j\£ 174. Montag, den 3. August 1885.,
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belletristffchen »ochenbeilage ,Sterne und Blumen' m Fulda 1 Mk. iO Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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* Die Allokution des h. Vaters, welche derselbe im geheimen Konsistorium am 26. Juli gehalten, hat folgenden Wortlaut:
„Ehrwürdige Brüder!
Seit Wir zum letzten Male an diese ehrwürdige Versammlung das Wort richteten, um in berechtigtem Schmerzgefühl der Klage Ausdruck zu geben über die kurz vorangegangenen Leiden, sind neue Beweggründe hinzugekommen, die Unsere Sorge mehren und Unsere Seele ängstigen.
Dazu gehört das Euch bekannte, kürzlich in dieser Hauptstadt der katholischen Welt ergangene Verbot jenes öffentlichen Aktes der Verehrung Lottes, der oft nicht einmal gehindert wurde in Städten, in denen der Irrglaube herrscht; Wir meinen das Verbot der Ehrenbezeugungen, welche man öffentlich dem hh. Sakramente der Eucharistie zu erweisen pflegt, wenn es zu den Kranken getragen wird. Diese Sitte hat man durch Dekret abgeschafft. Das ist um so schwerwiegender, weil man, während man einerseits die Religion in ihrer Freiheit schmälert, andererseits der Gott- lostgkeit straflose Ungebundenheit zugesteht. Hätten Wir dafür nicht tägliche Beispiele vor Augen, so würde das schon laut genug reden, was Wir vor einigen Monaten-erlebt haben; damals hat man den grimmigsten Feinden der Religion die Erlaub- niß ercheilt, in beliebiger Anzahl sich hier zu versammeln, um den Katholizismus gewiffermaßen in seiner festen Burg, in gemeinschaftlicher Be- rathung feindlich anzugreifen.
Solches geschieht und Vieles vcw dem, was draußen geschieht, ist ebenfalls nicht erfreulich. Frankreich macht Uns viele Sorge, wegen der zahlreichen Hinderniffe, welche der dermalige Gang der öffentlichen Angelegenheiten dort der Kirche bereitet. Dasselbe muß man von Deutschland sagen; Wir wünschen gewiß Nichts mehr, unv be- mühen Uns um Nichts eifriger, als um die erhoffte dauerhafte Wiederherstellung der Eintracht zwischen Staat und Kirche; doch wird es noch viele Mühe kosten, ehe die Schwierigkeiten beseitigt sind.
Darum ist es, wenn je, heutzutage norhwendig, festzustehen im Kan'pfe, und, was noch weit wichtiger ist, einmüthig und in guter Ordnung zu kämpfen.
Wir kennen wohl die Größe und Wichtigkeit Unserer Pflichten; darum werden wir, all' Unsere Hoffnung auf Gott setzend, fortfahren, Unsere Sorge
und Unsere Gedanken der Ausübung Unseres apostolischen Amtes zuzuordnen, und alle Rechte der Kirche und des Apostolischen Stuhles wie bisher, so auch in Zukunft mit aller Uns nur möglichen Wachsamkeit vertheidigen und mit aller Energie zu wahren suchen.
Aus langer Erfahrung wiffen Wir, wie sehr Ihr, Ehrwürdige Brüder, Uns in der Erfüllung dieser Pflichten durch Euren Eifir, Eure Rathschläge und Eure Weisheit unterstützet, und nicht ohne Grund hegen Wir die Zuversicht, daß auch die Mithilfe und Mitarbeit der ausgezeichneten Männer nützlich sein wird, die Uns wegen ihrer Tugend, ihrer Erfahrenheit und Gelehrsamkeit überaus werth sind, und die Wir heute in Euer erlauchtes Kollegium aufzunehmen beschloffen haben. Es sind dies . . . . (folgen die bekannten Namen der neuen Kirchen- sürsten). Kraft der von Gott Uns übertragenen Gewalt, in der Gewalt Petri und Pauli und Unserer eigenen, erklären Wir dieselben zu Kardinälen der hl. römischen Kirche im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. Amen."
Deutsches Reich.
Berlin, 2. August.
