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JV 176. Mittwoch, den 5. August 1885.

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich» Sonn» und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Äbonnementspreis ohne Sringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, — mit der belletristischen »ochenbeilage »Sterne «nd Blumen' in Fulda 1 Ult. 70 Pfg.» auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Jfulharr

Dr. Philippus Krementz,

Erzbischof von Köln.

Die Wiege des neuen Erzbischofs von Köln, der jetzt nach siebenzehnjähriger bischöflicher Amtsthätig- feit im fernen Osten in die rheinische Heimath zurückkehrt, hat in Coblenz gestanden. Dort wurde Philipp Krementz, der Sohn geachteter bürgerlicher Eltern, am 1. Dezember 1819 geboren, dort em­pfing er auf der katholischen höheren Bürgerschule des braven Vicars Cornely, dann auf dem Gym­nasium, an welchem damals eine Reihe bedeutender Männer wirkte, seine erste Bildung. Ein stilles, fleißiges Kind, war er im Lernen immer voran, aber auch ein kühner Junge, der einem ertrinkenden Mitschüler nachschwimmt und ihn festhält, bis ihn selbst die Kräfte verlaffen — ein erschütterndes Ereigniß, das ihm lange nachgegangen ist und in ihm den ersten Gedanken erweckt haben soll, sich dem geistlichen Stande zu widmen.

Noch nicht 18 Jahre alt, ging Krementz im Herbst 1837 nach Bonn, um Theologie und Phi­lologie zu studiren, unmittelbar bevor die Verhaf­tung des Erzbischofs Clemens August als reinigen­des Gewitter in die schwüle Atmosphäre der kirchenpolitischen Zustände einschlug. Die halb hermesianische Facultät wird ihn wenig befriedigt haben; hauptsächlich schloß er sich Klee an. Schon im nächsten Jahre zog er nach München, um zwei Jahre hindurch zu den Füßen hervorragender Männer, wie I- v. Görres, Döllinger, Windisch- mann und Phillips, zu sitzen. Es muß eine schöne, mächtix anregende Zeit gewesen sein, welche ihn in Beziehungen zu Clemens Brentano, Profeflor Streber und Haneberg brachte. Auch mit dem nachmaligen Erzbischof Paulus hat er Beziehungen angeknüpft, die später in bedeutungsvoller Weise fortgesetzt worden sind.

Nach dreijährigem Universitätsstudium trat er im Herbst 1840 in das Trierer Priesterseminar, welchem als Regens der treffliche Braun, der spätere Weihbischof, vorstand. Nach Empfang der h. Weihen kehrte er als Caplan an St. Castor in seine Vaterstadt zurück, wo er sich bald den Ruf eines seeleneifrigen Priesters und ausgezeich­neten Predigers erwarb. Die Stelle als Religions­lehrer an der rheinischen Ritter-Akademie zu Bed­burg, wohin der frühere Studien-Director Seul, sein früherer Lehrer, ihn gezogen halte, versah er

❖ Ein gemüthlicher Hauswirth.(16

Nachdem er eines Morgens das sich jetzt jeden Tag wiederholende Wortgefecht mit seiner Frau überstanden und die Klagen seiner Kinder mit be­trübtem Herzen angehört, flüchtete er sich hinaus in den Garten und nahm in seiner Laube Platz.

Glaubte er, hier nun Ruhe zu finden, so sollte er sich arg getäuscht haben. Die Schulknaben des Lehrers Kempe lärmten, daß es eine Lust war; der Hornist Rumohr blies, was das Leder halten wollte, und Frau Hampel trocknete, wie immer ihre Wäsche. Dazu hatte sie noch ihr Kleinstes mit in den Garten gebracht und dasselbe stand in seiner Korbwiege ganz in der Nähe der Laube des Herrn Schulze und schrie ab und w trommel» fellerschütternd. Aber es sollte noch beffer kommen.

Der Rentier mochte etwa eine gute Stunde mit Geduld Alles über sich haben ergehen laffen, als plötzlich Rosa und Karl aus dem Hause und auf ihren Vater zustürmten.

Beider Mienen zeigten heftige Aufregung.

