Freitag, den 3. Juli
1885.
JV 148.
Fuldaer
eitung
(11
be-
ö Marie Seewald.
Eine Erzählung aus dem Leben von E. K.
Glück I" L
Bevor die beiden Frauen sich besinnen oder ihn zurückhalten konnten, war er schon hinaus; sie hörten ihn durch den Garten stürmen und die Pforte zuschlagen.
„Toller Musikant!" bemerkte Lom,e lächerlich, — der Gedanke, den Syloesterabend so ganz allein mit der Mutter zubringen und spießbürgerlich um 10 Uhr zu Bett gehen zu muffen, war ihr unausstehlich.
Die Mutter sprach kein Wort, sie hatte es bereits aufgegeben, den eigenwilligen Sinn dieses Mädchens durch Ermahnung oder Bitten zu bre- chen, — das Leben mußte dieses vollenden, —
Abschiedswort
des Erzbischofs von Köln, Dr. Paulus Melchers.
Was schon seit Jahren zu erwarten stand, das ist durch die unlängst erfolgte Entschließung des heiligen Vaters zur Gewißheit geworden. Ec hat, wie es bereits durch die öffentlichen Blätter bekannt geworden, beschlossen, mich abzurufen aus dem Orte meines Exils und von meinem ober- hirtlichen Amte mich zu entbinden, weil alle seine Bemühungen, mir die Rückkehr in meine Erzdiözese zu ermöglichen, erfolglos geblieben sind, und weil die Abwesenheit des Oberhirten schon längst ein schweres, nicht länger zu verantwortendes Nebel für die ihm anvertraute Heerde gewesen.
So wie vor zwanzig Jahren als Bischof von Osnabrück ich gegen meinen Wunsch unv Willen von dem damaligen Papste Pius IX. nach Köln versetzt wurde, so wird auch jetzt durch den Druck der Verhältnisse und den allein dadurch bedingten Entschluß des obersten Hirten Leo XIII. das Band gelöset, welches mich, wie ich glaubte, für immer mit der Kölner Erzdiözese verbunden hatte. Diese Trennung von der mir überaus lieb und theuer gewordenen Heerde ist mir sehr schmerzlich, und sie wird auch von den Angehörigen der Erzdiözese, welche mir während der ganzen Dauer meiner Amtsführung und ganz vorzüglich noch während der zehn Jahre meines Exils so oft wiederholte und fast unzählige Beweise ihrer treuen Liebe und innigen Anhänglichkeit gegeben haben, nicht rchne Schmerz empfunden.
Da wir indeß nicht zweifeln können, daß die jetzige Entschließung des heiligen Vaters, welcher der irdische Stellvertreter des göttlichen Oberhirten unserer heiligen Kirche ist, uns den Rathschluß des göttlichen Willens kundgebe, so ist es auch ebenso unzweifelhaft unsere Pflicht, diesem Rathschluß des immer über Alles weisen und heiligen Willen Gottes uns demüthig zu unterwerfen.
Diese Unterwerfung wird uns auch ungemein erleichtert durch den sehr erfreulichen Umstand, daß bereits zu meinem Amtsnachfolger ein schon bewährter Bischof erwählt worden ist, welcher es in vollem Maße verdient, daß alle Erzdiözesanen ihn als den von Gott bestellten Oberhirten mit zuversichtlichem Vertrauen, mit Verehrung und Liebe aufnehmen und seinen Lehren, Ermahnungen und Anordnungen Folgsamkeit erweisen.
