Donnerstag, den 30. Juli
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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vlerteliahrücher -----
belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 SH. 70 Pf« , auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
Inserate: Die dnfoattige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
ders umfangreiche Anschlagstitel sind in mehrere Loose zu theilen. Bezüglich der Beschaffenheit zu liefernder Waaren und der Abmeffung zu liefernder Gegenstände sind gewöhnliche, im Handel nicht übliche Anforderungen nur in soweit zu stellen, als dies unbedingt nothwendig ist. Ist bei Lieferungen von Fabrikaten der Kennt- niß der Bezugsquelle (der Fabrik) eine besondere Bedeutung für die Beurtheilung der Güte beizu- Mtflen, so ist von dem Bewerber die Namhaftmachung des Fabrikanten, von welchem die Waaren bezogen werden sollen, zu verlangen. Für die Ausführung der Arbeiten oder Lieferungen sind ausreichend bemeffene Pflichten zu bewilligen.
ZuschlagSertheilung. Die niedrigste Geldforderung als solche ist bei der ZuschlagSertheilung keineswegs vorzugsweise zu berücksichtigen. Der Zuschlag darf nur auf ein in jeder Beziehung annehmbares, die richtige und rechtzeitige Ausführung der betreffenden Arbeit oder Lieferung gewährleistendes Gebot ertheilt werden. Ausgeschlossen von der Berücksichtigung sind solche Angebote: a. welche den der Ausschreibung zu Grunde gelegten Bedingungen oder Proben nicht entsprechen; b. welche nach den von den Bewerbern eingereichten Proben für den vorliegenden Zweck nicht geeignet sind; c. welche eine in offenbarem Mißverhältnisse zu der betreffenden Leistung oder Lieferung stehende Preisforderung enthalten, so daß nach dem geforderten Preise an und für sich eine tüchtige Ausführung nicht erwartet werden kann. Nur ausnahmsweise darein dem letzteren Falle (zu d) der Zuschlag ertheilt werden, sofern der Bewerber als zuverlässig und leistungsfähig bekannt ist, und ausreichende Gründe für die Abgabe des ausnahmsweise niedrigen Gebotes beigebracht sind oder auf Befragen beigebracht werden. Im Uebrigen ist bei öffentlichen Ausschreibungen der Zuschlag demjenigen der drei Mindestferdernden zu ertheilen, deffen Angebot in Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände als das annehmbarste zu erachten ist. Bei engeren Ausschreibungen hat unter sonst gleichwerthigen Angeboten die Vergebung an den Mindestfordernden zu erfolgen. (Schluß f.)
die Monate August u. September wer- den Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung' von allen Postanstalten, Landbricfboten und für Fulda von der Expedition zum Preise von Mark 1,— (ohne Bestellgeld) angenommen.
* Die neue Submissionsordnung.
Die oft beklagten Mängel unseres Submissionswesens haben der Regierung bekanntlich Veran- laffung zu einem umfaffenden Reformversuche auf diesem Gebiete gegeben und ein Erlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, dessen Kundgebung bevorsteht, setzt, unter Aufhebung der früheren Erlasse, die neuen „Bestimmungen, betreffend die Vergebung von Leistungen und Lieferungen," fest. Wir entnehmen dem Erlasse folgende Hauptpunkte:
Arten der Vergebung. Leistungen und Lieferungen sind in der Regel öffentlich auszuschreiben. Mit Ausschluß der Oeffentlichkeit zu engerer Bewerbung können ausgeschrieben werden: 1. Leistungen und Lieferungen, welche nur ein beschränkter Kreis in geeigneter Weise ausführt; 2. Leistungen und Lieferungen, bezüglich deren in einer abgehaltenen öffentlichen Ausschreibung ein geeignetes Ergebniß nicht erzielt worden ist.
