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1 Mk. 50 Pfg-, — mit der

M 197.

Montag, den 31. August

1885.

FuldNer

Für den Monat September werden Bestel- ÖRH* langen auf die ,Fuldaer Zeitung' von allen Postanstalten, Landbricfboten und für Fulda von der Expedition zum Preise von 50 Pfennig (ohne Bestell­geld) angenommen.

feitiqt war, so durfte Faack doch nicht darauf hoffen, daß das stolze Mädchen sich ihm in die Arme werfen würde. Sie verabscheute ihn, das wußte er. Ein Liebeswerben um ihre Gunst hätte rhn in ihren Augen höchstens lächerlich machen können. Aber desien ungeachtet wollte er die stolze Schöne trotz alledem fein eigen nennen.

Faack hatte richtig erkannt, daß er sich zur Er- reickuna seines Zweckes an Gunkelmann halten muffe. Zwar verhehlte er sich den Stolz des Handelsherrn nicht, aber ebenso war es ihm klar daß derselbe nur so lange an seinem Stolze zay festhalten würde, als derselbe ein berechtigter ge­nannt werden konnte.

Sobald es ein Mittel gab, den Kaufherrn zu überzeugen, daß er ein verlorener Mann fei, wenn er Faack, den Buchhalter nicht fest an sich kette, hatte er gewonnenes Spiel.

Und auch dieses Mittel hatte Faack gefunden.

Gunkclmann hatte eine Passion, an welcher er leidenschaftlich hing. Das war das Borsenfple. Und auf diese schwache Seite des sonst so charak» terfesten Mannes hatte Faack seinen nichtswürdigen Plan gebaut.

Schon seit Jahren hatte er das Börsenspiel seines Prinzipals nach Kräften unterstützt, ihn

# D. V. Gnnkelmann & Cie.

Irmgard Gunkelmann mußte sein werden, das war das Ziel, welchem er unaufhörlich zustrebte. Was ihn dazu antrieb, war verschiedener Natur. Zum Ersten wollte er Kompagnon seines Prinzi­pals werden. Hatte er dies erreicht, dann war er sicher, völlig sicher, vor jedem Verdachte oder einer etwaigen, längst nicht mehr gefürchteten Nach­spülung aus vergangener Zeit. In dem Chef des hoch bedeutenden Handelshauses würde Niemand den entsprungenen Zuchthaussträfling vermuthen. Ja, wenn ihm dies gelang, und seine Vorarbeiten konnten ihn auf ein sicheres Gelingen zuversichtlich rechnen lasten, dann war er ganz sicher und konnte einer herrlichen Zukunft entgegensehen.

Auf der anderen Seite empfand der so^egoistisch Angelegte wirklich Etwas wie Liebe für Irmgard. Das mar seine einzige schwache Seite und was ihn vor Allem anspornte, das vorgesteckte Ziel zu er­reichen. ,

Aber er war verständig genug, zu wist:n, daß er weder bei dem Vater, noch bei der Tochter aus eine Erhörung seiner Liebeswünsche rechnen durfte. Irmgard liebte ernstlich einen Anderen und wenn auch dieser, wie demnächst zu erwarten stand, be-

Deutsches Reich.

Berlin, 30. August.

* Privat-Telegramme aus Madrid melden, daß dort die Nachricht eingegangen sei, spanische Kreu­zer seien von Manila aus vor der Insel Yap, der Hauptinsel der Karolinen, angekommen und hätten dort die spanische Flagge aufgehißt, da keine Spuren einer deutschen Besitzung vorhanden gewesen wären. In den bisherigen Meldungen war Ponape als diejenige Insel genannt, welche von den Deutschen besetzt worden sein soll. Es »st auf­fallend, daß jetzt weder offiziell noch offiziös Näheres über die Art und Ausdehnung der Besitzergreifun­gen auf den Karolineninfeln mitgctheilt wird.

• Auf einer beim Oderpräsidenten von West­preußen stattgefundenen Konferenz der Krnsland- räthe welcher ein Ministerialrath beiwohnte, sind die Grundsätze festgestellt worden, nach denen bei der Ausweisung der Polen verfahren werden soll. Es werden nicht ausgewiesen diejenigen Per­sonen, die vor dem Jahre 1843 nach Preußen gekommen sind; ferner Leute, die selber oder deren Söhne im preußischen Heere gedient haben, Per­sonen, die zeitweise zu ihrer Ausbildung oder des Erwerbes halber in Preußen sich aufhalten und festes Domizil oder Geschäft nicht besitzen, wohl aber im Besitze von Legitimationspapieren sind, Studenten, Schüler, Handwerker, Arbiter u.s. w. Alle anderen Personen sowohl aus Rußland als auch aus Oesterreich unterliegen der Ausweisung, selbst wenn sie einen ordnungsmäßigen Paß besitzen.

