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1885.

Fuldaer

eitung

Statistisches über das Gefangenenwesew.

Das preußische Ministerium des Innern ver­öffentlicht alljährlich über die ihm unterstellten Ge­fangenenanstalten einen Bericht, der in Betreff der öffentlichen Sittlichkeit sehr lehrreiche Daten enthält. Der neueste Bericht beschäftigt sich mit der Ursache der Haft, der Vertheilung der Jnhaftirten auf die einzelnen Bekenntnisse und Wohnorte, der Zahl der Gefangenen, der Art ihrer Haft, dem Gesundheitszustand und den finanziellen Verhält- niffen der Strafanstalten. Bemerkt werden muß, daß hier also nicht von allen deutschen Strafan­stalten die Rede ist, sondern nur von den preu­ßischen, und zwar auch nur von denen, die dem Minister des Innern unterstehen.

In Bezug auf die Zahl der Gefangenen ist für das Verwaltungsjahr 1. April 1883/84 gegen das Vorjahr ein erfreulicher Rückgang von 148,888 auf 131,006, also um 12,07 Prozent,, zu konsta- tiren. Interessant wäre ein Nachweis über die Ursachen dieser erfreulichen Thatsache.

Was die Ursachen dec Strafen anbelangt, so ist als intereffant hervorzuheben, daß an Münz­verbrechen 21 Männer und 2 Weiber, an Meineid 476 Männer und 150 Weiber, an Verbrechen gegen die Sittlichkeit 669 Männer und 43 Wei­ber, an Mord 43 Männer und 19 Weiber, an Todschlag 39 Männer und 14 Weiber, wegen Kindsmordes 29 Weiber und wegen Desertion 56 Männer betheiligt waren. Die viel stärkere Bethei- ligung des männlichen Geschlechtes an oiesen schwe­ren Verbrechen erklärt sich nicht ganz durch die Thatsache, daß der Mann hinaus muß in's „feind­liche Leben"; die geringer? Bethesiigung der Frauen geht hervor wohl sicher auch aus der Thatsache, daß bei dem weiblichen Geschlechte im Allgemeinen noch ein größerer religiöser Fonds vorhanden ist. Die Meineide haben gegen das Vorjahr nicht un­beträchtlich abgenommen, indeffen sollte das nicht von der Reform der jetzigen fehlerhaften Vorschrif­ten über die Vereidigung abhalten. Ein sehr trau­riges Kapitel bildet die hohe Zahl der Sittlichkeits­verbrechen. In ihnen und im Meineide spiegelt sich so recht die Verachtung der Religion und die menschliche Verrohung ab. Leider drohen beide Verbrechen, die früher meist in Städten vorkamen, sich auf die Landbevölkerung, allerdings auf die hin- und herziehende, auszudehnen, und das gibt

ä Marie Seewald. (17

Eine Erzählung aus dem Leben von t. 8.

„Daß es ein Krieg gibt?" fiel er mit wunder­barer Heftigkeit ein, „gewiß, mein Kind! und noch dazu einen recht frischen, fröhlichen Krieg, der hüben und trüben in den deutschen Vaterländern tüchtig wegmäht. Sehen Sie, wie wunderlich das Schick­sal mit meiner Planrnacherei umgesprungen. Ich will ein Einsiedler werden, da ruft mich die Vater­landspflicht zur Landwehr; ich will zwei Menschen glücklich machen, da schlägt mir ein junges Ding von Mädchen ein Schnippchen und bedankt sich, — nun mag ein Anderer meine Rolle spielen, ich hab's satt. Uebrigens glaube ich schwerlich, mein Kind, daß Sie einen befferen Ehemann finden werden."

„Ich werde mich niemals verheirathen, haben Sie deshalb keine Sorge, Herr Professor!" ver­setzte Maria rasch und schmerzlich berührt. „Sie wünschten gestern, als Freund von mir zu scheiden, — 0, verzeihen Sie meine Unart, — das Leben ist so kurz, — und wir Menschen sind doch stets befliffen, es uns zu verbittern. — War's wirklich Ihr Ernst mit dem Kriege?"

