JV 192.
Dienstag, den 25. August
Fuldaer
1885.
Di. .Fuldaer Zeitung' erscheint »»glich. Sonn, und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher 1 S”t 50 ^8-' - mit bet
belletristischen Wochenbeilage ,Sterne «nd Blumen' m Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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* Das gemeinsame Hirtenschreiben der preußischen Bischöfe, welches am Sonntag von allen Kanzeln der preußischen Diözesen verlesen wurde und in unserer gestrigen Nummer zum Abdruck gelangte, bildet die erste Kundgebung des Gesammtepiskopates seit jenem denkwürdigen Hirten- briefe, worin die Oberhirten vor 11 Jahren ihre Heerden auf die Gefahren des kirchenpolitischen Kampfes vorbereiteten und zur Einigkeit ermahnten. Die jetzige gespannte Situation, wo unsere Gegner durch Versumpfung des Kulturkampfes ihre Endziele zu erreichen hoffen, mußte dem Episkopat den Gedanken an einen neuen Gesammthirtenbrief nahe legen, worin sie die ihrer Obhut anvertrauten Gläubigen auf die Gefahren der Gegenwart und die Heilmittel dagegen aufmerksam machten. Die Feinde der Kirche selbst verzweifeln an der Erreichung ihrer Ziele auf geradem Wege; darum spckuliren sie auf die Zwietracht in unseren so lange festgeeinten Reihen, darum suchen sie durch übertriebene Anpreisung der uns zu Theil gewordenen Linderung das Volk einzuschläfern, und reden ihm ein, daß mit der Wiederherstellung der kath. Hierarchie und der Einrichtung einer Roth- seelsorge ja das wesentlichste Bedürfniß befriedigt und so ziemlich alles in Ordnung sei. Indessen diese gegnerische Spekulation muß Fiasko machen. Der Episkopat, der das kath. Volk kennt, ist in dem Hirtenschreiben voll des Lobes über die Treue, welche Klerus und Volk in dem letzten Jahrzehnt gegen die Kirche bewiesen, und diese Anerkennung aus solchem Munde ist ein um so ehrenderes Denkmal, als die Bischöfe selbst hervorheben, wie man die Treue und den Gehorsam gegen die Kirche und deren Gesetze durch allerlei Lockungen wankend zu machen und durch Leiden zu brechen suchte. Die Lockungen des Kulturkampfes waren in der That endlos. Patronen und Gemeinden bot man das Recht, sich Pfarrer ohne kirchliche Sendung zu wählen, den Priestern bot man fette Pfründen, den Weiterbezug des Staatsgehaltes, die Möglichkeit, gegen ihre Oberen an den kirchlichen Gerichtshof zu appelliren. Den Beamten legte man Staatskatholiken-Adreffen zur Unterschrift vor und kath. Lehrer begrüßte man als Bundesgenossen in dem Kampfe gegen Rom. Doch wie wenig hat man mit diesen Lockungen erreicht! Es kam zu keiner einzigen Pfarrerwahl; die wenigen
chs: D. B. Gunkelmann & Cie.
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„Sofort, Papa," versetzte das junge Mädchen eifrig. „Ist es denn wirklich wahr, daß ein neuer Einbruch geschehen ist?"
„Ja, mein Kind," äußerte der Handelsherr finster, „es hat sich sogar noch weit mehr zuge- tragen. Rufe mir die Mutter herbei. Den grausamsten Verrath an Treue und Glauben sollt Ihr erfahren!"
„Mein Gott, was soll das bedeuten?" fragte das junge Mädchen. Aber der Vater winkte ihr mit leichter Ungeduld, den erhaltenen Befehl aus- zuführen und Irmgard folgte dieser Weisung mit hoch klopfendem Herzen.
Es dauerte lange, ehe Frau Gunkelmann an Jrmgard's Seite den Salon betrat.
Der Kaufherr war unterdessen an den Kamin getreten, welcher dem Zimmer wohl mehr zur Zierde als zur Erwärmung zu dienen berufen war, und hatte den Kopf auf die Hände gestützt.