* Offiziöser Mittheilung zufolge, hat das vom Landtage beschlostene sogenannte Kommunal­ste u e r- N o t h g e s e tz die königliche Unterschrift er­halten; dasselbe wird demnächst veröffentlicht werden.

* Der Staatsanzeiger' enthält eme Bekannt­machung, unter welchen Bedingungen die Einfuhr von Schweinen aus Oesterreich-Ungarn vom 1. September ab nach dem Reglerungs-Bezrrk Breslau zulässig ist. Die Einfuhr durch den Eisen- bahn- und Landtransport darf nur an je einem Tage in der Woche erfolgen. An andern als den festgesetzten Tagen dürfen Schweine-Transporte nur mit vorher einzuholender Genehmigung eingelassen werden. Die einzusührenden Schweine muffen auf den Grenzstationen bezw. an der Landesgrenze durch den beamteten Thierarzt auf ihren ©efunb, heitszustand untersucht

durch seinen Rath noch mehr angefeuert, anstatt, wie es ihm als treuen Diener zugekommen wäre, ihn zu warnen und von dem gefährlichen Treiben fernzuhalten. Ja, Faack hatte mit Gunkelmanns Zustimmung selbst größere Summen G schas s gelber zu Börsenzwecken verwendet und selbstver­ständlich immer verloren.

Die natürliche Folge davon war, daß der Kredit des Handelshauses tief erschüttert würbe und einer der alten Geschäftsfreunde nach dem anderen sich ""Ä’Sr’i.r M. s-°d-,-h»-«n-d Gunkelmann nicht das Mindeste, aber Faack, femem Buchhalter, der sich das zu Nutze machte. entging nichts. Ferner hatte er mit der Kunst des raffi nirten Gauners die Bücher fo zu fuhren gewuß, daß sie allerdings in völliger Ordnung schienen, aber eine beträchtliche Untervilanz aufwiesen. Frei- lich, der mißtrauische Prüfer konnte, wenn er sich eingehend der Durchsicht der Bücher widmete, hm- ter die ränk.wollen Schliche Haacks kommen, mcht aber der arglose Bestürzte, welcher m seiner See- lenangst bei oberflächlicher Betrachtung Alles in vollkommener Ordnung sand.

Darauf spekulirte Faack.

Er hatte es so einzurichten gewußt, daß am

* Ueber den Hirtenbrief der preußischen Bischöfe

schreibt der unter den Augen unseres hl. Vaters, Leo's XIII., erscheinende Moniteur de Rome':

Di- preußischen Bischöfe publiziren soeben ein gemein­sames Schreiben, dessen Wortlaut im Schoße der Konferenz m Fulda beschlossen worden ist. Wir geben werter unten den Tert dieses Dokumentes, dessen Bedeutung um so größer ist, als es die Unterschrift aller Bischöfe ohne Aus­nahme trägt. Wenn man weiß, daß zum ersten Male seit 11 Jahren der Episkopat in seiner G-sammthert sich an den Klerus und an die Gläubigen wendet, wenn man an die verworrene Situation denkt, die gegenwärtig in Preußen herrscht, und diese hochherzigen und edelmüthrgen Reprä­sentanten der katholischen Hierarchie den Waffenruf t«rr d’alarme) erheben, diese felsenfeste Einigkeit der Sühne der Kirche loben hört, ihre grenzenlose Treue, ihre Er­gebenheit an den Episkopat und Leo XIII., dann jauchzt das Christenherz auf vor Freude bei dieser imposanten religiösen Kundgebung. •,

Sie ist in der That em großartiger Akt ohne Gleichen in der Geschichte der Kirche in Preußen wahrend der letzten Jahre. Als der Kampf am Schärfsten wuthete und die Bischöfe mit den Priestern und Gläubigen m der vordersten Schlachtreihe standen, war das öffentliche Wort desEpls- topates beinahe verstummt. Es erhebt sich indem Augen­blick, wo während der ein wenig beunruhigenden Stille des Waffenstillstandes es schwieriger ist, seme Pflicht zu erkennen als sie zu erfüllen. Unentwegt nnd muthig kämpfen ist herrlich, heroisch, würdig der Bewunderung; aber nach der Sitze des Kampfes aus den Opfern Gewinn zu ziehen, sie in fruchtbringende Thaten umzuwandeln, gute Friedens­bedingungen zu diktiren, ist eine Arbeit, welche vielleicht größere Geschlossenheit und mehr Weisheit erforderlich macht.

Die Bischöfe nehmen jetzt die Gelegenheit wahr, um den Katholiken ihre Pflichten und ihre Rolle m der neuen kirchenpolitischen Phase zuzutheilen.

