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Fuldaer 8® Zeitung.

j\£ 198. Dienstag, den 1. September

1885.

Mittel etwas reputirlicher machen. Ecst^wenn der Landtag diese Vorlage ablehnte, wäre die Re­gierung ihrer Verantwortung für die Wortdauer des unleidlichen Zustandes ledig.

* Das Lotterie-Gesetz, welches der Landtag in seiner letzten Session be- schloffen hat, ist, wie bereits gemeldet, schon jetzt vollzogen und publizirt. Es hieß vor Kurzem, daß die Regierung das Inkrafttreten dieses Gesetzes verschieben wolle, bis in der nächsten Session über die Erweiterung der Staatslotterien Beschluß ge­faßt sei. Diese Nachricht hat sich nicht bestätigt; die Erwartung, daß die Regierung zur Reorgani­sation des Lotteriewesens die Initiative ergreifen werde, ist also jetzt ohne äußern Anhaltspunkt. Das jetzt in Kraft tretende Gesetz ersetzt zunächst die alten, nicht überall gültigen Strafbestimmungen gegen das Spielen in „ausländischen" Lotterien durch eine einheitliche, für die ganze Monarchie gültige Strafbestimmung. Wer in außerpreußischen Lotterien spielt, wird mit Geldstrafe bis 600 Mk. bestraft; der Verkäufer von Loosen dieser Lotterien oder die Mittelsperson, welche den Verkauf be­fördert, können bis zur Höhe von 1500 Mark bestraft werden. Diese neue Strafbestimmung hat zugleich die Folge, daß das G.richtSoerfahren gegen die Lotterie-Verbrecher einheitlich und einfach sich gestaltet..

Es dürfte wohl kaum einen Strafparagraphen geben, gegen welchen so viel gesündigt wird, als gegen diesen. Dennoch wird er voraussichtlich nur selten zur Anwendung gebracht werden, und zur Verhinderung der verpönten Spielerei wird er so gut wie gar nichts Nützen. Fast jeder Cigarren- Händler wird nach wie vor die unerlaubten Loose in seiner Rocktasche tragen, wohin kein Staats­anwalt blicken kann; das glatte Kaffageschäft, wel- ches nöthigenfalls ohne alle und jede Buchung sich abwickeln läßt, entzieht sich mit Leichtigkeit der amtlichen Controle. DieLotterie-Pläne undZiehungs- listen liegen frank und frei auf dem Ladentisch aus; denn das verbietet das Gesetz nicht. Im § 3 wird allerdings eine neue Strafbestimmung gegen das Veröffentlichen der Gewinnliste durch preußische Zeitungen eingeführt. Darüber werden sich die betreffenden Zeitungsverleger nicht sonderlich ärgern; denn ein Vergnügen ist diese Veröffentlichung spal­tenlanger Listen wahrlich nicht. Die mit Loosen handelnden Cigarrenhändler freuen sich über diese Bestimmung; denn jeder neugierige Loosbesitzer geht jetzt in den nächsten besten Laden, wo eine Ziehungs­liste ausliegt, und kauft dabei etwas — vielleicht

# D. B. Gunkelmann & Cie.

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Hier sehen Sie schwarz auf weiß, in sorgfältig geprüften Zahlen!" sprach Faack weiter und deutete mit ausgestrecktem Finger auf die weitläufigen Zahlenreihen. „Unsere Unterbilanz beläuft sich auf mehr als eine Million Mark!"

Der Kaufherr fuhr, wie von einer Tarantel ge­stochen, zurück.

„Es ist ein Traum, ein häßlicher, drückender Traum," flüsterte er aschbleichen Antlitzes. „Wie sollten auch D. V. Gunkelmann & Cie. Bankerott machen? ES ist ja Wahnsinn!"

Mit stieren Augen blickte er auf die verhäng- nißvollen Zahlenreihen, bis sich ihm endlich die entsetzliche Gewißheit aufdrängte, daß sein vermeint­licher Freund die Wahrheit gesprochen.

„Aber, Faack," stöhnte er endlich aus tiefin- nerster Brust, „wie kann das Furchtbare möglich sein?"

