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Donnerstag, den 27. August
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1885.
Di- .Fuldaer Zeitung- «scheint täglich. Sonn, und Feiertag, ausgenommen. Vierteljährlicher Ab°nnemen spre-z ohne Bn^rlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., - mrt der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und «lumett' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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Deutsches Reich.
Berlin, 26. August.
* Die ,flöht. Ztg.' hält ihre Nachrichten über die Karolinen und die Möglichkeit eines Schieds- spruches aufrecht. Als Schiedsrichter werden mehrfach König Humbert von Italien und König Leopold von Belgien genannt. Ob die Sache bereits so weit ist, erscheint zweifelhaft.
* In einer Kritik der „Schönhauser Stiftung" sagt die .Corresp. Nienk/:
Als zuerst der Plan des Reichskanzlers bekannt wurde, den Rest der Sammelgelder zu einer Stiftung für Kandidaten des höhern Lehramtes zu verwenden, haben wir von irgend welcher Begeisterung für diesen Zweck nichts bemerkt. Man erwartete und wünschte irgend eine humane That auf dem socialen Gebiet. Trotzdem ist dieser „philologische" Stiftungszweck aufrecht erhalten worden. Wie Fürst Bismarck zu einer solchen Vorliebe für den höhern Lehrerstand kommt, ist nicht abzusehen. Seiner Thätigkeit und seinem gewöhnlichen Jdeenkreise liegen doch die Philologie und die übrigen Gymnasial-Wissenschaften etwas fern. Eher hätten wir es noch begriffen, wenn der Minister des Auswärtigen bloß dieLehrer der neuern Sprachen, nicht die klassischen Philologen, berücksichtigt hätte. Da bekanntlich die Arbeiter zu der fraglichen Sammlung stark herangezogen worden sind, so hätte in erster Linie ein auch diesen Kreisen zu gute kommender Stiftungszweck sich empfohlen. Eben so wenig wie der Zweck der Stiftung, scheinen uns Namen und Einrichtung glücklich gewählt zu sein. Der Name „Schönhauser Stiftung" erinnert für ewige Zeiten an die Schenkung des Gutes, wofür die größere Hälfte der Sammelgelder in Anspruch genommen wurde. Wer an die Umstände und Zwischenfälle bei dieser Schenkung und an die Stimmung in weiten Kreisen der Geber sich erinnert, kann die Verewigung dieser Dinge nicht für vortheilhaft halten. Was die Verwaltung des Fonds angeht, so würden wir nichts dagegen sagen, wenn Fürst Bismarck selbst die unbeschränkte Disposition sich vorbehielte; denn ihm persönlich sind die Gelder anvertraut. Daß aber auch sein Nachkomme (der jeweilige Erbe von Schönhausen), ohne jede Beiheiligung anderer Personen, über die Unterstützung verfügen solle, macht die Sache zu einer Familien-Stiftung im strengsten Sinne, welche uns nur bann angebracht erscheinen könnte, wenn es um eine Stiftung aus dem Bismarck'schen Fa- milien-Vermögen sich handelte. Nach unserer Beobachtung war die Sammlung doch als persönliches Ehrenzeichen gedacht. Die Nachkommen des Reichskanzlers sind schon reichlich genug durch Schenkung des Gutes Schön-
# D. B. Gnrrkelurann & Cie.
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Am nächsten Tage empfing Viktor Hilker folgenden Brief:
„Lieber Viktor!
Du wirst erstaunt sein, mich so lange nicht mehr gesehen zu haben. Laffe mich in Kürze sagen, warum dies nicht geschehen konnte.
Dein Name ist befleckt mit dem schmählichsten, feigsten Verdacht, den es geben kann. Faack, der nichtswürdige, kriechende Heuchler, hat es gewagt, Dich der Entwendung der fehlenden Geldsumme aus dem Kassenschranke meines Vaters bei diesem zu verklagen. Mein Vater glaubte dem Verdacht und theilte uns alles mit.
