j\ß Z04. Dienstag den 8. September
1885.
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XXXII. General-Bersammlung der Katholiken Deutschlands.
* Münster i. Wests., 4. Sept.
Ein Festmahl auf dem großen Rathhaussaale, an welchem über 450 Personen Theil nahmen, schloß in glänzender Weise den gemüthlichen Theil der 32. General - Versammlung: Während des ganzen Mahles, welches gestern von 2>/z bis 6 Uhr sich hinzog, herrschte die animirteste Stimmung, Speisen und Getränke waren gut und die treffliche Kapelle des 13. Jnfanterie-Regiments hatte in ihrem Programm die köstlichsten Perlen der Tonkunst. Den ersten Toast brachte der Präsident der 32. General-Versammlung, Herr Abg. Dr. Lieber, aus auf jene erhabene Person, deren immer, wo Katholiken zusammen sind, in tiefster Verehrung gedacht • wird, auf Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. In kurzen, aber von hoher Begeisterung getragenen Worten schilderte der Präsident das Wirken des Oberhauptes der katholischen Kirche und schloß mit einem dreimaligen Hoch, in welches die Versammlung mit überwältigendem Jubel einstimmte. Der zweite Toast, ausgebracht von dem Herrn Abgeordneten Frhrn. v. Huene, galt unserem Kaiser Wilhelm, indem Redner anknüpfte an die unvergeßlichen Worte des Monarchen: „Es muß dem Volk die Religion erhalten bleiben." Den dritten Trinkspruch brachte Fürst Löwenstein auf den so einmüthig zusammen stehenden opfermuthigen deutschen Episkopat aus — es ging ein Sturm der Begeisterung durch den Saal, als der Fürst das Hoch ausbrachte. Dann trank Herr Dr. Freiherr v. Heereman auf den Präsidenten der 32. General-Versammlung — der nicht enden wollende Beifall, mit welchem der Toast ausgenommen wurde, bewies, in wie hohem Maße Herr Dr. Lieber durch seine umsichtige und energische Leitung der Verhandlungen sich den Dank der Versammlung erworben. Der 2. Vicepräsident, Herr Kaufmann Walther aus Erfurt erhob sich für den Commisiar der 32. General- Versammlung, Fürsten Löwenstein, und für die Mitglieder des Local-Comitss. Herr Bisthums- verweser Domkapitular Dr. Moufang aus Mainz brachte in begeisterten Worten ein Hoch aus aus die gastliche Stadt Münster und Herr Bürger- meister Boele aus Münster ließ nach einer trefflichen Rede die fremden Gäste leben. Hiermit
schloß die Reihe der offiziellen Toaste, welchen eine lange Reihe anderer folgte. Excellenz Dr. Windthorst toastirte in seiner unübertrefflich launigen Weise auf die Frauen Münsters. Er behauptete unter dem Jubel aller Anwesenden, daß die Frauen die Welt regierten und daß Münster so Großes nicht hätte leisten können, wenn nicht die Frauenwelt Münsters so thatkräftig gearbeitet hätte. Herr Dekan Helmberger aus Amberg brachte Grüße aus Amberg und ließ seine Excellenz leben, ein holländischer Geistlicher toastirte aus die Gemeinschaft der katholischen Holländer und Deutschen. Herr Frhr. von Heereman auf das katholische Holland u. s. w. Toast folgte auf Toast und immer höher gingen die Wogen ge- müthlichster Stimmung. In diesem Augenblicke wurde ein von Redakteur Keiter aus Münster verfaßtes Festlied vertheilt und nach der Melodie „Prinz Eugenius" gemeinschaftlich gesungen.
Das Andenken an diese letzte Nummer im Programm der 32. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Münster i. W., an das Festmahl wird Allen, die daran Theil genommen, unvergeßlich bleiben. Wie der ganze Verlauf dec Versammlung sich glänzender gestaltete, als es bei irgend einer vorhergehenden der Fall gewesen, so war auch das Festmahl auf dem Rathhaussaale wohl das glänzendste, das je bei ähnlicher Veranlaffung gefeiert ward. Im nächsten Jahre wird die Versammlung in Breslau abgehalten werden — aber wird die Hauptstadt der Provinz Schlesien dasselbe leisten können, wie das sechsmal kleinere Münster? Münster hat allen Städten, welche nach ihm die Ehre einer Generalversamm- lung haben werden, das Wetteifern herzlich schwer gemacht.
# D. B. Grrnkelmann & Cie.
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Der Handelsherr erhob langsam sein sorgenvolles Antlitz.
„Lieber Faack," versetzte er gepreßt, „die Bot- schäft, welche ich Ihnen zu verkünden habe, ist kerne erfreuliche für Sie. Seien Sie versichert, wenn die Entscheidung nur bei mir läge —"
„Ich bitte, vollenden Sie, Herr Gunkelmann," sagte der Buchhalter eisig.
„Meine Tochter weigert sich aus — aus bestimmten Gründen, Ihre Werbung anzunehmen, lieber Faack."
Das Gesicht des Buchhalters veränderte sich mcht um eine Schattirung.
„Und diese Weigerung des Fräuleins ist un- widerruflich?"
„Ich fürchte, lieber Faack, daß es so ist," gab der Kaufherr gepreßten Tones zur Antwort. „Viel- leicht, daß die Zeit —"
„Mir die Erlaubniß gibt, Rosen zu pflücken, Herr Gunkelmann?" unterbrach Faack ihn ironisch. „Herr Prinzipal, ich denke, wir wiffen nun Beide, woran wir sind. Junge Mädchen können die Neigung wechseln, in der Abneigung indessen pflegen
Schlußrede Sr. Excellenz des Staatsministers a. D. Dr. Windthorst auf der 32. General-Versammlung der
Katholik en Deutschlands zu Münster.
