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Sonnabend, den 13. Juni

J\g 132.

1885.

Sie .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher 1 50 W' “ mit bet

* ' belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- m Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Ein Denkmal für Ulrich von Hutten! *)

Es wird Ernst mit dem Plane, Ulrich von Hut­ten und seinem Freunde Franz von Sickingen, auf dem Stammschloß des Letztern, der Ebernburg bei Kreuznach, ein gemeinschaftliches Standbild zu setzen. Schon hat sich in Kreuznach ein Ausschuß gebildet, und auf der Ebernburg eine Sitzung als „Comito für das Hutten- und Sickingen-Denkmal" abgehal­ten, um sich mit einem Aufruf an weitere Kreise zu wenden. Eine „nationale Ehrenschuld" soll da­mit beiden Männern abgetragen werden, und es soll nach der .Kölnischen Ztg.' ein erhebender An­blick sein, „wenn zum 21. April 1888 ein Denk­mal errichtet wird, das der beiden edeln Ritter und ihres Andenkens würdig ist."

Lasten wir Frai^ von Sickingen, der nach einem tollen Leben einsam und verlassen in einem Fel­sengewölbe seiner in Trümmer geschoßenen Burg Landstuhl (Rheinpfalz) verschied, bei Seite. Der zweiten „nationalen Größe", dem „edeln Ritter" Ulrich von Hutten aber gebühren einige Worte.

Ulrich von Hutten, Sprößling eines alten aber verarmten fränkischen Rittergeschlechts, wurde ge­boren i. I. 1488 aus der Burg Steckelberg am Main. Von seinen Eltern zum geistlichen Stande bestimmt, wurde er der Domschule zu Fulda übergeben. Aber schon nach wenigen Jah­ren entwich er heimlich aus der Anstalt, nachdem er an Glauben und guten Sitten Schiffbruch ge­litten hatte. Mit seinen Eltern zerfallen, führte er von da ab ein wüstes- Wanderleben, zog, ost im kläglichen Aufzuge und in äußerster Dürftigkeit, als Student und fahrender Literat in Deutschland und Italien herum. Nirgends litt es den jungen Brausekopf, mit seinen besten Freunden überwarf er sich. Zwanzig Jahre alt, zog er sich durch aus» schweifenden Lebenswandel die sogen, „französische Krankheit (Lustseuche)^ zu, welche ihn bis zu seinem Lebensende behaftete und ihn oft in einen so gräß­lichen Zustand versetzte, daß ihm eines Tages von einem Freunde der Rath wurde, seinem qualvollen Leben gewaltsam ein Ende zu machen.

Die in Fulda aufgenommenen, durch den Um­gang mit den Erfurter Humanisten weiter ausge­bildeten heidnischen und antichristlichen Grundsätze, welche ihn schon 1510 in einer Elegie den Göt­tern und dem leidenskundigen Christus

*) Nach der .Köln. Vztg.-.

Q) Maske gegen Maske.

Roman von A. Werner.

Nach einer Pause richtete er die Frage an den Pastor:

„Sind Sie Ihrer Sache gewiß, daß Ihr Schü­ler heute Abend kommen wird?"

„Ganz gewiß, mein Herr; der Taubstumme hat eine Achtung vor den Befehlen seines Herrn, die an Furcht grenzt. Der arme Mensch hat ihm stets ohne Widerrede gehorcht. Ich möchte darauf schwören, daß er gegen acht Uhr kommen wird, da er hier von mir Abschied nehmen will."

„Um acht Uhr!" wiederholte der Greis mit dumpfer Stimme; es kam ihm in den Sinn, daß man jetzt wahrscheinlich das Gerüst zum Schaffst zimmerte.

Der Tag neigte sich. Die Mühle zu Uvette wurde fast unsichtbar in dem Nebelschleier, der langsam aus dem feuchten Thale emporstieg, in welchem sich die beiden Flüffe vereinigten. Vom Hellen Kaminfeuer, auf welchem spirituöse Getränke gebraut wurden, erleuchtet, schimmerten die Fenster der Wohnung Atkin's durch den Nebel.

