1885.
Fuldaer
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XXXII. General-Bersammlung der Katholiken Deutschlands.
* Münster i. Wests., 2. Sept.
Gestern Vormittag um IO1/» Uhr.wurde die Zweite geschlossene General-Versamm- lung in der Rotunde der Festhalle eröffnet. Auch die ausgedehnten Räume der Festhalle füllten sich lange vor der Eröffnung in allen ihren Theilen; weit gegen 2000 Mitglieder der 32. General-Versammlung hatten sich eingefunden, die den Eintritt des vom Freiherrn von und zu Franckenstein geführten Staatsministers Dr. Windthorst Exc. wiederum mit einem dreifachen Hoch begrüßten. Eine Reihe von Antwortschreiben hochwürdigster Kirchenfürsten sind bisher eingelaufen, und zwar von Sr. Eminenz dem Kardinal Paulus Melchers, von dem Kardinal Hergenröther und dem Kardinal Franzelin; von den Erzbischöfen, Bischöfen und Weihbischöfen von Köln, Paderborn, Osnabrück, Hildesheim, Trier, Fulda, Limburg, Breslau, Culm, München, Bamberg, Eichstätt, Speyer, Würzburg, Augsburg, Regensburg, Passau, Rottenburg, vom apostolischen Vikar des Königreichs Sachsen, vom Administrator der Diözese Straßburg, ferner von zahlreichen Kirchenfürsten Oesterreichs und der Schweiz. Schriftführer Abg. Jmwalle verliest darauf die bisher eingegangenen Begrüßungs-Telegramme von dem hochw. Bischof Joseph Johann von Königgrätz, von Baron Bodmann vom vorbereitenden Comilö der 9. schlesischen Katholiken-Ver- sammlung, vom 0. Kongresse der katholischen Kongregationen und kaufmännischen Vereine in Essen, von dem katholischen Männerverein Konstantia in Karlsruhe, von den katholischen Einwohnern Mayens, von dem katholischen Kasino auf der Landstraße und vom katholischen Handelskasino in Wien, vom Handwerker- Verein zu Neustadt OS., von Katholiken in St. Louis und Brooklyn (Amerika). Die sämmtlichen telegraphischen Grüße werden von der Versammlung mit Beifall ausgenommen; mit besonderem Beifall indeß die Verlesung der vom Schweizerischen Piusverein an die 32. General-Versammlung gerichteten Adresse, welche die Versammlung ihrer Bedeutung entsprechend zu beantworten ihren Vorstand ermächtigt. Die Versammlung tritt hierauf in die Tagesordnung ein: Entgegennahme der Berichte der Ausschüsse.
# D. B. Grrrrkelmarrn & Cie.
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„Und ich habe die feste Ueberzeugung, daß kein Anderer als Dein sauberer Herr Hilker die Kasse gebrandschatzt haben kann! Oder will meine Tochter, um ihren Herzliebsten rein zu waschen, gar am Ende noch ihren Vater selbst der begangenen Diebstähle an der eigenen Kasse beschuldigen? Unter den obwaltenden Umständen," fuhr er, Irmgard scharf beobachtend, fort, „kann ich wohl wenig Hoffnung hegen, daß die Werbung meines Freundes um die Hand meiner Tochter von dieser angenommen wird, selbst wenn ich die Werbung voll und ganz mit meinem Einflüsse unterstütze."
„Ich bitte Dich herzlich, Vater," antwortete Irmgard leise aber bestimmt, „sprich nicht mehr von diesem mich beleidigenden Anträge."
„Du willst ihn also unter keinen Umständen annehmen ?" fragte der Kaufherr mit halber Drohung in der Stimme.
„Nein, Vater," entgegnete das junge Mädchen in energischem Tone, „eher ging ich geraden Weges in den sicheren Tod, so wahr, al» ich lebe, al» daß ich die Gattin diese» mir in der Seele verhaßten Mannes würde!"
