M 186.
Dienstag, den 18.k August
Fuldaer
1885.
hingewiesen werden. Diese Leute wissen ganz genau, daß eine Realisirung ihrer eigentlichen Absichten unter den heutigen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit ist, aber sie wähnen doch nach und nach kleine Bruchstücke von dem festen Thurm des Centrums abzubröckeln und handeln dabei nach dem Grundsatz: „Steter Tropfen höhet den Stein." Man darf sich deshalb gegenüber diesen stets wieder- holten Versuchen, Zwietracht in unseren Reihen zu säen, nicht allzusehr in Sicherheit wiegen, man muß auch für die Zukunft, und selbst für die fernere Zukunft vorzubeugen bemüht fern. Nur durch die eifrige Wachsamkeit, die besonnene Energie der katholischen Presie und der berufenen Vertreter des katholischen Volkes ist es bisher gelungen, dem Feinde siegreich zu trotzen, seine Anstrengungen im Bewußtsein der eigenen Stärke zu verlachen.
Der herrliche Triumph, den die katholische Einigkeit jetzt eben erst erlebt hat und tagtäglich erlebt, muß uns mit Muth und Hoffnung für den endlichen guten Ausgang unserer rastlosen Bestrebungen erfüllen. Was ist denn heute noch von jenen drohenden Wolken zu sehen, mit denen die kulturkämpferische Phantasie in letzter Zeit die katholische Einigkeit umgab? Der künstliche Nebel ist auch für die blödesten Augen vollständig ge- wichen, und wenn die Kulturkämpferprcsse überhaupt noch einen Rest von Schamgefühl hätte, würde sie das empsindliche Fiasko, das sie Schlag auf Schlag erlitten hat, nicht so leicht verschmerzen. Die Fa^el vom .friedliebenden, versöhnlichen, gemäßigten" Papst" der der „Hetzereien seiner jesu- itischen Umgebung" und des „Treibens der jesuitischen deutschen Hetzpreffe" müde sei, der tue .Germania' und ihre sinnesverwandten Kolleginnen nächstens energisch maßregeln werde, ist verstummt. Der Wortlaut der letzten päpstlichen Allokution und der Ansprache des Papstes an den Kardinal Melchers, die freimüthige päpstliche Lobpreisung des standhaften Martyriums des vormaligen Kölner Erzbischofs, die offene Sprache des neuen Kardinals selbst in seinen verschiedenen neuesten Kundgebungen, der Verlauf des Paderborner Zwischenfalles mit allen feinen Enttäuschungen für die Hintermänner der .Kreuzzeitung' und die ganze kulturkämpferische Gesellschaft, vor allem auch die letzte offizielle Kundgebung der Paderborner bischöflichen Behörde, der Verlauf der Fuldaer Bischofskonferenz, ja selbst das blamable Ergebniß der schmählichen Denun-
-rr Die katholische Einigkeit
ist schon seit langer Zeit unseren Gegnern ein Dorn im Auge, ihr galt von jeher der feindliche Ansturm, und um sie zu vernichten oder wenigstens zu schwächen, war kein Weg zu schmutzig, kein Ver- such zu mühevoll. In jüngster Zeit richtet sich der gemeinsame Kampf der sonst feindselig getrennten Heereshaufen unserer Gegner wieder mit erneuter Kraft, mit fanatischer Ausdauer und mit allen Hilfsmitteln der Lüge, Verleumdung, Verhetzung und Hinterlist geg n das bisher unversehrte Bollwe.k der katholischen Einigkeit. Selbst den von allen Katholiken des Erdenrundes gleich hoch verehrten Nachfolger Petri, das erhabene Oberhaupt unserer hl. Kirche, den Papst wollte eine gleißnerische Schaar von liberalen Preßtrabanten in Gegensatz zu den treuen und standhaften Katholiken Deutschlands bringen; der aus seinem deutschen Vaterlande verbannte Kardinal Melchers und sein Nachfolger auf dem Kölner Erzstuhle mußten gleichmäßig dazu herhalten, von den Kulturkämpfern ihrer besondern Freundschaft und Anerkennung gewürdigt zu werden. Der kernige Stamm der urkatholischen Westphalen sah sich lange Zeit von den geistigen Umarmungen und Liebkosungen einer kirchenfeindlichen Heuchlergesellschaft umgarnt, einige von kirchlichen Fragen ganz unabhängige abweichende Meinungsäußerungen des ,Wests. Mei kur' und der sattsam bekannte Pader- bormr Erlaß sollten Zeugniß ablegen dafür, daß der „ehrliche", „kernige", „echt deutsche" Sinn des katholischen Westphalenvolkes sich mit Abscheu von der Kampfesmanier der sog. Extremen abwende. Auch abgesehen von diesen Einzelfällen, wird in der gesammten deutschen Presse unisono das Klage- lieb von der angeblichen Verschärfung der konfessionellen Gegensätze, von der angeblichen Prok- lamirung des Religionskrieges ■ durch die extreme Centrumspreffe abgewandelt, und so heißt es denn in den um die Existenz ihrer Partei besorgten liberalen Blättern, in den bevorstehenden Wahlkämpfen müßten alle Parteien gegen die Katholiken, gegen das Centrum zusammenstehen, natürlich im Jntereffe des Friedens.
