j\! 200. Donnerstag, den 3. September 1885.
Fuldaer
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XXXII. General-Versammlung der
Katholiken Deutschlands.
* Münster i. Wests., 31. August.
Den Beginn des heutigen Festtages bildete ein um 8 von Sr. bischöflichen Gnaden dem hoch« würdigsten Herrn Bischof Johann Bernard von Münster im hohen Dome celebrirtes Pontificalamt. Obschon nur Mitglieder und Theilnehmer Zutritt hatten, war der große Dom dennoch nahezu bis auf den letzten Platz von Andächtigen angefüllt.
Nach Beendigung des Pontifikalamtes bewegten sich die Mitglieder der General-Versammlung vom Dom aus durch ein von Vereinen und Congre- gationen gebildetes Spalier im Festzuge zum Rathhaussaale, wo die
erste geschloffene General-Versammlung gegen 91/2 Uhr durch den Präsidenten des Lokal- comitos Dr. Freiherrn v. Heereman mit dem apostolischen Gruße eröffnet wurde. Als Excellenz Dr. Windthorst, geführt vom Grafen Erbdroste zu Vffchering und dem Dr. Freiherrn von Schorlemer-Alst, in den Rathhaussaal trat, ertönte ein jubelndes Hoch durch den Saal.
Das Wort ergreift zunächst der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Comitüs, Generalvicar Dr. Giese. Er beantwortet folgende Frage: Was wollen wir, indem wir an der Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands theilnehmen? Wir wollen erstens und vor Allem unseren katholischen Glauben und unsere innige Liebe zur heiligen Kirche bekennen. (Bravo!) Wir wollen zweitens unser Zusammenstehen, unser brüderliches Zusammenstehen befestigen. Wir wollen drittens den Kampfeseifer in uns erneuern. (Bravo!) Dann wird der von Sr. Hei!igkeit dem Papste auf die ehrfurchtsvoll vorgetragene Bitte huldreichst der Versammlung ertheilte Segen in seinem Wortlaut von dem Herrn Präses Dr. Hülskamp vorgelesen:
In deutscher Uebersetzung: Hochwürdigste und hochverehrte Herren!
Aus dem ehrfurchtsvollen Schreiben, welches Sie unter dem 27. v. M. an den heiligen Vater richteten, haben Seine Heiligkeit ersehen, daß die Katholiken Deutschlands langjährigem Herkommen gemäß auch in diesem Jahre eine Generalversammlung halten wollen und daß zum Sitze derselben, wie schon früher einmal, die altberühmte Stadt Münster auscrsehen ist. Diese Nachricht hat dem Herzen Sr. Heiligkeit einen großen Trost gewährt. Denn solche Versammlungen abgehalten unter Voraussetzungen,
# D. B. Gnrrkelmarrn & Cie.
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Der Kaufherr kämpfte auf Minuten einen harten Kampf mit sich. Endlich schien er zu einem Entschlüße gekommen zu sein. Er richtete sich auf und streckte dem Buchhalter die Hand entgegen.
„Es ist gut, mein Freund!" sagte er. „Ich will mit meiner Tochter sprechen."
Hätte der Kaufherr das teuflisch triumphirende Lächeln gesehen, welches auf Augenblicke das Antlitz des Buchhalters durchzuckte, er wäre zu sich selbst gekommen und hätte auf eine lange Reihe von schlimmen Tagen nicht zu rechnen gebraucht, welche jetzt unaufhaltsam kommen mußten.
Im nächsten Augenblick hatte Faack sich tief herabgebückt und bedeckte die Hand des Kaufherrn mit heißen Küffen.
„Was thun Sie?" rief dieser, indem er dem Buchhalter die Hand zu entziehen strebte.
Allein dieser ließ sich nicht beirren.