Du kannst Dir denken, lieber Viktor, daß ich dem Vater heftig widersprach, und er entdeckte schließlich unser Verhältniß. Sofort gebot er mir, jeden Umgang mit Dir abzubrechen, und der väterlichen Weisung muß ich Folge leisten. Jndesien schreiben muß ich Dir, damit Du Dich sorgfältig vorsehen und Dich gegen Deinen Feind wirksam schützen kannst. Gebe Gott, daß unsere Prüfungszeit bald beendet sei und Du wieder rein und makellos vor der Welt dastehst. Ist dieser Zeitpunkt eingetreten, dann gehöre ich
hausen bedacht worden. Die Vertheilung der 40 bis 50 jährlichen Stipendien zu 100 M. könnten sie ruhig einem Cornitö unabhängiger, unparteiischer Männer überlasten.
* Essen, 25. Aug. Der bevorstehende neunte Kongreß der katholischen kaufmännischen Kongregationen und Vereine wird, nach den emsigen und umsichtigen Vorbereitungen zu schließen, seinen Vorgängern würdig zur Seite treten. Nachstehend theilen wir die Hauptpunkte des Festprogramms mit. Sonnabend, den 29. August, Abends 8 Uhr: Begrüßung der erschienenen Gäste in der Essener Tonhalle. Sonntag: Sitzung der De- legirten der kaufinännischen Kongregationen im Vereinslokale; feierliches Hochamt mit Festpredigt in der St. Gertrudiskirche; Berathungen der kaufm. Kongregationen und katholischen kaufm. Vereine im kleinen Saale des Stadtgartens; Festessen im großen Saale des Stadtgartens. Um 3 Uhr: Fortsetzung der Berathungen der Delegirten. Für die Nichtdelegirten: Besichtigung der Sehenswürdigkeiten derStadt Essen (Münsterplatz rc.). Abends 5!/2 Uhr: Gartenconcert im Stadtgarten. Um 7l/2Uhr: Festoecsammlung im Stadtgarten, während welcher u. A. 5 lebende Bilder aus Dreizehnlinden von Düfieldorfer Künstlern gestellt werden. Montag: Feierliches Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder in der Münsterkirche; Fortsetzung der Berathungen. Für die Nichtdelegirten: Wagensahrt zur Besichtigung des Wasser- thurms, der Zeche Elisabeth, der Krupp'schen Kolonien rc. Gemeinschaftliches Mittagessen im Stadt- garün. Festfahrt nach Werden a. d. Ruhr. Abends 8 Uhr: Schluß Fest-Versammlung im großen Saale des Stadtgartens.
* Münster, 25. Aug. Zugleich mit der 32. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands wird hier die Fünfte General-Versammlung des Cäcilien-Vereins für die Diözese Münster tagen. Wenn schon die jetzt noch in lebendiger Erinnerung stehenden, prächtigen Aufführungen des Dom-Chores auf der IX. General-Versammlung des Cäcilien-Vereins für alle Länder deutscher Zunge geeignet sind, die Freunde der Kirchenmusik in der nächsten Woche ihren Weg nach Münster lenken zu lassen, so wirkt das von Dom-Kapellmeister Hrn. Fr. Schmidt aufgestellte Programm in seiner Reichhaltigkeit wie Eigenart fast zwingend zum Besuche der Versammlung.
* Aus Nassau , 25. Slug. Allmählig rühren
i Dir, nur einzig Dir, und mag das Schicksal uns seine rauheste Seite zukehren, ich werde jede Schranke stürzen, um Dir anzugehören.
Deine getreue
Irmgard Gunkelmann.
P. 8. Ich bitte Dich schließlich, recht vorsichtig zu sein und nicht Deinem Zorne gegen Faack Ausdruck zu geben. Das würde Deine Sache nur verderben und mich zugleich kompromittiren. Sei Du der Kluge und beobachte unter dem Mantel der Ahnungslosigkeit scharf und genau. Es müßte nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn der Sieg nicht unser werden würde." Als Viktor Hilker diesen Brief gelesen, nochmals gelesen und wieder überflogen hatte, ließ er ihn mechanisch mit der aufgehobenen Hand sinken und lehnte sich schwer gegen einen der starren Eichbäume des Parkes, in welchem er sich gerade vor Beginn der Nachmittagsarbeit erging. Der heftige Stoß gab ihm einen Theil seiner Besinnung zurück und er vermochte tief aufzuathmen.
