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Mittwoch, den 1. Juli
1885.
mit der
Der unsäglich traurige Gedanke, welcher dieses kleine Lied durchwehte, verbunden mit einer wunderbar ergreifenden Musik, schien auf die zarte Seele der Sängerin einen überwättigenden Eindruck zu machen, sie vermochte es kaum zu vollenden und der letzte Akkord der Begleitung ertönte unter ihren schlanken Fingern wie ein Aufschrei des verzweiflungsvollen Verlasienseins.
Der Professor hatte sich in einen Winkel des kleinen Zimmers niedergelaffen und faß hier, die
* Die österreichischen Bischöfe über die Presse.
Die zahlreichen Bischöfe des österreichischen Kaiserstaates, welche vom 19. Februar bis zum 2. März in Wien versammelt waren, haben zum Schluß ihrer Konferenzen die Erlasiung eines gemeinsamen Hirtenbriefes an ihre Diözesanen beschloflen. Verschiedene Umstände, besonders der rasche Tod des Präsidenten der Konferenzen, des Kardinals Schwarzenberg, haben die Veröffentlichung des umfangreichen Aktenstückes bis jetzt verzögert. Ueber die Presse heißt es darin:
„Der mächtigste Hebel in den Händen der Loge und ihrer Helfershelfer zur Entchristlichung der Gesellschaft ist heutzutage die Pceffe, insbesondere die Tagespreise, d. i. die schlechten Zeitungen. Schon gar oft haben die einzelnen Bischöfe ihre Gläubigen gewarnt vor der verderblichen Lektüre. Wir fühlen uns verpflichtet, dieselbe Warnung ein« müthig und wie aus einem Munde zu wiederholen. Hoffentlich verhallen unsere Worte nicht wie die Stimme des Rufenden in der Wüste! Wenn aber dennoch Viele es vorziehen sollten, ihre Glaubens- und Lebensgrundsätze aus vergifteten Brunnen der Tagespresse zu schöpfen, statt an den lebendigen Quellen der Wahrheit ihren Durst zu loschen, wenn sie lieber aus Zeitungen, welche von Israeliten und Ungläubigen geschrieben werden, ihren Religionsunterricht holen und ihnen unbedingt Glauben beimeffen, das kirchliche Lehr- änu aber über Bord werfen, so würden sie dadurch sich selbst und die Ihrigen dem Verderben zuführen und durch die bösen Folgen ihres verkehrten Verhaltens zu Grunde gehen.
Es ist nicht zu leugnen: in unserer Tagespresse und Zeitungsliteratur spiegelt sich genau unser Zeitgeist ab; ihre Erzeugniffe sind großen- theils der Reflex unserer von Christus und von Gott abgewendeten Welt. Wie die Zeitströmung, so die tonangebende Presse. Die Presse druckt, was gern gelesen wird, und man liest gern, was der eigenen Gesinnung und Denkungsart entspricht. Unsere Literatur wirkt, die leider allzuwenig guten Leistungen in Büchern und Zeitschriften ausgenommen, im Ganzen und Großen zerstörend auf den Glauben. Sie zieh, mit Absicht das Menschenherz von allem Höheren und Uebernatürlichen ab und beugt es zur Erde. Ebenso verderblich wirkt die Presse in moralischer Beziehung durch Zeitschriften,
Hand vor den Augen unbeweglich, als schon längst der letzte Ton verhallt war.
Auch Marie schien seine Gegenwart vergessen zu haben, träumend starrte sie auf die Roten und wie ein gespenstischer Schatten schwebte das Bild des Heimathlosen an ihr vorüber.
Was war's doch, das sie in den einfachen Strophen so tief bewegte, als wäre ihr eigenes Bild darin gezeichnet? Vielleicht die Sympathie mit dem Schmerz und Unglück? Sie wußte es selber nicht.
Jetzt stand der Profeffor hinter ihrem Seffel und berührte leicht ihre Schulter. Erschreckt erhob sie sich und schaute ihn verwirrt an, ihr Antlitz war zum Erschrecken blaß, in den Augen zitterten Thränen. , , ..
