M 168
Montag, den 27. Juli
1885.
Die ,Fuldaer Zeitung" erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnem-ntspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
Inserate: Die einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
wieder durchzubringen, scheiterte an dem gesunden Sinne des amerikanischen Volkes, welches in Grant die Gauner -und Wucher -Politik verurtheilt hatte und einen berechtigten Widerwillen gegen einen dritten Amtstermin Grants hatte. Im Jahre 1882 trat Grant an die Spitze einer Gesellschaft zum Ausbau der Eisenbahnen und zur Ausbeutung der reichen Hilfsquellen von Mexiko. Allein hier traf ihn die Vergeltung für seine Gaunereien. Alle seine geschäftlichen Unternehmungen sind ihm mißglückt und so mußte er es noch erleben, daß sein ganzes Vermögen in dem Zusammenbruche eines Hauses, dessen betrügerische Geschäfte er durch das Gewicht seines Namens zu fördern versucht hatte, vollständig verloren ging.
Als Feldherr war er kühn, kaltblütig und zähe; um einen wirklichen Erfolg zu erringen, opferte er ohne Bedenken 10,000 Mann, während er sich lieber zurückzog, als auch nur einen Tropfen Blutes für einen unnützen Sieg zu vergießen. Er ging selbst in die Laufgräben, stellte sich selbst an eine Kanone, wenn es darauf ankam, eine Lücke auszufüllen und den Muth seiner Leute aufrecht zu erhalten. Dabei war er frei von jedem Neid und großmüthig gegenüber dem besiegten Feinde. Diesem Grant wird das amerikanische Volk stets dankbar bleiben, aber den Beamt en Grant hatte es schließlich verachten müssen.
HAM«»— Für die Monate August u. September wer- den Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung" von allen Postanstalten, Landbricfboten und für Fulda von der Expedition zum Preise von Mark 1,— (ohne Bestellgeld) angenommen.
Reu hinzutretende Abonnenten erhalten die bis 1. August noch erscheinenden Nummern gratis.
* General Ulysses Sidney Grant, der Sieger über die Sklavmhalter-Partei des nordamerikanischen Südens, ist am 23. Juli in New- Aork gestorben. Noch in der langen Todeskrankheit hat er dieselbe Standhaftigkeit gezeigt, welcher den Sieger in so vielen Schlachten auszeichnete. Grant war am 27. April 1822 in Mount Pleasant in Ohio geboren, trat 1839 in die militärische Akademie von Westpoint und verließ dieselbe 1843, um als Lieutenant in das 4. Ver. Staaten-Infanterie- Regiment zu treten. Grant nahm an dem Kriege gegen Mexiko von Anfang an Theil und wurde wegen tapferen Verhaltens bei Molina del Rey und Chepultepec zum Kapitän befördert. Ende Juli 1854 verließ er den Militärdienst und arbeitete zunächst als Geometer in St. Louis, übernahm dann die Bewirthschaftung einer Farm und trat 1859 in das Ledergeschäft seines Vaters zu Galena in Illinois. Als der Bürgerkrieg ausbrach, bot Grant sofort dem Gouverneur Ijates von Illinois seine Dienste an, fand aber erst am 17. Juni 1861 als Oberst des 21. Jllinoiser Freiwilligenregiments Verwendung. Bald darauf wurde er mm Briqadegeneral mmrytt Aus
gabe betraut, die zweifelhaften Staaten Kentucky und Tennessee niederzuhalten und womöglich dem Feinde zu nehmen. Doch gelang es ihm erst als Führer der West Tennessee Armee bedeutsame Erfolge zu erringen (im September und Oktober 1862 siegte er bei Duka und Corinth) und er brauchte mehr als ein halbes Jahr, um die wichtige Wasserstraße des Mississippi bis Vicksbürg zu öffnen. Die Einnahme Vicksburgs am 4. Juli 1863 ist nicht nur als glänzender Abschluß dieser wegen ihrer Kühnheit der Konzeption und Beharrlichkeit der Ausführung allgemein bewunderten Operationen anzusehen, sondern durch den Fall dieses Platzes wurde auch der Sezession die Hauptstütze entzogen. Nach der Niederlage des Generals Rosenkranz im September 1863 trat Grant an die Spitze der unter dem Namen Msistssippi-De-
Q Ein gemüthlicher Hauswirth. (7
„Ja, weiß der Himmel, das kann ich!" versetzte Kribbler, indem er seine Augen verdrehte. „Ich war so gut, so gut!"