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„Gut, gut", murmelte Reinhold, sie sinster trachtend, „wehe, wer mir diese Bahn kreuzt, aus dem Planeten könnte gar leicht der zerstörende Komet entspringen, um eine ganze Welt von Glück und Glanz zu vernichten. Gute Nacht, Louise! — Gute Nacht, Mutter! — Ich muß nach Hause, um mein Inneres zu beruhigen. — Möge das neue Jahr uns Frieden bringen, Frieden und —
selber nickt recht, es genügte ihr, ihn besiegt zu baben da sie in ihren phantastischen Buhnen- Träumen nur Fürsten und Grafen zu ihren ^Sie hatte an diesem Sylvester-Abend, dem sie selbst den glänzenden Ball geopfert auf die offene Erklärung des Professors fest gerechnet, wobei sie rualeich in einer edlen Glorie hatte strahlen wol- en indem sie Marie mit Reinhold vereinigte. Und nun war diese schöne Phase ganz zu Wasser geworden, ihr - ganzer Triumph zertrümmert, sie selbst mr Närrin geworden.
Sollte Marie die Schuld daran tragen? Der Gedanke schoß wie ein Blitz durch ihre Seele und rüttelte alle Bosheit ihres Herzens auf.
Sie schützte Kopfschmerz vor und verließ die Mutter, um sich früher als gewöhnlich zur Ruhe zu begeben. , , _
Das Lämpchen in der kalten Kammer war erloschen, Marie schien zu schlafen.
Louise trat an ihr Bett und leuchtete m ihr blasses Gesicht. Sie schlug erschreckt die Augen auf.
„Ich will noch mit Dir plaudern sagte Louise, kalt, „es ist zu früh, um zu schlafen, besonders heute Abend. Erzähle mir, wie der Professor ge- wesen, ich muß es wissen, verhehle nur Nichts
tet wurden. Die bei weitem große Mehrzahl der Gläubigen aber hat durch Gottes außerordentliche Gnade und durch treue Mitwirkung mit derselben in diesen Prüfungen, Kämpfen und Widerwärtigkeiten standhaft und siegreich bestanden. Ihr Glaube und ihre Liebe gegen Gott und Seine Kirche sind durch diese Kämpfe und Prüfungen bewährt, erstarkt und befestigt; und demzufolge finden sich jetzt, Gott Lob! überall in unferm Vaterlande und in allen Ständen nicht wenige wahrhaft gläubige Christen, welche nach dem Glauben zu leben sich ernstlich bestreben und dafür jedes Opfer und jedes Leiden zu ertragen bereit sind, ohne durch irdische Rücksichten und natürliche Neigungen oder durch Menschenfurcht sich davon abhalten zu lassen. Das ist wahrhaft eine kostbare Frucht und Errungenschaft der überstandenen Prüfungen und Widerwärtigkeiten und ein neuer Beweis für die Wahrheit, daß das Kreuz der Leiden und Prüfungen uns heilsam und nützlich ist.
Diese aber sind noch nicht überwunden; sie dauern fort, so lange wir uns im Stande der irdischen Pilgerfahrt befinden, welche bis zum Tode eine Zeit der Prüfung und der Vorbereitung für das ewige Leben ist. Und überdies scheinen alle Zeichen der Zeit unverkennbar darauf hinzudeuten, daß uns noch größere und schwerere Prüfungen in einer vielleicht schon nahen Zeit des Umsturzes der bestehenden Verhältnisse bevorstehen.
(Schluß folgt.)______ ______
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Juli.
• Der Antrag in der braunschweigischen Angelegenheit ist heute im Bundesrath gegen wenige Stimmen angenommen worden. Alle größeren und Mittelstaaten, — nur Reuß ä. L. und Mecklenburg gaben Erklärungen dagegen ab, — haben dafür abgestimmt. Braunschweig enthielt sich der Abstimmung. Die ursprüngliche Motivirung ist beseitigt, die Motivirung befindet sich jetzt im Anträge selbst und stützt sich darauf, daß die Regierung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig, da derselbe sich in einem dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden unter Bundesgliedern widerstreitenden Verhältnisse zu dem Bundesstaate Preußen befindet, und im Hinblick auf die von ihm geltend gemachten Ansprüche
Mir aber insbesondere wird der Schmerz der Trennung sehr erleichtert und gemildert, weil ich eben dadurch befreit werde von der überaus schweren und drückenden, ja unter den obwaltenden Verhältnissen wirklich unerträglichen Bürde der Obliegenheiten des erzbischöflichen Amtes, von dem mich weder die staatliche Amtsentsetzung, noch die nothwendig gewordene Entfernung von der Erzdiözese und von den Grenzen des Vaterlandes befreien konnte, obgleich mir dadurch die Erfüllung jener Obliegenheiten jm höchsten Grade erschwert und behindert wurde.