„Ja, mein Kind," sprach er ruhig, „ich muß dem Kalbfell folgen, doch beruhigen Sie sich, ich

sehr zu denken. Daß in Bezug auf den Wohnort die größeren Städte mehr Zuchthausgefangene lie­fern, als das platte Land, wird auch durch die diesjährige Statistik bestätigt. Auf je 1000 Städter kamen 0,39 Zuchthaussträflinge, auf je 1000 Land­bewohner nur 0,25. Also die größere Bildung ist kein absolutes Präservativ gegen das Verbrechen, im Gegentheil, sie macht, wenn schlechte Gesellschaft, mangelnde Aufsicht und das soziale Elend der Großstädte hinzukommt, zum Verbrechen nur um so geneigter.

Was die Art der Haft angeht, so waren 20,605 Zuchthausgefangene, die übrigen Strafgefangene und Korrigenden. Da die Strafe in erster Linie bessern soll, hat die Regierung selbst im schlimm­sten Kulturkämpfe sich um den Schul - und Re­ligionsunterricht der Gefangenen bemüht, ob­wohl sie viele Gemeinden ohne Seelsorger ließ. In den Gefängniffen, wenigstens den größeren, er­halten die jugendlichen Gefangenen Schul- und Religionsunterricht, die Erwachsenen wenigstens Re­ligionsunterricht. An dem ersteren Unterricht n Jö­rnen 8042 männliche und 1527 weibliche Gefan­gene Theil, an dem Religionsunterrichte 17,433. Leider ist den Gefangenen in den kleineren Gefäng­niffen meistens keine Gelegenheit zum Religions­unterricht geboten, obwohl sie in der Regel dessel­ben erst recht bedürfen. Außerdem ist die religiöse Einwirkung schon durch den simultanen Cha­rakter der Gefängniffe beeinträchtigt. Ein anderer Maßstab ist, daß die Möglichkeit zur E in z e l h a ft, die sicher namentlich bei noch unverdorbenen Na­turen eher die Besserung fördert, in zu geringem Umfange geboten ist. Laut dem Bericht waren nur 14,395 Gefangene in Jsolir-(Einzel-)Zellen, da nur 5112 solcher Zellen vorhanden waren. Aller­dings eignet sich auch nicht jeder Gefangene für die Jsolirhaft.

Aus dem sonstigen Material sei nur noch er­wähnt, daß 19,566 Disziplinarstrafen und 20 Selbstmorde vorkamen, täglich 1106 Gefangene krank waren und 837 starben, sowie daß die Ein­nahmen pro Kopf jährlich 100 Mk., die Ausgaben 304 Mark betrugen. Vorläufig entlassen (auf Probe) wurden nur 390 Gefangene; diese Zahl sollte nach englischem Muster bedeutend erhöht wer­den, freilich müßte man dann auch dem Entlasse- nen mehr die Hand reichen, daß er ein besserer Mensch werden könne. Indessen nicht die Befferung

will den Reinhold nicht mitschleppen, sondern ihn nach Amerika schicken, wie es einmal beschlossen ist, vielleicht besinnen Sie sich eines besseren und werden glücklich. Ich habe nun einmal kein Da­heim, vielleicht finde ich es recht bald, — und nun her Ihre Hand, wir wollen in Freundschaft scheiden; schenken Sie mir ein Andenken, Marie! — für Reinhold!" fügte er zögernd hinzu.

Sie schüttelte schmerzlich lächelnd den Kopf und meinte, es sei nicht gut, ihm damit eine Hoffnung zu geben, er möge drüben glücklich werden und sich um der Schwester Verzeihung nicht härmen, da Gott den Mord von seiner Seele genommen.

„Und Sie wollen niemals heirathen?" fragte er, ihre Hand schüttelnd.

„Niemals!"