Faack zuckte die Achseln.

„Das vermaledeite Böisenspiel ist daran Schuld," sagte er in erkünstelter Betrübniß. „O, Härte ich diese unheilvollen Wirkungen ahnen können!"

„Unmöglich!" rief der Handelsherr rasch.

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Deutsches Reich.

Berlin, 31. August.

* Die in Aussicht gestellte Veröffentlichung der diplomatischen Aktenstücke über die Angelegenheit der Karolinen soll schon in nächster Zeit erfolgen. Der Zusammentritt des Reichstags soll nicht erst abgewartet werden. Londoner Depeschen berichten, Spanien hätte an Deutschland die Abschrift eines mit den Eingeborenen Der Karolinen-Inseln vor drei Jahren abgeschlossenen Vertrages gesandt, nach welchem diese die spanische Oberherrschaft anerkennen.

* Die Frage, welcher ausländische Nordsee-Hafen zum Anlaufen für die neuen subventionirten deut­schen Postdampfer nach Australien und Asien in Aussicht genommen ist, dürfte nun wohl endgiltig gelöst sein. Die Herren Aric Smit, Präsident, und von Raalte, Direktor der Hafenbahn-Gesell­schaft „die Schelde" zu Vussingen sind in Bremen angekommen, um dort die betreffenden Verträge mit dem Norddeutschen Lloyd zu unterzeichnen.

* Das ,El. Journ.' erfährt, daß der Amtsan­tritt des Fürsten von Hohenlohe als Statthalter auf den 1. October festgesetzt ist. Der Statthalter wird zu dieser Zeit einen Urlaub von zwei Wochen nehmen und somit nicht vor dem 15. October seine neue Stelle antreten.

• Münster, 31. Aug. Der Begrüßungs-Akt der General-Versammlung der Katholiken Deutsch­lands am gestrigen Abend gestaltete lich zu einer großartigen Kundgebung. Ueber sechstausend Per­sonen waren im Circus anwesend. Freiherr von Heeremann hielt die Eröffnungsrede. Dann sprachen Ober-Bürgerin-ster Scheffer - Boichorst, Freiherr v. Schorlemer-Alst, v. Pfetten (Bayern), Lingens, Schröoer (St. Trond), Haffner, Schaepmann (Utrecht). Der Reichs- und Landtagsabgeordnete Dr. Lieber (Camberg) wurde (per Akklama­tion) zum Präsidenten gewählt. Die alte Bischofs- stavt bietet in ihrem Festgewand ein sehr malerisches Bild. Besonders zeichnen die Palais des hochw. Herrn Bischoffs, des Weihbischoffs, die „Höfe" der Aristokratie sich aus; aber auch manches ein» fache Bürgerhaus fesselt das Auge durch feinen sinnigen Schmuck. Das Schönste aber ist doch die

Faack nannte noch einige Namen verkrachter Industrie-Institute.

„Dann die Einbrüche, einige direkte Schäden im Geschäfte," fügte er hinzu, „und vor allem die Gewißheit, Ultimo über hunderttausend Mark an fälligen Wechseln einlösen zu müssen, während meiner Berechnung nach kaum einige Tausend in der Kasse vorhanden sein können."

Gunkelmann entfärbte sich.

„Aber das ist ja," rief er endlich, „als ob das Verhängniß alles abgekartet hätte, um mich mit einem Schlage zu vernichten!"

Faack beugte sich tiefer über das Pult, um das höhnische Lächeln nicht sehen zu lassen, welches seine Mundwinkel umspielte.

Gunkelmann durchmaß einige Male erregt das Gemach. Plötzlich blieb er hinter Faack stehen und schaute über dessen Schulter in das aufge­schlagene Hauptbuch.

„Was sagen Sie denn von einer Unterbilanz von über einer Million Mark?" sagte er nach einer Weile. „Wir haben ja kolossale Ausstände!"

Dabei wies er mit dem Finger auf die betref­fende Zahlenreihe.

Aber Faack hatte sich auf diesen Einwurf vor- bereitet.

sogar ein neues „Glückloos", das ihm verlockend vor die Augen gehalten wird.