Diese Unterweisung athmet einen Ernst, emen Odel sinn, welcher Achtung erzwingt. Leidenschaftliche Provo­kationen, selbst begründete Vorwürfe gegen die Regierung, herbe Andeutungen — nicht die Spur von ihnen ist aus den erhabenen Worten des Episkopates zu °°rnehmen. Und doch, welche Tragweite hegt m ihnen! Welche bündige Antwort auf die Anklagen unserer Gegner!

Bekanntlich hat der Paderborner Zwischenfall, sehr mit Unrecht, den Feinden der Kirche zum Vorwand gedient, um eine angebliche Spaltung des Episkopates zu behaupten Dieser gemeinsame Akt der Bischöfe tft mehr als eme Antwort, er ist ein vollständiges Niederschmettern.

Daher betonen auch die Bischöfe mit so charakteristischem Nachdruck die Einigkeit aller Glieder der tzwrarch.e, diese Einigkeit, unzerreißbar bis zum Tod, welche alle Kunsts

griffe vereitelt, die man angewendet hat, um sie zu zer­reiben. Nichts ist zeitgemäßer als diese offizielle Bestätigung der engen, festen, unlöslichen Bande, welche wie eine große geistige Kette alle Glieder der großen katholischen Familie "^Diesis Wort ist in einem psychologisch charakteristischen Moment gekommen. Bei dem ersten Auftreten des Kultur, kampfes suchten unsere Gegner das Volk zu trennen von den Priestern, den Bischöfen, dem Papste. Der Tramn einer Art durch und durch demokratischen Nationalkwche schwebte ihren Einbildungen vor. Die korrekte und heroische Haltung eines ganzen Volkes hat diesen Calcul zerstort. Während des Kampfes hat man die Hierarchie, alle Ghe. der des Katholizismus angegriffen und bekämpft. Wäh­rend der letzten drei Jahre waren die verbannten Bischöfe und der Papst als die Feinde des Fr,edens verschrleen. Heute erhebt die antikatholische Preffe die Bischöfe auf Kosten der katholischen Partei. Angriffe gegen den- h°ü. Stuhl, Anschuldigungen gegen die, welche seither den Ruf als ärgste Feinde der Regierung hatten - all das hort wie durch Zauberwort auf. Ein anderer Akt des Kultur- ^"Die^Schuldigen sind jetzt nach der gegnerischen Darstel­lung die Gläubigen, die Repräsentanten des Centrums und die Soldaten der Preffe. Das ist ein Umschwung, der seine politische Bedeutung hat, aber der Episkopat laßt die katholische Armee nicht in zwei Theile trennen. Er feiert mit wahrhaft evangelischen Worten, mit einer Scharfe, die aus den Worten Christi selbst sich ableitet, diese unzerstör­bare Einigkeit der Gläubigen, ihre Seelenstärke, ihre Ver­dienste, betont die Nothwendigkeit, sich '" Ergebenheit und unerschütterlicher Treue um den apostolischen Stuhl und die katholische Kirche zu schaaren. Herrliches und erhabenes Schauspiel, welches allein der Katholicismus bietet. Die preußischen Katholiken stehen ebenso groß da im Waffen­stillstand wie im heißen Kampfe.

Dieser Hirtenbrief wird die Gläubigen zu Thranen rüh­ren, sie trösten, ermuthigen, an ihm prallen ab all die An­strengungen, welche den Ruin dieser unvergleichlichenEinig­keit hrrbeiführen sollen, dieser Einigkeit, welche die Starke, den Ruhm und die kostbarste Garantie der Kirche m Preu- ßen ausmacht. Das ist die leibhaftige Jncarnation der Unterweisungen Leo XIII. über die Harmonie und Ein­tracht der katholischen Kräfte. Möchten dieses Beispiel und diese Lehren nicht verloren sein!

Die glanzvolle, begeisterte Sprache, mit der das römische Organ die Bedeutung des Hirtenbriefes unserer hochwürdigsten Bischöfe in's richtige Licht stellt, verdient allenthalben gehört zu werden. Die Katholiken vernehmen sie mit Genugthuung und Freude, denn sie erhalten vom hl. Vater Leo XIII. wie von ihren Oberhirten ein Zeugniß, das sie er- muthiqt, in fester Einigkeit und Treue auSzuhar- ren bei der Sache unserer heiligen kathol. Kirche. Papst, Bischöfe, Priester, katholische Laien, Een- trumspartei und katholische Presse — ein unzer­trennbares, unerschütterliches Ganze!

Di. Fuldaer Zeitung' «scheint täglich. Sonn- und Feiertag. Fulda IM. 70 Pfg, auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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