1885.
Sonnabend, den 4. Juli
J\£ 149.
Fuldaer fii Zeitung.
Draußen indeß scholl die zwölfte Stunde in ge' messenen Schlägen von den Thürmen der Stadt. — Das neue Jahr wurde eingesegnet mit dem Choral: „Nun danket alle Gott", während über- müthige Menschenkinder ihre Lust durch tolles Schießen auszudrücken suchten.
Am dunklen Sternendom zog der Mond ruhig seine leuchtende Bahn, wie vor Jahrtausenden, so heute. Er spiegelte sich in den Fenstern des Kämmerleins, wo Marie schlaflos auf ihrem Lager neue Kräfte sich erflehte, während unten im Garten ein Mann stand und mit verschränkten Armen lange zum Fenster hinaufstarrte.
Dieser einsame Mann war Profeffor Holberg.
Die Zeit ist die größte, die mildeste Heilkünst- lerin für jedes Weh im menschlichen Leben, und wie die Stunde nach des Dichters Ausspruch auch durch den rauhesten Tag eilt, so weiß sie in ihrem rastlosen Fluge, den nichts aufzuhalten noch jemals im Stande gewesen, mit der Arbeit im Bunde, dem Herzen Rübe zu geben und Frieden der ver» zagten Seele; sie mildert das furchtbarste Leid
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Abschiedswort
des Erzbischofs von Köln, Dr. Paulus Melchers.
(Schluß.)
Darum ist es für uns Alle ohne Ausnahme doppelt nothwendig, daß wir ausharren im treuen und standhaften Kampfe gegen die Feinde unseres Seelenheils bis zum Ende. Denn nur, wer aus- harrt und getreu ist bis zum Tode, wird die Krone des ewigen seligen Lebens erlangen. (Geh. Off. 2, 10.)
Stehet also fest und beharrlich, theuerste Christen, in euerm allerheiügsten Glauben, in der kindlichen und opferwilligen Liebe gegen Gott und gegen unsere Mutter, die heilige Kirche, die der göttliche Heiland auf dem unerschütterlichen Felsen Petri erbaut hat, und gegen den obersten Hirten derselben, dem Christus das Oberhirten-Amt über die ganze Kirche anvertraut hat. Erfüllet mit großer Sorgfalt und Treue alle Gebote Gottes und Seiner heiligen Kirche, sowie die Pflichten eueres Standes und Betufes! Fürchtet und liebet Gott über Alles, von ganzem Herzen und aus allen Kräften! Liebet euere Nächsten wie euch selbst; und um Gottes willen erweiset auch der weltlichen sowohl als der kirchlichen Obrigkeit stets Ehrfurcht und schuldigen Gehorsam! Hoffet, meidet und fliehet jede Sünde als das größte Uebel und als die Quelle aller anderen Uebel.
Weil wir aber aus uns selbst nichts Gutes vermögen, sondern zu allem wahrhaft Guten und Verdienstlichen der Gnade Gottes bedürfen (Phil. 2, 13), so unterlaßet es niemals und keinen Tag, das große Gnadenmittel des Gebetes mit Treue und Eifer zu gebrauchen! Betheiligt euch oft und würdig an den hh. Sakramenten, an dem heiligen Opfer und an der Verkündigung des göttlichen Wortes! Versäumt es nicht, die Sonn- und Festtage stets gehörig zu heiligen, und verehret täglich mit kindlicher Liebe und Andacht die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria! Bestrebet euch jeden Tag so zu leben, zu handeln und zu leiden, wie ihr einst in der Todesstunde wünschen werdet, es aethan zu haben!
ä Marie Seewald.
Eine Erzählung aus dem Leben von 6. D.
