J\1 203.
Montag, den 7. September
Fuldaer
1885.
— mit der
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XXXII. General-Bersammlung der Katholiken Deutschlands.
* Münster i. Wests., 2. Sept.
Im weiteren Verlaufe der 3. öffentlichen General-Versammlung spricht Hr. Abg. Schornsteinfegermeister M e tz n e r (Neustadt O.-S.) über das Wirken der Kirche auf sozialem Gebiete. Die Sozialpolitik der Kirche besteht darin, einerseits die Anhäufung des Besitzes in wenigen Händen, andererseits das Herabsinken ganzer Klassen und Völker in das tiefste Elend zu verhindern. Die Erfolge dieser Wirthschafts-Politik der Kirche und die Erfolge des liberalen Wirthschafts-Prinzips zeigt ein Vergleich des sozialen Zustandes Deutschlands, am Ende des Mittelalters und dem der Jetztzeit. Dem Gewerbe kann jetzt nur aufhelfen Ordnung, Freiheit und Zwang. Nur durch einträchtiges Zusam- »Mengehen von Staat und Kirche wird eine Lösung der sozialen Probleme möglich sein. Wenn der Partei, welche sich unentwegt der Handwerker und Arbeiter angenommen hat, der Sieg gesichert ist, dann wird auch diesem Stande geholfen sein.
Fabrikbesitzer Wiese aus Verden a. Rh. spricht im Auftrage des Verbandes Arbeiterwohl. Auf der 26. Generalversammlung thaten sich eine Anzahl katholischer Industrieller zusammen und redigirten das Statut des Arbeiterwohl. Die Arbeit der Jugend und verheiratheter Frauen muß allmählich abgeschafft werden; ebenso eine Reihe anderer Mißstände., We Früchte des Wirk-ns des Arbeiterwohl sind bereits zahlreich zu verzeichnen. Nicht die geringste ist die Musteranstalt unseres Brandts in München-Gladbach. Dann sind die Publikationen des Vereins, namentlich „Das häusliche Glück", schon jede eine soziale That. Der Verein ist zu einem ungeahnten Ansehen gelangt auch bei Regierung und Ministerium. Doch die sozialen Mißstände müffen noch mehr erkannt und die Mittel zur Abhilfe noch mehr bekannt werden. Wir wollen den Mißständen nicht bloß in der Industrie, sondern auf dem ganzen sozialen Gebiete abhelfen. Zunächst handelt es sich um Ausfüllung der gesellschaftlichen Kluft. Wir haben einen Kreuzzug zu unternehmen gegen die Sozialdemokratie für das Christenthum. Dann müffen wir Vereine gründen und besondere Arbeitervereine, welche unser hl. Vater empfohlen hat. Haben wir nicht innerhalb 10 Jahren an jedem Orte einen katholi
schen Arbeiterverein, so wird der Arbeiter einem antikatholischen Vereine angehören. Redner wendet sich besonders an den Klerus und an die Lehrerschaft; sie mögen alle helfen, den katholischen Arbeiterstand brav und christlich zu erhalten, denn vom Arbeiterstand hängt zum großen Theil unsere Zukunft ab. Reicher Beifall wurde dem herrlichen Vortrage.
