1885.
den 28.
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kleindeutschen Sache in Bayern gewesen und hat auch seine ganze Kraft zur Bekämpfung des Katholizismus eingesetzt. Im Jahre 1848 unter der „Regierung" des Reichsverwesers Erzherzog Johann wurde er zum deutschen Gesandten in Athen und Konstantinopel ernannt; eine diplomatische Stellung, welche mitsammt der Frankfurter Reichsverweserherrlichkeit sehr bald wieder in nichts zerrann. (Fürst Chlodwig lebt seit dem 16. Februar 1847 in glücklicher Ehe mit der am gleichen Tage des Jahres 1829 geborenen Fürstin Marie Antonie Karoline Stephanie, Tochter des Fürsten Ludwig von Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der Ehe sind 4 Kinder entsprossen, von denen die beiden jüngsten Prinzen, Moritz und Alexander, am 6. August 1862 als Zwillinge geboren sind. Die älteste 1847 geborene Prinzessin Elisabeth ist noch unvermählt; der im Jahre 1853 geborene Erbprinz Philipp Ernst, Premierlieutenant im 2. Garde- Dragonerregiment, ist seit 1882 vermählt mit Prinzessin Chariclee, Tochter des Fürsten Gregor Pysilanti.) Nach dem Kriege von 1866 trat Hohenlohe mit einem förmlichen Programm hervor, welches von Bayern und den übrigen süddeutschen Staaten rückhaltslosen Anschluß an Preußen, als die neue führende Macht in Deutschland, die Umgestaltung des bayerischen Heerwesens, die Unterstellung aller deutschen Heeresabtheilungen unter den preußischen Oberbefehl für den Kriegsfall forderte. Am letzten Tage des verhängnißvollen Jahres wurde der. Fürst von König Ludwig von Bayern zum Minister des königlichen Hauses und des Aeußeren ernannt.
In dieser Stellung erließ er die gar nicht rühmlich bekannte Rote vom 9. April 1869, in welcher er die europäischen Cabinete zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die angeblichen Gefahren des In- fallibilitätsdogmas aufforderte. Mit diesem Plane machte er indeffen ein gründliches Fiasco; selbst Bismarck wollte nichts davon wissen und die Liberalen gedachten, wie Lasker einst ausplauderte, erst das deutsche Reich zu gründen, ehe man über die Katholiken herfallen wollte. Em weiteres Rundschreiben Hohenlohes vom 28. Juni an die deutschen Regierungen hatte eine gleiche ablehnende Antwort zur Folge und selbst die Einholung von Gutachten aus den verschiedenen Landesfacultäten wurde nicht für angemessen gehalten. Bei dem Zusammentritt der Kammer Ende September 1869
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* Der neue Statthalter von Elsaß- Lothringe«,
Fürst Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, gegenwärtig deutscher Gesandter in Paris, wurde geboren als Prinz zu Ratibor und Korvei am 31. März 1819 als Sproß des alten fränkischen Herrengeschlechts, dessen etwa 1800 Quadratkilometer umfassendes Fürstenthum im Jahre 1806 durch die napoleonische Nheinbundsakte mediatisirt und unter württembergische und bayerische Staatsoberhoheit gestellt wurde. Sein um ein Jahr älterer Bruder ist Victor, Herzog von Ratibor. Die Mutter des Fürsten Chlodwig, Constanze, war eine geborene Fürstin Hohenlohe-Langenburg. Die Hohenlohe-Schillingsfürst sind die jüngere Linie der Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst aus der Waldenburgischen Linie der Gesammtfamilie; die Waldenburgifche Linie ist katholischer Confession, während die ältere Reuensteinische lutherisch ist; die Waldenburgifche Linie hat den Reichsfürstentitel seit dem 21. Mai 1744, 20 Jahre früher als die ältere Reuensteinische. Die zahlreichen Mitglieder der Gesammtfamilie Hohenlohe sind über Bayern, Württemberg und Preußen vertheilt. Ein jüngerer Bruder des Fürsten Chlodwig, Prinz Gustav, ist, wie bekannt, Cardinal, Cardinalbischof von Albano und Erzpriester von Santa Maria Maggiore und hat schon manchmal in einer Weise von sich reden machen, die im katholischen Volke höchst peinlich berührte.
