199 Mittwoch, den 2. September
Fuldaer
1885.
Nothwendigkeit eines engen Anschlusses an die Kirche. Im Namen der baierischen Landsleute dankt er für die Begrüßung der Stadt Münster. Aus dem fernen Osten kommt Hr. Gehrt, Pfarrer ausLich- nau, der sich an dem mütterlichen Herde neu erwärmen will. Seine Pfarrkinder sind Sachsen, die 500 Jahre lang den heil. Glauben treu bewahrt haben. Auch die Muttersprache haben sie ehrlich bewahrt. Von diesen Landsleuten bringt er brüderlichen Gruß. (Bravo!)
Dr. Lingens. Aachen ist stolz darauf, den festen Anschluß an Rom stets bewahrt zu haben, stolz darauf, daß die General-Versammlung in Aachen so würdig empfangen wurde; aber trotz des Lokal-Patriotismus muß er gestehen, daß Münster allen Schwesterstädten „über" sei. Die Westfalen haben harte Köpfe, nur mit Gewalt haben sie sich taufen lassen; aber nun sind sie auch wahre Muster. Ein Mallinckrodt, ein Clemens August sind uns hellleuchtende Vorbilder. Folgen wir ihnen! In Köln haben wir einen zweiten Münsteraner als Erzbischof gehabt, den jetzigen Kardinal Paulus, und sein Beispiel muß uns ermuntern, auszuharren. Es ist ein Schauspiel für Erde und Himmel, wie unsere gefesielten Bischöfe kämpfen; um wie viel mehr können und sollen wir es! Redner bringt zum Schluß dem deutschen Episkopat ein begeistert aufgenommenes Hoch.
Prof. S ch r ö d e r (St. Trond) begrüßt die Versammlung als Bürger des katholischen Belgien, welches Millionen aufbringe für freie katholische Schulen, welches die katholische Universität Löwers erhalten und am 10. Juni v. I. das liberale Kartenhaus über den Haufen geworfen habe. Der Bischof von Lüttich habe ihm aufgetragen, zu sagen, daß die Katholiken Deutschlands den Belgiern ein Gegenstand der Erbauung und Bewunderung seien. Münster aber verdiene besonders Lob; daher ein Hoch der treuen katholischen Stadt.
Run schien es, daß in Folge des zu großen Andranges und der dadurch bedingten Unruhe der offizielle Theil der Sitzung sein Ende nehmen sollte, als es namentlich zwei Rednern gelang, die allgemeine Aufmerksamkeit nochmals zu fesseln; Herr Domkapitular Dr. Haffner (Mainz) erinnerte an den hochseligen Bischof v. Ketteler, der ein Westfale von Geburt, in Mainz gewirkt und in der Marienkapelle des Mainzer Domes begraben liege. Wenn auch sein Stuhl seit acht Jahren können, welchen einige glückliche Spekulationen verzehnfacht haben. Ich kann sagen, daß ich gegenwärtig über einige hunderttausend Mark verfüge —"
„Und dieses Geld — ?" fragte der Kaufherr athemlos.
„Wäre ich gern bereit, Ihnen zu überlasten," meinte Faack mit überlegter Bedächtigkeit, „wenn — "
„O, Sie edler, guter Mensch!" rief Gunkelmann, auf seinen Buchhalter zueilend und warm besten beide Hände an seine Brust drückend, „Sie wollten mir wirklich diesen aufopfernden Freundschaftsdienst erweisen?"
„Ja," sagte Faack, „unter einer Bedingung!" „Und diese wäre? Reden, sprechen Sie!" drängte der Handelsherr.
„Herr Gunkelmann," entgegnete Faack, „ich muß Sie bitten, mich nicht falsch zu verstehen. Nun denn, kurz gesagt, ich gebe Ihnen alle», was ich besitze, alle»,-worauf ich gedacht habe, mir eine Zukunft zu gründen. Aber ich bin noch nicht alt und kann wohl sagen, daß da» Leben noch mir gehört. Sie werden e» deßhalb nicht unbillig finden, wenn ich eine geringe Sicherheit von Ihnen verlange."
