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1885.

Freitag, den 14. August

184.

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mit der

Eine katholische Vergnügungsreise.

Diese Ueberschrift wird Manchem etwas sonder« bar klingen, da man es nicht gewohnt ist, die Er- bolunasfahrten, Sommerreisen, Vergnügungstouren u. s. w. mit der Religion in so engen Zusammen- ^Freittch^der Kranke, dem vom Arzte eine Kur im Land- oder Seebade vorgeschrieben ist, macht eher eine medizinische als eine katholische Mise. Aber bei den Leuten, welche der ärztlichen Hilfe nicht bedürfen, sondern bei einer etwaigen Sommer­fahrt Ziel und Wege frei wählen können, tft der Rath sehr am Platze, den unsere Ueberschnft an­deutet. Um es gleich offen herauszusagen: Alle, die es können, sollen zu Ende August eine Ver­gnügungsfahrt (im besten Sinne des Wortes.) nach Münster i. Wests, zur Katholikenversammlung machen. , ..

Schreiber dieses ist keineswegs vom dortigen Lokal-Komits oder von sonstigen Interessenten be- einflußt. Er hat persönlich kein anderes Jntereffe an der Sache, als daß er selbst nach Münster zu gehen gedenkt und deshalb möglichst viele hebe Gesinnungsgenossen dort sehen mochte. Aber aus vollster Ueberzeugung mochte er für die Versamm- lung „Reklame" machen: den» in der That gibt es keine angenehmere und zugleich nützlichere Reiss als zu dieser Versammlung.

Man begegnet hier und da ganz verkehrten An­sichten über die Katholikenversammlungen. Der Eine sagt, er sei nicht fähig und würdig tn einem so hohen Raths zu sitzen, der so große Fragen erörtere; der Zweite meint, es sei zu lästig und anstrengend, eine so zahlreich besuchte Versamm­lung mitzumachen; der Dritte behauptet, die Reden und Beschlüffe ständen ja nachher in der Zeitung, und da könnte man sie mit ebensoviel Nutzen lesen, der Vierte zählt den Inhalt seines Portemonnaies und meint, das einheimische Schützensest muffe er

_ur iNemuiyer utgiuui, ^usenhuditen läßt.

Diese gemeinsame Erhebung des Geistes, welche für jeden treuen Sinn eine reiche Quelle remster Freude ist, wird dieses Jahr voraussichtlich beton-

* Wo ist der Jesmt?

(Schluß.)

„Recht gern," versetzte Scherz, »wenn es .ihnen Vergnügen macht. Ich will mich nämlich verge- wiffern, ob mein Verdacht begründet ist, ich will die Rebellen bei der Arbeit beobachten, und dann können wir mit Hülfe der Polizei die Falle zu­klappen. Ich habe folgenden Plan entworfen: Der Jesuit bewohnt in der Krummstraße das Speicherzimmer des Hauses Rr. 12. Das Fenster befindet sich in dem Dache und ist so hoch gelegen, daß Niemand vom gegenüberliegenden Hause hinein- blicken kann. Das will ich aber und deshalb mutz ich auf das Dach des Hauses. Die Leute im Hause selbst darf man nicht in's Geheimnis ziehen, denn so wie die schlauen Raben Wind bekommen, fliegen sie davon; dagegen wohnt im zweiten Hause nebenan ein Freund von mir, der treu, verschwie­gen und patriotisch gesinnt ist. Das zwischen- liegende Haus gehört einem Metzger und dieses Haus ist so hoch, daß man von der breiten Dach rinne aus direct auf das Dach, wo der Jesmt nistet, treten und Alles was in der Stube vor- geht, sehen kann. Leider ist das Haus meines Freundes ungefähr zehn Fuß niedriger, wie das Metzgerhaus, allein eine gute L^ter liegt parat und Gefahr ist bei der soliden Construction der Dächer und der breiten Rinnen nicht vorhanden. Um zehn Uhr geht der Jesuit nach Hause und dann will ich oben fein. Der Kukuk hole diese Schleicher, Verschwörer und Reichssemde.

Ich gehe mit!" jubelte Streber, der auf so billige Art zu einem leib astigen Jesuiten zu kom-

:neu hoffte; er sah sich schon, ein Bändchen im Knopfloch, im Cultusmi.'.isterium, oder als Pro- vinzial- Schulrath beschäftigt. Der Freund im {Saufe Nr 10 schien von allem unterrichtet, denn k, di-HE 1°!--- »ul d°N Sp-,ch°- Md auf bas ziemlich flache Dach und reechle ihnen die L her. Dieselbe wurde angelegt; sie ernt te ganz beauetn das Dach des Metzgerhauses Nr. 11, und non diesem aus konnte man ohne Mühe das ge- h7mn!ßv°lle Dachstübchen in Nr. 12: enngii..

Fch hätte mir die Geschichte waghalsiger gedacht, meinte Streber und lugte vorsichtig m das ^esmien- beim hinein. Dort war alles still und finster.

