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Sonnabend, den 22. August
1885
Bilder aus „Dreizehnlinden" durch denselben Verein beigewohnt hat, wird mit großen Erwartungen der oben erwähnten Aufführung entgegensehen. Die Aufführung findet am Montag, 31. d., in der Festhalle statt.
* Hildesheim, 20. Aug. Seit vorgestern werden unter Leitung des hochwürdigsten Bischofs Wilhelm hier Priester - Exercitien abgehalten, zu welchen der Diözesanklerus sich überaus zahlreich eingefunden hat. Weit über die Hälfte des ge- sammten Klerus soll sich an den hl. Hebungen, die nach längerer, durch den unseligen Kulturkampf verursachten Unterbrechung heuer zum ersten Male wieder stattfinden, betheiligen, gewiß ein schöner Beweis der kirchlichen und priesterlichen Gesinnung unseres Klerus, der sicherlich auch seinem Ober- hirteu Dank wisien wird, daß derselbe die Exercitien trotz der mannigfachen noch sich darbietenden Schwierigkeiten ermöglicht hat.
* Vom Kölner Handwerkertag wurde folgendes „Aktionsprogramm" angenommen:
„Sämmtliche deutschen Sandwerker-Verbände, Fachverbände, Innungs-Ausschüsse, Innungen und Vereine bilden eine gewerbepolitische Vereinigung zur Erreichung von gesetzlichen Reformen zur Hebung des Handwerkerstandes und zum vollständigen Ausbau seiner Organisation. Die Vereinigung tritt in Kraft, sobald es sich I. um politische Wahlen handelt. In diesem Falle ist frühzeitig durch die leitenden Vorstände ein einheitliches Wahlprogcamm aufzustellen, sämmtliche Mitglieder obiger Vereine damit zu versehen und durch Anlehnung an die Organisation des Allgemeinen deutschen Handwerkerbundes nach Reichstagswahlkreisen dieselben anzuweisen, . sich für diese Gelegenheit zu vereinigen und durch Wahl eines Kreisvorsiandes gegenüber den politischen Parteien die Vertretung des gewerblichen Wahlprogramms möglich zu machen und durchzuführen. II. Bei Erlaß von Massen-Petitionen. Sobald eine Petition von prinzipieller Bedeutung von irgend einer Seite angeregt wird, soll der Tenor dieses Schriftstückes an die Vorstände der Handwerks- und Fachverbände zur Vorbe- rathung überwiesen und nach Feststellung des Tenors sämmtliche» Mitgliedern zur Absendung an die gesetzgebenden Faktoren überwiesen werden. IIr. Bei Einberufung und Abhaltung von allgemeinen deutschen Handwerker- und Innungs-Tagen. Durch das Zusammenwirken sämmtlicher Verbände und ihrer Vorstände ist für das Zustandekommen eines jährlichen großen allgemeinen deutschen Handwerkertages Sorge zu tragen, da nur durch Stattfinden eines jährlichen großen allgemeinen deutschen Handwerkertages die gesetzgebenden Faktoren, die politischen Parteien, die öffentliche Meinung und 6er Handwerkerstand selbst für unsere Forderungen zu gewinnen, und die richtigen Mittel und Wege für die gewerbliche Reform zu beschließen sind. IV. Die Spitze zur geschäftlichen Vertretung des Aktionsprogramms bildet der allgemeine deutsche Handwerkerbund, dessen Vorstand die Aufgabe hat, alle hierdurch entstehen
den Geschäfte wahrzunehmen. V. Die hierbei nothwen- digen finanziellen Mittel werden unter dem Titel Aktionsfonds durch freiwillige Beiträge obiger Vereinigungen aufgebracht und an den Centralvorstand des allgem. deutschen Handwerkerbundes abgeführt und dort verwaltet."