Träumte oder wachte er? Ihm, dem seine Ehre das Heiligste gewesen war sein Leben lang, ihm traute man eine so schmachvolle That zu!
Er hätte in Raserei ausbrechen und dem Schurken, welcher eine solche Verleumdung unternommen,
sich die verschiedenen Parteien, um in die Wahlbewegung einzutreten. VonSeiten der n as s aui s ch e n Centrumspartei wird zunächst eine „Landes- versammlung" für ganz Nassau in Limburg, dem natürlichen Mittelpunkte stattsinden, das schon öfters der Schauplatz solcher Versammlungen gewesen ist. Als Tag der genannten Versammlung ist Sonntag, der 6. September in Aussicht genommen.
* Aus Thüringen, 25. Aug. Am 20. d. M. tagte in Eisenach der Verband deutscher Leinen- Industrieller. Es waren 30 Delegirte aus allen deutschen Staaten anwesend. Die Versammlung besprach u. a. die Frage der Sonntagsarbeit. Man war der Ansicht, daß im Allgemeinen bei der Leinen-Industrie die Sonntagsarbeit nicht noth- wendig und auch nicht üblich sei; doch könnten bei verschiedenen Einzelbetrieben die Verhältnisse auch anders hegen. Betreffs einer Zoll-Union mit Oesterreich war die Haltung der Versammlung eine entschieden ablehnende, weil durch diese Zoll-Union die Leinen-Industrie Schlesiens auf's höchste gefährdet sei.
* Leipzig, 26. Aug. In dem Prozeß gegen Lieske wegen Ermordung des Polizeiraths Rumpff ist die vom Verteidiger des Angeklagten gegen das Urtheil des Schwurgerichtshofes eingelegte Revision vom Reichsgerichte verworfen worden. Es bleibt also bei dem Urtheil des Schwurgerichts. Die wesentlichen Entscheidungsgründe lauten: Die erste Beschwerde, wonach mehrere Zeugen aus der Schweiz nicht persönlich abgehört und vereidigt worden sind, erscheint unbegründet, weil der Aufenthalt des einen Zeugen nicht zu ermitteln und die Ladung der anderen Zeugen erfolglos war, indem zwei derselben ihr Erscheinen von unzulässigen Bedingungen abhängig machten und einer sein Erscheinen überhaupt ablehnte. Ein Zwang konnte gegen diese Zeugen nicht geübt werden, weil sie im Auslande wohnten. Die Verlesung der in der Schweiz erstatteten Zeugenaussagen war unter solchen Umständen zulässig. Der zweite geltend gemachte Revisionsgrund, daß die Schuldfrage den Geschworenen nicht präzis genug gestellt worden sei, ist ebenfalls nichtig; denn die Spezialisirung der Frage, ob der Angeklagte der Thäter oder ein Mitthäter war, ist nach § 293 der Strafprozeß-
die gebührende Züchtigung zu Theil werden lassen mögen.
Doch nein! Irmgard, die treue Irmgard, hatte Recht. Sich nicht vom ohnmächtigen Zorne zu irgend einer raschen That hinreißen lassen, sondern den eifrig Beobachtenden und Untersuchenden machen, das war der einzig richtige Weg, welchen er zu seiner Rechtfertigung einschlagen mußte.
Am liebsten wäre er sofort aus seiner Stellung geschieden, in der man seine Ehre, daß Höchste was er besaß, anzutasten sich nicht gescheut hatte. Aber auf der anderen Seite begriff Viktor wohl, daß er sich damit der einzigen Möglichkeit beraubte, seine gekränkte Ehre zu retten. Er mußte bleiben und ausharren.
Jetzt begriff er auf einmal das rätselhafte, kalte Benehmen des Handelsherrn gegen ihn und das schadenfrohe, höhnische Grinsen, welches Faack ihm zeigte, sobald er ihn sah.
Was hatte er dem Elenden gethan, daß er ein so schändliches Spiel gegen ihn trieb? Eifersucht auf ihn, konnte Faack, der sein Verhältniß mit Irmgard vermuthlich durchschaute, nicht allein zu dieser Verleumdung bewogen haben.
Er mußte der Sache auf den Grund kommen und den Schleier, der das geheimnißvolle Verbre-