Die .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertage auSgenomnen. ^^jahrlich-r ^E^auSwäÄs°l"Mk" 75 Pfg?
Z*.....Mederholun^nt^ender Rabatts-----
tiger der Lackstiefeln und der Friseur hatten geplaudert, welches Geschwätz dann die Folge hatte, daß auch mehrere ihrer Nachbarn von der Groß- muth des neuen Hausbesitzers zu profitiren gedachten.
Herr Schulze saß eines Nachmittags tn seinem Garten, blies den Dampf einer vortrefflichen Havanna-Cigarre in Ringeln in die warme Som- meriuft und verscheuchte die Mücken, die einen Angriff auf sein Gesicht machten.
Er war in der behaglichsten Stimmung, denn sein Sohn hatte ihm heule Morgen vertraut, daß er in Den heiligen Ehestand zu treten beabsichtige und schon ein liebenswertstes und moralisch gutes Mädchen im Auge habe, das er seinen Eltern als Schwiegertochter zusühren wolle, wenn er erst die Ueberzeugung habe, daß ste seine Neigung, die er noch nicht laut gegen sie ausgesprochen, in gleichem Maße erroiebere.
Schulze hatte selbstverständlich nach dem Namen des jungen Mädchens und nach ihren Ettern gefragt. Ihm war aber die Antwort geworden, das muffe vorderhand noch sein Gehermniß bleiben, aber sobald er das „Ja" seiner Schönen erhalten, sollten die Eltern sie sogleich kennen lernen.
Herr Schulze malte sich schon in Gedanken die sonnigsten Zukunftsbilder aus, als plötzlich ein
gezeigt, daß fast ganze Gebiete, z. B. das der Tagespresse, schon beinahe gänzlich verloren waren und erst Zoll für Zoll zurückgeivonnen werden mußten. Und das ist, Gott sei Dank nicht ohne Erfolg angestrebt worden. Und daher kommt das liberale Schlagwort: „^ie Geistlichkeit hat sich nicht in die Politik zu mischen!" Für uns aber folgt daraus die Pflick>t, die katholische Wah^ heit und das Seelenheil der uns Anverurauteri auch auf diesem Felde zu vertreten, ob dies uns auch beschwerlich ist und manche Schwierigkeit mit ftch ^Ebenso verhält es sich mit dem andern Schlagworte des kirchenfeindlichen Liberalismus: daß die (Geistlichkeit bei den Wahlen nichts zu thun habe. Wäre unsere Theilnahme an den Wahlen ein Klotzes Recht, so könnten wir auf dessen Ausübung verzichten, wenn wir wollten; aber unter ben Q^gen» madigen Verhältnissen ist es eine strenge Pflicht, sowohl unseres Standes als Priester, rote auch unseres Amtes als Seelsorger..
Wir werden daher auch aus die Gefahr von feindlicher Verfolgung hin den Gläubigen nach wie vor sagen müssen: Die Abgeordneten werden Be- schlüffe fassen und Gesetze annehmen, welche das Wohl ober Wehe für Euch unb Eure Kinder tn Zeit und Ewigkeit entweder sehr befördern ober sehr erschweren werben. Unb diese Beschlüsse werben sie fas en in Eurem Namen, weil Ihr sie wählet und sendet, um in Eurem Namen zu stimmen oder zu reden. Wählet Ihr also die rechten Manner, welche Ihr Amt auf eine gottgefällige Weise üben, so habt auch Ihr selbst Antheil auf Verdienst unb Lohn M Gott für all' das Gute das sie zu erreichen/ für all das Bö'se7so sie zu hindern bestrebt sind. Wählet Ihr aber Männer, welche das Gegen- theil thun oder willig geschehen lassen, so fallt dafür auch auf Euch die Mitverantwortung und die Strafbarkeit vor Gott, ebenso auch der Schaden auf dieser WUt für Euch und Eure Nachkommen.