Aber diese Worte sielen auf unfruchtbaren
Ein unwilliges Gemurmel ging durch die Reihe der anwesenden Miether und der Hornist Rumohr und die Waschfrau Krampel hatten sogar die Kühnheit, die Worte: „Ein Geizdrache, ein Menschenquäler war er!" halblaut auszustoßen.
„Stille!" gebot der neue Hauswirth. „Ich bin noch nicht zu Ende. Wahrscheinlich glauben die Herrschaften, mit mir eben so widerhaarig verfahren zu können, wie mit dem guten Herrn Kribbler. Aber darin irren Sie sich. Ich bin nicht aus so weichem Holze gemacht, wie dieser Ehrenmann und lasse mir nicht auf der Nase spielen und somit kündige ich Ihnen Allen an —" er hielt einen Augenblick inne, wandte sich Kribbler zu und sagte: „Nun kommt es!"
Eine unheimliche Pause entstand, dann fuhr Herr Schulze, seine Stimme erhebend, soweit seine Lunge es erlaubte, fort:
„Ich kündige Ihnen Allen an, daß ich von dem
partement vereinigten Armee des Cumberland, Ohio und Keutuky. Seine Korpskommandanten waren Shermann, Thomas, Hooker und Burnside. Nachdem Grant die Südstaatlichen in den Kämpfen vom 23. bis 25. November 1863 bei C hatta- nooga zum Rückzüge auf Dalton in Georgia gezwungen, erwiesen sich ihm Congreß und Präsident dankbar, indem sie ihn am 2. März 1864 zum Generallieutenant und Oberbefehlshaber aller Armeen ernannten. Als solcher trat er an die Spitze der Potomac-Armee und führte in 11 Monaten einen der blutigsten Feldzüge aller Zeiten zu Ende. Am 3. April 1865 ergaben sich Petersburg und Richmond und sechs Tage darauf fiel Lee mit den besten seiner Armee dem Sieger bei Appomatox-Courthouse in Virginien in die Hände.
Die großartigen Erfolge Grants auf dem Schlachtfelde wirkten, wie stets der Erfolg, berauschend auf die Menge und so kam es, daß der zu Chicago am 20. Mai 1868 versammelte Nationalkonvent der republikanischen Partei den siegreichen Feld- Herrn als Kandidaten für die Präsidentenwahl aufstellte. Unter 5,716,082 abgegebenen Stimmen erhielt Grant eine Mehrheit von 309,684 Stimmen, welche bei der Erwählung für den zweiten Amtstermin im November 1872 auf 762,991 Stimmen anwuchsen. Die achtjährige Amtsdauer Grants hat in der auswärtigen Politik manche Erfolge aufzuweisen — das Genfer Schiedsgericht in der Alabamafrage und das Unheil des deutschen Kaisers in der sogenannten San Juanfrage fielen d-v Umsn sul—<- aber im Innerere gelang es ihm nicht, auch nur eine der von ihm wiederholt versprochenen bedeutsamen Maßregeln — Reform des Civildienstes, Beruhigung des Südens und Wiederherstellung der Goldwährung — durchzuführen. Der Hauptgrund hierfür war Grants Unfähigkeit und betrügerische Selbstsucht. Er machte den allgemeinen Diebstahl mit, der die republikanische Partei der Union noch mehr schändet, wie der demokratische! Seine Minister Belknap und Robeson durften sich die gröbsten Unterschlagungen zu Schulden kommen taffen. Daß die republikanische Partei schon 1876 so sehr an Boden verloren hatte, ist zum großen Theil Grant in seiner Amtsperiode zuzuschreiben. Nach seinem Rücktritte vom Amte unternahm Grant mehrere Reisen nach Asien und Europa. Ein Versuch seiner Freunde, ihn bei der Präsidentenwahl von 1880
> letzten Zahlungstermine ab jede Miethe um ein Viertheil heruntersetze und bereit bin, alle Wohnungen so in den Stand setzen zu lassen, daß sich Niemand mehr darüber beschweren kann. Nun wissen Sie, was Sie von mir als Hauswirth zu halten haben!"