Auch er war bleicher als gewöhnlich, die bärtigen Lippen zuckten wie im Schmerze. Er ergriff ihre Hand und flüsterte : „Marie! Du weinst? - O, vertraue dem Freunde, der Dich so gern ganz glücklich und zufrieden fähe. Haffe mich nicht, Mädchen!" setzte er heftig hinzu, „ich weiß genau, was Dich quält und habe geschworen für Dem Glück zu sorgen, Dir den Frieden des Herzens wieder zu geben. Du liebst —"
Nicht weiter!" unterbrach Mane ihn außer sich',' „ich liebe nur die Meinen, sonst Niemand.
ist schön und groß! Denn nur die gute, auf dem Boden des Christenthums stehende Presse kann heutzutage einen festen Damm gegen die Strömungen des Zeitgeistes, eine sichere Schutzwehr gegen Lüge und verkehrte Grundsätze bilden. Ihr ist das Ziel gesteckt, die wahren Bedürfniffe besJBot- kes zum Ausdruck zu bringen und auf die öffentliche Meinung einen maßgebenden Einfluß zu üben! Gewiß Grund genug dafür, daß Ihr der katho- lischen Tagespresse eine rege Aufmerksamkeit schenket und dieselbe in aller Weise kräftig unterstützet."
Pamphlete und Bücher. Selbstmord, Zweikampf, Ehebruch und Verbrechen aller Art werden als erlaubt, wenn nicht gar im Glorienschein der Tugend hingestellt. Und dieses häufig in hinreißender, blendender Form — Gift in golbenet Schale! Und wer zählt die Opfer, die dem Moloch der schlechten Presse täglich sich hingeben, wer zählt die Unschuldigen, die durch schlechte Lektüre gänzlich verdorben und alles Schamgefühles bar geworben finb, wer jene hoffnungsvollen jungen Männer, bie, früher eifrige Katholiken, in Folge verberblicher Zeitungslektüre an ihrem Glauben Schiffbruch gelitten haben und nun in die Reihen der Glaubensfeinde eingetreten sind!
Täuschet Euch nicht, Geliebte, über die Gefahr, welche Euch die schlechte Lektüre bereitet. Wer Verderbliches liest, wird verdorben, und er nimmt den Ansteckungsstoff, der im Buche oder in der Zeitung steckt, unwillkürlich in sich auf. „Wer Pech anrührt, besudelt sich, und wer mit einem Hoffärtigen Umgang hat, wird auch hoffärtig. (Eccl. 13, 1.) Wenn es nun unter einer Sünde geboten ist, all' das zu vermeiden, was Glauben und gute Sitte in Gefahr bringt, so ist es auch sündhaft, Blätter zu lesen oder aufzulegen, die eine solche Gefahr in sich bergen. Es ist daher unbegreiflich, wie mitunter auch wohldenkende Katholiken solche Zeitungen und Zeitschriften nicht nur lesen, sondern auch mit ihrem Gelde bezahlen. Wie könnte es erlaubt sein, der Verbreitung des Bölen Vorsckud zu Unten, und wer wird im Stande'sein, eä' vor Gott zu verankwotteu, bie Zeitungsschreiber für ihre Schmähungen und Lästerungen geaen alles Heilige mit feinem Gelde zu bezahlen? Die heilige Kirche wird durch diese Preffe auf das Aergste bekriegt und du leistest dem Feinde Beisteuer und Hilfe gegen deine heilige Mutter, gegen die einzige Anstalt deines ewigen Heiles!
Anstatt die schlechte Presse zu unterstütz en, widmet vielmehr der guten Presse Eure Theilnahme. Man sagt mit Recht, daß die gute Preffe in der Gegenwart eine große Aus- gäbe habe. Diejenigen, welche mit reiner Absicht, aus Siebe zur Wahrheit und zur Religion, mit Begeisterung für höhere Ideale der guten Preffe ihre Kräfte leihen, sind in gereiftem Sinne Misfio« näre, b. h. Herolbe ber Wahrheit, Vertheidiger bes Glaubens unb ber Kirche, Förberer der höchsten Jntereffen der Menschheit. Ihre Aufgabe
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Juni.
