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JV 177

Donnerstag, den 6. August

1885.

— mit bet

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Dr. Philippus Krementz,

Erzbischof von Köln.

(Schluß.)

Kremevtz war ein vielbeschäftigter Mann. Ein Amt nach dem andern wurde ihm übertragen: er wurde Schulinspektor, Dechant des Capitels Coblenz, Präses der Synodal-Examinations-Com- Mission, bischöflicher Commisiar für mehrere Klöster, und Ehrendomherr. Trotzdem fand er Zeit zur Pflege inniger freundschaftlicher Beziehungen und zu literarischer Arbeit, vorzugsweise auf dem Ge­biete der typischen Schrifterklärung. Und doch hat es ihn aus diesem reichen Wirken zu einem noch höheren Beruf gezogen; nur mit Mühe ist der musterhafte Priester verhindert worden, im Ordens­stande nach weiterer Vervollkommnung zu streben, und schließlich hat Fine ganz andere Stellung ihn aus dem liebgewonnenen Kreise abberufen.

Wiederholt war er schon für die bischöfliche Würde in Aussicht genommen. Bei der Trierer Wahl von 1864 erhielt er zwei Mal sechs von 14 Stimmen; er selbst entschied für Abt Haneberg, nach dessen Ablehnung für Dr. Pelldram. Nach dessen frühzeitigem Tode war er wiederum Can« didat der Minderheit. Auch von der Uebernahme der Coadjutur in Limburg und Freiburg ist die Rede gewesen, dann von seiner Erhebung zum Weihbischof von Trier, als, den Meisten uner­wartet, die Nachricht von seiner Wahl zum Bischof von Ermland kam. Am 10. Dezember 1867 wurde er von Pius IX. präcomsirt, und am 3. Mar ertheilte ihm Erzbischof Paulus in St. Castor die Bischofsweihe unter Assistenz der edeln Bischöfe von Ketteler und Eberhard, die jetzt beide schon geschieden sind. Schweren Herzens ist er gegangen, und seine Coblenzer haben beim Abschiedsfest redlich das Ihrige gethan, um ihm den Abschied noch schwerer zu machen; aber es hat sich gezeigt, daß ein echt katholischer Bischof überall an feinem Platze ist.

Bischof Philippus kam zu einem fremden Stamme; aber wie haben die Westpreußeu diesen Rheinländer liebgewonnen! Wie ein Vater wurde er empfangen, und seine Reisen durch die D.özese gestalteten sich zu Triumphzügen. Wenn heute in seinem ganzen Bisthum sein Weggang als schwerer Verlust em­pfunden wird, dann liegt es ja zum Theil an seiner so sympathischen, Milde und Kraft ver-

❖ Ein gemüthlicher Hauswirth.(16

„Woran denkst Du, Christian?" fragte Dörthe nach einer Pause, nachdem sie ihn mehrere Male kopfschüttelnd betrachtet hatte.

„An die Ausräucherung der bösen Geister, Dörthe. Wären die erst einmal vertrieben, dann käme Alles wieder ins alte Geleise."

Plötzlich erhob er den Kopf, tippte mit dem Zeigefinger der rechten Hand an seine Stirn und zog seine buschigen Brauen hoch hinauf.

„Dörthe, mir ist eine Idee gekommen, die wirk­lich helfen kann."

„I, das wäre! Und welche ist das?"

„Mir ist eine Komödie eingefallen, die ich vori­gen Winter im Theater gesehen habe. Es war em pndelnärrisches Stück, in dem es ganz ähnlich zuging, wie bei uns. Da war ein schwerreicher Mann, dem Alle, die mit ihm umgingen, schmei­chelten, um ihm sein Geld abzuluchsen. Er war auch so mit Blindheit geschlagen, daß er Alles, was die Schmarotzer ihm vorheuchelten, unbedingt glaubte und sich von ihnen gleichsam ausplündern ließ. Der von Eitelkeit und Gutmüthigkeit ver­blendete Mann hätte sich arm gegeben, wäre nicht