Gunkelmann sah seinen Untergebenen mit unver- hehlter Enttäuschung an.
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Männern, welche inmitten einer seichten Zeit den Glauben aufrecht hielten: Overberg, Fürstenberg und Stolberg. Aus diesem Kreise ging der große Erzbischof Clemens August von Köln hervor, welcher zuerst der „Versumpfung" entgegentrat. Redner schildert den Charaker der Westfalen, die nicht so große Redner (Oho!) und nicht so beweglich wie viele ihrer Freunde seien, aber ein treues Herz hätten, und aus der Tiefe dieses treuen Herzens heiße er nochmals Alle willkommen. (Lebhaftes Bravo!) Nach einem Sangesgruß, dargebracht von den vereinten Männergesang-Vereinen Münster's, nahm der Oberbürgermeister von Münster, Herr Scheffer.Boichhorst, dasWort. Es gereiche der Stadt zur hohen Ehre und Freude, die Versammlung hier zu sehen. Eine solche Versammlung könne der Sympathie ihrer durchgängig katholischen Bürgerschaft gewiß sein. Dank der vor- trefflichen Geistlichkeit habe hier stets reges katholisches Leben geblüht. Mögen die Verhandlungen der nächsten Tage der Kirche reichen Segen bringen; mögen den Gästen aber die Tage in angenehmer Erinnerung bleiben.
Frhr. v. Schorlemer-Alst, von brausendem Jubel empfangen, will nur einen Auftrag des Abg. Windthorst ausrichten, der bedauere, heute noch nicht erscheinen zu können, da er in Essen bei den Kaufleuten sein muffe. Das sei dankens- werth, aber auch bedauernswerth; denn er (Redner) könne inzwischen einen Bock schießen, der nicht mehr gut zu machen sei. Die heutige General- Versammlung steht unter den Zeichen der Glaubenstreue und Eintracht, die keine Macht dec Erde erschüttern kann. Mitten in der Versumpfungs- Politik scheint wie ein leuchtender Stern der Fuldaer Hirtenbrief, der verwirrend im Lager der Gegner wie ein erfrischender Thau bei uns gewirkt hat. Wir danken dem Episkopat dafür und geloben, treu und fest an dem Glauben zu halten und treu zu stehen mit den Bischöfen und dem Klerus zum Papst. „Ewig zu Rom!" soll unsere Parole sein, und dieser geben wir Ausdruck durch den dreifachen Ruf: Es lebe der hl. Vater Papst Leo XIII.! (Begeisterte Zustimmung.)
Nach einer zweiten Gesangs-Pioce („Tu es Petrus“) unter Leitung des königlichen Musikdirektors Hrn. Hüls bringt Frhr. v. Pfetten Grüße aus seinem lieben Vaterlande Baiern. Auch das baierische Volk fühlt den Ernst der Zeit und die
Sie, Faack, daß ein solches Vorkommniß, mein Tod, mein gewisser Tod wäre?"
Der Buchhalter schwieg.
„Bankerott!" schrie Gunkelmann, während er den kalten Schweiß von seiner Stirne trocknete. „Da» Haus Diedrich Valentin Gunkemann & Cie. sollte bankerottiren, nachdem es Jahrhunderte lang aller Unbill, jedem Sturme erfolgreich getrotzt, weil das enorm reiche Haus an der Börse einige Verluste erlitten hat?"
Faack stützte seufzend die Rechte auf den vor ihm befindlichen Schreibtisch und schaute zu Boden, sich den Anschein gebend, als ob er in tiefes Nachdenken versunken sei.
„Faack," unterbrach Gunkelmann endlich die peinliche Stille, „wissen Sie keinen Rath, keinen Ausweg?"
Der Buchhalter zögerte eine Weile, als ob er unschlüssig sei, das Wort auszusprechen, welches ihm auf den Lippen brannte.
Gunkelmann bemerkte es und rief mit einem Schimmer von Hoffnung:
„Hätten Sie mir etwa« zu sagen, Faack?"