Anhänger Bismarck'«, bezw. der specifisch preußischen Politik, ist Fürst Chlodwig stets gewesen; im Alter von 23 Jahren trat er schon in den Staatsdienst, aber nicht in den bayerischen, sondern in den preußischen, wo er Auskultator in Ehrenbreitstein und darauf Regierungsreferendar in Potsdam wurde. Dort blieb er bis zur lieber» nähme der Herrschaft Schillingsfürst. Mit letzterer fiel ihm der erbliche Sitz in der Reichsrathskammer der Krone Bayerns zu, den er im Jahre 1846 einnahm. Seit der Zeit ist er Vorkämpfer der
❖ Ein gemächlicher Hauswirth. (e
„Ich bin stolz auf Dich, Heinrich," sagte sie. „Du hast zu den Leuten gesprochen, wie der gewandteste Wahlredner es nicht hätte besser machen können. Gott gebe nur, daß Deine Gutherzigkeit nicht gemißbraucht wird."
„Wohin denkst Du, Mutter?" erwiderte Schulze. „Die Leute werden mich lieben und ehren und in der ganzen Stadt erzählen, was ich Alles für sie zu thun gedenke. Das wird den alten Kribbler so ärgern, daß er vielleicht das Gall-nfieber kriegt und das wäre ihm am Ende ganz gesund."
Während Schulze sich so mit seiner Frau unterhielt, dachte seist Sohn Karl an die reizende Tochter der Wittwe Bornheim und Rosa an den hübschen Bernhard Hobe, dem sie schon früher im Stillen ihre Neigung geschenkt hatte.
„Das Mädchen ist ein wahrer Engel!" murmelte Karl vor sich hin. „O, wenn ich ihre Liebe gewinnen könnte!"
„Wenn Bernhard nur um mich anhält," waren Rosa'» Gedanken, „wie werde ich glücklich sein! Ach, wie gut war es doch von dem lieben Gott, daß er den Vater reich werden ließ!"
So ergingen sich die beiden Kinder des zum
i Rentier gewordenen ehemaligen Gewürzkrämers in den herrlichsten Zukunftsträumen. Alles, was ihre Herzen nur begehren und wünschen konnten, sahen sie bereits verwirklicht vor sich und ihr Glück stand auf seinem Gipfelpunkt.
Schöne Gedanken, sonnige Gebilde und doch bloße Luftschlösser, deren Glanz dunkle Wolken schnell trüben konnten. Es sollte, ach, so ganz anders kommen, wie die jungen Leute es sich träumen ließen und ihre Liebesillusionen sollten von der unerwartetsten Seite zerstört werden.
Der wackere Herr Schulze hielt getreu, was er den Bewohnern des Hauses versprochen halte.
Nach Verlauf weniger Tage erschienen in den oberen Räumen diejenigen Handwerker, die zur Renovirung derselben erforderlich waren. Acht Tage darauf befand sich Alle» in mustergültiger Ordnung.
Daß aber die Mehrzahl der Bewohner an die Güte de» Hausherrn noch weitere Ansprüche,nachen würden, sollte dieser nur zu bald erfahren.
Herr Schulze hatte eine» Morgens eben sein Frühstück mit gutem Appetit verzehrt, al» Herr Amanvu» Vielmagen um die Ehre bat, ihm seine Aufwartung machen zu dürfen.
