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M 166.

Fuldaer

1885.

Freitag, den 24. Juli

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Die »Fuldaer Zeitung" erscheint tLglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vl-rt-l,ahrlich-r «bonnem-ntspreis ohne Br,ng«lohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg.» belletristischen Wochenbeilage »Sterne ««» Blumen" m Fulda 1 Mk. 70 Pfg- auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 23. Juli.

* Wie man hört, ist Fürst Hohenlohe nach Gastein gereist, um sich dem Kaiser als neuer Statthalter von Elsaß-Lothringen vorzustellen. Die Einzelheiten des Amtsantritts und das Programm der Amtsführung sind eben in Varzin nach ein­gehender Erörterung definitiv festgestellt worden.

Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst ist geboren am 31. März 1819. Erblicher Reichsrath in Bayern, war er vom 31. März 1866 bis 7. März 1870 bayerischer Minister des Auswärtigen, wurde aber durch die katholische Kammermehrheit gestürzt, welche in einer Adresse an König Ludwig die Worte niederlegte: „Wir leben in einer Zeit, die zu entscheidenden Krisen führt und wo von europäischen Rechtszuständen kaum mehr die Rede sein kann. Die Verträge mit Preußen sind ent­schieden der Deutung fähig, und die möglichen Deutungen verbreiten Beängstigung im Volke. Daraus entspringt unwillkürlich das Verlangen nach einem Leiter unserer auswärtigen Angelegenheiten, dem das Vertrauen des Landes entgegengetragen werde." Hohenlohe hatte Veranlassung gegeben, zu glauben, daß er mehr zu dem Nordbunde als zu Bayern hinneige und die Allianzverträge in einer Weise deuten werde, welche die Selbst­ständigkeit Bayerns gefährdeten. Die Adresse wurde am 12. Februar mit 78 gegen 62 Stimmen angenommen. Am 25. Februar reichte Hohenlohe seine Demission ein, worauf der König die Ein­reichung der Adresse der Abgeordnetenkammer ver­langte. Am 7. März wurde Fürst Hohenlohe als Minister des Auswärtigen entlassen und Graf Bray, bayerischer Gesandter am österreichischen Hofe, trat an seine Stelle. Fürst Hohenlohe lebte als Privat­mann bis zum Jahre 1884. Ende Februar dieses Jahres mußte Graf Harry v. Arnim von seinem Botschafterposten in Paris zurücktreten, worauf sich dann jener bekannte Kampf zwischen diesem und

dem Reichskanzler entspann, der ein so tragisches Ende für ersteren nahm. Hohenlohe trat an Arnims Stelle und überreichte am 24. Mai sein Beglaubigungs - schreiben. Als deutscher Botschafter hat Fürst Hohen­lohe dieselbe Hingebung an den Willen des Fürsten Bismarck gezeigt, wie als bayerischer Minister des Auswärtigen. Ob Fürst Hohenlohe der rechte Mann ist, der die versöhnende Politik des Feldmarschalls in den Reichslanden fortsetzen wird, müssen wir erst abwarten. Dem Reichskanzler wird er zweifels­ohne mehr gefallen, wie der selbständige verstorbene Statthalter. Vielleicht hat der bisherige Bot­schafter aber auch in den letzten Jahren manches gelernt.

* Rach einer mehreren Provinzialblättern zu­gehenden Mittheilung stände für das Königreich Preußen eine Verordnung betreffend eine Enquete über die Sonntagsruhe bevor, wobei eine Be­fragung der Arbeiter vorgesehen sein soll.