einigenden Persönlichkeit, vor allem aber darin, daß sein Pontificat vom ersten bis zum letzten Tage die Erfüllung der herrlichen Worte war, die er in seinem ersten Hirtenbriefe vom 24. Mai 1868 an Geistlichkeit und Volk von Ermland richtete: „Euer Wachsthum in der Liebe Jesu Christi ist mein einziger Gewinn. Alles, was jetzt äußerlich die bischöfliche Würde schmücket und er­hebt, ist ja nur Bild und Schatten und sinkt dahin. Wenn ich am großen Tage des Herrn keinen Antheil habe an euerm Glauben, an euerer Liebe, an den Garben euerer in Christo gesammel­ten Werke, dann bin ich arm, verlassen, elend. Nur euere Treue, euere Liebe zu Jesus Christus macht mich reich und glücklich."

Er hat reichlich Gelegenheit erhalten, zu be­weisen, daß er als Bischof nicht die eigene Ehre suchte; denn auch ihm, wie allen seinen preußischen Amtsbrüdern, ist die Mitra zur Dornenkrone ge­worden. Es liegt eine eigenthümliche Ironie in der Thatsache, daß gerade dieser durch und durch maßvolle, liebenswürdige Prälat, der bevorzugte Freund unseres Königshauses, der Erste war, über dessen Haupt das Gewitter des Culturkampfes sich entlud; der erste, welchen ein preußischer Cultusminister — damals war cs noch Herr v. Mühler — über die Rechte und Pflichten eines katholischen Bischofs belehren zu müssen glaubte, freilich nur um eine klassische Antwort zu erhalten; der Erste, gegen welchen die preußische Regierung das kläglich gescheiterte Mittel der Gehaltssperre in Anwenoung brachir. Ma,« hüt allerdings davon abgesehen, ihn ganz nach den in den meisten an­dern Diözesen beliebten Recepten zu behandeln; nachdem durch einige Verurteilungen der „Ma­jestät des Gesetzes" Genüge geschehen, ist der Oberpräsident nicht veranlaßt worden, die sämmt- lichen Waffen aus der Rüstkanimer der Maigesetz, gebung herauszuholen, und der „Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten" ist nicht in den Fall gekommen, seine Ferien durch die „Absetzung" des Bischofs von Ermland zu unterbrechen.

Aber kein Mensch hat jemals daran gezweifelt, daß Bischof Krementz unzertrennlich verbunden war mit seinen bischöflichen Collegen, welche der Wider­stand gegen die „unveräußerlichen Rechte des Staates" in Kerker und Verbannung führte. Knn Haar breit ist er abgewichen von seinen Pflichten. Als Bischof Krementz 1872 bei der ein braver redlicher Freund dagewesen, der ihm sagte, er wolle ihm beweisen, daß Alle, die ihn ins Gtsicht rühmten und priesen, nichtsnutzige Lüg­ner seien, die sich heimlich über ihn lustig machten. Was glaubst Du, Dörthe, wie der gute Freund das anfing?"

„Wie kann ich das wissen!"

„Das machte er so," fuhr Christian fort, indem seine Miene an Pfiffigkeit zunahm. „Er nahm dem reichen, leichtgläubigen Mann das Versprechen ab, zu Allem ja zu sagen, was er, der Freund, beginnen würde. Nachdem er dieses Zugeständniß hatte, verbreitete er in der ganzen Stadt das Ge­rücht, daß sein Freund in Gefahr wäre, bankerott zu werden und ging nun zu den Leuten, die bei diesem gut gegessen und getrunken hatten, und bat sie, ihm zu helfen. Alle zogen lange Gesichter, und — Das Ende vom Liede kannst Du Dir den­ken, Dörthe."

„Die schlechten Menschen fielen wie die Fliegen von ihm ab!" ergänzte das alte Mädchen.

