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J\1 182.

Mittwoch, den 12. August

1885.

Die.Fuldaer Beituna' erscheint täglich. Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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0 Der Raphaels Verein im Jahre 1884.

(Schluß.)

In Antwerpen schifften sich im Jahre 1884 28,616 Auswanderer ein (1883 34,480). Die Hilfe des Vertrauensmannes des Vereins, Herrn I. W. Würden, nahmen davon 882 in Anspruch. Diese besuchten fast alle, — darunter viele Pro- testanten — den katholischen Gottesdienst, 202 gingen zur h. Beichte und Communion. Briefe hatte Herr Würden 720 zu beantworten. — Die Wirksamkeit des Vertrauensmannes war 1884 von geringerem Umfange als im Vorjahre, da die Agenten und Wirthe Alles aufbieten, daß ja kein Auswanderer Herrn Würden aufsucht. Zudem ist es demselben noch immer untersagt, bei Ankunft der Auswanderer auf dem Bahnhofe den Perron zu betreten: hingegen führt die Agentur S., schon mehrfach wegen Betruges, den sie an Auswandern verübte, bestraft, das große Wort daselbst. Von den Agenten wird den Ankommenden strengstens anempfohlen, sich ja in Antwerpen an Niemanden anderen zu wenden, als an die von ihnen bezeich­neten Wirthe; bekanntlich geben diese meistens für die ihnen zugewiesenen Passagiere den Agenten im Inland Commission. Die Auswanderer sind bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhof so eingeschüchtert, daß sie geduldig wie Lämmer den Wrrthen folgen. Nur wenn Jemand ..krank wird oder das Logis nicht bezahlen kann, wird er zum Vertrauensmann des Raphaelsverems geschickt. Selbstverständlich ist Herr Würden in den Logirhäusern ein sehr ungern gesehener Gast. Hingegen stehen die Wirthe mit dem protestantischen Lokal-AuswandereoComitee, das über reichliche Mittel verfügt, in freundschaft­lichsten Beziehungen und weisen an daffelbe auch die Katholiken, die dann wie alle anderen mit Empsehlungskarten an das lutherische Emigranten­haus in New-Dork versehen werden. — Mit Rück­sicht hierauf werden die Herren Pfarrer dringend ersucht, den Auswanderern Empfehlungskarten an Herrn Würden oder wenigstens die Adreffe deffel- ben mitzugeben, sowie die Leute dahin zu instruiren, daß sie nur diejenigen Häuser aufsuchen, welche unser Vertrauensmann bestimmt. Zugleich em­pfiehlt es sich, demselben die Ankunft der Aus­wanderer rechtzeitig zu avisiren.

Von Rotterdam aus wurden in diesem Jahre 10,675 Personen befördert (1884 :17,869). Der

❖ Ein gemüthlicher Hauswirth.(21

(Schluß.)

Für Heinrich Schulze, der sich nun in seinem häuslichen Kreise so behaglich wie früher fühlte, blieb nur noch Eins zu lhun übrig, um nicht wieder in seiner Ruhe gestört zu werden.

Er sprach sich darüber gegen seinen treuen Diener aus.

„Christian", sagte er nächsten Tages, „Du weißt, wie arg einige von meinen Miethern mir mit­gespielt haben. Sie haben meine Güte mißbraucht und sind unverschämt gewesen. Ich sehe jetzt doch ein, wie schwer es ist, an Gutmüthigkeit ein nie dagewesener Hauswirth zu sein. Ich will mir deshalb diese Leute vom Halse schaffen und am nächsten Termin ihnen ihre Wohnungen aufkündigen!"

Umsonst suchte der treue Christian die Leute zu vertheidigen. Er sprach in den Wind. Der gegen seine Miether erzürnte Rentier behauptete, daß seine Ansicht von den Leuten die richtige sei.

Schon die nächste Stunde sollte ihn vom Gegen- theil überzeugen. Er war gerade im Begriff, sich in seinen Garten zu verfügen, als Christian ihm sämmtliche oben wohnenden Miether anmeldete.