♦ Das Reichskanzlerorgan, die ,Nordd. Allg. Ztg/, klagt über die schwankende, widerspruchsvolle politische Haltung der N a t i 0 n a l l i b e r a l e u. Das ist unendlich komisch, denn diese Eigenschaft war es ja gerade, die der,N. A. Z.' sonst immer an den 'Nationalliberalen am allerbesten gefiel. Diese armen' Nättönälliberairii! Dir will ihnen nicht einmal gestatten, mit den früheren Secessionisten fchön zu thun. Aus Allem zieht das officiöse Blatt den Schluß, die Regierung muffe besorgen, „daß es ein fruchtloses Bemühen wäre, den Nationalliberalen entgegenzukommen." Klingt das nicht wirklich kriegerisch? Aber es wird nichts so heiß gegefsen, wie es gekocht wird. Die ,Nordd.' weiß selber, daß die Regierung die Hülfe der nationalliberalen Partei nur dann entbehren kann, wenn sie den Kulturkampf b endigt, und sie weiß ferner auch, daß die Regierung das nicht thut. Das Drama, das sich immer in gleicher Weffe abspielt, ist übrigens noch nicht zu Ende; jetzt kommt erst der zweite Akt, in welchem wir einen allgemeinen Kniefall der Nationalliberalen sehen werden, — die.Köln. Ztg.' und den ,Hannov.
Cour.' an der Spitze — wenn man auch erst ein paar unmuthige Worte ausstößt. Im dritten Akte kommt dann die Versöhnung mit dem Motto: „In den Armen liegen sich beide."
* Der Minister des Innern erläßt eine vom .Reichsanzeiger' veröffentlichte Bekanntmachung an die Regierungspräsidenten über die am 1. Dezember stattfindende allgemeine Volkszählung. Die Zählung wird in derselben Weise und nach der gleichen Methode wie in früheren Jahren zur Ausführung gelangen, jedoch sind mit Rücksicht auf die seit der letzten Volkszählung staltgehabte Berufszählung die zu beantwortenden Fragen auf das thunlichst geringste Maß eingeschränkt.
* Die deutschen Sozialdemokraten verzichten für dieses Jahr auf die Berufung eines Parteitages. Die Majorität, so erörtert der Züricher ,Sozialdemokrat', sei bei dieser Beschlußfassung von der Ansicht ausgegangen, daß die Situation seit der früheren, ablehnenden Ent- fcheivung sich nicht, zum mindesten „nicht wesentlich", verändert habe. Zur Regelung kleinerer Differenzen, wie der Frankfurter Streitigkeiten, bedürfe es keines Kongresses, sonst aber liege nichts vor, was das beschleunigte, immerhin mit nicht unerheblichen Kosten verknüpfte Zusammentreten der obersten Partei-Instanz nothwendig mache.
* Bonn, 1. Aug. Es dürfte von Wichtigkeit sein, eine Regierungsverfügung kennen zu lernen, die in den jüngsten Tagen an eine arme bergische Pfarrgemeinde, wo gegenwärtig ein Hülfsseel- s 0 r g e r wirkt, ergangen ist, bereit Kirchenvorstand u*f <Sr,inb Uv nnfdB»,
hobenen Sperre der geistlichen Gehälter vorstellig geworden und gebeten hatte, daß die früher zur Aufbesserung des Pfarrgehaltes bis zu 500 Thaler geflossenen Staatszuschüfse auch dort wieder flüffig gemacht und wie früher an den Pfarrer, so jetzt an ihn angewiesen würden. Der Bescheid war ablehnend und lautet rote folgt:
Auf die Eingabe vom . . . eröffnen wir dem katholischen Kirchenvorstand, daß im Etat von der geistlichen rc. Verwaltung des diesseitigen Bezirks keinerlei Besoldungsbeträge für die dortige Pfarrstelle ausgeworfen sind und für dieselbe auch früher aus staatlichen Fonds nur in soweit eine Bewilligung eingetreten war, als der . . . verstorbene Pfarrer ... als Inhaber der dortigen Pfarrstelle bei Lebzeiten eine persönliche Zulage aus der Staatskaffe ... zur Erhöhung des Minimal Einkommens auf 1500 Mk. bezog. Diese Zulage war ausdrücklich für . . . persönlich und nicht für die dortige Pfarrstelle be-
Ein gemüthlicher Hauswirth.(13
Wilhelmine pflegte oft am Morgen ins Theater zur Probe zu gehen, zur selben Zeit, wenn Karl von einem Spaziergange nach Hause zurückkam. Es waren zwischen Beiden Grüße gewechselt wor- den, doch hatten sie noch nicht mit einander gesprochen. So wußte Kail nur, daß er liebte, aber nicht, ob ihm das Glück zu Theil würde, wieder geliebt zu werden.
