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Montag, den 6. Juli

Jfulharr

1885.

Die.Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumeitt in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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ö Marie Seewald.

Eine Erzählung aus dem Leben von G. D.

Er brach ab und griff nach einem Briefe, welcher für ihn unter der Adreffe Dr. Stern, wie er sich hier nannte, eingelaufeu war. Er kam von seinem Banquier. _

Dieser schrieb unter Anderem, nachdem der finan­zielle Theil vorangegangen: „Sie gaben mir vor zwei Jahren den Auftrag, dem jungen Manne- Namens Reinhold, deffen Sie sich so väterlich an­genommen und der Sie so schmählich hinterging, die jährliche Summe von 500 Thalern zukommen zu laffen. Ich habe ihren Auftrag ausgesührt bis auf heute, wo in der Vormittagsstunde ein junger Mensch in sehr desolatem Zustande auf mein Komp- toir kam, um sich Vorschuß auf den Namen Rem- hold zahlen zu laffen. Ich schlug's natürlich ab worüber er so wild wurde, daß ich mein Personal zu Hülfe rufen mußte. ,

Seine eilige Flucht verhinderte eme Arretirung. Hüten Sie sich dort in Ihrer Einsamkeit vor dem Burschen, er schien mir zu Allem fähig zu Jem und wollte mir die Nennnung Ihres jetzigen Aufent­haltes abtrotzen. . , ,

Soeben, bevor ich diesen Brief Metze, erfahre ich durch die neueste Zeitung, welche wahrscheinlich in Ihre Einsamkeit nicht dringen wird, daß die gefeierte Sängerin Luise Seewald in dem Augen­

** In Betreff des Paderborner Studien- Erlaffes

ließ die nothwendig gewordene Aufklärung nicht lange auf sich warten.

Der neue Erlaß des bischöflichen Generalvica- riats zu Paderborn ist datirt vom 1. Juli und hat folgenden Worlaut:

Die unter dem 27. Februar er. von uns getroffenen Bestimmungen über das Studium der Theologie sind Gegenstand der öffentlichen Diskussion in einer Weise geworden, die uns veranlassen muß, die Sache, wie hier­durch geschieht, klar zu stellen.

Der Erlaß vom 27. Februar er. ist nach seinem Inhalte wie nach der Form, in welcher derselbe — mit Umgehung der Publieation im Amtlichen Kirchenblatte — zur Kennt- niß der betreffenden Herren Geistlichen gebracht ist, ein vertrauliches Schreiben. Dasselbe enthält eine ledig­lich für die Geistlichen bestimmte Anweisung, wie die Theo- logie-Studirenden über den Gang und die Ausdehnung ihrer Studien mit Rücksicht auf die spätere Verwen­dung in der Diözese zu belehren sind. Eine allgemein bindende gesetzliche Diözesan-Vorschrift soll in dem Erlasse nicht gegeben sein.

Außerdem bezeichnet sich die Verfügung ausdrücklich als eine provisorische, die mit Wiedereröffnung der hie­sigen philosophisch-theologischen Lehranstalt von selbst außer Geltung tritt. Einer solchen provisorischen Maßregel glaub­ten wir nicht entbehren zu können.

Mit dem Eintritt in das Priesterseminar erhalten die Theologie-Studirenden der Diözese Paderborn den stistungs- mäßigen Anspruch, auf Kosten des hiesigen Clericalsemi- nars unterhalten und später unter Uebernahme auf den Seminartitel geweiht zu werden. Die Stellung des Semi­nartischtitels schließt aber die weitere Verpflichtung ein, dem so geweihten Geistlichen eventuell bis zu seiner

Nach Lage der jetzt geltenden Gesetzgebung können in Preußen Geistliche, welche die in unserem Erlasse aufge­stellten Forderungen nicht erfüllt haben, eine Anstellung in einem öffentlichen Amte nicht erhalten. Dieselben fielen also, wenn sie unter Uebernahme auf den Seminartitel geweiht wären, rücksichtlich ihres Unterhaltes eventuell dem Seminarfonds zur Last.