„S.e bitten dringend, vorgelaffen zu werden.

Vertrauensmann des Vereins, Herr I. Zöller, geleitete 818 Auswanderer auf das Schiff, von denen vorher 418 der h. Messe beigewohnt und 69 die h. Sakramente empfangen hatten. Außer­dem überwachte derselbe Geldwechsel in Höhe von 19,825 M. und beantwortete 225 Briefe. Da die größeren Schiffe zum Theil von Amsterdam auslaufen, begleitet Herr Zöller auch dorthin seine Schützlinge, um vereint mit dem dortigen Ver­trauensmann, Herrn Fuchs, der Einschiffung bei­zuwohnen. Es dürfte Angesichts der sittlichen Ge­fahren, denen die Auswanderer in Rotterdam ausgesetzt sind, nicht überflüssig sein, von Herrn Zöller zu erfragen, wo sie logiren sollen.

Die Auswanderung über Havre wird im Vor­jahre kaum 15,000 erreicht haben. Der Ver­trauensmann des Vereins, Herr P. Rethmann, hat nicht mehr so viel Beziehungen zu den Aus­wanderern, weil die Compagnie Transatlantique die Paffagiere mit der Eisenbahn direct vor das Schiff befördert.

In London hat sich der Vertrauensmann des Vereins, Herr Pastor Volk aller Auswanderer die sich an ihn wandten, mit großer Liebe angenom­men, doch dürste die Zahl seiner Schützlinge kaum 100 erreichen.

JnLiverpool ließ der Vertrauensmann, Herr Will. Trost, 661 Auswanderern seinen Schutz angedeihen. Derselbe empfing und beantwortete 130 Briefe und überwachte Geldwechsel im Be­trage von M. 6000. Die an ihn Empfohlenen erwartete der VertrauruSn-au« an der Eisenbahn, sorgte für gutes Unterkommen und führte sie auf das Schiff.

Die überwiegende Anzahl der Auswanderer, mehr als 75pCt., wandten sich nach den vereinigten Staaten. Es ist daher natürlich, daß der St. Raphaels-Verein den dort Landenden seine ganz besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Zu diesem Zwecke hatte der Generalsekretär des Vereins, Herr Cahensly (Limburg), bereits im Jahre 1883 während eines dreimonatlichen Aufenthaltes in Nord-Amerika für die Sache der katholischen deut­schen Einwanderer gewirkt und zum befferen Schutze derselben einen St. Raphaels-Verein für die Ver­einigten Staaten ins Leben gerufen. Leider sind die an diese Gründung geknüpften Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen, da mannigfache Hin­dernisse, in erster Linie die sehr geringe Theilnahme

Sie hätten Ihnen Wichtiges mitzutheilen", er­klärte der Diener.

„Ich wüßte nicht, was das sein könnte. Doch laß sie kommen, ich bin gerade in der Stimmung, mit ihnen ein vernünftiges Wort zu reden!"

Christian öffnete die Saalthüre und herein traten sämmtliche Mrether mit Ausnahme der Familien Bornheim und Hobe.

Die Männer verbeugten sich. Frau Hampel knixte. Der Musikus trat vor und nahm das Wort.

„Höchst jeehrter Herr Hauswirth", begann er, „wir haben von Herrn Christian jehört, daß Sie durch eenen Jaudieb von Spekulant in die Dinte gerathen sind, un bet Sie Ihr schönes Haus ver- koofen un den Wanderstab in de olle Hand nehmen müffen. Da haben wir uns denn an all de Jüte erinnert, die Sie jegen uns jezeigt, un Rath zu­sammen jehalten, un jeder von uns hat jefagl: „Wenn Herr Schulze ooch mit seine Familie von seine Jläubiger uf de Straße jesetzt wird, so soll der jute Herr mit de Frau un de lieben Kinder doch in de erste Zeit keene Roth nicht leiden." Un so hat Jeder sein Erspartes hervor jeholt, um et ganz jehorsamst und erjebenst eijenhändig in Ihre Hände zu legen."

der deutschen Katholiken von Newyork und Um­gegend, der gedeihlichen Entwickelung des Vereins in den Weg traten, so daß das dortige Comitee beschloß, die von ihm angestellten Beamten, vor Allem den Vertrauensmann, Herrn Kölble zu ent­lassen.