Wenn Sie hier Posto saffen und genau beobach­ten wollen, will ich unterdeß den Polizeicommiffar herbeiholen," sagte Scherz und entsernle uch , aber er nahm, damit die Sache von der Straße aus nicht auffiel, auch die Leiter mit. Nun satz Herr Streber allein auf dem Dache unb lauerte; ge» müthlich war es nicht, denn der Wind bhe» ziem­lich rauh und dann fing es an zu regnen. Wo der Andere nur blieb? Es wurde stockfinster uno von dem Thurme der nahen Kirche schlug es zehn Mal. Aber Herr Scherz kam weder zuruck, noch wollte es im Jesuitenstübch n hell werden^ und bie Verschwörer ließen aus sich wa.ten. Die L-ache fing an, den Provinzial.ath in sxo zu .angwsilen, er war bis auf die Haut durchnäßt und zitterte vor Kälte. Herab konnte er nicht, denn ^ Leiter war eingezog-n und den Sprung aus das Dach des guten Patrioten" durfte er nicht wagen Es schlug elf Ubr — da hielt es den Candidaten nicht mehr, und es dämmerte ihm eine leise Ahnung, ob Scherz

sich wohl einen schlechten Witz mit ihm erlaubt haben könne. Das wäre! Der Jesmt kam nicht, Scherz blieb aus, der Wind heulte, der Regen klatschte, so daß die ganze Dachrinne, m der er stand, sich füllte, - was thun? Er druckte auf die Fenster des Metzgerhaufes, sie waren ebenfalls verschloffen. Plötzlich aber schrie eme weibliche Stimme in einer der Dachkammern laut auf.

Diebe, Räuber, Mörder!" Streber hörte Laufen, Tritte, Tumult, dann war es hell in d" Kammer und der herkulische Metzgermeister nß das Fenster auf. „Wer ist auf meinem Dachs?

„Ich, ... >; Herr

Streber'kletterte durch das enge Fenster und fiel dem zornigen Meister, der ungebrannte Holzasche in der Hand hielt, in die gmger , ehe er sich's versah, hatte er einige Hiebe, daß er sich krümmte. „So, Spitzbube", polterte der Metzger, "ie6aber, bester'Mann, ich bin kein Spitzbube,

", ich .... ich suchte einen Jesuiten!

Was2 Der Kerl ist verrückt! Wie ist er eigent­lich" auf das Dach gekommen?" Der Meister faßte den zitternden Kandidaten uu^Nacken stieß, ihn die Treppe hinab und warf ihn auf ^e Straße.

Am folgenden Tage stand in der katholischen Zeitung der Stadt folgende Annoce: „Leise An­frage an den Nachtwandler: Haben Sre den 3e£nÄw E m-h-mch Jesuiten. }

beherrschten Seelen auf jeden Theilnehmenden macht, erhöht die Wirksamkeit jedes Gedankens, iedes Wortes ins Tausendfache. Es geht hier ebenso, wie beim Gesang: wenn Du allem mit Deiner dünnen Stimme „Großer Gott, wir loben Dich singst, so ist das sogar für Derne eigenen Ohren nicht besonders imposant; wenn abernt der Kirche Hunderte oder gar Tausende von denselben be­scheidenen Stimmen zusammenklingen, damt braust das „Großer Gott" in einem erhabenen Tonstrom dahin, als ob sich die Woge des Gesanges bis zu den Füßen des Allerhöchsten emporwälzen wolle, und Dein Herz fühlt sich mitgennen m diesen Fluchen, hoch empor über all' die Nichtigkeit und Kleinlichkeit des ErdeulebenS.

Mit diesen herrlichen Versammlungen, in denen die freudige Begeisterung wie ein elektrischer Strom durch alle Theiluehmer fluthet, find aber die Vor­züge einer solchen Zusammenkunft noch keineswegs erschöpft. Ebenso reich an Genuß und Nutzen ist der zwanglose gesellige Verkehr Wischen all den Tausenden von Gesinnungsgenoffen, welche von Nah und Fern herbeibeeilt sind. Freunde, welche die Lebensschicksale weit von einander verschlagen finden sich wieder, neue Freundschaftsbündnisse werden geschlossen, ein reger Austausch von An-

Windthorst mischen sich unter die Schaaren des Volkes; Führer und Soldaten hören und sehen sich nicht blos gegenseitig, sondern auch ihre Hande und Herzen schließen sich zusammen « der em-

doch rnitrnachen und da bheb ihm für eine §ahrt nach Münster kein Geld; der Fünfte mochte wohl fahren, aber da er nicht rechtzeitig zu einem Ent­schluß kommt, so ist er am entscheidenden Tage verhindert und tröstet sich mit der Erwägung,^daß ohne ihn die Sache ja auch recht gut.gehe u. |.m. Gott sei Dank, daß nicht Alle so denken, sonst würde es um die Katholiken-Versammlung nicht besser aussehen, als um das Faß Wem , welches Jemand von seiner Gemeinde geschenkt erhielt. Jedes Gemeindemitglied sollte eine Flasche zu dem Ehrenfatz liefern, und Jeder dachte datz es doch nichts schaden würde, wenn sem kleiner Beitrag nicht gerade Wein, sondern Wasser sei; w Folge dessen war das ganze Faß - Pumpenheimer. | Wenn jeder einzelne Tropfen sich für uberfluPg hielte und zu Hause bliebe, wurden alle Strome trocken liegen. Nicht die Führer und Redner, sondern die Menge der Theiluehmer Echt eme Versammlung groß, imposant, wcrk;am sruchtbar

Der siweck einer solchen Versammlung ist nicht nur die gründliche Erörterung von Fragen die unser kirchliches und weltliches öffentliches Leben berühren, sondern ebenso die Anregung der Ge- müther in den weitesten Kreisen. Nicht eme schwer­fällige, langweilige Bearbeitung d^ trockenen Ver­standes, sondern eine Erquickung, Erhebung, Neu- ! /, ' 1 , . .u wirb finneltreDi

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Wie in einer guten Schule die Kinder sich gegen- feitia erziehen, so ist auch auf einer solchen Ver­sammlung die Wechselwirrung aller Betheiligten auf einander das erziehliche, anregende, zugleich eraötzende und fördernde Element.

Windthorst fein - schon bei; ®lJbrud ' M l ^‘^ften7 da die Versammlung in

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