Die ihm Muth einflößte, Schritte zu thun, um Gewißheit in dieser Herzenssache zu erlangen, war seine Schwester Rosa. Sie hatte Karl's Liebe längst erkannt und bestimmte ihn, gerade zu Werke zu gehen, indem er zu dem Mädchen seiner Herzenswahl ging und ihr offen seine Neigung gestand. Gerade der heutige Abend war der passendste, da im Theater ein Schauspiel gegeben wurde, Wilhelmine also bei ihrer Mutter zu Hause war.
Die Tburmuhren hatten die achte Stunde angezeigt, als Karl den Gang antrat, der für ihn der verhängnißvollste seines jungen Lebens war.
Der Zufall aber wollte, aß er nicht bis nach | dem Quartier der Wittwe hinauf gelangen sollte, i
Er stand eben im Begriff, an der Thür des 1
Schullehrers Kempe vorbeizuschreiten, als von drinnen Gesang an sein Ohr schlug.
Unwillkürlich blieb er stehen und horchte. Er glaubte die Stimme zu kennen.
„Nein, ich täusche mich nicht," dachte er. „Sie ist es, Wilhelmine, die da singt. Wie oft habe ich im Garten fchon ihre süße Stimme vernommen. O, wie fatal, daß ich sie jetzt nicht in ihrer Wohnung antnffen kann!"
Er stand rathlos da und wußte nicht, was er thun sollte.
Da öffnete sich plötzlich die Thür. Eine Frau trat so rasch heraus, daß sie fast mit ihm zusam- menstieß.
Er bot ihr verlegen einen guten Abend.
Sie erkannte ihn, blieb stehen und fragte:
„Wollten Sie meinen Mann sprechen, Herr Schulze?"
Halb bestürzt, stammelte er ein „Ja" hervor.
„Er ist in diesem Augenblick nicht zu Hause," versetzte die Fran. „Er ist in die Apotheke gegangen, um die Mediciu für unser krankes Kind zu holen, und weil er so lange ausbleibt, will ich ihm entgegengehen. Aber treten Sie nur ein, junger Herr. Ich bin mit meinem Mdnn bald wieder da!"
Und Frau Kempe eilte die Treppe hinunter.
„Ob ich es wage?" fragte Karl sich hochklopfenden Herzens. „Warum sollte ich nicht? Sie ist allein, kein unberufener Zeuge ist in der Nähe. Muth, Karl! Es handelt sich um Dein Lebensgluck!"
Rasch entschlossen trat der junge Mann auf den Vorplatz der Wohnung. Leise pochte er an die nächste Zimmerthür.
„Herein!" rief eine Stimme und Karl öffnete.
Am Belte des dreijährigen, kranken Knaben saß Wilhelmine, mit einer Stickarbeit beschäftigt. Beim Eintritt Karl's hob sie den Kopf. Em lebhaftes Roth färbte ihre Wangen, als sie den Sohn l es Hauswirths erblickte. Sie erhob sich.
„Sie verzeihen, mein Fräulein," sprach K;rl, näher tretend, „daß ich mir erlaube, Ihnen tier einen guten Abend zu wünschen. Ich war auf dem Wege zu Ihrer Mutter, als ich hier ihre Sti me hörte und deshalb eintrat."
„Sie wollen mit meiner Mutter reden? Vielleicht im Auftrage ihres Vaters."
Er schüttelte den Kopf.
„Nicht mit Ihrer Mutter, mit Ihnen. Ich gedachte Sie oben zu treffen."
Das jünge Mädchen schlug unwillkürlich die Augen nieder.