geht glücklich hinein," sagte Faack schadenfroh zu sich, „nun gilt es bei dem stolzen Fräulein Töch­terchen den Bräutigam noch unmöglich zu machen und meine Rache ist vollkommen!"

Und wieder versank er in tiefes Sinnen.

„Ha, ich habe es!" rief er plötzlich, heftig auf- springend. „So ist dec Bursche rettungslos ver- . loten!"

sind, auch in diesen Gegenden diesen unglücklichen Menschenkindern das Evangelium zu predigen, wo­für ihnen in jedem Augenblicke der Martyrertod droht. (Bravo!) Im empfehle Ihnen diese Mis­sion der Missionäre vom Herzen Jesu in jeder Richtung. Können wir sie unterstützen mit Geld, so sollen wir es thun; haben wir junge Leute, die denselben Weg gehen wollen — wir würden glück­lich sein, wenn solche zu finden wären; es darf nichts uns hindern, auf diesem Wege diesen Leu­ten zu folgen.

Und das führt mich weiter in Beziehung auf das Missionswesen. Wir wiffen Alle, daß das deutsche Reich zum ersten Male, seitdem die Hansa untergegangen, ernsthaft die Kolonisationsfrage in die Hand genommen hat; und alle Augenblicke werden wir überrascht mit irgend einer neuen Be­sitznahme oder Inschutznahme dieser oder jener In­seln. Man kann diese Kolonisationspläne an sich ja nur billigen, wenn sie so gemacht werden, daß sie Erfolg haben. Aber, meine Herren, sie würden keinen Erfolg haben, wenn wir nicht gleichzeitig mit unseren Kriegsschiffen und mit unseren Kauf­leuten auch die Missionäre senden (Bravo!), welche die Leute dort zum Christenthum bekehren und, wie wir natürlich wünschen, zur katholischen Kirche. Gerade die Nothwendigkeit, daß das gefchieht, läßt mich noch dringender wünschen, daß wir das Mis­sionswerk aus alle Weise schützen und, wenn wir in unserem eigenen Lande allerdings ein großes Maß von Bedürfniß haben, so ist doch der Um­stand, daß in diesem Augenblicke gerade die Kolo­nisation beginnt, für uns eine zwingende Nothwen­digkeit mehr, nicht zurückzubleiben; denn sonst wird das Feld, welches wir erobern können, von An­deren eingenommen, und das kann uns nicht an­genehm sein. In Essen habe ich die jungen Kauf­leute aufmerksam gemacht, was für Aufgaben die Kolonisation ihnen stellt; und ich denke, daß die jungen Männer das beherzigen werden, und daß wir demnächst auch von Katholiken größere Etablisse­ments in jenen Gegenden errichten sehen werden.

Dabei aber dürfen wir die Mission im eigenen Lande nicht vergeffen. Es ist uns von dem Vor­stande des Bonifatius-Vereins an dieser Stelle ein Bild entrollt worden von der Thätigkeit dieses Vereins, von den Bedürfniffen, die er hat, und ich wohne den Gegenden nahe genug, um zu wiffen, daß er wahrlich nicht übertrieben hat, und ich

Der junge Mensch stand unschlüssig, allein der Buch­halter ließ ihm das Schreiben rauh aus der Hand.

„Gehen Sie," befahl er, „ich will den Brief selbst befördern und Herrn Gunkelmann gegenüber Sie nöthigen Falls schon rechtfertigen."

Der Lehrling, welcher Faacks Allmacht im Ge­schäft oft genug zu seinem Leidwesen erfahren hatte, verbeugte sich stumm und ging.

Urban Faack warf einen scharfen Blick auf die Adreffe.

„Herrn Toms Claasen, Großkaufmann zu Stock­holm," las er, von des Kaufherrn männlich fester Hand niedergeschrieben.

Der Buchhalter murmelte verwundert vor sich hin: „Was soll das? Die Adreffe ist mir gänzlich unbekannt. Dahinter steckt etwas," fügte er be­unruhigend hinzu, indem er raschen Schrittes in sein Kabinet zurückkehrte.

Daselbst angekommen, schloß er die Thür von innen und öffnete rasch entschlossen das Kouveit.

