JM 157. Dienstag, den 14. Juli 1885.
Fuldaer
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Päpstliches Breve, durch welches der heilige Vincenz von Paul als Patron aller Liebeswerke der ganzen Kirche proklamirt wird.
Leo XIII., Papst, zum ewigen Gedächtniß.
Jesus Christus, welcher dem Menschengeschlecht verschiedene Gebote gegeben hat, um die Menschen sicher zum ewigen Leben zu führen, hat stets das Gebot betont, wir sollten den Nächsten lieben wie uns selbst. Er, welcher selbst die Liebe ist, hat gelehrt, die Liebe sei die Grundlage, auf welcher das ganze Gesetz beruht, und das Zeichen, an welchem man unter den übrigen Menschen die Schüler der christlichen Weisheit erkennt. Es ist also nicht zu verwundern, daß diese ausgezeichnete Tugend, deren Eigenlhümlichkcit darin besteht, mehr an Andere als an sich selbst zu denken, welche die Mutter und Ernährerin aller sonstigen Tugenden ist, ihren bevorzugten Platz im Herzen Solcher besessen hat, welche, den Spuren des göttlichen Meisters folgend, die höchste Vollendung der Tugenden zu erreichen sich bemüht haben.
Unter diesen Menschen erglänzte in wunderbarem Lichte am Ende des sechszehnten Jahrhunderts Vincenz von Paul, dieses große und unsterbliche Muster christlicher Liebe, welcher durch das Verdienst dieser Tugend sich einen unvergleichlichen . Ruhm erwarb. Es gibt kaum eine Art von Elend, welcher seine bewundernswerte Liebe nicht zu Hülfe gekommen wäre, keine Mühe, die er nicht freudig zum Tröste und Nutzen seiner Brüder auf sich genommen hätte.
Und seitdem Vincenz dieses Leben verlaffen hat, um zum Himmel emporzusteigen, ist die Quelle der von ihm begründeten Werke des Heiles nicht versiecht, sondern reichlich und im Ueberfluß, gleichsam in mehrer» Bächen, ergießt sie sich über die Gefilde der Kirche.
Dieser ausgezeichnete Heilige beschränkte sich nämlich nicht darauf, selbst die Liebe zu üben, sondern er bewog auch überaus Viele, ihm nachzufolgen. Die Einen wurden durch seine Bemühungen unter gemeinsamer Regel zu klösterlichem Leben vereinigt, die Andern sammelten sich in frommen Vereinen, welchen er die weisesten Vorschriften gab.
Es ist leicht ersichtlich, welche Fülle guter Früchte
ö Marie Seewald.
Eine Erzählung aus dem Leben von 8.
„Nun, so reden Sie doch offen, liebes Mütterchen!" versetzte der Profeffor mit einem unmerklichen Lächeln, das alte Mißtrauen hatte ihn schon wieder gepackt.
„Als ich Sie vorhin so eigenthümlich von meiner ältesten Tochter reden hörte, drängte sich mir die Ueberzeugung auf, daß dieselbe Ihnen nicht gleichgültig sein müffe."
„Freilich, ein intereffantes Kapitel für Frauen, selbst wenn sie längst darüber hinaus sind," lachte der Profeffor in seiner alten spöttischen Weise, „und zumal, wenn's eigene Töchter betrifft."
„Spotten Sie nicht in einer so ernsten und zarten Sache," sprach Frau Seewald vorwurfsvoll, „Sie wiffen es selber nicht wie viel Kummer Sie schon damit verursacht haben. Ich verlange nur Antwort auf meine Frage, aber offen und wahr als ein Mann: Lieben Sie Marie?"