• Heber den Paderborner Erlaß, sottest man heute in der ,Germ.', ist große Freude auf der ganzen Linie der offiziösen, freiwillig - gouver- nementalen und mittelparteilichen Kulturkämpfer, und Linksliberale und Demokraten beginnen ihn ebenfalls auf ihre Weife zu fruktifiziren. Die frankfurter Zeitung' z. B. sagt: „Die Hierarchie ist es, bie hier bie Laien, bie ihr ben Wiberstand unb Kampf durch eine Treue und Beharrlichkeit sonder Gleichen ermöglicht haben, im Stich läßt." Bekanntlich geht seit Jahren die .Franks. Ztg., mit Eifer darauf aus, die Demokratie solle das Centrum noch zu Lebzeiten desselben beerben. Dieser Calcul ist zwar ohne Aussicht, geht aber insofern von einem richtigen Gedanken aus, als diejenigen ■ Katholik-»«, welche c.n ber siegreichen Durchführung des Kulturkampfs verzweifeln sollten, fast ausnahmslos nicht zu den Bismarckparteien abfallen würden, sondern links vom Centrum ihren Platz fänden, die unteren Stände mehr bei der Sozialdemokratie, die mittleren und höheren mehr bei der Demokratie und dem linken Flügel der Deutschfreisinnigen. Wir möchten aber die sämmtlichen „hoffnungsvollen" Erben des Centrums bitten, alle Hoffnung fahren zu lassen. Der Kulturkampf „versumpft" nicht lange mehr und er endigt auch nicht mit einer Niederlage der Katholiken. Der Paderborner Erlaß wird dann ein „klärendesEreigniß" geworden sein, gerade ein Hinderniß weiterer Versumpfung des Kulturkampfs. Auf Seite der eigentlichen Culturkämpfer sieht man in dem Paderborner Erlaß allgemein einen Fortschritt zur Erreichung der culturkämpferischen
Scheiden Sie nicht mit einer neuen Beleidigung."
„Thörichte Empfindlichkeit!" zürnte Holberg, ihre Hand loslaffend, „will dieses Kind mir weißmachen, sie liebe keinen Menschen weiter als Mutter und Schwester, macht sich selber zur schlimmsten Egoistin. Gut, gut, so zwinge ich Dich zum Glück, ich bin der Mann, mein Wort zu halten.
Er schritt hastig in die Wohnstube, zog seinen Ueberzieher an, ergriff den Hut und sprach mit einer Stimme, welche noch lauter und härter als sonst klang: „Leben Sie wohl, Fräulein Seewald. Wir werden uns hoffentlich nie wieder im Leben begegnen, doch werde ich Sie dereinst noch zwingen, bester von mir zu denken. Meine Achtung behalten Sie als Andenken von mir, während ich Ihren Haß als ein solches Kleinod betrachten muß. — Sie erfüllen wohl die Bitte, Mutter und Schwester meinen letzten Gruß einzuhändigen. Danken Sie Ihrem Herrgott für die ewige Trennung von dem verhaßten Menschenfresser, besten Herz im Grunde doch nicht so häßlich ist, wie fein Aeußeres."
Nach diesen Worten verließ er rasch das Haus- chen, seine Schritte ^hallten fest und eilig durch den Garten, bann ging bie die Pforte, und nun war Alles wieder still, still und einsam wie da» Grad.
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ä Marie Seewald.
Eine Erzählung aus dem Leben von t.
Marie nahm mechanisch das Lied und überflog es mit umflortem Blick.
Dann begann sie mit ihrer sanften seelenvollen Stimme zu fingen:
Kein Daheim! welch' grausig Wort! Giebt's ein schlimm'res wohl hienieden? Kein Daheim, ach, keinen Port, Als das Grab mit seinem Frieden. Wem kein einzig Herz mehr blieb. Das sich schwer von ihm mag trennen, Kein Daheim voll treuer Lieb'! Der allein darf arm sich nennen.