Einige Sekunden noch stand er in finsteres Brüten versunken, von Gattin und Tochter mit gespannter Unruhe betrachtet, dann schlug er un- willig den ausgestützten Arm auf den Kaminsims nieder und brach aus:
Staatspfarrer, die sich fanden, wurden vom Volk vollständig gemieden und haben sich zum Theil schon wieder mit der Kirche ausgesöhnt; die altkatholische Bewegung, die man so sehr protegirte, hat keine an sie geknüpfte Hoffnung gerechtfertigt, und durch nichts konnte die volle Resultatlosigkeit aller gegnerischen Bemühungen besser charakterisirt werden, als durch das Falkssche Wort: „Man glaubt uns nicht mehr!" Aber eben sowenig wurde die kirchliche Treue gebrochen durch die Leiden, auf welche das Hirtenschreiben weiter hinweist: Absetzung und Kerker, Ausweisungen und Vermögensnachtheile, nichts brach die Treue des Klerus, dem der Episkopat als Muster voranging, und das katholische Volk legte sich die schwersten Opfer auf, damit der Klerus nicht darbte. Selbst die Spekulation derer, welche von geringfügigen Erleichterungen sich eine Einschläferung des Volkes versprachen, wurde zu Schanden; das beständige Anwachsen des Centrums liefert den Beweis dafür. Wenn also der Episkopat für diese Treue seine Anerkennung ausspricht, so ist dieselbe in der That gerechtfertigt, aber zugleich liegt darin der bischöfliche Wille bekundet, mit derselben Treue für die Befreiung der Kirche fortzuwirken. Es ist in diesem Aktenstücke derselbe bischöfliche Geist, derselbe Opfer- muth, der aus dem Hirtenbriefe vor 11 Jahren sprach, und sollte es nöthig sein, wird der jetzige Episkopat ebenso standhaft und muthig sich erweisen, wie der vor 11 Jahren. Aber eben weil die jetzigen Oberhirten ebenso .gesonnen sind, wie ihre Vorgänge'', können sie M der Tyrgen für die Zukunft nicht entschlagen. Zwei Dinge sind es, welche der Gegenstand der bischöflichen Sorge sind: 1. die Gefahren, die der Jugend drohen, und 2. der Seelsorgsmangel. Die Gefahren der Jugend sind heute unstreitig größer als vor zehn Jahren. Die Erziehung der jungen Lehrer in den ganz verstaatlichten Seminaren nach Falscher Methode, die Aufhebung der geistlichen Schulinspektion, die Nichtzulassung vieler Priester zur Ertheilung des schulplanmäßigen Religionsunterrichts, owie der Priestermangel, der die frühere gründliche Unterweisung und religiöse Erziehung unmöglich macht, sind eben so viele Ursachen der Gefahren, die der Jugend drohen. Eben derselbe Priestermangel aber ist auch eine Quelle des religiösen und sittlichen Verfalls der sich namentlich in den großen Arbecker- centren geltend macht und, falls er länger dauert,
„Wir haben einen Dieb im Hause!"
„So ist der schändliche Urheber der Einbrüche entdeckt?" riefen Mutter und Tochter wie aus einem Athem.
„Noch nicht entdeckt!" äußerte der Handelsherr mit gerunzelter Stirn. „Ich wollte, es wäre so weit! Aber wir wissen, wer es ist."
„Doch nicht gar Jemand von Deinem Personal, Papa?" fragte Irmgard rasch.
Der Vater nickte ernst mit dem Kopse.
„Aber wer könnte das sein?" fragte Frau Bertha gespannt, welche plötzlich ihre leidenden Nerven vergessen zu haben schien.
„Doch nicht gar der Buchhalter Faack?" fragte Irmgard athemlos.
Der Handelsherr schaute seine Tochter einen Moment betrogen an.
„Wie kommst Du auf diesen Gedanken?" gab er zurück.
