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1885.

Sonnabend, den 29. August

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** Die Untersuchung über die Sonntagsarbeit,

Für den Monat September werden Bestel- «WT lungen auf die ,Fuldaer Zeitung' von allen Postanstalten, Landbriefboten und für Fulda von der Expedition zum Preise von 50 Pfennig (ohne Bestell­geld) angenommen.

welche der Reichskanzler bei den Regierungen an- geregt hat, findet von besonders berufener Sette eine entschiedene Verurtheilung. Der bekannte Sozialpolitiker des Centrnms, Herr Franz Hitze, spricht sich in langen Artikeln, welche die größeren Centrumsorgane jüngst veröffentlichten, sehr abfällig über die ganze Art der Untersuchung aus. Herr Hitze weist namentlich darauf hin, daß der Reichs- kanzler durchaus gegen die Tendenz des von der Reichstagskommission gestellten Antrages zur Sonn- tagsruhe handelte, indem er die Frage der Sonn- tagsruhe selbst zur Diskussion stellte und den Ar- beitgebern und Arbeitern die Entscheidung darüber zuschob, ob sie überhaupt die gesetzliche Sonntags- ruhe wollen. Diese Art der Untersuchung haben die Antragsteller im Reichstage prinzipiell verwor- fen, da sie, wie Herr Hitze aussührt, die Ausfüh­rung eines göttlichen Gebotes nicht von der Zustim- mung der „Interessenten" abhängig machen und eine zweitausendjährige religiöse und sittliche Ein­richtung nicht dem wirthschaftlichen Eigennutz un­terordnen wollen. Die Kommission des Reichstages uur das Ziel, den Schutz des abhängigen Arbeiters gesetzlich festzustellen imd daß deshalb die Arbeitgeber in ihren Anträgen ganz unberücksichtigt bleiben sollen. Herr Hitze sagt ferner, daß auch vom verfaffungsmäßigen Standpunkte das Vorgehen des Reichskanzlers nicht gerechtfertigt werden könne, da nach der Verfasiung dem Bundesrath und dem Reichstag das Recht und die Verantwortung ob­liege, die Institution des Sonntags durch Gesetz zu schützen. Rach diesen, von religiösen Gesichts­punkten ausgehenden allgemeinen Erörterungen kri- tisirt er die „Untersuchung" im Einzelnen. Er weist nach, daß in dieser wichtigen Frage nicht nur die Arbeitgeber und Arbeiter, sondern auch die Geist- lichen, Lehrer, Richter, Kriminalstatistiker, Vermal- tungs-Beamte, die Fabrikärzte, die Militär-Aus- hebungs-Kommissionen u. s. w. gehört werden müs- fen unv daß auch die Statistik der Kranken-, Witt-

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wen- und Jnvalidenkassen werthvolles Matrial lie­fern werden. Der genannte Sozialpolitiker tadelt ferner, daß die Vorstands-Mitglieder der Fabrik- Krankenkaffen von der Befragung ausgeschlossen sein sollen, obgleich gerade den Fabrik-Krankenkaffen die weitaus große Mehrheit der Arbeiter angehört. Wenn dem ministeriellen Erlaß zufolge eine Ge­währ für die Abgabe eines „unbefangenen und un­beeinflußten Urtheils" gegeben ist, so ist in der That der Ausschluß der Vorstandsmitglieder der Betriebs-Krankenkaffen in hohem Grade bedauerlich. In sachlicher Beziehung, bemerkt die .Franks. Ztg.' zu den Ausführungen Hitze's, können wir dem Kritiker nur zustimmen, auch wir haben von An­fang an behauptet, daß bei dieser „Untersuchung" nichts Wesentliches herauskommen und daß das Resultat derselben von der Regierung ganz beliebig verwerthet werden könne, zumal bei dem Mangel der Behörden an Kenntniß der industriellen Ver- hältniffe von den „eigenen Beobachtungen der Beamten und Behörden" Nichts zu erwarten ist. Herr Hitze schließt seine Ausführungen mit den Worten: „Wir halten die ganze jetzige Enquete für verfehlt bezüglich ihres Zweckes wie ihrer Or­ganisation. Um so mehr haben alle Diejenigen, welche berufen sind, mitzuwirken, die ernste Pflicht, nach Ueberzeugung und Gewissen ihr Urtheil ab­zugeben. Aufgabe der Preffe wird es sein, auf alle Lücken und Unrichtigkeiten der Enquete aus- merksam zu machen."