„O, mein Freund, mein Wohlthäter!" rief er mit heuchlerischer Stimme, „Ihre Zusage macht mich zum glücklichsten aller Menschen! Run wollen wir auch vereint mit einander arbeiten, noch inniger als bisher, und streben, ob es unseren beiderseitigen t
wie sie nach Ihrer Darlegung bei der bevorstehenden vorhanden sind, haben die katholischen Interessen wesentlich gefördert, und werden unter Gottes Hülfe auch ferner für Kirche und Gesellschaft sehr nützlich sein. Darum danken Seine Heiligkeit für den in jenem Schreiben enthaltenen Erweis kindlicher Liebe, bezeugen allen Mitgliedern der Versammlung, geistlichen wie weltlichen Standes, ihr väterliches Wohlwollen und richten an jeden Einzelnen die Mahnung, Gott den Allwcisen um seine Erleuchtung anzurufen und dann dahin zu wirken, daß solche Beschlüsse gefaßt werden, welche sich bei der Berathung als besonders ersprießlich für den Schutz und die Förderung der Religion darstellen, zumal in der Gegenwart, wo die Katholiken nie wachsam genug sein können, daß unsere heilige Mutter, die Kirche, keinen Schaden nehme. Seine Heiligkeit Selbst werden nicht aufhören, für diesen Zweck inbrünstig zu beten und ertheilen inzwischen zur Vermittelung der himmlischen Gaben und zur Bezeugung Höchstderen besonderer Zuneigung allen Theilnehmern an der Versammlung aus tiefstem Herzen liebevoll den Apostolischen Segen. Indem ich Ihnen auf Geheiß des heiligen Vaters diese Mittheilung mache, wünsche ich Ihnen Heil und Segen von Gott. Rom, den 14. August 1885. Ergebens! L. Cardinal Jacobini.
Zum Zeichen des Dankes und der Verehrung bringt der Präsident des Localcomitos, Frhr. v. Heereman, ein dreifaches Hoch auf Se. Heiligkeit aus, in welches die Versammlung jubelnd einstimmt.
Es wird nunmehr zur Constituirung der Versammlung geschritten. Auf Beschluß des Vorstandes des Comitös und im Einverständniffe mit dem ständigen Commiffar der katholischen General- Versammlungen bringt Frhr. v. Heereman den Reichs- und Landtags-Abgeordneten Dr. Moritz Lieber (Camberg) .-'im ersten Präsidenten in Vorschlag. Durch Erheben von den Sitzen wird Dr. Lieber einstimmig und unter lebhaftem Beifall der Versammlung zu diesem Amte gewählt.
Abg. Dr. Lieber: Wenn ich noch einen Augenblick schwankend sein könnte über die Annahme der hohen und unverdienten Würde, welche Ihr freundlicher Zuruf in diesem Augenblicke mir übertragen hat, so würde dieses Schwanken aufhören müssen nach den begeisternden Worten des stellvertretenden Vorsitzenden des örtlichen Komit^s und nach der ernsten Ermahnung des hl. Vaters, die an Jeden von uns gerichtet waren. Ich nehme darum das mir übertragene Amt mit dem Bewußtsein an, daß in diesem Saale Niemand ist, den ich an Verdienst und Befähigung zu diesem Amte übertreffen könnte, daß aber auch Niemand hier ist- der mich übertreffen könnte an katholischem Gehorsam und an katholischer Ausführung des
Anstrengungen nicht gelingt, das alte, ehrwürdige Handelshaus zu halten!"
„Das gebe Gott!" flüsterte der Handelsherr in tiefer Bewegung. „Faack, bleiben Sie mir treu, wie Sie es immer waren, dann hoffe auch ich zuversichtlich das Beste, denn ich halte es für undenkbar, daß meine stolze Firma zusammenbrechen könnte!"
Faack nahm den Hut in die Hand und hängte den Paletot über den Arm.
„Ich bitte Sie, Herr Gunkelmann," sagte er dann, „nehmen Sie sich die neue Sachlage nicht zu sehr zu Herzen. Sie kann ja nur von vorübergehender Bedeutung sein und Krisen werden in dem heutigen Zeitkauf keinem Hause erspart, stände es noch so groß und geehrt da!"
Der Kaufherr lächelte schmerzlich.
„Ihre heutigen Eröffnungen," versetzte er dann langsam, „haben mich in einen traumartigen Zustand versenkt, aus dem tüir das vollständige Erwachen vorläufig schwer fallen wird. Ich muß mich erst an die neue Gestaltung der Dinge gewöhnen, mein Lieber, denn schließlich ist es keine Kleinigkeit, wenn man während einer Viertelstunde erfährt, daß man statt der beseffenen Millionen nur noch eine Last Schulden sein eigen nennt!"