Ein bogenlanger, eng beschriebener Brief, der Gunkelmanns Handschrift trug, fiel ihm entgegen.

Der Buchhalter nahm die einzelnen Blätter nach­einander und durchlas sie aufmerksam. Während des Lesens spielte ein höhnisches Lächeln sortwährend um seine Lippen.

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Schlußrede Sr. Exeellenz des Staats­ministers a. D. Dr. Windthorft

auf der 32. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands zuMünster.

(Fortsetzung.)

Ich hoffe und vertraue, daß das Münsterland fortfahren wird, der katholischen Welt auch ferner solche Männer zu erziehen, und das ganze Deutsch­land wird dankbar dafür sein. (Bravo!) M. H., wenn ich vorhin sagte, daß die gegenwärtige Ver­sammlung glänzender und bedeutender sei, als irgend eine vorher, so liegt das nicht allein an der Zahl derer, die erschienen sind; es liegt auch an der Qualität derer, die erschienen sind. Denn, m. H., mehr als je haben wir die Freude, aus der ganzen Welt die Repräsentanten der Katholiken bei uns zu sehen. Ich wenigstens habe keiner Ver­sammlung beigewohnt, wo so Viele aus fremdem Lande anwesend waren. Von dieser Stelle hat ein amerikanischer Bischof uns eine Schilderung der Zustände der Katholiken in Amerika gegeben, welche wohl in uns Allen die Sehnsucht erweckt hat, es möge bei uns den Katholiken so wohl sein, wie denen in Amerika. (Bravo!) Davon bin ich aber überzeugt, wenn wir dieselben Rechte und Freihei­ten hätten, welche die dort haben, dann würden wir mit ihnen doch wetteifern können. (Bravo!) Wenn wir es in demselben Maße jetzt nicht kön­nen, dann liegt es daran, daß wir noch an Hän­den und Füßen gebunden sind. Wir haben einen Missionär aus China, wir haben Missionäre au- Amerika gehabt; wir haben Missionäre hier gehabt, die leider nicht zum Wort gekommen sind, von den Inseln Australiens, wo fitzt die Deutschen ihre Kolonisation beginnen. Diese Männer — einer ist Franzose und der andere ein Deutscher vom Nie­derrhein — haben mich besucht und haben mir die Zustände in ihren Missionsbezirken geschildert; sie sind entsetzenerregend, und wer ein Jntereffe hat, zu erfahren, wie ein Mittagsmahl von Menschen­fleisch aussieht, der mag sich an diese Herren wen­den. Es ist eine tiefe Demüthigung des stolzen Menschen, wenn er bei solcher Schilderung sich ver­gegenwärtigen muß, daß er in der That weit unter dem Thiere steht, wenn er ohne Religion und ohne Christenthum ist. (Bravo!) Und es ist ein großes Werk von diesen Männern, daß sie sich den Gefahren aussetzen, welche damit verbunden

# D. B. Gunkelmann & Cie.

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Wie es oft geht, war der Zufall ihm auch hierin günstig.

Als Faack sich am Abend aus dem Geschäft ent­fernen wollte, den Handelshern hatte er nicht mehr zu Gesicht bekommen, begegnete ihm im Treppen- Haus der jüngste Lehrling des Geschäfts, welcher eben von der Privatwohnung des Prinzipals herun- terkam.

War es sonst schon Faacks Gewohnheit, sich um alles zu kümmern, so ließ er sich jetzt nicht das Geringste entgehen.

„Woher kommen Sie?" fragte der gefürchtete Buchhalter den scheu grüßenden, jungen Mann.

„Herr Gunkelmann hat mir diesen Brief zur Besorgung auf die Post gegeben," antwortete der Gefragte.

„Zeigen Sie," befahl Faack.

Dec junge Mann zögerte.

„Herr Gunkelmann hat mir geboten," stammelte er verwirrt, „den Bries in Niemandes Hände zu geben."

Faack lächelte malitiös.

„Mich hat er doch wohl ausgenommen, ver­ehrter Herr?" bemerkte er hämisch. „Geben Sie mir den Brief!"