„Ich — ich dachte —" stammelte Irmgard. Gunkelmann schüttelte voll Unwillen den Kopf. „Man muß nie Etwas aussprechen," sagte er dann verweisend, „was man nicht durch den Beweis zu bekräftigen vermag. Im Uebrigen ist Faack, wie Du weißt, mein Freund, mein bester Freund sogar, der mein rückhaltloses Vertrauen
blos den Sozialisten und Anarchisten Freude bereiten kann. An wem liegt nun aber die Schuld für diese Uebelstände? Die Bischöfe selbst sagen: Wir möchten euch die Fülle des Segens so gerne spenden, aber wir sehen unsere Hände noch immer gebunden. In der That befindet sich der Episkopat in vinculis. An uns, dem katholischen Volke, ist es, alles aufzubieten, um diese Banden zu beseitigen. Der Weg, das Mittel dazu ist die ein- müthige energische Geltendmachung unserer politischen Rechte nächst dem eifrigen Gebete um Erleuchtung für die gesetzgebenden Faktoren. Bald wird wieder das katholische Volk an die Wahlurne gerufen werden. Bei der gegenwärtigen Lage handelt es sich bei dem Wahlakte auch zum Zeugnißablegung für unsere Einigkeit und Festigkeit, sowie für unsere Treue gegen die Kirche. Eine lässige Erfüllung des Wahlrechts würde von unfern Gegnern sofort als der Anfang unserer Erschlaffung, als der erste Erfolg der Versumpfungs- und Einschläferungspolitik betrachtet werden und sie zum Fortschreiten auf dieser Bahn ermuthigen. Nichts legen die am Grabe des heiligen Bonifatius versammelten Bischöfe dringender uns an's Herz, als die „Einigkeit" und „Festigkeit" in der Treue gegen die Kirche. Die ,D. Rchsztg.' macht hiezu eine z. Z. nicht übel angebrachte Nutzanwendung, indem sie sagt: Diese „Einigkeit" und „Festigkeit" in der Treue gegen die Kirche auf's Neue zu beweisen, bietet uns bald Gelegenheit — der kommende Wahltag. —
Deutsches Reich.
Berlin, 24. August.
• Wie die .Köln. Ztg.' aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat die deutsche Regierung vorgeschlagen, die Streitfrage wegen der Karolinen-Inseln dem Schiedsgericht einer befreundeten Macht zu unterbreiten.
♦ Die ,Kobl. Ztg? meldete vor einigen Tagen, daß ihr von befreundeter Seite die Privatnachricht zugegangen sei, die „Augusta" sei gerettet und in Sidney angekommen. Die ,Germ.' dagegen knüpfte an diese Nachricht ihre Bedenken. Leider waren dieselben nur zu gerechtsertigt. Aus Kiel wird der ,Voss. Ztg/ geschrieben: „Die Befürchtungen über das Schicksal der Kreuzer-Korvette „Augusta", Kommandant Karvetten-Kapitän von
in jeder Hinsicht verdient. Ich kann nicht begreifen, wie Du den Namen dieses Ehrenmannes mit einem Verbrechen in einem Athemzuge zu nennen vermagst!"
Der Kaufherr hatte sich in eine ungewöhnliche Aufregung hineingesprochen und ging nun hastig einige Male auf und nieder.
„Aber ich bitte Dich, Ehrfried," sagte Frau Bertha, welche auf dem Sopha Platz genommen, ungeduldig, „willst Du uns nicht enrlich den Namen des Schuldigen nennen?"
Irmgard war es plötzlich, als ginge ihr ein Stich durch das Herz. Mit in ihren Augen sich wiederspiegelnder Seelenangst hing ihr Blick an den Lippen des Vaters, als ob das nächste Wort von diesem ihren Untergang besiegeln müsse.
„Der Ungetreue," rief Gunkelmann, „ist mein Hauptkassirer, Viktor Hilker!"
Em Schrei entfuhr den Lippen des jungen Mädchen», so daß ihre Eltern bestürzt emporfuhren.
„Was ist Dir, Kind?" fragte der Vater, auf Irmgard zueilend.
Aber diese winkte ihm abwehrend.
„Nichts, nichts, mein Vater," sagte sie schwach. „Ein Zufall, der Nichts zu bedeuten hat. Wer