Päpstlicher ArchivarDr. Franz Hergenröther aus Rom zeichnet ein trauriges Bild von der gegenwärtigen Lage Italiens und des hl. apostolischen Stuhles. Die Katholiken Deutschlands haben nie aufgehört, gegen die Vergewaltigung zu protestiren. Was nützen diese Proteste? fragt man uns. Nie werden wir dieses Sakrilegium anerkennen und die Gefährdung der Freiheit der Kirche zugeben! Das Oberhaupt der Kirche kann nicht nachgeben und die Stimmen, die zu Nachgiebigkeit mahnen, kommen alle aus einem Lager, wo kein Verständniß für die katholische Kirche herrscht. Zur Wahrung der Selbstständigkeit hatte die Vorsehung dem Papst ein Land gegeben. Diese Selbstständigkeit ist von unermeßlichem Segen gewesen für Völker und Staaten. Die Souveränetät des Papstes, auf die besten Rechtstitel gegründet, ward stets wiederhergestellt, weil das Bedürfniß nicht zu ersticken war. So hoffen auch wir, daß jetzt die weltliche Macht nicht dauernd gestürzt ist durch Savoyen und die revolutionären Geheimbüude. Nie können wir gegen die römische Frage gleichgiltig sein, auch nicht unsere Gegner Durch die Bresche an .d^r PortZPia wird die die Throne stillende Revolution ihren Einzug halten, nachdem der Thron des Papstes gestürzt ist. Was ist aus Italien seit 15 Jahren geworden? Um einig zu werden, hat Italien so viel Kirchengut verschlungen als möglich war. Aber es ist einig geworden um den Preis des Elendes. Nicht die katholischen, sondern vor allem die liberalen Blätter sind einig in den schaurigsten Klagen über die schreckliche Nothlage Italiens auf allen Gebieten. Redner erinnert an die letzten Gewalt- thaten der italienischen Regierung. Mit diesem Italien kann der hl. Vater sich nicht versöhnen, so wenig als Licht und Finsterniß, als Christus und Belial sich versöhnen können. Der kirchliche Geist spricht sich aus durch eine recht innige Liebe zum hl. Vater, darum ist es für uns Katholiken unerträglich, den hl. Vater der Gnade und Ungnade einer solchen Negierung ausgeliefert zu sehen. Un
sere Proteste sind keine Lufthiebe; wenn wir auch im Augenblick nichts erreichen, wer weiß, ob nicht in Folge unserer unausgesetzten Proteste in nächster Zeit eine Wendung eintritt. Und wenn auch eine solche nicht eintritt, so sind unsere Proteste eine sittliche That gegenüber dem charakterlosen, lügenhaften Liberalismus, sie sind ein Gebet für den hl. Vater.
Mit einigen geschäftlichen Mittheilungen schließt der Präsident die Sitzung um 5 Uhr 15 Minuten.
* Münster, 3. September.
In der letzten geschlossenen Versammlung, welche um 81/« Uhr begann, referirte Domkapitular Dr. Haffner aus Mainz Namens des Ausschusses für Presse und Wissenschaften und besprach zunächst den Antrag des Fürsten Löwenstein, 500 reps. 1500 Mark auszusetzen für die Schriftsteller, die den Beschlüffen der Generalversammlung in der Press, ine weitere Verbreitung sichern und und i; j.5 :: auch über die Dauer der Versammlung hinaus öffentlich vertreten. Zu dem Behufs solle in Münster eine ständige Preßkommission eingesetzt werden, das Honorar von 1500 Mark soll aus den Ueberschüfsen der jedesmaligen Generalversammlung bestritten werden. Der Abg. Dr. Windthost bekämpfte den Antrag, welcher den Charakter der Generalversammlung als einer wandernden durch Einrichtung einer ständigen Preß- kommission alterire. Dann würde es aber auch nicht leicht fein, die Beschlüsse der Generalversammlung pubizistisch zu vertreten, die Beschlüsse seien zu wenig vorbereitet und durchgearbeitet. 1500 Mark würden außerdem nicht genügen. Man solle vielmehr, wie bisher, die Ueberschüffe der Generalversammlung dem Bonifatiusverein zuwenden, deffen Bedürfnisse sehr bedeutend seien. Für 500 Mark könne man in Braunschweig einen zweiten kathol. Lehrer anstellen. Der Antrag des Fürsten Löwenstein wird abgelehnt.
Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Die Gründung von Wochenblättern in der Diaspora ist empfehlenswerth, sowie die Errichtung einer Centralstelle, welche Erstere mit Berichtigungen der Verdrehungen der kirchenfeindlichen Lokal- preffe versieht. 2) Der Beitritt zur Görres-Gesell- schäft wird empfohlen, desgleichen 3) die Gründung eines katholischen Telegraphen-Bureaus. 4) Der prinzipielle Kampf um die Schule ist mit erneuter
# D. V. Gunkelmann & Cie.
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7. Kapitel.