Wir glauben demnach nur pflichtmäßig zu handeln, wenn wir die Theologie-Studirenden darauf Hinweisen laffen, daß sie in den Genuß der von dem hiesigen Clericalseminar zu gewährenden Wohlthaten nur eintreten können, sofern sie die Aussicht bieten, in der Diözese in der Seelsorge ver­wendet zu werden.

Darüber hinaus hat unser Erlaß nichts bestimmen wollen. Am allerwenigsten haben wir das Studium der künftigen Priester in den Rahmen der maigesetzlich umschriebenen Forderungen ein eng en wollen. Soweit der Wortlaut unseres Erlasses zu der Deutung Veranlassung geben könnte, als hätten wir staatlicherseits erlassene Vor­schriften über die Vorbildung des Clerus im Gegensätze zu den kirchlichen Verordnungen anerkannt, müssen wir diese Deutung als eine unseren Intentionen durchaus wider­sprechende bezeichnen.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Juli.

» Der Bundesrath hat sich gestern bis zum 15. Septbr. vertagt, damit ist die politisch todte Saison offiziell eröffnet, lieber den wichtigsten Gegenstand seiner Tagesordnung, die Verzollung der Pe­troleumfässer als Böttcherwaare mit M. 10, ist der Beschluß ausgesetzt worden. Es wird also dieses Damoklesschwert noch einige Zeit lang über allen am Petroleumhandel Jnteressirten schweben.

* Mit Schluß des vorigen 2. Quartals hat dre von dem anti-semitischen Agitator Hrn. Lieber­mann v. Sonnenberg herausgegebene anti-semttlsche .Deutsche Volkszeitung' ihr Erscheinen eingestellt. Damit ist ein Blatt von der Bildfläche verschwun-

„Jch muß fort oder es geschieht ein Unglück, ins Getümmel der Welt muß ich mich stürzen vor diesem verhaßten Gespenste."

Er stürmte die Wendeltreppe hinab und befand sich nach wenigen Minuten in seinem Studierzim­mer. Es war Mitternacht.

Ruhelos wanderte er wohl eine halbe Stunde lang in seinem Zimmer umher, dann setzte er sich vor seinen Schreibtisch und ergriff mechanisch eine Zeitung, welche er heute noch nicht angesehen und die Bastian ihm täglich von dem eine halbe Stunde entfernten Wirthshause an der Landstraße holen mußte.

Sein Blick harrte auf seinem eigenen Namen. Es war eine obrigkeitliche Aufforderung, seiner Pflicht als Offizier der Landwehr auf der Stelle Nachzukommen, da man seinen jetzigen Aufenthalt nicht kannte.

„Ist das Zufall ober Vorsehung?" murmelte er, „Krieg — Schlacht — Tod! — das ist Logik. Vorwärts Du alter Einsiedler! Dort winkt Dir vielleicht ein ehrenvoller Tod, — während hier —"

Wir wissen uns in der vollen Unterwerfung unter die kirchlichen Bestimmungen und in der treuen Hingabe an den Apostolischen Stuhl Eins mit dem gesummten Epis­kopate.

Paderborn, 1. Juli 1885.

Das Bischöfliche General-Vikariat.

Somit wäre also auch der letzte Strohhalm der kulturkämpferischen Hoffnungen, von denen die Spalten der liberalen Organe dieser Tage ange­füllt waren, in ein Nichts zerfallen. Die dem Paderborner Generalvikariat aufgedrängte Bundes­genoffenschaft einer «katholischen Presse wird in vorstehender Erklärung des bischöflichen General­vikariates ganz energisch abgewiesen. Eine Frukti- fizirung des Erlasses zu Gunsten der Kultur­kämpfer gibt es also nicht mehr, den diesbezüg­lichen Versuchen der sich aufdrängenden liberalen Organe ist jetzt die Spitze abgebrochen. Es waren also lediglich praktische Erwägungen, welche das Generalvikariat zu dem vertrau­lichen Cirkular veranlaßten. Man kann aus dem Inhalte der Erklärung in der That schließen, daß eine ausdrückliche Zurücknahme der Verord­nung nicht unwahrscheinlich ist. Die Ueberzeugung steht jetzt wohl bei allen fest, daß gerade der Paderborner Erlaß der Ausgangspunkt werden wird für klärende, den Hoffnungen der Kultur­kämpfer und einer langen „Versumpfung" des Kulturkampfes entgegentretende Ereignisse. Es ist nicht ausgeschlossen, sondern zu erwarten, daß ent­weder von Rom oder vom Gesammtepiskopat eine