„Werden auch nichts daran verlieren," brummte Holberg in seiner alten Weise, „adieu, mein Kind, opfern Sie sich nicht ganz der Frau Gräfin, die alles, nur kein Herz besitzt. Es ist sehr wahr­scheinlich, daß wir uns im Leben nicht wiedersehen dann fteut's mich, daß Sie mich nicht mehr Haffen, es drängt mich überhaupt, Ihnen in diesem Augen­blick noch zu verfichern, daß ich Sie stets von Anfang an sehr hoch geschätzt habe, was kein anderes Weib von sich rühmen kann, und daß mein Spott

der schon Gefallenen ist die Hauptsache, sondern die moralische Gesunderhaltung Aller; daß aber noch lange nicht genug geschieht, um dem Volke Religion und Moral zu erhalten, sieht man ja täglich.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juli.

* Der ,Hannov. Cour.' sagt, er sei in der Lage, über die näheren Umstände, unter denen der Bries des Herzogs von Cumberland vom September 1878 entstanden sei, folgende den That- sachen getreu entsprechende Angaben zu machen: „Vor Beginn des Berliner Kongreffes, ehe Lord Beaconsfield nach Berlin abreifte, verabsäumte die Königin Viktoria nicht, ihrem ersten Minister zu eröffnen, wie sehr es ihr am Herzen liege, einen Ausgleich zwischen Preußen und dem Hause Han­nover herbeigesührt zu sehen, und ihn zu bitten, über die Anbahnung eines solchen Ausgleiches mit dem deutschen Reichskanzler zu berathen. Lord Beaconsfield mochte finden, daß das britifcheTtaats« intereffe, für welches er den Kanzler auf dem Kon­greß mehrfach in Anspruch zu nehmen gedachte, möglicherweise Schaden nehmen könnte, falls vom Fürsten Bismarck eine Interpellation wegen Braun­schweig-Hannover unliebsam vermerkt werden sollte. Der englische Premier ließ deshalb den Kanzler zuvor durch eine Vertrauensperfon beiläufig be­fragen, ob ihm eine solche Besprechung überhaupt gelegen sei, worauf Fürst Bismarck bereitwillig erklärte, mit Lord Beaconsfield recht gern auch diese Angelegenheit erörtern zu wollen. Der Lord trug demnächst dem Kanzler die Wünsche der Königin Viktoria rückhaltlos vor und erhielt die loyale Antwort, daß der Thronbesteigung desHerzogs vonCumberland inBraun- schweig zur Zeit durchaus nichts im Wege stehe, so fern derselbe einen in aller Form offenen, bindenden Verzicht auf Han­nover aussprechen und die Zusage er» theilen wolle, niemals in Braunschweig Welfische Restaurations-Bestrebungen dulden, denselben vielmehr mit der einem Deutschen Bundesfür st en pflichtmäßigen unnachsichtlichen Schärfe entgegentreten, zu wollen, wo immer sich ein Herd solcher Bestrebungen anzusetzen im Begriffe sei.

nur Maske war, um Reinhold, wenn auch nur erst aus Mitleid, Ihnen zuzuführen. Ich war versessen darauf, Sie glücklich zu machen, und das war und ist nur möglich mit Reinhold. Adieu!"

Er drückte ihre Hand, daß sie hätte aufschreien mögen und war fort.

Marie stand wie im Traume; glücklich mit Reinhold? O Gott, welch' ein Jrrthum! —

Und nun war er fort, auf ewig fort. Sie wankte nach Hause, — und mußte sich, krank bis zum Sterben, zu Bett legen. Er ging in Schlacht und Tod, und sie? Ach wie gern wollte sie ster­ben, warum suchte er den Tod; wo ihm das Leben so viel Liebe und Glück geben konnte.

Oder war's Spott, Hohn von ihm gewesen? — Als sie Mittags bei Tisch erschien, war sie freund­lich und sanft wie immer, man sah's ihr nicht an, daß sie in diesen letzten Stunden mit dem Leben abgeschlossen hatte und ihr Herz von Mißtrauen gegen die Menschheit völlig verbittert war.

Hielt man sie denn für so niedrig, ja so werth­los, um einer abgestandenen Waare gleich an den Elendesten verschleudert zu werden? — Wie mußte dieser Mann doch gering von ihr denken, um ein solches Anerbieten, ohne zu errothen, auszusprechen !

Acht Tage später faß der Profeffor in dem