Fliehet und meidet auch mit großer Sorgfalt die Gefahren des Glaubens und vergesiet nicht, daß nach dem Worte der ewigen Wahrheit derjenige, welcher nicht glaubt, ewig verloren geht! (Matth. 16, 16.) Fliehet insbesondere den un- nöthigen Verkehr mit ungläubigen Menschen, haltet euch und die Euerigen fern von schlechten Büchern, von ungläubigen Zeitungen und Schriften und befördert nach Kräften die Verbreitung heilsamer Lektüre!
Niemals vielleicht, so lange das Chnstenthum bestanden hat, gab es eine Zeit, wo der Unglaube und die gottlosen Grundsätze des Umsturzes und der Empörung gegen göttliche und menschliche Ordnung und Obrigkeit eine so furchtbare Ver- breitung und so verderblichen Einfluß erlangten, als in gegenwärtiger Zeit. Darum sollen christliche Eltern und Alle, welchen die Sorge für die Erziehung und Ausbildung der Jugend obliegt, mit der größten Sorgfalt und Gewiffenhaftigkeit sich bemühen, die ihrer Obsorge anvertrauten See- len im wahren Glauben, in guter Zucht und Sitte zu erziehen, sie mit beständiger Aussicht und Wachsamkeit fern zu halten von gefährlichen Gelegenheiten und Gesellschaften, sowie von Schulen und Bildungsanstalten, in welchen der katholische Glaube oder die Unschuld und Tugend Gefahr leiden.
Sie sollen mit Entschiedenheit und Ernst darauf bedacht sein, die Ihrigen abzuhalten von den leider heutzutage so häufig gewordenen gemischten Ehen, mit welchen immer und unter allen Umständen sehr große Gefahren für de« Glauben und das Seelenheil der Eheleute sowohl, als der Kinder verbunden sind.
Gehet, christliche Eltern, euern Kindern nut einem' guten Beispiel voran in allen Dingen und behütet sie vor dem jetzt immer mehr überhand nehmenden Verderben der Genußsucht und immer- währenden Zerstreuung, welche mit der christlichen Sorge für das Eine Nothwendige ganz unvereinbar sind.
Mit Rücksicht auf die überaus große Zahl von Fabriken in der Erzdiözese und auf die vielfältigen und großen Gefahren, welche für den Glauben sowohl, als für die Sittlichkeit sich so oft, ja gewöhnlich damit verbinden, und namentlich die Pest des Unglaubens und der gottlosen Sekten des modernen Sozialismus und Heidenthums schon an so vielen Orten verbreitet haben, empfehle ich Allen, und nimmt der Erinnerung den verwundenden Stachel.
Fünf Jahre waren seit diesem letzten Sylvester verflossen; was kann sich nicht alles in einem solchen Zeiträume zutragen, wie viele tiefeinschneidende Umwälzungen im Staaten- wie Menschenleben.
Tief im Thüringer Walde lag, einer Einsiedler- Klaufe gleich, ein einsames Haus. Früher wohnte hier ein alter Förster, von welchem es der jetzige Besitzer seit zwei Jahren erstanden. Nachdem es restaurirt und mit den nöthigen Bequemlichkeiten versehen war, bezog es ein finsterer, wortkarger Mann, in der Mitte der Dreißiger stehend, mit einem alten sonderbaren Kauz von Diener, den man im Waldrevier und dem zwei Meilen entfernten Städtchen unter dem Namen Bastian kannte und der anfangs mit seinem langschößigen gelben Frack und dem hohen, sorgfältig gebürsteten Cylin- der, welcher oben die Breite eines mäßig großen Eimers besaß, die Zielscheibe des Spottes war, wo er sich nur blicken ließ. Bastian ging ruhig wie ein Stoiker mitten durch das Heer der Spötter, weshalb diese bald müde wurden nnd den alten gutmüthigen Kerl in Ruhe ließen; die Gewohnheit ist eben eine Weltmacht und das größte Wunder wird in wenigen Tagen etwas Altes, das liegt in
welche durch ihre Verhältniffe und ihre Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft dazu berufen find, recht angelegentlich die Sorge für die Errichtung und Verbreitung gut geordneter christlicher Vereine für die Fabrikarbeiter, sowie auch das eifrige Streben, nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß die Kinder, Frauen und Mädchen von den Fabriken entfernt werden, damit das Familienleben und die christliche Erziehung der Jugend in der Arbeiterwelt nicht zu Grunde gehe sammt dem Christen- thum.