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Klärung beitragen dürfte.

den, welches hier den Anti-Semitismus am bestimmtesten und rückhaltlosesten vertreten hat. In einer längeren Erklärung nimmt Hr. Lieber­mann v. Sonnenberg von den Lesern Abschied und legt zugleich die Gründe dar, welche ihn zur Auf­gabe des Blattes bewogen haben. Diese Gründe seien theils persönlicher, theils materieller Natur. Ec sei durch den fünfjährigen ununterbrochenen Kampf für den Anti-Semitismus, durch Prozesse, Chikanen und trübe Erfahrungen aller Art „so müde, mürbe und nervenkrank" geworden, daß eine längere Zeit der vollkommensten Ruhe dazu gehören würde, um ihn einigermaßen wieder herzustellen. Einen Ersatzmann habe er nicht gefunden.

* Zum Bismarck-Kultus liefert die ,K. Saale-Ztg.' folgenden Beitrag in einem Berichte aus Kissingen: „Auf einem seiner Spaziergänge bemerkte Reichskanzler Fürst Bismarck jüngst einige Arbeiter, die ihr höchst frugales Vesperbrod ein­nahmen. Als er sah, daß sie nichts zu trinken hatten, überreichte er ihnen einen Thaler. Kaum halte er seinen Spaziergang fortgesetzt, so eilte ein Curgast aus Halle a. d. S., der in der Nähe gestanden, auf die Arbeiter zu und gab ihnen für den Thaler vier Mark, um ein Geldstück zu be­sitzen, das unser berühmter Badegast eigenhändig ausgegeben batte." Glücklicher Curgast!"

* Aachen, 4. Juli. Der Kronprinz traf heute Vormittag ein und wurde von den Spitzen der Militär- und Civilbehörden empfangen. Die §urw^K-Hüften.-, gegend, der katholische Gesellenverein und der St. Petersverein bildeten Spalier. Auf dem Kaser- nenhof begrüßte der Kronprinz das in Parade ausgestellte Regiment. Er vertheilte Prämien an 36 Schützen und an die besten Mannschaften tnt Turnen und Bajonettfechten und begab sich sodann in das Offizierkasino.

* Cassel, 4. Juli. Aus Florenz ist die Nach­richt eingetroffen, daß am 26. v. M. Herr Dr. Philipp Schwarzenberg, der frühere Vertreter des Wahlkreises Cassei-Melsungen, gestorben ist.

Ausland.

* Von der Theiß schreibt man der ,Deftr« Corresp.': Das Organ der ungarischen Katholiken, der .Magyar Allam' macht den sehr zeitgemäßen

blicke, als sie mit dem Grafen v. Wildhausen vor den Altar zur Trauung trat, von einem fremden jungen Manne tödtlich durch einen Schuß ver­wundet worden. Der Mörder, welcher m der Verwirrung entkommen, foll sich hierher gewandt haben, man ist ihm auf der Spur. Sollte dieser Mensch mit jenem verwilderten Individuum viel­leicht identisch sein? - Nehmen Sie sich m Acht, hochgeschätzter Freund! Ihre Einsiedelei ist zu einem Ueberfall wie geschaffen."

Lange saß der Professor und starrte, rote m einem Traume befangen, auf den Brief, diese Nach­richt schien ihn außergewöhnlich erschüttert zu haben.

Wenn ich ihn retten könnte, den Unglücklichen, murmelte er, „warum gab ich ihn auf, bann wäre es dahin nicht gekommen." ,

Und wieder versank er in einen traumahnlichen Zustand, worin die Vergangenheit wie em Nebel­bild an ihm vorüberzog.

Am Neujahrsmorgen 1861 war der Professor mit seinem Schützling fortgereift in die werte, wette ^Mit vollen Händen zahlte er für ihn, um ihn überall an den Pflanzstätten der Kunst aus dem Bom derselben trinken zu lassen und au« ihm, rote