Wortes: „Ich dien'!" (Beifall.) Ich stelle mich in den Dienst der 32. General-Versammlung im Vertrauen auf die Hilfe und den Segen des allmächtigen Vaters, im Vertrauen auf die freundliche Nachsicht und Unterstützung aller Mitglieder, namentlich des priesterlichen Standes. Wir werden eine der wichtigsten Versammlungen abzuhalten haben, in Folge der Umstände, unter denen dieselbe tagt. Freund und Feind nicht nur im deutschen Vaterlande, sondern in der ganzen Welt blicken in diesem Augenblicke nach Münster. Unterstützen wir Einer den Anderen und gehen wir mit frommen Muth an unser Werk, so wird sich die 32. General-Versammlung ihren Vorgängerinnen würdig anreihen, zu Ehren Gottes zum Heile unserer Mitmenschen und zu unserer eigenen Heiligung, und nicht an letzter Stelle zum Ruhme und zur Verherrlichung unserer katholischen Kirche. (Anhaltender Beifall.)
Zum ersten Vizepräsidenten wird durch Accla- mation Graf Kaspar von Preysing-Lich- tenegg-Moos aus Bayern, zum zweiten Vizepräsidenten der Kaufmann Karl Walther aus Erfurt gewählt; beide Herren erklären mit Dank die Annahme der Wahl.
Zum Vorstande gehört ferner nach der Geschäftsordnung der ständige Kommissar der katholischen General-Versammlungen, Fürst Karl zuLöwen- stein auf Kleinheubach, sowie der Präsident des örtlichen Komitos, Reichs- und Landtagsabgeord- Dr. Frhr. v. Heeremann; das Schristführeramt wird den Herren Präses Dr. Hülskamp zu Münster, Rechtsanwalt Dr. Porsch, fürstbischöflichen Kon- sistorialrath zu Breslau, Reichs- und Landtagsabgeordneten, Frhrn. v. Pfetten-Arnbach, Reichstagsabgeordneten, und Landrichter Jmvalle, Landtagsabgeordneten, übertragen.
Zu Vorsitzenden der Ausschüffe werden berufen:
1) Ausschuß für Missionen: Reichs- und Landtagsabgeordneter Frhr. v. Huene;
2) Ausschuß für christliche Charitas: Rcichs- tagsabgeordneter Dr. Lingens;
3) Ausschuß für Soziales: Reichs- und Landtagsabgeordneter Frhr. v. Schorlemer-Alst;
4) Ausschuß für christliche Kunst: Stadtpfarrer Huhn aus Mainz;
5) Ausschuß für Schule und Unterricht: Kanonicus Reichstagsabgeordneter Dr. Guerber (Elsaß);
6) Ausschuß für Vereinswesen, Aeußeres und
„Und wann darf ich mir Ihre Zusage holen, Herr Gunkelmann?" fragte der Buchhalter in einschmeichelnden Tone.
„Ich werde heute noch mit meiner Tochter sprechen," gab der Handelsherr zur Antwort. „Wissen Sie denn eigentlich, Faack, ob das junge Mädchen ein wärmeres Gefühl für Sie übrig hat und auf Ihren Antrag eingehen wird?"
Der Buchhalter lächelte verbindlich.
„Je nun," sagte er, „ich bin allerdings nicht kühn genug gewesen, direkt nach der Aeußerung einer Herzensneigung bei Fräulein Irmgard anzufragen, indeffen hoffe ich doch, daß Sie meinen warmen, unbegrenzten Gefühlen wenigstens keine Abneigung entgegenbringt."
„Lasten Sie uns hoffen," antwortete Gunkelmann, „daß Irmgard sich zu Ihren Gunsten entscheiden wird, Faack. Ich denke Ihnen schon morgen früh Antwort geben zu können."
„Hoffen wir es in unser Aller Interesse," konnte der ränkevolle Buchhalter sich nicht enthalten zu sagen.
Dann schüttelte er die dargebotene Hand des Kaufherrn und entfernte sich leichten, elastischen Schrittes aus dem Prioatkabinet.
Gunkelmann war allein. Er stützte den Kopf