Allen hochwürdigen Herren Priestern der Erzdiözese, mit welchen ich durch amtlichen Verkehr und tägliche Gebetsgemeinschaft stets enge verbunden war, sowie auch den zahlreichen Ordensleuten beiderlei Geschlechts, welche mit mir in der Erzdiözese vereinigt waren, von welchen aber der bei weitem größte Theil mit mir zugleich das Schicksal der Verbannung aus dem Vaterlande erduldet hat, — ihnen Allen sende ich meinen herzlichsten Abschiedsgruß, Segen und Dank für die mir so vielfältig und beharrlich erwiesene Liebe und Treue und für die vielen und großen Opfer, welchen sie sich in der so lange dauernden Zeit der kirchlichen Bedrängniß und Prüfung unterzogen haben. Ich ersuche sie Alle, auch fortan beim heiligen Opfer in der Gemeinschaft der gegenseitigen Fürbitte mit mir immer verbleiben zu wollen.
Denselben Gruß und Segen sende ich gleichzeitig an alle hochwürdigen Herren Priester und an alle Gläubigen der gauM°-Kw l n i s ch e n Kirchen- Provinz, sowie auch meiner ehemaligen Diöeese von Osnabrück und der Nordischen Missionen von Deutschland und Dänemark, indem ich sie Alle ersuche, meine obigen, an die Kölner Erzdiözesanen gerichreten Worte auch als an sie gerichtet ansehen und mir ein liebreiches und frommes Andenken in ihren Herzen und Gebeten stets bewahren zu wollen.
Endlich erlaube ich mir, diesen Zeilen zugleich meinen ergebensten, brüderlichen und herzlrchen Gruß an alle meine hochwürdigsten Herren Amtsbrüder im oberhirtlichen Amte im Vaterlande anzuschließen, mit welchen ich während der Dauer meiner Amtsführung stets im engsten Verkehr gestanden und in brüderlicher Liebe vereinigt war. Indem ich es recht sehr bedauere, daß die obwaltenden Verhältnisse es mir nicht gestatten, mit Hochdenselben im Vaterlande noch ein Mal der Natur des Menschen vom Nord- bis zum Südpol.
lieber den Bewohner des Waldhauses kursirten indessen die abenteuerlichsten Gerüchte, da nur wenige sich rühmen konnten, ihn von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben. Der Köhlerglaube, welcher in diesen Waldgebirgen noch in der Kindheit lebt, hielt ihn für eine Art Hexenmeister, der zuweilen Besuche absonderlicher Art erhalte, — hatte er sich doch auf einer freien Stelle des Gebirges einen Thurm bauen lassen, wo er jede Nacht mit den Geistern Gespräche führen sollte.
Bastian lächelte still zu diesem Märchen, und als man nichts weiter aus ihm herausbrachte, als daß rings um das Haus und jenen geheimniß- vollen Thurm Selbstschüsse und Fußangeln sich befinden sollten, da wagte sich Niemand mehr auf eine Viertelstunde Weges in die Nähe und der Einsiedler wäre vergessen worden, wenn die Erscheinung des Dieners nicht von Zeit zu Zeit die Bewohner in Wald und Stadt an ihr Dasein erinnert hätte.
Wir fürchten uns indeffen nicht vor den Gefahren dieses Hauses, sondern begeben uns in einer lauen, duftigen Mainacht in den runden Thurm, wo wir vermittelst einer Wendeltreppe auf die Plattform desselben gelangen.