Das neue Gesetze hilft also dem Lotteriekarren nicht im Geringsten ans dem Sumpfe heraus. Besten Falls bleibt die ganze Misöre, wie sie war. Kann es aber auf die Dauer so weiter gehen? Sollen wir uns von Hamburg, Braunschweig und Sachsen mit mehreren Millionen jährlich be­steuern lassen und obendrein im Lande das Aerger- niß eines allseitig mißachteteten Strafparagraphen bestehen lassen? Unsere Regierung hat doch sonst keinen Mangel an Initiative; sie weiß sonst überall zuzuareifen, von der höchst gleichgültigen Privat­diätenfrage bis nach Zanzibar und den Karolinen­inseln. Bloß in der Lotteriefrage, sagt die ,Trem.', steht sie schüchtern und thatenlos da, geduldig auf die Initiative des sonst so gern ignorirten Par- laments wartend. Und das Parlament bemüht sich vergebens, über die Sache in's Klare zu kom­men. Eine Berliner Zeitung lieferte dieser Tage in einem langen Artikel eine Zusammenstellung all' der verschiedenen Anschauungen über die prin­zipielle und aktuelle, die ethische, volkswirthschaftliche und finanzpolitische und alle sonstigen Seiten des Lotteriewesens, woraus sich eine wahrhaft tragi­komische Buntscheckigkeit der Ansichten, sogar inner- halb der bestgeschlossensten Parteien ergibt. Wenn die Freisinnigen etwas als „unmoralisch" hinstellen, was der gestrenge Abg. Aug. Reichensperger für erlaubt und harmlos erklärt, dann kann man wohl sagen, daß die Begriff-- g-undlich verschoben sind und eine Klärung so bald nicht zu erwarten steht.

Der Verlegenheitsbeschluß des Abgeordneten- Hauses, die Lotterie aufzuheben, ist einfach undurch­führbar, so lange nicht die Nachbarstaaten gut­willig ihre einträglichen Lotterien aufgeben. Das Reich ist nicht kompetent, ihnen diese Einnahme­quelle zu verstopfen. Die Regierung muß also andere Wege zur Abhilfe suchen. Will sie es ver­suchen, ob mit Sachsen, Braunschweig und Ham­burg ein gütliches Abkommen zu treffen ist über die allmähliche Einschränkung und langsame Auf­hebung der vier Lotterien, so sei ihr dazu Zeit gelassen. Hält sie diesen Versuch für aussichtslos ober scheitert derselbe, so bleibt nichts übrig, als daß die Regierung sich ein Herz faßt und die Ver­mehrung der preußischen Loose beantragt. Sie kann ja durch einen guten Zweck zu dem das Mehreinkommen bestimmt wird, das vorgeschlagene „Nehmen wir an, daß höchsten Falles einige hun­derttausend Mark darauf gegangen sind —"

„Ueberzeugen Sie sich sebst," unterbrach Faack den Handelsherrn. „Sie haben mir selbst besah- len, Zephyrfabrikaktien zu kaufen. Ich habe deren für eine Million gekauft."

„Teufel!" rief der Kaufherr. „Und bie Ge­sellschaft ist vor Kurzem verkracht!" _

Faack nickte traurig mit dem Kopfe.

„Freilich," sagte er bann, „aber wer hätte bas benken können? Die Aktien schienen so sicheren Untergrunb zu haben."

„Sie hätten Sie verkaufen müssen, Faack, rief Gunkelmann vorwurfsvoll.

„Wer kann alles wissen?" zuckte ber Buchhalter bie Achseln, ber allerdings seiner Zeit für bie ge­nannte Summe bie Aktien gekauft, sie aber schon lange unter ber Hanb mit anftänbigem Nutzen abgegeben hatte. „Schließlich irrt jeder Mensch und Sie, Herr Gunkelmann, haben die Aktien- Gesellschaft „Zephyr" erst vor wenigen Tagen noch gelobt." „ u .

Der Handelsherr konnte das Zutreffende dieser Bemerkung nicht in Abrede stellen.

„Aber die anderen enormen Geldsummen?' fragte er nach einem minutenlangen Schweigen athemloS.