Neue Jntriguen.
Es läßt sich denken, daß Gunkelmann sich nicht in der rosigsten Stimmung befand, als er am anderen Morgen die Bureaus betrat und Faack, der ihn forschend betrachtete, bereits vor seinem Schreibtische sitzend fand.
Der stolze Handelsherr hatte eine schlaflose Nacht verbracht.
Ec wußte selbst nicht, woher es kam, aber die eindringliche Warnung Irmgards wollte ihm nicht aus dem Sinn. Unwillkürlich mußte er beim Eintreten den Buchhalter mißtrauisch betrachten. Faacks Gesicht kam ihm mit einem Male nicht mehr so vertrauenerweckend und offen vor.
Mit kurzem Gruß schr.tt der Kaufherr auf den Bücherschrank zu -Md begann, nachdem er deffen eiserne Thür geöffnet, in den daselbst aufgestellten Bücherreihen umherzusuchen.
Faack sah seinen Gebühren eine Weile beunruhigt zu.
War ihm der Handelsherr schon beim Eintreten verändert vorgekommen, so schlug ihm sein böses
Gewiffen um so heftiger, als er Gunkelmann mit den aufgestellten Hauptbüchern beschäftigt sah.
„Suchen Sie etwas, Herr Gunkelmann?" fragte er mit möglichst unbefangener Stimme, gegen feinen Principal gewandt.
„Ja," versetzte der Handelsherr, ohne sich stören zu lasten, „ich suche ben,. ersten Band der Hauptbücher, seitdem Sie in meinem Geschäfte sind, Faack."
Der Buchhalter entfärbte sich unwillkürlich. Er bedurfte einiger Zeit zur Sammlung.
„Zu welchem Zwecke, wenn ich bitten darf?" fragte er, indem er seiner Stimme einen festen Klang zu geben versuchte, was indessen seine Unruhe nicht ganz verbergen konnte.
„Ich will mich selbst überzeugen," entgegnete Gunkelmann, der unterdessen den richtigen Band gefunden und ihn aus der Reihe hervorgezogen hatte.
Damit wollte er den Schrank wieder schließen und sich an feinen Schreibtisch am Fenster des Zimmers begeben.
Faack aber eilte mit raschen Schritten auf ihn zu.
„Das werden Sie nicht thun," rüf er in einem Tone, der vergebens gekränkt erscheinen sollte, denn die Unruhe klang zu deutlich aus ihm hervor, „das werden Sie nicht thun, Herr Gunkelmann. Es
wäre die größte Beleidigung, welche Sie mir zu- fügen könnten!"
Damit legte der Buchhalter wie beschwörend seine Hand auf das Buch, welches der Handelsherr unter dem Arme hielt.
Gunkelmann sah seinen Untergebenen mit vornehmer Ruhe an.
Die Unruhe in der Stimme des Buchhalters war seinem Ohre nicht entgangen und er fühlte die leisen Zweifel von vorhin verdoppelt in sich auf steigen.
„Was fällt Ihnen ein?" sagte er deßhalb schärfer, als er wohl beabsichtigte. „Es ist doch meine Pflicht als Kaufmann, Einsicht von den Büchern zu nehmen, besonders wenn eine so schwere Krisis eingetreten ist, rote Sie mir dieselbe gestern angekündigt haben?"
„So glauben Sie dem Worte des Freundes nicht mehr?" tief Faack im Tone gekränkten Ehrgefühls; aber Gunkelmanil kam es vor, als entdecke er in dem Tone, welchen der Buchhalter anschlug, etwas Unnatürliches, Gemachtes.
„Daß ich Ihnen nie mißtraut habe, geht daraus hervor," versetzte er ausweichend, „daß Sie einen Platz in meinem Geschäfte einnehmen, wie er wohl in der Handelswelt nur selten gefunden werden dürfte."