Holberg zog die starken Brauen zusammen und versuchte ein spöttisches Lachen. Der sanfte bsttende Blick der Wittwe entwaffnete ihn. Er sprang auf, stampfte leicht mit dem Fuße und murmelte etwas
daraus die menschliche Gesellschaft täglich erntet. Diese Vereine beiderlei Geschlechts bestanden noch nicht zwei Jahrhunderte, und schon hatten sie fast über alle Gegenden der Erde sich verbreitet, aller- wärts verdiente Bewunderung erregend. Jedermann weiß, daß die Schüler des h. Vincenz bereit sind, allen Unglücklichen zu helfen. Sie stehen den Kranken in den Spitälern bei, überall findet man sie, in den Gefängniffen, in den Schulen und selbst auf den Schlachtfeldern, und überall üben sie die doppelte Liebe für Leib und Seele. Deshalb haben die Päpste, Unsere Vorgänger, die Congregationen und Vereine des h. Vincenz stets in Ehren gehalten und ihr besonderes Wohlwollen ihnen geschenkt, wie auch allen sonstigen charitativen Gesellschaften, welche von ihm ihren ersten Ursprung herleiten, ohne seinen Namen zu tragen.
Um alle diese Gesellschaften zu bewegen, den Geist ihres Gründers und Vaters in noch reicherm Maße in sich aufzunehmen, haben Wir, dem Beispiel unserer Vorgänger folgend, vorzugsweise auf den Wunsch Unserer ehrwürdigen Brüder, der französischen Bischöfe, den h. Vincenz als den himmlischen Beschützer der in Frankreich bestehenden Vereinigungen solcher Art erklärt. Im vorigen Jahre wurde dieses Decret auf die irischen Diözesen ausgedehnt, um den frommen Wünschen ihrer Vorsteher zu entsprechen.
Neuerdings nun haben zahlreiche Cardinäle der h. Kirche, Bischöfe aus fast allen Theilen der Erde und General.-Ooere' Agio) ec kHeiwsien^-urr... «<• - gebeten, dieses Decret auf alle Länder der christlichen Welt auszudehnen, in welchen Gesellschaften und Liebeswerke gleicher Art sich befinden, und nach Einholung des Rathes der Cardinäle, welche der h. Congregation der Riten angehören, haben Wir beschloffen, diese frommen Bitten günstig aufzunehmen.
In dem Wunsche also, zum Wohle der gesamm- ten Kirche beizutragen, die Ehre Gottes zu vermehren und in den Herzen Aller den Eifer der Nächstenliebe zu beleben, erklären Wir Kraft Unserer apostolischen Gewalt durch dieses Breve den h. Vincenz von Paul als besondern Patron bei Gott für alle charitativen Gesellschaften in der ganzen katholischen Welt, welche in irgend einer Weise von ihm ihren Ursprung haben, und Wir wollen, daß man ihm alle den himmlischen Patronen gebührenden Ehren erweise.
in den Bart, worauf er mit zwei Schritten bei der Thüre war.
Hier wandte er sich, die Klinge in der Hand, um und sagte in einem wunderlich trotzigen Tone: „Sie wollen schon, bevor ich einen Feind gesehen, meine Niederlage. Nun gut, was thut es, ich will mich gefangen geben und bekennen, daß die Kleine mir nicht gleichgültig ist, sondern int Ge- gentheil —"
Er brach ab, zog ihr Bild hervor, küßte es mit einer trotzigen Heftigkeit und rief: „Sie würde lieber den Tod umarmen, als mich, hier aber kann sie sich nicht sträuben."
Ohne weiteren Gruß öffnete er die Thür, doch jetzt stand urplötzlich mit freudestrahlenden Augen die Wittwe vor ihm und zog den Widerstrebenden ins Stübchen zurück.
„Nein jetzt entschlüpfen Sie mir nicht," sprach sie mit bebender Stimme, „blicken Sie mich nicht so grimmig an, ich weiß ja, daß Ihr Herz gut und edel ist, und fürchte Sie nicht. Hier nehmen Sie dieses Buch, es ist ein Raub, ich ließ vorhin, als Sie weggegangen waren, einen Schloffer holen und meiner Tochter Kommode, wo sie, wie ich wußte, ihr Tagebuch eingeschloffen hatte, gewaltsam öffnen, das Lied „Daheim", welches sie so ost ge- i
Gegeben zu Rom bei St. Peter unter dem Fischerringe, am 12. Mai 1885, im achten Jahre Unseres Pontificates.