„Richtig, und der reiche Mann sah nun ein, welch ein Thor er gewesen war, die Schmarotzer für sein schweres Geld zu mästen. Er schloß ihnen, als ste erfuhren, daß man ihnen einen Bären auf­gebunden, die Thür vor der Nase zu und lebte

Säcularfeier der Vereinigung Ermlands mit Preußen an der Huldigungsfeier in Marienburg Theil zu nehmen wünschte, forderte Fürst Bismarck als Vorbedingung die „Anerkennung der Landesgesetze" und einen Act der Reue über die Excommunication des Altkatholiken Wollmann. Der Bischof lehnte diese Zumuthung ab, uno jetzt besteigt derselbe Mann, der vor 13 Jahren dem Reichskanzler nicht würdig schien, vor seinem Monarchen zu er­scheinen, den erzbischöflichen Stuhl von Köln, ob­wohl er derselbe geblieben ist, der er war. Sein Manneswort von 1872 scheint ihm das Vertrauen seines Königs nicht entfremdet zu haben, und auch bei den Staatsmännern Preußens ist die Erkennt« niß mancher großen Jrrthümer der siebenziger Jahre zum Durchbruch gekommen, wenn auch die Consequenzen dieser Erkenntniß nur sehr langsam und widerwillig gezogen werden.

Uns rheinischen Katholiken aber bietet die Er­innerung an das Verhalten Bischof Philipp's wäh­rend der Culturkampfsperiode die Gewähr, daß der Wechsel der Personen keinen Wechsel der Grundsätze bedeutet. Bischöfe kommen und gehen, aber die Kirche bleibt, und der Schmerz des Ab­schiedes von unserm hochverehrten Oberhirten wird gemildert durch die Ueberzeugung, daß sein Nach­folger ein Mann seines Geistes ist. Zu uns kommt er als Bote Gottes, auch von uns nichts verlangend als das „Wachsthum in der Liebe Jesu Christi". Möge ihn bei der Uebernahme seines schweren Amte» trösten und erheben der Gedanke, daß Hunderttausende guten Willens sind, feinem Hirten­wort zu folgen, daß in den Herzen seiner neuen Diözesanen der Boden bereitet ist, in den er den Samen des Heiles ausstreuen kann, Gott gebe, auf lange, lange Jahre! (Köln. Vztg.)

Deutsches Reich.

Berlin, 5. August.

* Entgegen anderen Meldungen verlautet, daß die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause spätestens Mitte October beendet sein werden. Für die Wahlmännerwahlen ist der 7. October vorläufig als spätester Zeitpunkt in Aussicht ge­nommen, ein bestimmter Termin aber noch nicht festgesetzt worden.

* Das vor zehn Jahren erlassene Gesetz, wo­nach der preußische Staat seine rechtlichen Ver- zufrieden und glücklich mit Frau und Kindern, die er früher oft durch seinen Hochmuth gekränkt hatte."

Dörthe nickte.

„Christian, das war eine moralische Komödie, aus der alle reichen Leute etwas lernen können. Schade, daß unsere Herrschaft sie nicht auch ge­sehen hat."

„Thut Nichts," versetzte Christian. „Die Komö­die soll bei uns aufgeführt werden."

„Aber, Christian, wie willst Du das anfangen?" fragte Dörthe.

^,Jch werde die Kinder und den Herrn Schulze ins Vertrauen ziehen. Frau Schulze darf selbst­redend kein Wort davon erfahren; sie würde uns sonst die ganze Geschichte verderben. Wenn aber Das, was ich plane, gelingt, dann ist uns Allen geholfen. Nun aber nicht lange gezögert! Ich suche den jungen Herrn sogleich auf."

„Und ich meinen Augapfel Rosa."

„AberDu hast meine Komödie doch gut behalten?" „Versteht sich! O, ich bin auch nicht so dumm wie ich aussehe."

Das alte Paar trennte sich in der besten Hoff­nung, Gutes zu stiften.

Christian fand Karl allein in seinem kleinen Bibliothekzimmer. Der junge Mann hatte kurz