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# D. B. Gunkelmann & Cie.

Die Wohnung Faacks hatte keines jener Merk­male an sich, welche das sichere Kennzeichen soge­nannter möblirter Wohnungen zu sein pflegen. Da war nichts vorhanden, welches nur für das Auge bestimmt gewesen wäre, ohne einem gewissen Zwecke zu dienen und ebenso wieder standen in den Zim­mern keine Geräihschaften welche die Art ihrer Nutzbarmachung verriethen; Alles athmete Eleganz, Solidität und praktischen Sinn.

Faack hatte unterdeffen sich des schwarzen Rockes entledigt, welchen er im Geschäfte trug und hüllte sich in einen kostbaren, graufarbigen Schlafrock mit rothen Aufschlägen und eben solchen Quasten. Auf den Kopf setzte er sich ein gesticktes, rothseidenes Käppchen, wie es ältliche, vornehme Herren zu Hause zu tragen pflegen.

Dann trat er an einen rerchgeschmtzten Wand­schrank heran, welchen er aufschloß, um demselben eine der vielen Flaschen mit versiegelten Köpfen und einen kostbaren Krystallkelch zu entnehmen.

Faack setzte des Trinkgeräth auf den Tisch und nachdem er sich noch seine Pfeife, welche den Stolz eines jeden Rauchers ausgemacht hätte, voll wohl­riechenden Tabak gestopft und in Brand gesetzt

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auch der Grund sein, weshalb es trotz manchen Bedenken schließlich doch die Zustimmung der Regie­rung gefunden hat.

* Es ist ergötzlich, aus den kulturkämpferischen Blättern zu ersehen, wie dieselben an dem Hirten­brief der preußischen Bischöfe herumexperimentiren, ohne recht zu wiffen, wie sie denselben deuten und ihren Wünschen anpaffen sollen. Kaum war der­selbe dem Inhalt nach bekannt geworden, da rief die .Köln. Ztg.': „Nachdem der Bischof von Pader- born tobt gemacht, ist der Episkopat wieder einig; Herr Korum hat gesiegt." Einen Tag später wies dagegen die .Franks. Ztg.' haarklein nach, daß eigentlich der Bischof D r o b e über den Bischof Korum gesiegt habe, und dann kam die ,Elberf. Ztg.' und bemerkte, der gemeinsame Hirtenbrief der preußischen Bischöfe ist „nicht der Sieg des preußischen Episkopats über Dr. Drobe, sondern der Sieg Windthorst's über den preußischen Episkopat." Die .Kreuzzeitung' hat klärlich dar- gethan, daß dies Mal auf der Bischoss-Konferenz die versöhnlichere Richtung unter den Bischöfen den Sieg davongetragen habe. Die.Elberf. Ztg.' dagegen resolvirt: „Bedeutete die Kundgebung einen Sieg der versöhnlichen Elemente, so hätte in ihr nothwendig die Verschiedenheit der Zustände zwischen heute und vor 11 Jahren wenigstens an­gedeutet werden muffen. Die Wiederbesetzung der Bischofsstühle, der Nachlaß der Anzeigepflicht für die Hilfsgeistlichen, der thatsächliche Fortfall des Kulturexamens — das wäre bei versöhnlicher Stimmung gewiß im Hintergrund des trüben Bildes mit ein paar flüchtigen Strichen angezeigt worden, wie es doch auch in verschiedenen Kundgebungen des Papstes der Fall gewesen ist." Kann es einen beffern Beleg dafür geben, daß man im nichtkatho­lischen Lager trotz mancher bitterer Erfahrungen heute noch ebenso unfähig ist zur Beurtheilung katholischer Dinge, wie vor 15 Jahren!