(,Köln. Vztg.')
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Juli.
* Die »Germania' widerruft auf Grund einer Mittheilung aus Paderborn die Nachricht, daß der bekannte Erlaß zurückgezogen sei. Er ist nicht zurückgezogen. Sie fügt hinzu, sie bedauere das im Interesse der katholischen Sache und der bischöflichen Behörde von Paderborn; sie sei aber trotzdem überzeugt, daß in Sachen des Erlasses etwas geschehen werde, und zwar von Paderborn selbst aus, weil, so lange bloß Erlaß und Erklärung neben einander bestehen, kein gewissenhafter Geistlicher genau wissen wird, was er denn nun eigentlich den jungen Theologen sagen solle. Ein solcher Zustand sei aber unhaltbar. Schließlich schreibt das Blatt, daß zwischen Paderborn und der Kurie verhandelt werde.
— Der gestern eingetroffene .Moniteur de Rome' enthält folgenden Artikel in der Paderborner Angelegenheit:
Dir liberalen Blätter Berlins [unb genau ebenso sämmt- liche konservative, freiwillig - gouvernementale und freikonservative Organes möchten die öffentliche Meinung hinters Licht führen, indem sie behaupten, daß die von der bischöflichen Verwaltung zu Paderborn gegebenen Erklärungen min^er^Sir^mE'i^^aü'lhKMässsn^^^M^ bemerkenswerthen Hartnäckigkeit an. Man sieht daraus, wie gut die bischöfliche Verwaltung gethan hat, ihr ursprüngliches Circular gänzlich zurückzuziehen sder „Moniteur" wußte noch nicht, daß das nicht geschehens, um durchaus keinen Zw eifel bestehen zu lassen in dieser schwerwiegenden Frage. Nach unseren Nachrichten hat die bischöfliche Verwaltung diese Maßregel sgänzliche Zurückziehung des Cirkularss getroffen, und wir beglückwünschen sie dazu. In unseren Tagen, wo die Feinde der Kirche die Bischöfe und Katholiken zu verunreinigen suchen, ist es nothwendig, daß in den Fragen des Prinzipes und der Verwaltung keine Maßregel vereinzelt [isolement] getroffen werde, bevor der Kulturkampf ein Ende genommen hat.
Das ist also genau der Standpunkt auch der gesummten deutschen katholischen Presse, ein Standpunkt, welcher übrigens vom Moniteur de Rome' ebenso wie von der .Germania' vom ersten Augenblicke der Bcurtheilung des Paderborner Cirkulars an immer als der primäre Gesichtspunkt bezeichnet worden ist.
Jungen, gab mir den Gedanken ein. Meine Ahnung hat mich nicht getäuscht. Gott verzeihe mir die Sünde, wenn es eine ist, nur so könnten zwei Menschen, welche der Himmel für einander geschaffen, glücklich werden."
Der Professor blickte sie mißtrauisch an und brummte allerlei in den Bart. Doch ließ er sich ohne Wiederrede in die Sophaecke niederdrücken und nahm mechanisch das Buch.
„Ich gehe auf ein Stündchen aus und verschließe die Hausthür, daß Niemand Sie stören kann," setzte sie mit mütterlicher Geschäftigkeit hinzu, „lesen Sie und vergessen Sie dabei nicht, daß es ein Geheimniß ist und ich das Buch geraubt habe."
„Als sie das Haus verlassen, begann Holberg zu lesen, — oft runzelte er die breite Stirn bei den Schwärmereien für Reinhold, doch bald änderte sich die Scene und von Minute zu Minute ent« wölkte sich seine Stirn, wurde sein Blick leuchtender, während fein Herz vor freudiger Ueberraschung klopfte.
Endlich sprang er empor, warf den Tisch hastig auf die Seite und drückte das Buch heftig an seine Lippen, an sein Herz.
„Sie liebt mich!" jubelte es in ihm und wieder und wieder küßte er ihr Bild und das treue Buch,