Sollte aber ein christlicher Staatsbürger meinen, er könne sich dieser Verantwortung dadurch entziehen, daß er beim Wahlgeschäfte gar nicht erscheint und keine Stimme abgibt, so möge cr misten, baß biete Meinung ganz irrig ist. .jn den gegenwärtigen Umstänben ist die gute Stimmabgabe nicht bloß ein staatsbürgerliches Recht, sondern auch eine christliche Pflicht, die man auch mit christlicher Gewiffenhaftigkeit zu erfüllen schuldig ist. Sonft
Kampfe; und der Kampf geht auf Sein und Nichtsein ro.it nicht diese ober jene einzelnen, einander widerstrebenden Thatsachen, sondern die zwei einander absolut entgegengesetzten Prinzipien gegen em ander ringen. Alle früheren Jrrlehrer haben auch gerungen nach Vernichtung der Kirche, aber in ganz anderer Weise, als es jetzt geschieht, nämlich Durch direkte Bekämpfung einzelner Glaubens- lehren und durch gewaltsame Verfolgung der rechtgläubigen Christen. Da wußte jeder Priester und Laie sogleich, daß es seine Pflicht sei, bte Nirche zu verthewigen, unb barum waren die Siege der Jrrthnmer auch nicht so allgemein und groß. Daraus haben aber die modernen Kirchenfeinde gelernt, die alte direkte Kampsesweise zu Verlagen und dafür indirekt das Christenthum zu bekämpfen. Unb so bekämpfen sie denn seit Decennien mit aller Macht und List, grundsätzlich unb systematisch, nicht einzelne Glaubenswahrheiten, sondern überhaupt all.s Christliche unb dessen Einfluß auf dem gesummten sozialpolitischen Gebiete. Sie wollen eine menschliche Gesellschaft ohne Gott, eine Vernunft ohne Glauben, eine Wissenschaft ohne Autorität, ein Recht ohne Moral, endlich Staat, Familie, Ehe, Schule, Arbeit, Verkehr, Handel und Wandel ohne Christenthum. Auf diesem fozial- politischen Geoiete steht die Hauptmacht der Femde, da haben sie Sieg auf Sieg errungen und unermeßliche Erfolge gewonnen. Warum? Weil es für die Geist ichkeit schwerer ist, auf diesem unge- wohnten Gebiete die christliche Wahrheit zu verthel- bigen, da wir gewohnt waren, „die Politik den Politikern zu überlaffen;" und weil es geraume seit oiauchue. dis "Mau Liefe in-.-ieekts Kampf^Siverf» gegen das Christenthum in ihrer wahren Natur erkannte, unb endlich, weil die Geistlichen in einer kaum für die täglichen Seelsorgsarbeiten ausreicheii' den Anzahl vorhanden sind unb deshalb wenig ^ett und Kraft erübrigen, sich gegen die schlauen Machl- nattomn jener Feinde zu rüsten, denen bald die ganze Masse der sich gebildet Nennenden Hong ist. Erst seitdem Pius IX. 1864 durch das apostolische Rundschreiben mit dem Verzeichnisse (Syllabus) der Jrnhümer auf die schreckliche Gefahr und auf die bereits erlittenen Verluste aufmerksam machte, hat sich die Aufmerksamkeit der Geistlichen allgemeiner auf diesen größten unb gefährlichsten, weil allgemeinsten unb schlauesten Angriff hingerichtet und Abwehr geleistet. Unb da hat sich erst offen
„Still, Kinber, still!" gebot Schulze. „Karl, sieh hierher! Wie gefalle ich Dir?"
Der junge Mann suchte feine Lachlust gewaltsam zu unterbrücken.
„Soll ich aufrichtig sprechen, Vater?
„Ja, wie es Deine Pflicht ist!"
'Dann weg mit ber Perrücke, Vater. Zeige uns Dein altes, ehrwürbiges Haupt wieher, zu dem Deine Kinber stets voll Liebe unb Ehrfurcht
s Za bitte, Vater, nimm die häßliche Haartour ab," sagte Rosa. „Ich küffe Deine Stirn bann noch einmal so gern." . ,
Herr Schulze fühlte sich von seiner Frau unb ben Kindern so in die Enge getrieben, daß er sich zum Nachgeben gezwungen sah.
Er besann sich einige Augenblicke, griff bann nach seinem Kopfe unb riß bie blonbe Perrucke herunter. „ , ....
„Nun, ist es Euch fo recht?" fragte er, sich zu den ©einigen wendend.
Alle umarmten ihn lachend und Schulze verschwor sich, für die Folge vorsichtiger zu mn Er sollte es nölhig haben, seine Gutmüthigkeit sollte noch auf harte Proben gestellt werden.