• Man liest in katholischen Blättern: Wahrhaft jammervoll ist das Verhalten vieler Katholiken zu der Presse. Freilich finden sich in den als liberal bezeichneten Blättern die Wurstsuppen angezeigt, es enthalten ja auch besagte Blätter höchst interessante Lokalnachrichten, daß man z. B. da und da am 1. Juni noch einen Maikäfer gefunden hat u. s. w. Aber nicht nur, daß diese Presse die Religion der Katholiken systematisch beschimpft, sie versimpelt auch das Volk. So ist uns z. B. ein Mann be­kannt, der vor lauter „Patriotismus" nicht wußte, wie er seine Tochter taufen lassen sollte. Zuerst wollte er sie „Hurrah Viktoria" taufen lassen, und als er deswegen ausgelacht wurde, gab er ihr den Namen „Germania" ! Ja den liberalen Zeitungen werden ferner die Katholiken als „Ultramontane", „Reichsfeinde" rc. dem Pöbel preisgegeben und beschimpft, obwohl sie dem Kaiser geben, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. Man sollte meinen, die Katholiken würden sich endlich einmal aufraffen. Uns ist eine nicht gar große katholische Gemeinde bekannt, wo Dank der Sorge des Herrn Pfarrers 8—10 katholische Zeitungen gelesen wer­den, aber leider auch — und dies dankt man nicht der Sorge des Herrn Pfarrers — 2 liberale. Und zwar lesen gerade Diejenigen, die der Gemeinde mit gutem Beispiele vorangehen sollten, die libe­ralen Zeitungen.

* Posen, 21. Juli. Die ,Gazeta Torunska' erfährt, daß gegenwärtig fast täglich preußische

Polizeibehörden Ausgewiesene an die Grenz­befördern und den russischen Behörden überlie fern. Die Russen fordern von den Ausgelieferten beträchtliche Summen für das unerlaubte Verlassen des Landes. Wer kein Geld hat, um sich loszu­kaufen, muß in's Gefänqniß wandern.

* Neustadt i. d. Pfalz, 20. Juli. Ein Beweis, wie gespannt die hiesigen Verhältnisse sind, liefert die Thatsache, daß ein Weinhändler, der deutsch-freisinnigen Partei angehörig, seinen Hund mit dem Namen des Redakteurs der nationalliberalen ,Neustädter Ztg.' rief. Vor Ge­richt erklärte er gelegentlich des Prozesses der beiden hiesigen Zeitungen, der Hund habe den Namen „Schwuchow" bereits geführt, da aber der frühere Besitzer, ein Genieoffizier in Germers­heim, dies als falsch bezeichnete und Schwuchow diese Mittheilung der Staatsanwartschaft zustellte, so ist gegen den Weinhändler, wie die ,N. Ztg/ mittheilte, Anklage wegen falschen Eides erhoben. Fr. Wild, jener Weinhändler, der sich zur Zeit in Leipzig befindet, sendet von dort der ,Neust. Ztg." eine Erklärung, wonach er in der bekannten Angelegenheit des Namens seines Hundes in der fraglichen Proceßverhandlung lediglich deponirt habe, daß er seinen Hund „Schwuchow" genannt habe, nicht aber, daß der Vorbesitzer den Hund bereits also getauft hätte.

Ausland.

* Rom, 20. Juli. Der neue Erzbischof von Dublin, Msgr. Walsh, ist hier eingetroffen.

* Die Lage der Truppen I t a l i e n s am Rothen Meere wirb immer' schlimmer. Ire thrilweise sihr heftigen Artikeln fordern viele Zeitungen die Zurück­ziehung der Truppen. Jede Nachricht von einem Todesfälle erregt das Volk mehr. Dieser Tage starb in Massauah der Oberst Putti und der Post- kontroleur Friggeri. — Der italienische Kriegs­minister begibt sich von Lugano nach Rom zur Be- rathung mit dem Marineminister, sowie den Generalen und Obersten. Dem Ministerpräsidenten Depretis wurde vorgeschlagen, die Truppen aus Afrika zurück­zuziehen. Der Meffagero', ein in Rom vielge­lesenes Volksblatt, bemerkt, es sei alles wahr, was die Berichterstatter verschiedener Journale über den Krankheitszustand der Truppen mitgetheilt hätten. Der Befehlshaber der italienischen Truppen, Saletta,