Die finsteren Mienen Aller erhellten sich blitzschnell bei der unerwarteten Wendung, welche Schulze's Rede nahm.
Ihre Furcht verwandelte sich in Freude. Ein Viertheil Miethe weniger, welch' »ine Erleichterung für sie! Auch wurde es ihnen klar, daß Herr Schulze den geizigen Kribbler nur hatte dupiren und sich über ihn lustig machen wollen.
Einer nach dem Anderen drängte sich an den Rentier heran, schüttelte ihm die Hand und sprach seinen Dank aus.
Kribbler aber stürzte mit dem Ausruf: „Der Alte ist verrückt geworden und muß ins Tollhaus!" nach der Thür, wo Christian Wache hielt.
„Sie können nicht hinaus, Herr Kribbler," sprach er. „Die Thür ist verschlossen und ich darf sie nicht früher aufmachen, als bis mein Herr es mir befiehlt!"
Schulze schritt lachend dem wüthenden Kribbler nach und schlug ihn vertraulich auf die Schulter.
Deutsches Reich.
Bert:n, zu. Juli.
* Der Botschafter Fürst Hohenlohe war jüngst von Baden-Baden aus mit seinem ältesten Sohne incognito in Straßburg und hat daselbst die Statthaltereiwohnung und Bureaulokalitäten eingesehen. Die Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Statthalter von Elsaß - Lothringen soll bereits offiziell nach München notifizirt fein.
* Nachdem das Gesetz vom 6. Juli d. I. über die Pensionirung derLehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen die Bestimmung getroffen hat, daß die Pensionen derjenigen Lehrer und Lehrerinnen, welche aus Stellen an öffentlichen Volksschulen vor dem Inkrafttreten des Gesetzes in den Ruhestand versetzt worden sind, bis zu dem Betrage von jährlich 600 M. für jede einzelne Pension vom 1. April 1886 ab auf die Staatskasse zu übernehmen sind, hat der Minister
„Warten Sie doch noch ein wenig, alter, würdiger Freund," versetzte er. „Ich glaube die hier Versammelten wollen noch mit einigen herzlichen Worten von ihrem ehemaligen Wohlthäter Abschied nehmen. Nicht wahr, meine Damen und Herren, ist es nicht so? Sprechen Sie sich ungenirt gegen den vortrefflichen Mann aus."
Mit Ausnahme der Wittwe Bornheim und ihrer Tochter Wilhelmine machten die Uebrigen von dieser Erlaubnis den ausgiebigsten Gebrauch.
Es pitfette sie, ihrem Hasse gegen den scheinheiligen Quälgeist Luft zu machen.
Kribbler sah sich von allen Seiten umringt und festgehalten. Es drangen ihm Ehrentitel ins Ohr, wie er sie zuvor noch nie gehört, und dieser Rache seiner früheren Miether vermochte er nicht eher zu entrinnen, als bis Herr Schulze seinem Christian winkte, die Thür aufzuschließen. Mit einem Wuth- geschrei stürzte Kribbler aus dem Hause hinaus, den ehemaligen Gewürzkrämer bis in den Abgrund der Hölle verwünschend.
Die gute Laune des Rentiers war durch Kribb- ler's ohnmächtigen Zorn nur noch gesteigert worden.
Der Allen Verhaßte hatte eben die Thür hinter sich zugeworfen, als Schulze in ein herzliches Lachen ausbrach, worin nicht nur die Bewohner der