• Straßburg, 21. Aug. Die Ausweisung des auf seinem Gute im Reichslande residirenden früheren französischen Gesandten Roth an ist bekanntlich erfolgt, weil dieser zum Vicepräsidenten der Patriotenliga gewählt worden war. Rothan hatte gegen seine Wahl protestirt und sich an den Reichskanzler um Schutz gewandt, jedoch die Antwort erhalten, daß der Reichskanzler nicht in der Lage wäre, bei Maßregeln der reichsländischen Regierung zu interveniren. Rothan ist Inhaber eines preußischen Ordens. Er erhielt 1866 den Rothen Adler-Orden. Wenn's wahr ist, mag Hr. Rothan sich an den vielen Jesuiten trösten, denen es ebenso ergangen ist.
Ausland.
• In Antwerpen wurde in diesen Tagen die Feier der dreihundertjährigen Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes und der beim Volke so außerordentlich beliebten Muttergottes-Procession feierlich begangen.
* In Holland bemühen sich die Katholiken und gläubigen Protestanten seit einem Jahrzehnt, um die liberale Herrschaft zu brechen. Wenn auch das augenblickliche Verhältniß der Parteien in der zweiten Kammer — 43 gegen 43 — beide Tbeile lähmt, so übt doch das Bewußtsein, aus der Mehrheit verdrängt zu sein, auf die Liberalen einen mächtigen Einfluß aus. Sie fühlen sich nicht mehr als absolute Herren der Lage, und wisien, daß sie auf eigene Faust nichts mehr auszurichten im Stande sind, daß also auch das große Werk der Verfassungsrevision scheitern wird, wenn die „klerikalen" Forderungen unbeachtet bleiben.
* Paris, 20. Aug. Die Ausweisung des Herrn Rothan aus Elsaß-Lothringen erregt hier großes Aufsehen und wird von den Blättern lebhaft besprochen. Dabei wird das Berechtigte dieser Maßregel an sich von allen Blättern zugegeben, nur bestreiten dieselben vielfach, daß die kaiserliche Regierung in Elsaß-Lothringen in dem vorliegenden Falle einen genügenden Grund gehabt habe, von jenem Ausweisungsrechte einen Gebrauch zu machen. Einige Blätter fordern die französische
Fuldaer
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— mit der
Deutsches Reich.
Berlin, 21. August.
* Das bevorstehende 25jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers alsKönigvonPreußen, 2. Januar 1886, regt in militärischen Kreisen zu einer ganz eigenartigen Ovation an. Es besteht nämlich die Absicht, alle Diejenigen, welche „Sr. Majestät Schlachten geschlagen", zu einem Festzuge zu vereinen, also diejenigen ehemaligen Militärs, welche die Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 mitgemacht haben, soweit dieselben zu der Ovation herangezogen werden können. Die Theilnehmer des Festzuges hätten sich nach Truppentheilen zu ordnen, sodaß ein Jeder zu demjenigen Truppen- theile tritt, welchem er in dem Feldzuge, den er mitgekämpft hat, angehörte. Nachdem von höchst autoritativer Seite diese Jvee Anerkennung gefunden, sind die Urheber derselben zur Bildung eines provisorischen Komito's geschritten, dessen Namen in nächster Zeit veröffentlicht werden sollen. Kommt die Ovation zu Stande, so dürfte die Hauptstadt etwas Aehnliches noch nicht gesehen haben.
* Der preußische Gesandte beim Vatican, v. Sch lözer, wurde hier bei Hofe mit besonderer Bevorzugung empfangen. Die Angabe, als ob Verhandlungen stattfänden, wird officiös als durchaus unbegründet erklärt mit dem Bemerken, die preußische Regierung habe nach Ablehnung ihres Vorschlages durch dir Curie keine weitere Schritte getban.
• Aus Posen meldet die .Vossische Zeitung', daß nach Warschauer zuverlässigen Nachrichten auch die russische Regierung mit der Ausweisung deutscher Unterthanen vorzugehen beginne.