„Ja," antwortete dieser mit der Miene eine» Biedermannes. „Ich habe mir im Laufe der Jahre durch Ihre Güte einen Sparpfennig zurücklegen
XXXII. General-Bersammluug der Katholiken Deutschlands.
* Münster i. Wests., 31. August.
Den bereits vorausgegangenen kürzeren Mittheilungen lassen wir nun die nachstehenden mehr ausführlichen Berichte folgen:
Gestern Abend füllte eine nach Tausenden zählende Menge die Festhalle. Dieselbe ist, da in Münster ein geeigneter Saal fehlt, aus der vom Circus Gurre in diesem Sommer aufgeführten Bretterbude geschaffen worden, und zwar mit solchem Geschick, daß der kolossale zeltartige Raum mit seinem frischen Schmuck einen gar freundlichen Anblick bietet. Da der Circus 4500 Sitzplätze hat und Viele sich mit einem Stehplatz oder gar mit der Unterkunft in den Vorräumen zufrieden geben mußten, so konnte die Zahl der Anwesenden auf 6000 geschätzt werden.
Dr. Frhr. v. Heereman, der Vorsitzende des hiesigen Lokal-Komito's, begrüßte 20 Minuten nach 8 Uhr die imposante Versammlung. Noch denken die Münsteraner mit Freude an die Zeit vor 33 Jahren zurück, wo die General-Versammlung zum ersten Male hier tagte. Mit größter Freude begrüßte es die Bürgerschaft, daß Münster abermals die Ehre haben soll, die Versammlung in ihrer Milte zu sehen. Möge sie Anregung geben, daß alle Katholiken gewissenhaft in Erfüllung ihrer Pflichten vorgehen. Jeder Katholik hat heute seine Pflichten, jeder hat dahin zu wirken, daß die Kirche ihre Aufgabe frei erfüllen könne. Möge die General-Versammlung auch Beschlüsse fassen, welche den drohenden sozialen Gefahren zu begegnen vermögen. In allen ernsten Zeiten ist die Kirche mit neuen Mitteln aufgetreten, um dem Sturm zu begegnen. Dann wünschen wir auch, daß die Gäste sich bei uns wohl befinden mögen. Münster ist keine Großstadt, sie hat keine landschaftlichen Reize; aber wir bringen Ihnen ein echt katholisches Herz entgegen und ein herzliches Willkommen. In zwei wichtigen Epochen hat Münster eine große Rolle gespielt: im Mittelalter haben die Münsterischen Kaufleute durch die Hansa deutsche Kultur bis in die fernsten Gegenden getragen, westfälische Ritter im Osten ein deutsches christliches Staatswesen gegründet. Zum zweiten Male spielte Münster eine Rolle am Anfänge dieses Jahrhunderts. Hier schaarte sich um eine edle Frau ein Kreis von
# D. B. Gunkelmann & Cie.
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„Sie sprechen im Fieberwahn!" rief der Handelsherr schreckensbleich. „Man sollte es wagen, der Firma D. V. Gunkelmann & Cie. einen geforderten Kredit zu verweigern?"
Faack zuckte die Achseln.
„Das leidige Börsenspiel hat uns manchen Geschäftsfreund gekostet, auf den früher sicherer Ver- laß gewesen wäre. Ich habe dies von mehreren Seiten unumwunden hören müssen."
„Aber ich habe dies doch nur zu meinen Privatvergnügen gethan."
„Sie vergessen, daß auch das Geschäft schließlich beteiligt wurde," entgegnete der Buchhalter.
Der Kaufherr rannte verzweiflung»voll im Zimmer auf und nieder.
„Aber wa» bleibt uns da schließlich übrig?" tief er, leine aufgeregte Wanderung für einen Augenblick unterbrechend.
Faack gab sich den Anschein, als ob ein schwerer Kampf fein Innerstes unbarmherzig zerwühle.
„Der Bankerott!" sagte er endlich mit tonloser Stimme.
„Aber, Mensch, wa« sagen Sie da!" rief Gunkelmann, außer sich vor Aufregung. „Wissen