Wir glauben wahrlich nicht, daß die Berechnungen der Gegner von Erfo'g begleitet sein werden, aber dennoch muß immerfort auf diese finsteren Schleichkünste der feindlichen Sturmkolonne
D. B. Gnnkelmann & Cie.
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Die Erinnerung an die Zeit, welche Willem erwähnte, schien nicht die angenehmsten Gedanken in des Fremden Seele wachzurufen. Seine Augen schoflen Blitze auf den Sprecher und feine Stirn verfinsterte sich, als hätte er nicht übel Lust, den Genossen zu Boden zu schlagen.
Aber noch rechtzeitig besann er sich, in welcher Umgebung er sich befand. Mochte er in der eleganten Welt immerhin den noblen Herrn spielen, hier war er nicht mehr, als jeder der Anderen: em Verbrecher unter Verbrechern.
„Oho," gab der Andere voller Spott zurück. „Wirst Dich doch nicht schämen wollen, uns anzugehören? Sieh Dich nur in den Spiegel, dann wirst Du gleich unsere Zusammengehörigkeit erkennen. Trägst dieselbe abgeblaßte, gelbe Gesichtsfarbe, wie wir alle mit einander I Aber Keinem ist es ergangen wie Dir. Du haft wirklich ein bodenloses Glück gehabt!" ,
„Glück?" versetzte sein Genofle m kühlem Tone, sich" eine neue Cigarre anzündend. „Nicht, das ich wüßte!"
„Ach, so sperre Dich doch nicht," rief Willem.
ciation einiger preußischen Theologen durch die .Nationalzeitung' und der total mißglückte Versuch, einen deutschen Bischof als Patron der konfessionslosen Waisenerziehung in's Feld zu führen - alles dies begreift ein Fiasko unserer Feinde m sich, wie wir es gründlicher kaum erhofft haben.