* Münster, 21. Aug. Von Seiten des katholischen Studenten-Vereins „Germania" wird den Bewuchern der Katholiken-Versammlung ein jedenfalls großer Kunstgenuß geboten werden, nämlich die Aufführung lebender Bilder aus der Geschichte Münster's, eingeleitet durch einen poetischen Prolog, und verbunden durch Declamation eines von einem Bilde zum andern leitenden Textes. Prolog und Text sind gedichtet von stuck, phil. Schwering, der sich durch seine poetischen Beiträge in Zeitschriften bereits vortheil- haft bekannt gemacht hat. Das Arrangement der Bilder leitet Hr. Bildhauer Schmiemann. Wer im vorigen Jahre der Aufführung der lebenden
# D. B. Gunkelmann & Cie.
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Damit begann Dr. Wendelin unter Zuziehung einiger Unterbeamten die gesummten Geschäftsräume einer eingehenden Durchsuchung zu unterziehen. Dasselbe geschah, nachdem dies resultatlos geblieben war, mit den särnmtlichen Wohnungen der Bureauan- gestellten, um ebenso vergeblich auszufallen. Bitter enttäuscht mußte der Richter endlich seine Thätig- keit einstellen.
„Geben wir unsere Hoffnung noch nicht auf," äußerte er in ermuthigendem Tone zu bem Handelsherrn, nachdem er die Aufhebung des Personalarrestes den Anwesenden verkündet hatte.
Gunkelmann zuckte geringschätzend die Schultern.
„Ich bin der Ansicht, man muß den Dieb sofort erwischen, oder man entdeckt ihn nie. Indessen bitte ich Sie, in Ihren Bemühungen fortzufahren. Um auch meinerseits nicht zurückzubleiben, erkläre ich, Demjenigen oder Denjenigen, welche mir den Thäter zur gerichtlichen Belangung nachweisen können, nach erfolgter Verurtheilung die Summe von zwanzigtausend Mark bewilligen zu wollen."
Die letzten Worte hatte er mit so lauter, scharf accentuirter Stimme gesprochen, daß sie Jedermann gehört und verstanden haben mußte.
Als sich das Kriminalamt wieder entfernt hatte, äußerte der Handelsherr in dem gewohnten, kühlen Gefchäftstone zu feinem Gefammtperfonal:
„Ich hoffe, daß Jeder in feiner Arbeit fort» fahren wird, als ob Nichts geschehen sei. Das wird mir die beste Theilnahme sein, welche mir für den eben erlittenen Verlust bewiesen werden kann."
Damit wendete er sich und ging mit Faack in sein Privatkabinet, dessen Thür er hinter sich zu- madjte.
„Hören Sie, Faack," sagte er gedämpft, „haben Sie irgend welchen Verdacht? Daß Jemand aus dem Geschäfte der Thäter gewefen sein muß, ist über jeden Zweifel erhaben!"
Faack sah den ihn gespannt betrachtenden Kaufherrn voll an.
„Ja, Herr Gunkelmann," sagte er, als ob er in seinem Innern von dem Folgenden völlig überzeugt wäre, „ich habe nicht nur einen Verdacht, sondern ich kenne den Schuldigen, welcher das Verbrechen aussührte, so genau wie mich."
Gunkelmann schlug die Hände über dem Kopf zusammen und einen Augenblick wollte es scheinen, als ob er aus seiner gewöhnlichen, vornehmen Ruhe treten wollte.
„Faack, warum haben Sie Ihren Verdacht nicht dem Untersuchungsrichter rnitgetheilt?"
„Weil mein Wisien, meine Ueberjeugung noch nicht eine solche für den Untersuchungsrichter sein würde. Er darf nur nach juristischen Gründen entscheiden, während mich mein Gefühl leitet."
„Und wer sollte der Nichtswürdige fein ?" fragte der Handelsherr scharf.
„Er ist in Ihrem Geschäft thätig, Herr Gunkelmann," verfitzte der Buchhalter mit geheimniß- voller Stimme.
„Und wer — wer ist es?"
„Viktor Hilker I" flüsterte Faack, dicht an Gunkelmann herantretend und mit scharfem Blicke die vernichtende Wirkung seiner Worte beobachtend.
„Unmöglich!" rief der Handelsherr. „Der junge Mann ist die personifizirte Ehrenhaftigkeit und zu solcher That nicht fähig!"
Der Buchhalter lächelte spöttisch.
„Das glaubte auch ich bis heute Morgen," versetzte er mit dem Tone tiefinnigster Ueberjeugung, „aber seitdem ist meine Meinung gewaltig erschüttert."
„Reden, sprechen Sie!" rief der Handelsherr i voll erregter Unruhe.