Herr Schulze ließ ihn selbstverständlich eintrete«.
standen sich die Parteien infolge von Wahlbeanstandungen u. s. w. in gleicher Stärke von je 72 Stimmen gegenüber, und die Kammer konnte sich bei der 7tägigen Präsidentenwahl in 7 Wahlgängen nicht über den Präsidenten einigen. Die Folge war Auflösung und Neuwahl, bei welcher die Patrioten 80, die Liberalen 74 Kammersitze erhielten. Die vom Fürsten Hohenlohe sofort am Tage nach der Wahl, am 26. November, eingereichte Entlassung nahm der König nicht an und erst zu Beginn des Jahres 1870, als die Reichsrathskammer, in welcher die königlichen Prinzen gegen Hohenlohe stimmten, und dann die Abgeordnetenkammer dem leitenden Minister feindliche Adressen beschlossen hatten — die Ueberreichung diefer Adressen durch Abordnungen verbat sich der König und ließ sich nur die Adresse der Abgeordnetenkammer zur Einsicht vorlegen —, am 7. März genehmigte König Ludwig das Entlassungsgesuch des Fürsten.
, Wie im Zollparlament als Vertreter des Wahlkreises Forchheim-Kulmbach hat sich Fürst Hohenlohe auch in dem deutschen Reichstage kräftig betheiligt, bis ihm der Wahlkreis im Jahre 1881 durch die Nürnberger Fortschrittler aus der Hand gespielt wurde. Im ersten deutschen Reichstag gehörte Fürst Hohenlohe ursprünglich der „liberalen Reichspartei" an, welche aber bei den Reichstagswahlen 1874 zersplitterte; seit der Zeit stand der Fürst ohne bestimmte Parteistellung der Reichsregierung zur Seite. Fürst Bismarck berief ihn im Jahre 1879 auf den durch des Grafen Arnim Abberufung erledigten Bctfchef^r--P''st-n in Pari« In dieser Stellung hat er bi» auf den heutigen Tag gewirkt. Vorübergehend wurden ihm wichtige Aufgaben in Berlin zugewiesen; dem Berliner Gon» greß de» Jahres 1878 gehörte er als dritter deutscher Bevollmächtigter an und zwei Jahre später, dem Tode des Staatsministers v. Bülow, führte er eine Zeit lang das Staatssecretariat der auswärtigen Angelegenheiten, in welcher Stellung er auch den Vorsitz in der Ende Juni behufs Begleichung der griechisch-türkischen Grenzstreitigkeiten zusammengetretene Conferenz geführt hat. Die Führung der deutschen Botschaft in Paris bildet aber die Hauptthätlgkeit der jüngsten 11 Jahre seines Lebens.
Neben den „Ultramontanen" zogen auch die Fortschrittler sich seine spezielle Ungnade zu und es ist noch in der Erinnerung, daß er, al» er
Mit pathetischen Worten schilderte der sich als Dichter Bezeichnende dem Rentier seine traurige Lage in den ihn umgebenden Verhältnissen des Leben». Er hatte bereits eine große Anzahl von Trauerspielen, Romanen und Gedichten geschrieben, aber, wie er dem guten, erstaunt zuhörenden Herrn Schulze wehmüthig erzählte, bisher noch keinen Theaterdirektor, welcher die ersteren, die zu viel Blut und Leichen enthalten sollten, zur Aufführung bringen wollte, und keinen Verleger für die letzteren gefunden. Er hatte deshalb, durch das großmüthige Auftreten des neuen Hauswirths angefeuert, die Idee gefaßt, selbst eine Ausgabe feiner Gedichte zu veranstalten und zwar auf Sub- flription, wozu er Herrn Schulze's Zeichnung und Beitrag an der Spitze der Sifte zu erhalten wünschte. Er trug das Alles mit so kläglicher Miene vor und wußte solches Mitleid in dem neugebackenen Rentier zu erwecken, daß derselbe sich völlig erweichen ließ und für ein Dutzend Doppelbände L zwei Thaler zeichnete. In überschwänglichen Worten sprach der Musensohn ihm seinen Dank aus; aber so leichten Kaufes sollte sein Wohlthäter noch nicht davonkommen. Der Dichter wußte in ihm noch derart für seine arme, leidende Frau Mitleid zu erregen, daß Schulze ein unwider-