Die katholische Einigkeit ist unversehrt, und es war in den jüngsten Tagen eine Freude,^zu beobachten, wie die streitbare katholische Presse Deutschlands mit seltener Einmüthigkeit dem Anprall der vereinigten Gegner die Stirne bot, wie namentlich das unerschrockene Vorgehen der .Germania' allenthalben die lebhafteste Billigung und Anerkennung fand. Man sagt oft der katholischen Preffe nach, sie werde von einem der Welt unsichtbaren Einfluß, von einer Art jesuitischer Nebenhierarchie geleitet, sie unterwerfe sich einem blinden Gehör- fam und wie alle diefe Redensarten lauten mögen. Die'Leiter der katholischen Zeitungen selbst werden doch am besten wiffen, wem sie gehorchen, und welchen Einflüssen sie unterstehen. Und da können wir mit gutem Gewiflen sagen, daß vielleicht m keiner Partei die Preffe so unabhängig dasteht, wie im Centrum, daß aber trotzdem in keiner Preise eine größere Uebereinstimmung der Ansichten herrscht, als in unserer katholischen Parteipresse. Wenn irgend eine kirchenpolitische Nachricht eintrifft, dann sieht man die katholischen Blätter in allen Gegen- den des großen Vaterlandes sofort und ohne Bedenken ihr Urt eit abgeben, da wird nicht lange auf einen „Wink" oder einen „Befehl gewartet, wie das fonstwo nicht selten vorkommen soll. Nur aus der eigenen Ueberzeugung schöpft Je°erm arbeitet der weitverzweigten katholischen Preffe alsbald seine Meinung, die sich denn auch regelmäßig mit denen der Gesinnungsgenoflen deckt. Wir haben kein geheimes Depeschensystem, etwa mit dem Mittelpunkt Berlin, Hannover oder Rom, und doch sind wir stets wie auf ein geheimes »eichen eines Sinnes in jeder wichtigen Frage. Und wenn man fragt, woher das wohl kommen mag, so lautet die Antwort ganz einfach: Aus der Klarheit und Folgerichtigkeit unseres Programms, aus der inneren Berechtigung unserer Forderungen, aus der leuchtenden Wahrheit und Unabänderlichkeit unserer kirchlichen Grundsätze. Das ist das Geheimniß der schönen Harmonie der katholischen
Die katholische Einigkeit wird in den Tagen vom
Ufer angelangt, rieb ich ihm Brust und Schläfe und nach einer Weile schlug er die Augen weit auf und als er mich halbnackten, verwildert und durch das gehabte Bad zerzaust aussehenden Menschen vor sich erblickte, stieß er instinktiv einen Schrei aus. Ich theilte ihm den Sachverhalt nut. Er entsann sich Alles und drückte mir dankbar die Hand. Er sagte mir, er hieße Gunkelmann, sei Großkaufmann in Südosten Deutschlands und befinde sich zu Besuch auf der Villa emes Freundes. Dabei deutete er mit der Hand nach einem stattlichen Hause, welches nahebei lag. Da er m- deflen nicht gehen konnte, mußte ich ihn nach dem Hause tragen. Die Aufregung während der Flucht und das kalte Bad hatten mich sehr krank gemacht Ich fühlte, wie mir die Krankheit nach und nach durch alle Glieder zog, schleppte uns Beide mit äußerster Anstrengung bis nach dem Thore der Villa und sank dann bewußtlos nieder. Was sich später ereignet hat, weiß ich nicht. Später habe ich erfahren, daß mein Schützling mit einer Erkältung ans dem Abenteuer sich gezogen hat, wahrend mich ein heimtückifches Fieber überfiel. Aber diese Krankheit war mein Gluck. Sie machte mich in Gunkelmann's Augen vollends zum Märtyrer und er begann, mich als den Retter seines Lebens
> „Hast Du Dir nicht Deinen Prinzipal geradezu herausgeangelt?"
Und der Riese lachte über seinem Witz, daß ihm die hellen Thränen in die Augen traten.
„Da magst Du Recht haben," meinte der Andere, gute Miene zum bösen Spiel machend, einlenkend. „Ich habe ihn mir herausgefischt in des Wortes verwegenster Bedeutung! Als wir zusammen in Hamburg aus dem Zuchthause entflohen und der Sicherheit wegen verschiedene Wege gezogen waren, elfte ich den Lauf der Elbe hinab, in der Hoffnung, irgendwo einbrechen und mich mit Kleidern und Geldmitteln versehen zu können. Doch das Schicksal meinte es besser mit mir. Ich ging längs des ElbstromeS, als ich plötzlich einen entsetzlichen Schrei vernahm. Ich blickte auf und sah gerade noch, wie ein Kahn umschlug und aus ihm kopfüber ein Mann in das Wasser stürzte. Ich weiß nicht, was mich dazu antrieb, aber ich war ein guter Schwimmer, warf rasch die Zuchthauskleider ab, die ich noch trug und ftürjte mich ins Wasser. Es gelang mir, den Untersinkenden zu fassen und mit ihm an das Ufer zurückzuschwimmen. Es war noch sehr früh am Morgen und wenn ich nicht zufällig vorübergekommen wäre, hätte er, des Schwimmens unkundig, ertrinken müssen. Am
Di. »Fuldaer Zeitung' «scheint t»glich,«°nn. und Feiertage 1 Mk. 75 Pfg?
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