❖ Ein gemüthlicher Hauswirth. (5

Der Mann, der es ihm möglich machte, nach langem Suchen ein solches Haus zu finden, war schließlich sein Hauswirth Kribbler. Derselbe besaß ein hohes, vierstöckiges Haus in der Nähe des östlichen Stadtthores. Es war kein Gebäude im modernen Stil, aber noch wohlerhalten und was Schulze und Rosa besonders wohlgefiel, war ein umfangreicher Garten, der gerade solche Vorzüge bot, wie Rosa sie sich wünschte. Die Parterre- Wohnung war ziemlich elegant und geräumig und bestand aus acht Zimmern und einer Art Salon, dessen Thür nach der Veranda hinausging, von der aus man den Garten betreten tonnte.' Die oberen Räume bildeten Mieths-Wohnungen, die alle besetzt waren und alljährlich eine hübsche Rente abwarfen, da Herr Kribbler seine Miether nicht wenig zu drücken verstanden hatte.

Nachdem der schlaue Hauswirth in Erfahrung gebracht, wie sehr dem jetzigen Rentier, den er früher kurzweg Schulze genannt, jetzt aber „mein lieber Herr Schulze" titulirte, an einem Garten gelegen war, trat er mit ihm wegen Ankaufs des großen Hauses in Unterhandlung.

Schulze war nicht abgeneigt und besichtigte das

Gebäude in Begleitung von Frau und Kindern von unten bis oben. Wieder auf dem Heimweg nach ihrer alten Wohnung, sprach Schulze zu den Seinen:

„Kinder, ich habe nicht wenig Lust, das Haus zu kaufen, da die Wohnung, die sich für uns eignet, Euch zusagt. Außerdem ist mir noch eine andere Idee gekommen, meinen Quälgeist Kribbler tüchtig zu ärgern.

„Kribbler ärgern? Wie das, Papa?" fragte Rosa.

„Die Sache ist einfach die," versetzte Schulze.

„Die Miether sind alle bitterböse auf den alten Kribbler, der in der ganzen Stadt den Ruf eines schäbigen Patrons genießt. Nun, ich will als Hauswirth das gerade Gegentheil von Kribbler sein, ich will meine Miether so gut behandeln, daß sie bald sagen sollen, so ein Hauswirth wie Niko- laus Heinrich Schulze sei noch niemals dagewesen. Die guten Leute werden das in der ganzen Stadt bekannt machen, und es wird auch dem Kribbler zu Ohren kommen. Das wird ihm die Galle ins Blut jagen und mir Spaß machen. Genug, kann ich mit ihm Handels einig werden, kaufe ich das Haus."

Herr Schulze hielt an dieser Idee fest und kaum acht Tage waren vergangen, da war er in den

Besitz des Kribbler'schen Eigenthums gelangt. Der alte Wucherer, der sehr wohl wußte, welcher Reno- oirungen das Haus in den oberen Räumen be­durfte und täglich in der Furcht lebte, die Miether würden ihm kündigen, hatte es dem Rentier nach Hängen und Würgen zu einem annehmbaren Preise überlassen.

Nachdem der Kontrakt abgeschlossen, beschloß Schulze so schnell als möglich mit seiner Familie in sein neues Besitzthum einzuziehen und alle stimmten ihm bei.

Herr Schulze und sein Sohn Karl hatten nun alle Hände voll zu thun, die neue Wohnung aus- zustatten, und diese Vorbereitung währte wohl volle vierzehn Tage. Alles, was Schulze bisher besessen, war an arme Nachbarn verschenkt worden und so konnte die Familie unter Freudenthränen, welche die ihnen nachweinten, denen sie wohlgethan, Abschied von ihrem alten Quartier nehmen und hoffnungsvoll ihre neue, elegant eingerichtete Par­terrewohnung beziehen.

Ein stattlicher, viersitziger Wagen war zu dieser Uebersiedelung bestellt worden.

Herr Schulze nickte Allen freundlich zum Ab­schied zu, seine Frau, Karl und Rosa folgten seinem Beispiele.