Verfahren bei Ausschreibungen. Der Gegenstand der Ausschreibung ist in allen wesentlichen Beziehungen bestimmt zu verzeichnen, lieber alle für die Preisberechnung erheblichen Nebenumstände sind vollständige, eine zutreffende Beurtheilung der Bedeutung derselben ermöglichende Angaben zu machen. Für Bauarbeiten sind zur Verabfolgung an die Bewerber bestimmte Ver« dingungSverträge aufzustellen, in welchen sämmt- liche Hauptleistungen, sowie die erheblicheren Nebenleistungen in besonderen Positionen aufzuführen sind. Dieselben dürfen von der Behörde ermittelte Preisansätze nicht enthalten. Die Zeitperioden für Lieferungen zur Deckung eines fortlaufenden Bedarfs find nach den besonderen Verhältnissen des einzelnen Falles zu bemessen. Umfangreichere Ausschreibungen sind derart zu zerlegen, daß auch kleineren Gewerbetreibenden und Handwerkern die Betheiligung an der Bewerbung ermöglicht wird. Bei größeren Hochbauten hat daher die Vergebung nach den einzelnen Titeln des Anschlags — den verschiedenen Gewerbs- und Handwerkszweigen entsprechend — zu erfolgen. Beson-
❖ Ein gemüthlicher Hauswirth. (1°
Wie hätte Herr Schulze da ungerührt bleiben können? Er faßte die Hand feiner Tochter und zog sie neben sich nieder.
Na, na, Kind, weine nur nicht. Ich will sehen, was sich in der Sache thun läßt. Aber mit Gewißheit kann ich Dir Nichts versprechen. Die Einwilligung hängt nicht von mir allein ab. Bei der Verheirathung einer Tochter hat die Mutter immer die erste Stimme und der Vater erst die zweite. Du mußt Dich also an die Mutter wenden. Ist der Herzensdieb so, wie Du ihn mir vorgemalt hast, so wird Deine Mutter auch wohl Nichts gegen Deine Heirath einzuwenden haben.
Em inniger Kuß belohnte Schulze für seine echt väterlichen Gesinnungen und Rosa'S rosige Lippen flüsterten:
„Du bist ein wahrer Engelspapa!"
Mit dem Gedanken, ihren Bernhard dem Vater an einem der nächsten Tage vorzustellen, hüpfte sie ausgelassen fort.
Die Gelegenheit, ihren Erwählten von dieser Unterredung zu benachrichtigen, ließ sich leicht finden.
Der hinter dem Hause liegende Garten war ein ganz vorzüglicher Rendezvousplatz, vor Allem in
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Juli.
• Von den Ministern sind gegenwärtig hier noch anwesend: Gras Hatzfeldt, Dr. v. Scholz und
der Abenddämmerung. Um solche Zeit besuchten die Eltern selten den Garten. Es gab dichte Lauben darin, in denen man ungestört traulich plaudern und im Nothfall, nahte ein unberufener Zeuge, sich auch verbergen konnte. Hier war das Liebespaar in letzterer Zeit schon öfter zusammengekommen, um von einer Zukunft zu schwärmen, in welcher der wolkenlose Himmel voller Geigen hing.
Schon an diesem Abend sollte Bernhard Hobe von der Güte ihres Vaters benachrichtigt werden.
Als er um die neunte Stunde nach Hause kam, saß Rosa im Vorderzimmer und paßte auf. Ihn sehend, schlüpfte sie hinaus, öffnete die Thür und mit Katzenschrittea ging es in den Garten.
Das junge Mädchen zögerte nicht, dem Geliebten ihr volles, von Glück schwellendes Herz auszuschütten. Aber der junge Mann war nicht so sanguinisch, ihre Hoffnungen im ganzen Umfange zu theilen.
„Dein Vater, liebe Rosa," sagte er, „hat Dich an die Mutter verwiesen. Das ist fein gutes Zeichen. Reiche Frauen sind selten geneigt, ihre Töchter einem Manne zu geben, der nicht ein gleich großes Vermögen in die Wagschale zu legen vermag. Du sollst sehen, es wird einen harten Kampf geben, worin Du schwerlich siegen wirst."