Der Dichter mit den langen Locken, der Verfer-
Hat die Geistlichkeit sich in die Politik zu mischen?
Eine bischöfliche Antwort atif diese Frage.)
Am 20. Juni b. I. machte sich eine Deputation des gejammten ScL.uerfDiözesanklerus bei feinem hochwürdigsten Herrn Fürstbischof vorstellig, um Hochdernselben eine Adresse zu überreichen, in welcher sie um Schutz ihres Amtes und Standes baten gegen die unerhörten Verleumdungen, welche gegen sie anläßlich ber letzten Wahlen resp. ihrer pflichtgemäßen Betheiligung Daran geschleudert wurden. In liebevollster Weise beantwortete nun der hoch- würdigste Oberhirt bie Adresse seines Klerus und gab u. A. auf bie oben gestellte Frage nachstehenbe 2ln@eroifie Stimmen antworten: Mischet Euch nicht mehr in bie Politik unb haltet Euch fern von jeher Wahlbetheiligung.
Den wahren Sinn dieses guten Rathes versteht Ihr wohl, geliebte Mitarbeiter im Weinberge des Herrn! Er heißt so viel als: Lastet eine Eurer wichtigsten Seelsorgepflichten unerfüllt; und seid den Euch anvertrauten Seelen nicht behilflich, eine ihrer schwersten Gewistenspflichten zu erfüllen.
„Die Geistlichkeit hat sich nicht in die Politik zu mischen!" ist ein Schlagwort, welches ber kir- chenfeinbliche Liberalismus ausgegeben unb dadurch selbst einige Gutgesinnte getäuscht hat, freilich nur anfangs. Man braucht bloß zu beachten, was der Liberalismus unter Politik versteht unb was er dadurch erreichen will, bann wirb es augenblicklich klar fein, daß die Geistlichen nicht bloß ein Recht haben, sich au ber Politik *u betheiligen, weil sie Staatsbürger sinb, sonbern auch eine wahre und bringenbe Pflicht, weil sie Priester sind, ja hauptsächlich gerade deshalb, weil sie Seelsorger sind, d. h. weil sie auch den Gläubigen behilflich sein müssen, ihre Gewistenspflichten zu erfüllen.
Die gänzliche Beseitigung von Gott, Religion, Glaube, Kirche, christlicher Sittlichkeit, von jedem Rechte, welches vom Staate unabhängig ist, die Abschaffung ber christlichen Ehe, die Losreißung der Schule, ber Erziehung, ber Wissenschaft von Gott unb Kirche — das Alles heißen sie Politik, bas Alles benten sie burch ihr Politiktreiden zu erreichen. Alle Kämpfe zwischen Gott unb Satan, zwischen Christus unb Antichrist, zwischen Kirche und Unglauben vereinigen sich seit einigen Decen- nien auf sozialpolitischem Gebiete zu einem großen
Ein gemüthlicher Hauswirth. 19
Eben war ber Haarkünstler fort, als Fran Sophie unb Rosa von ihrer Morgenpromenabe zurückkamen. „ , f
Herr Schulze trat ihnen mit stolzem Lächeln entgegen. Er baute auf bie Worte des Haar- künstlers, daß sie ihn in feiner Verjüngung bewundern würben.
Aber ber gute Mann täuschte sich furchtbar.
Frau Schulze schlug bie Hänbe über bem Kopf zusammen unb Rosa lachte hell auf.
Mann, wie kommst Du zu ber blonben yrifur ? rief bie Frau. „Willst Du Dich mit fechszig Jahren noch zum Narren machen?"
„Zum Narren?" fragte Schulze pikirt. „Ei das wäre! Ruft mir Karl herbei. Er soll emscheiden, ob mir die Perrücke gut oder schlecht kleidet-"
„Er wirb bastelde sagen, wie. ich," versetzte Sophie.
Rosa huschte aus bem Zimmer hinaus unb kam nach wenigen Minuten mit ihrem Bruber zurück. Beide wollten sich bei ihrem EintretiN vor Lachen ausschütten. Draußen war ihnen ber schwarze Lockend au bcs alten Christian in den Wurf gekommen, daher die ausgelastene Heiterkeit.