Hochwürdigste Herren Bischöfe! Hochansehnliche Versammlung! Die 32. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands nähert sich ihrem Schluffe und es ist mir die Aufgabe zugefallen, vor dem Eintritt des Schluffes in einem kurzen Rückblicke auf den Verlauf derselben die wesentlichsten in den Verhandlungen vorgekommenen Ge-
sie standhaft zu verharren. Es weiß nun ein Jeder von uns, woran er ist. Ich wünsche wohl zu speisen, Herr Gunkelmann."
Damit warf der Buchhalter sein Paletot über den Arm und machte Anstalten, das Gemach zu verlaffen.
Gunkelmann blickte auf und wurde ajchfarbrg vor innerer Erregung.
„Faack," sagte er mit heiserer Stimme nach einigen vergeblichen Versuchen, zu reden, „was haben Sie in Betreff des Geldes beschlossen, mit welchem Sie mich versprochenermaßen aus meiner Verlegenheit retten wollten?"
Faack blickte seinen Prinzipal mit beleidigtem Staunen an.
„Sie werden begreifen, Herr Gunkelmann/ sagte er dann achselzuckend, „daß ich meine sauerersparten Nothpfennige nicht dem unersättlichen Schlund anvertrauen kann, welcher bereits Millionen verschlungen hat. Ich kann mich nicht mit Ihnen zum Bettler machen!"
„Ist das Ihr letztes Wort?" fragte Gunkelmann mit tiefem Schmerz in der Stimme den vor ihm Stehenden.
„Noch nicht, Herr Gunkelmann," versetzte der Buchhalter. „Sie werden einsehen, daß nach der
sichtspunkte herauszuheben und den Dank abzustatten Allen, welchen wir solchen schulden, den Theilnehmern an dieser Feier, und denen, welche sie so sehr befördert haben. Ich bekenne, daß, wenn ich diese beiden letzten Reden damals gekannt hätte, als ich den Auftrag annahm, ich geglaubt haben würde, anheimgeben zu muffen, ob nicht von diesem Rückblicke abzusehen sei, und es sich nicht empfehle, an der Erwärmung und an der Erquickung, welche uns diese Reden gegeben haben, uns genügen zu lassen. Denn, meine Herren, ich muß Ihnen sagen, daß ich tief ergriffen bin von den vortrefflichen Worten, welche der Erbkämmerer Graf Galen hier gesprochen hat, und daß seine Rede mich erinnert hat an einen Moment unserer parlamentarischen Geschichte, wo derselbe Graf zum ersten Male die Grundsätze der Centrumsfraktion in Beziehung auf die sozialen Fragen entwickelte. Meine Herren, damals waren wir, seine Freunde, begeistert, wie wir es heute von seiner Rede sind; unsere Gegner verhöhnten uns. Heute ist das Programm, welches der Herr Graf damals in unserem Auftrage entwickelte, das Programm der Regierung geworden (Bravo!), und wo die Regierung anfängt zu zaudern, treiben wir fort und entwickeln es weiter. (Bravo!)
Heute, meine Herren, hat uns der Herr Graf an der Hand der Encyklika über den Rosenkranz in die tiefsten Mysterien unserer hl. Religion geführt. Wir sind wieder tief ergriffen und sind Alle viel mehr geneigt, den Rosenkranz zu beten, als in diesem Augenblick noch weiter in die praktischen Verhältniffe des Lebens einzugehen. Aber unsere Gegner werden diese Rede nicht also aufnehmen; auch dieses Mal wird dem Herrn Grafen und uns der Hohn nicht erspart bleiben. Denn diese Sprache des christlichen Geistes, diese Sprache des Gewiffens ist nicht recht angenehm den Ohren, die an weltliche Dinge gewöhnt sind, — und die weltlichen Dinge beherrschen heute die Welt. Ich meine aber, daß wir getrost diesen Hohn erwarten können, und daß wir mit Sicherheit voraussagen dürfen: in einigen Jahren wird das, was hier von dem Herrn Grafen entwickelt worden ist, das Programm, wenn zwar nicht der Regierungen, doch der größten Mehrzahl der Christenheit sein. (Bravo!) — Ich schließe die Regierungen nicht aus; es steht ihnen der Beitritt vollkommen zu. (Heiterkeit.) Aber die Mahnungen, welche ich an dieselben unmotivirten Weigerung Ihrer Fräulein Tochter meines Verbleibens in diesem Hause nicht länger sein kann. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mich bis zum ersten kommenden Monats meiner bisherigen Stellung entheben würden."
Der Kaufherr schlug beide Hände vor das Antlitz und brach in ein tiefschmerzliches Stöhnen aus.
Ein herber Seelenkampf spiegelte sich auf seinen Zügen.
„Faack," rief er endlich mit brechender Stimme, „Sie sind mir stet« theurer als wie mein Bruder gewesen! Ich habe Ihnen alles gegeben, was ich selbst hatte, habe Sie erhoben zu einer Stellung, die selbst einen anspruchsvollen Menschen vollauf genügen würde, habe Sie mir gleichgestellt in jeder Beziehung und war Ihnen aufrichtig und treu zugethan. Wollen, können Sie nur so an mir handeln, wo Sie wiffen, daß ich ohne Ihre Hülfe verloren bin?"
Selbst der hartgesottene Bösewicht, der vor dem gebeugten, sonst so stolzen Mann stand, konnte sich nicht, wie er es wohl gewünscht hätte, aller menschlichen Regungen enthalten.
Indessen der Gedanke an die ihm widerfahrene Niederlage verbannte schnell alle weicheren Gefühle aus seinem Herzen.