„Vater, lieber Vater," rief Rosa, „stehe uns bei! Die Mutter, ach, die Mutter!"

„Es ist empörend, es ist unerhört!" rief Karl.

nur anderhalb Jahre, 1846—47 ; dann vertraute ihm Bischof Arnolds trotz seines jugendlichen Alters die große St. Castorspfarrei an.

Glänzend hat er dieses Vertrauen in zwanzig­jähriger, reichgesegneter Wiiksamkeit gerechtfertigt. Eben so liebenswürdig in der Form, wie unbeug­sam in der Sache, glühenden Eifer mit Milde und dem feinsten Tacte verbindend, fromm und wohl- thätig, mit einem seltenen Talente begabt, sich in die verschiedensten Personen und Situationen zu schicken, hat er sich rasch die allgemeine Hochachtung erworben, bei seiner Gemeinde wie bei Anders­gläubigen, bei den Behörden und in den Hoskreisen wie bei der unbemittelten Bevölkerung. Und wie hat er diese Stellung benutzt! Wie geschickt die vielen frommen und wohltbätigen Herzen der schönen Moselstadt für seine Schöpfungen zur Ehre Gottes und zum Heile der Menschen gewonnen! Er gebrauchte viel Geld — nicht für sich natürlich —; aber er wußte auch daran zu kommen. Ihm vor­nehmlich und seinem würdigen Amtsgenoffen de Lo- renzi, der vor Kurzem als Generalvicar von Trier gestorben ist, verdankt Coblenz die innere Restau­ration von St. Castor, die Berufung der Redemp­toristen, an deren Stelle später die Jesuiten traten, die Gründung des katholischen Knaben-Waisenhauses auf dem Kemperhof bei Mofelweiß unter Leitung der christlichen Schulbrüder, die Berufung der Schwestern vom armen Kinde Jesu und der Franzis- canerinnen. Ein Strom des Segens hat sich aus diesen Anstalten ergoffen, und was alles Pfarrer Krementz direct und im Stillen gethan hat an Werken geistiger und leiblicher Barmherzigkeit, das weiß Gott allein. (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 4. August.

* Ueber die Ve rsumpsung des Kulturkampfes schreibt die .Franks. Ztg.': „Versumpfung des Kulturkampfes — wenn man darunter den Zu­stand versteht, den der Reichskanzler einmal mit den Worten charakterisirte, man werde die Waffen behalten, aber auf dem Fechtboden nieder­legen, so ist sie unzweifelhaft vorhanden und in stetigem Fortschritt begriffen. Die Grundbestim- mungen der Maigesetze bestehen noch, aber die Staatsgewalt wendet sie, soweit daraus Konflikte entstehen können, nicht mehr an. Man denke nur

an jene Bestimmung die den Bischöfen die Wieder­besetzung jeder erledigten Pfarrstelle binnen Jahres­frist unter Androhung von Strafe zur Pflicht macht. Kein Bischof beachtet sie, denn im Falle der Be­achtung müßte er ja, wollte er sich nicht einer anderen strafbaren Handlung schuldig machen, die Anzeigepflicht erfüllen. Die Regierung aber läßt es ruhig geschehen, und wo kein Kläger ist, findet sich auch kein Richter. Binnen Jahresfrist könnte die Regierung sä m m t l i ch e B i s ch öf e vor den Straf­richter und nach etlichen Verurtheilungen vor den kirchlichen Gerichtshof bringen, damit dieser dieselben für unfähig zur ferneren Bekleidung ihrer Würde erkläre, aber sie denkt gar nicht daran und läßt diese schneidige Waffe auf dem Fechtboden liegen; ihr Bestreben ist darauf gerichtet, die katholische Seelsorge nach Möglichkeit wieder herzustellen und damit den Klagen über die Bedrückung der Kirche ein Ende zu machen, ohne von dem Apparat der Kirchengesetze elwas Wesentliches preis­zugeben. Sie setzt ihre Rechnung auf das Gefühl der Abstumpfung, das sich mit der Zeit der Katholiken bemächtigen muß (? ?), wenn sie einer­seits die Seelsorge annähernd wieder wie früher funktioniren sehen und andererseits von Konflikten zwischen Kirche und Staatsgewalt nichts mehr hören und erfahren."