Dr. Lucius. Von den übrigen befinden sich v. Putt- kamer in Pommern, Maybach in Schlangenbad, v. Goßler in der Schweiz, Bronsart v. Schellendorff in Karlsbad, Friedberg in Ems und o. Bötticher in Schloß Radies beim Landrath Frhrn. v. Boden- Hausen. Fürst Bismarck weilt bekanntlich schon seit Wochen in seiner Varziner Einsiedelei.
* Der zweite deutsche Tischlertag wird in der Zeit vom 23. bis 25 August in Berlin, und zwar im Kaisersaale des Buggenhagenschen Etablissements abgehalten.
* In der gestrigen Versammlung der B a u g e- werksmeister gelangte der Aufruf der Meister- Kommission an die Maurergesellen in der Provinz zur Verlesung, wonach thatsächlich 5/6 sämmtlicher Maurer die Arbeit wieder ausgenommen haben. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution an, welche sich für eine den Leistungen der Gesellen entsprechende Löhnung, für thunlichste Vergebung der Arbeit in Akkord sowie für Mitwirkung der Gesellen bei den in § 100a der Gewerbeordnung vorgesehenen Angelegenheiten ausspricht und die Bau-, Maurer- und Zimmermeister beauftragt, zur Ausarbeitung eines Statuts einen Gesellen-Ausschuß zu bilden und die behördliche Genehmigung der Statuten auszuwirken. Von 3617 durch die Theilnehmer der Versammlung beschäftigten Gesellen erhalten 12 pCt. unter 40 Pfennige, 13 pCt. 40 Pfg., 30 pCt. 42x/2 Pfg., 45 pCt. 45 Pfg. pro Stunde.
* Durch eine allgemeine Verfügung des Justiz- Ministers wird eine generelle Statistik der Veränderungen in bei Belastung des Grundbesitzes mit Hypothekenschulden eingeführt. Es sollen nämlich, und zwar auf Wunsch des Ministers für Landwirthschaft rc. die Beträge der jährlich zur Eintragung und Löschung gelangenden Hypotheken ermittelt werden, und die Amtsgerichte haben zu diesem Behufe vom 1. April 1886 ab jährlich eine Nachweisung über die Beträge der in den Grundbüchern im Laufe des Etatsjahres eingetragenen und gelöschten Hypotheken aufzustellen. Diese Nachweisung, die lediglich nach den Nummern des Tagebuches des Grundbuchführers ohne Bezeichnung der Grundstücke aufgestellt wird, bei denen die Eintragungen erfolgt sind, unterscheidet städtische und ländliche Bezirke, dergestalt, daß alle städtischen Gemeindebezirke, sowie diejenigen ländlichen Bezirke, in welchen die Grundstückswerthe durch andere Beziehungen als den Betrieb der
„Aber der Vater ist doch das Haupt der Familie," meinte Rosa, „und wenn der seinen Kopf auffetzt, muß Mama nachgeben."
„Nicht immer, geliebtes Mädchen," versetzte der junge Mann. „Es gibt einen alten Vers, welcher die Stellung des Mannes zu seiner Frau treffend richtig bezeichnet. Der Vers heißt: „Ich bin der Mann, der Kopf, wie ich will, muß es gehen!
Ich bin die Frau, der Hal»/ und weiß den Kopf zu drehen!"
„Pfui!" rief Rosa entrüstet, „das sind ganz abscheuliche Verse! Die werden nie uuf mich Anwendung finden. Ich werde Deinen Kopf niemals drehen, Bernhard, vorausgesetzt, Du behältst mich als Deine Frau eben so lieb, wie jetzt, woran ich auch gar nicht zweifle."
„Gewiß, meine Rosa, aber leider bist Du noch nicht mein süßes Weib. Die Mutter —"
„Was soll es mit der Mutter?" rief plötzlich dicht vor der Laube eine zornige weibliche Stimme, und aus allen ihren Träumen gerissen fuhren die Liebenoen auseinander. Frau Schulze, Rosa's Mutter, stand vor ihnen!
Die Frau des Rentiers hatte zufällig auf der Veranda gestanden und Rosa mit einem Manne