Namens des Ausschusses für Missionen referirt über die daselbst stattgehabten Verhandlungen der Vorsitzende Freiherr v. Huene. Der Ausschuß schlägt vor, die beiden vorliegenden Anträge, welche die Empfehlung des Palästina-Vereins der Katholiken Deutschlands und des Vereins vom heiligen Grabe bezwecken, in einen einzigen zusammen zu ziehen, um die Empfehlung seitens der General- Versammlung zu einer einheitlichen und gleichmäßigen zu gestalten; im Uebrigen wird auf die gestrige Rede des Herrn Stadtpfarrer Huhn Bezug genommen, die eine weitere Befürwortung wohl überflüssig mache. Der Vorschlag des Ausschusses wird von dem Urheber der beiden Uranträge, Herrn Landrath a. D. Janssen, empfohlen und von der Versammlung einstimmig angenommen. Ein fernerer Antrag des General-Vorstandes des Bonifatius-Vereins, der den Katholiken Deutschlands auch in diesem Jahre die Unterstützung des Vereins durch Gebet und Almosen, insbesondere durch Zuwendung von Leibrenten-Schenkungen und Legaten und durch Beförderung der für die Gründung der Communicanten-Anstalten und Waisenhäusern gebildeten Sammelvereine empfiehlt, wird durch den Ausschuß warm befürwortet; desgleichen vom Propst Racke (Paderborn), der auf die großen Erfolge der anderen Zwecken dienenden Sammel- Vereine in Deutschland hinweist.
Staatsminister a. D. Dr. Windthorst: Der Wunsch des Vorredners ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nicht so leicht zu erfüllen; der Kinder, welcher wir in dieser Weife zu Hülfe kommen wollen, gibt es recht viele, und wir werden sehr erhebliche Mittel nöthig haben, wenn den Kindern der Unterricht und das dazu nöthige Asyl verschafft werden soll. E» ist darum in jeder Weife kräftig und immer kräftiger dahin zu wirken, daß die Geldmittel für die Gründung dieser Anstalten zusammengebracht werden. Wir haben in Hannover, in Braunschweig, in Schleswig-Holstein, in allen nordischen Missionen schon viel an Terrain verloren.
liebet die Anträge der Pfarrer Plagge in Kiel und Rother in Schwerin auf Empfehlung der dortigen Missionen und neuer Kirchenbauten in Kiel und Schwerin wird nach dem Vorschlag des Referenten zur Tagesordnung übergegangen, der Antrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Lingens auf nochmalige Wiederholung der dringen-
„Nun wohl," rief Gunkelmann in so eigenthüm- lich verändertem Tone, daß Mutter und Tochter ihn erschreckt anblickten, „dann muß ich Euch verkünden, was ich Euch gern verschwiegen hätte. Doch Ihr -zwingt mich zum Sprechen. Sei es denn! Wenn Irmgard uns nicht rettet, so ist das stolze Haus Gunkelmann bankerott und ruinirt!"
Mit tonloser Stimme begann der stolze Handelsherr, der mit namenlosem Erschrecken zuhörenden Angehörigen mitzutheilen, was Faack ihm diesen Morgen über seine Vermögensverhältnisse mitge- theilt hatte.
Als der Kaufherr geendet, herrschte ein minutenlanges, tiefernstes Schweigen in dem prunkvollen Gemache.
„Es hängt von Jrmgard'S Entschlüsse ab, ob sie uns dazu machen will," sagte der Kaufherr mit nachdrücklicher Betonung. „In den Händen unserer Tochter liegt gegenwärtig unsere ganze Zukunft."
Man sah es den zuckenden Lippen des jungen Mädchens an, welch' einen heißen, inneren Kampf sie mit sich durchkämpfte.
„Nein, Vater, nein I" rief Irmgard endlich mit dem Ausdrücke wilder Verzweiflung. „Lieber den Tod, den tausendfachsten, qualvollsten Tod, als
den Empfehlung des St. Josephs-Vereins unter gleichzeitigem Ausdruck des Dankes für die Wohl« thäter einstimmig angenommen.