Indem ich also alle meine geliebten Erzdiöze- sanen einlabe, int Lichte unseres heiligen Glaubens jenen Rathschluß des göttlichen Willens als solchen zu erkennen und anzubeten, sende ich ihnen Allen und einem Jeden von ihnen zum Abschied meinen herzlichsten oberhirtlichen Gruß und Segen mit dem Ersuchen, das seither mir geschenkte Vertrauen nebst den Gesinnungen der Ergebenheit und Folgsamkeit auf meinen hochwürdigsten Herrn Amtsnachfolger zu übertragen, mir aber ein liebreiches und frommes Andenken im täglichen Gebete für immer und ganz besonders für die mir wohl nicht mehr sehr ferne Stunde des Todes, wo ich von meiner seitherigen Amtsführung werde Rechenschaft ablegen müssen, bewahren zu wollen. Meinerseits werde ich nicht aufhören, täglich im heiligen Opfer alle meiner Obsorge jemals anvertraut gewesenen Seelen Gott zu empfehlen.
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mich nicht ohne Sorgfalt bestrebt habe, den großen, schweren und vielfachen Pflichten des oberhirtlichen Amtes nach Kräften zu entsprechen, so verkenne ich doch keineswegs die große Menge von Mängeln und Fehlern, deren ich in Folge meiner vielseitigen Schwachheit und Unvollkommenheit mich schuldig gemacht habe. Eingedenk derselben bitte ich Alle, denen ich dadurch ohne Roth irgend einen Anstoß oder eine Kränkung bereitet habe, um gütige Nachsicht, und verzeihe selbst von ganzem Herzen allen Denjenigen, von welchen mir irgend eine Kränkung widerfahren ist.
Wir haben, theuerste Erzdiözesanen, in den ver- stoffenen Jahren meiner Amtsführung viele, mitunter recht schwere und bittere Prüfungen und Widerwärtigkeiten mit einander erlebt und erdul- det, durch welche manchem Schwachen im Glauben nicht selten große Gefahren und Niederlagen berei- das Leben, welches oft unbarmherzig und mit rauher Hand die Blumen des Herzens knickt, rote es den störrischen Charakter zu zerknirschen und zu beugen versteht. Es ist der beste Lehrmeister und ^Todttnstill war es an diesem Abend in dem Gartenhäuschen, während draußen fröhlicher .jubel erscholl und das alte Jahr mit tollem Sang und Klang zu Grabe getragen wurde.
Louise war vor Aerger und Zorn fast außer sich. Sie hatte um des Professors Willen eine Einladung zum Sylvesterball ausgeschlagen und ihren heimlichen Grund dazu gehabt. JiBie sie beim Kaufmann Höfer erfahren, war Profeffor Holberq steinreich, feine Grobheit gegen sie hatte zu einer geheimen Wette Veranlaffung gegeben, welche in nichts Geringerem bestand, als den gelehrten Sonderling an ihren Siegeswagen zu spannen. Seltsamer Weise schien dieser sich wirklich zu ihr hinzuneigen, während er die Schwester, die er doch am ersten Abend aus seine Art so ausgezeichnet hatte, mit Hohn und Spott buchstäblich "^Louise feierte einen Triumph der Eitelkeit, wie nie zuvor. Ob sie schon an eine ernste Verbindung mit dem reichen Professor dachte, wußte sie wohl