Infolge dieser mißlichen Umstände entschloß sich das deutsche Comitee, zur Klärung der Lage und Anbahnung besserer Verhältnisse seinen Bremer Vertrauensmann, Herrn Pastor Schlöffer, nach Newyork zu senden. Herr Schlösser trat seine Reise im Oktober an, konnte jedoch, durch Krankheit be­hindert, nur einige Wochen daselbst verweilen und errrichte daher den Zweck seiner Reise nur zum Theil. Jndeß überzeugte er sich davon, daß der amerikanische Verein zu seinem Gedeihen eines Mannes bedürfe, der seine Kräfte ganz ausschließ­lich der Führung der Geschäfte widmen könne, da die Herren, welche bisher die Leitung in Händen hatten, trotz allen Eifers für die gute Sache nur einen geringen Theil ihrer Zeit für die Vereins­angelegenheiten zu erübrigen im Stande sind. Da­her hat das Comitee beschlossen, einen deutschen Geistlichen vom Continent aus nach Amerika zu senden und denselben zunächst für ein Jahr mit der Führung der Geschäfte des Newyorker Vereins zu betrauen. Gleichzeitig würde derselbe mit Ge­nehmigung der hohen erzbischöflichen Behörde von Newyork als Missionar für die katholischen deut­schen Einwanderer in Castle Garden thätig sein.

Aus Vorstehendem geht zur Genüge hervor, daß auch 'm vergangenen Jahre - das Comitee nach Kräften bemüht war, die ihm anverrr'aulen Gelber zum Besten der Auswanderer zu verwerthen, wie­wohl seine Wirksamkeit infolge der Anwendung des Gesetzes vom 7. Mai 1853 eine beschränktere war. Wie wenig dieses Gesetz unfern heutigen Verhält- niffen entspricht, ist allseitig anerkannt, u. A. hat die .Deutsche Colonialzeitung', Organ des deut­schen Colonialvereins in Berlin in ihrem Heft vom 1. April 1885 das Ungenügende desselben und seine Unanwendbarkeit auf die Bestrebungen des St. Raphasis-Verein treffend nachgewiesen. Das Comitee hat übrigens nicht geglaubt, in die Reihe der Auswanderer-Agenten treten und wie diese eine staatliche Concession nachsuchen zu sollen. Hoffen wir, daß das neue Reichsgesetz zur Regel­ung der Auswandererverhältniffe, welches der Minister von Bötticher zuletzt in der Reichstags-

„Ja, ja, das wünschen wir!" riefen Alle.

Emer nach dem Anderen näherte sich dem er­staunten Hauswirthe.

„Die Subskription auf meine Gedichte," sagte Vielmagen, „ist durch Ihre Protektion so gut aus- gefallen, daß ich, was Sie mir ousgezahlt, Ihnen mit Dank wieder zurückerstatten kann."

Er legte eine Anzahl in Papier gewickelte Thaler vor Herrn Schulze auf den Tisch.

„Die Turnanstalt in Ihrem Garten, Herr Schulze," versetzte der Lehrer Kempe, „hat mir zwanzig neue Schüler zugeführt. Dies zum Zeichen meiner Dankbarkeit."

Ein zweites Päckchen Geld gesellte sich zu dem ersten.

„Da Sie, mein gutes Herrchen, und der Herr Christian meine wunderschönen Berücken doch nicht getragen," sagte der Friseur, „so will ich Sie ooch fein Geld dafür haben."

Es folgte das dritte Geldpäckchen.

Der Schuhmacher Knorbe lieferte das vierte.

Die Wäscherin Frau Hampel legte zehn blanke Thaler auf den Tisch.

„Det is vor bat Tanzverjnügen, bet ick in Ihren Jarten genossen habe," sprach sie.

Obwohl ber Hornist zuerst gesprochen, legte er