* Mainz, 27. Aug. Eine größere Darstellung über die kirchliche Lage im Großherzogthum Hessen, welche das neueste (achte) Heft vom Archiv für katholisches Kirchenrecht enthält, macht hier großes Aufsehen. Die Verlagshandlung von F. Kirchheim hier hat in Folge dessen einen Separat-Abdruck davon veranstaltet, welcher Ende dieser Woche aus­gegeben werden soll.

* Der diesjährige deutsche Weinbaukongreß in Colmar findet vom 19. bis 23. September Keinen Sinn für den ethischen Werth einer That habend, und den Vortheil erwägend, welcher aus ihr für ihn heraussprang, keine Autorität erken­nend, welche über ihm stehen könnte, war Faack dem gefährlichsten Auswurfe der Menschheit beizu­rechnen, denn die schlechten Thaten, welche er voll- brachte, entsprangen nicht dem Leichtsinn, sondern der eisig kalten Berechnung. Ec hatte alles erwogen in seinem verbrecherischen Geiste, ehe er daran ging, mit Hülfe des zufällig wieder getroffenen Zuchthausgenoffen seinen Freund und Wohlthäter in der gewissenlosesten Weise zu berauben; deßhalb geschahen die Diebstähle auch mit so vielem Raf­finement und machten eine Entdeckung beinahe unmöglich.

Wer auf einen Funken Gefühl bei Faack gerech- net, würde sich großen Illusionen hingegeben haben, denn in seiner Brust wohnte kein Herz, sondern einzig Arglist. Es paßt- ihm zu der Maske, die er trug, ein theilnehmende» Herz äußerlich zu zei­gen, und cs gelang dem abgefeimten Bösewicht nur zu gut, diese Larve mit Kunst zur Schau zu tragen.

Von seinem Standpunke aus hatte Faack also vollkommen Recht, wenn er sich einer behaglichen Stimmung hingab, denn er hatte alles, was er

gnferate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bet Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. August.

• Der Kaiser, welcher sich des besten Wohlseins erfreut, beabsichtigt, am Sedantage (2. Sept.) auf dem Tempelhofer Felde über die Truppen des Garde-Corps die große Herbstparade abzuhalten. Hieran soll sich dann am Nachmittage ein großes Parade-Diner im Weißen Saale des Königlichen Schlosses schließen.

• Das gestern publizirte Gesetz über das Spiel in außerpreußischen Lotterien wird zur Folge haben, daß jetzt in der bevorstehenden Session des Land­tags der Antrag auf eine Vermehrung der preußischen Loose von Neuem gestellt wird. Das Gesetz, das eigentlich Niemand recht gefällt, leistet den Bestrebungen nach einer Vermehrung der preußischen Loose direkt Vorschub. Das mag hatte, entkorkte er die Flasche und goß die schwärz­lich rothe, perlende Flüssigkeit in den bereitstehen­den Kelch.

Als dies geschehen, rollte er eine bequeme Chaise- longue herbei, welche in einiger Entfernung in dem Zimmer gestanden hatte, und streckte sich bequem auf derselben aus.

In mächtigen Rauchwolken blies er den Dampf der Pfeife in die Luft.

Soweit die vorgerückten Schatten der Abend­dämmerung es erkennen ließen, fühlte er sich glück- sich und behaglich, wenigstens gaben die zufriedenen Gesichtszüge von dieser Gemüthsstimmung Kunde.

Was sollte er auch nicht frohen Muthes fein?

Hatte er doch alles, was ihm nur irgend roün« scheuswerth erscheinen konnte, und genoß er doch die unbegrenzte Achtung seiner Mitmenschen, welche er alle, alle gründlich über seine Person getäuscht hatte.

Daß Faack sich keinen Skrupeln über sein Vor­leben oder gar wegen der schändlichen Verbrechen hingab, welche er innerhalb der letzten Jahre be­gangen und noch vorhatte, weiter zu begehen, läßt sich mit Leichtigkeit ermessen.

Seine Philosophie, die ihn von jeher zu leinen Thaten angetrieben, war eine erschreckend einfache.