• An einem nationalliberalen Parteitage der Provinz Sachsen, der am 8. d. Mts. in Thale stattfinden soll, wird auch Herr Miquel, der die Sommerfrische dort genießt, theilnehmen.

• Bei der Insel St. Mauritius find 4 deutsche Kriegsschiffe angekommen, nämlich Elisabeth, Bismarck, Gneisenau und Prinz Adalbert. Die Bestimmung derselben ist ohne Zweifel Zanzibar.

• In den Tagen vom 12. bis 13. August findet in Görlitz der neunte deutsche F leischer-Kon- greß statt. Mit diesem Kongreß ist auch eine Ausstellung von Maschinen, Geräthen und Werk­zeugen für die Fleischerei, Fleisch- und Wurstwaaren- Fabrikation verbunden, welche schon am 11. August beginnt und bis zum 13. August dauert.

• Fürst Hohenlohe, Statthalter von Elsaß» Lothringen, ist mit einer Prinzessin Wittgenstein, von der russischen Linie, vermählt. Die ältere Tochter des Fürsten ist mit dem Erbgrafen von Schönborn-Wiesentheid vermählt, welcher seit 1874 den Wahlkreis Kitzingen vertritt und ein eifriges Mitglied des Centrums ist. Der Erbprinz Fürst

„Wir sind doch keine Sclaven, die sich verkaufen laffen!"

Der Rentier saß sprachlos.

„Was ist denn geschehen?" brachte er endlich hervor.

„Die Mutter kam soeben wieder nach Hause," erzählte Rosa. „Sie ist bei Frau Knorbe gewesen."

„Und auch bei der Zippelmann!" fügte Karl hinzu.

„Der dicke Brauer hat die Matter beschwatzt, die Verlobung mit ihm und mit mir den nächsten Sonntag zu feiern!" rief Rofa.

„Uno die meinige mit der alten Jungfer an demselben Tage!" erklärte Karl.

„Du wirst diese Tyrannei nicht zugeben, Vater!" rief Rosa. „Du wirst zeigen, daß Du das Haupt der Familie bist, oder Du treibst uns zum Hause hinaus I"

Sie hatte kaum diese muthige Aeußerung ge­than, als Frau Schulze, im ganzen Gesicht zarn- roth, auf die Gruppe zusturzte.

„Ah, da sind sie ja, die ungehorsamen Geschöpfe," tobte sie, „die ihrer Mutter zu trotzen wagen. Marich mit Dir in's Haus. Du wirst eingefperrt bei Waffer und Brod, bi» Du mürbe bist."

Sie faßte Rosa beim Arm und wollte sie hin­wegziehen.

„Vater, kannst Du das dulden," rief Karl em­pört, „daß Deine Tochter fo mißhandelt wird?"

Diese Mahnung half. Der Rentier, dessen Aug­apfel Rosa war, gerieth — es war seit langer Zeit das erste Mal — in Hitze. Er sprang auf und wollte seiner Tochter zu Hülfe kommen. Aber er hatte nicht die ihm nahestehende Wiege beachtet und darüber stolpernd, fiel er der Länge nach da­rüber; die Wiege schlug um. Der kleine Schrei­hals kollerte über den Rasen und Herr Schulze über ihn.

Frau Hampel hatte von ihrem Arbeitsplätze aus den Umsturz der Wiege und das Saltomortale ihres Hauswirths gesehen. Sie stieß einen Schrei aus, mit dem man Todte hätte auferwecken können.

„Mein Kind!" rief sie, herbeistürzend. „Mein Kind! Dat olle Unglücksmensch hat bat arme Worin umjebracht!"

Aber ihr Schreck sollte sich bald in stürmischen Jubel verwandeln. Mit dem weichen Rasen in Berührung versetzt, fing das Kind laut zu schreien an.

In ausgelassener Freude hob die Frau Ha ipel ihr Jüngstgeborenes auf und drehte sich mit ihm im Kreise herum.

Plötzlich ließen sich Horntöne vernehmen.

Die Ruse der erschrockenen Mutter hatten Herrn