Nachdem der Schriftführer Abgeordneter Dr. Porsch vom Eingänge weiterer Begrüßungs-Telegramme von 800 Bergleuten des kathol. Knapp« fchafts-Vereins zu Bochum und vom katholischen Kasino in Leipzig der Versammlung Kenntniß gegeben, wird in der Tagesordnung fortgefahren.
Der Antrag des Kaplans Hüls (Münster) auf Empfehlung der deutschen katholischen Gemeinde in Konstantinopel ist nach dem Ergebniß der Verhanv- lungen in der Sektion vom Antragsteller zurückgezogen worden.
Von d.-m Herrn Pfarrer Jansen (Frielingsdorf) sind zwei Anträge eingebracht, deren erster, auf die Empfehlung der Propaganda unter Namhaftmachung der Annahmestellen für Schenkungen gerichteter, nach dem Vorschlag der Sektion abgelehnt wird, während der zweite, der die Empfehlung des Franziskus-Xaverius-Vereins und des Vereins der hl. Kindheit Jesu bezweckt, zur An- nähme gelangt. Desgleichen wird der Antrag, die Mission der ersten deutschen Mission in China zu Süd-Schantong ganz besonders zu empfehlen, nach warmer Empfehlung durch den Antragsteller, Provikar Anzer, einstimmig genehmigt, ebenso der Antrag des Superior Charles Piperon auf Empfehlung der Unterstützung der katholischen Mission in den neuen deutschen Kolonien, den in Vertretung des Antragstellers Pfarrer A m r h e i n, Direk- tor des Missionshauses zu Reichenbach in Baiern, befürwortet. Der Antrag des Priesters Mehl er, die Aufmerksamkeit der Versammlung auf das providentielle Wirken des Dom Bosco in Turin zu lenken, wird der Sektion für Charitas überwiese^,, womit das bisher vorliegende Pensum des Missions-Ausschusses erledigt ist. Um 12l/2 Uhr werden die Verhandlungen vertagt.
Ueber die gestern Abend stattgehabte zweite öffentliche Generalversammlung wurde bereits in der letzten Nummer d. Bl. Bericht erstattet, weß- halb wir sofort zu den Verhandlungen der dritten geschlossenen Generalversammlung übergehen, welche heute Morgen IO1/* Uhr in der Festhalle eröffnet wurde. Dieselbe beschäftigte sich mit Arbeiten der Ausschüsse für Charitas, Sozialfragen, christliche Kunst, Vereinswesen, Aeußeres,
dieses Höllenleben an der Seite eines Mannes, den ich nicht nur nicht lieben kann, sondern den ich gradezu verachten muß! Verlange von mir, was Du willst, Vater, ich will Dir alles zum Opfer bringen, aber muthe mir dieses einzige Schreckliche, Unerfüllbare nicht zu!"
„So sind wir verloren!" sprach der Handelsherr mit dumpfer Stimme. „Wenn Du Dich nicht Deiner Mutter und meiner erbarmst, ist unser Ruin beschlossen! Der einzige Weg, uns zu retten, ist Dein Jawort aus Urban Faacks Werbung!"
„Dieses Wort kann ich niemals geben, Vater!" rief Irmgard.
„So gehe das Verhängniß seinen Lauf!" murmelte der Handelsherr dumpfen Tones.
„Wer sagt Dir, Vater," hob Irmgard flammenden Blickes mit fliegendem Athem an, „daß überhaupt schon ein Verhängniß über uns herein- gebrochen ist?" Ich glaube nicht daran, daß ohne Dein Wissen das fast unübersehbare Vermögen unseres Hauses verloren gegangen fein kann I"
„Und doch ist es so, wie ich sage!" war die Entgegnung de» Vater».
„Du sagst," fuhr das junge Mädchen unbeirrt fort, „daß Du erst heute Morgen die schreckliche Neuigkeit erfahren! Hast Du in dieser kurzen