„Woher wird der Stumme kommen?" fragte

sein „Unglück" (die erwähnte Krankbeit) klagen lassen, trieben ihn zur Verachtung und Verspottung der Kirche, in deren Bekämpfung er seine Lebens­aufgabe erblickte. Namentlich dem Papstthum hatte er seit seinem ersten Aufenthalt in Rom (1513) bittere Feindschaft geschworen, nannte Papst Ju­lius II. „den Verderber der Weck, die Pest des Menschengeschlechtes". Seinen Haß gegen Papst- thum, Kirche und Religion zu befriedigen, war ihm kein Mittel zu schlecht, selbst nicht Fälschung und Erdichtung von Briefen, wie die hauptsächlich von ihm verfaßten „Briefe der Dunkelmänner" — eine Sammlung der gemeinsten Zoten und des Frevels an dem Heiligsten — bezeugen. Auch Heuchelei und niedrige Schmeichelei wurden zu diesem Zwecke nicht verschmäht, zumal Fürsten, Gelehrten und Geistlichen gegenüber. Nur unter diesem Gesichts­punkte ist sein Verhältniß zu dem jungen Kirchen­fürsten von Mainz, Albrecht von Brandenburg, und Luther verständlich. Obschon als revolutio­närer Weltumkehrer Fürsten und Priestern gleich feindlich gesinnt, entblödet er sich nicht, dem 24jäh- rigen hoyeuzollern'schen Prinzen, der damals, wie Janssen bemerkt, außer seiner hohen Geburt noch kein einziges Verdienst besaß, in der plumpesten, niedrigsten Weise zu schmeicheln, sich in seinen Dienst aufnehmen und zu einer Mission nach Frankreich gebrauchen zu lassen, um ein Bündniß mit dem erklärten Feind der deutschen Nation anzuzetteln. „Nennen wir," schreibt er an Pirkheimer, „die Surften Wäcene und Auauste. Eben daher ist es mein Rath, die Gunst jener Gattung von Men­schen auf jede Art einzufangen, und wo es irgend angeht, Netze nach der Gunst der Fürsten auszu­stellen, deshalb auch sie an sich zu hängen und ohne Säumen öffentliche Aemter von ihnen anzu­nehmen." Aehnliche niedrige Beweggründe ließen ihn auch mit Luther in Verbindung treten, obgleich er keineswegs die nöthige Achtung und Anhäng­lichkeit an denselben besaß. Er sah in ihm nur ein willkommenes Werkzeug im Kampfe gegen Papstthum und Klerisei.

Seit 1518 betrieb Hutten mit Ungestüm die Vereinigung aller Geister gegen die Küche und zum Umsturz der bestehenden staatlichen Ordnung. Als es ihm mit der Feder zu langsam ging, beschloß er an das Schwert zu appelliren. Zu diesem Zwecke verband er sich 1519 mit dem Raubritter und Rebellen Franz von Sickingen. Von der

„Von jener Wiese her und über die Brücke, — es ist der nächste Weg —"

Das Gespräch ward jetzt durch den Polizisten unterbrochen, den Lebrun als Wache bei dem stark berauschten Engländer zurückgelassen hatte.

„Herr Lebrun", sagte er, „es sind soeben drei Männer und eine Dame in jenes Haus ge­treten."

„Ihr Signalement?"

„Der eine Herr und die Dame scheinen die Herrschaft zu sein", antwortete der Polizist. „Die Uebrigen machten den Eindruck auf mich, als seien sie die Bewohner jener Mühle."

„Man hat Dich doch nicht bemerkt?"

„Nein, ich versteckte mich unter einen Kohlen­schober, als sie eintraten."

„Begieb Dich wieder dahin zurück und pfeife, sobald irgend Jemand das Haus verlaflen will."

Der Polizist entfernte sich.

„Herr Pastor", begann Lebrun wieder, „geben Sie mir meinen Sohn zurück."

„Ich?" sagte erstaunt der Pfarrer, „wie könnte ich —"

„Seine Rettung ruht in Ihren Händen, — ich werde jetzt Ihnen die volle Wahrheit mittheilen. Meine Nachforschungen gelten dem Mörder der

Burg dieses Helden schleuderte er, sicher und ge­borgen, seine Brandschriften zum Umsturz von Kirche und Staat in die Welt hinein. Daß für die „heilige Sache der Freiheit" Gewalt angeroen» bet werden müsse, stand bei ihm fest, wie denn Fehde und Raubritterthum seinem ganzen Wesen entsprachen. Zwei Predigern schnitt er, wie Eras­mus erzählt, die Ohren ab. In dem Pamphlet: „Der neue Karsthans", einer Schrift voll teufli­schen Hasses, sucht er den Bauernstand zur Empö­rung zu treiben; später rief er die Städte gegen die Fürsten auf; ja selbst das Ausland rief er zum Beistand an. Als bann enblich Sickingen ben Aufstanb wagte, ihn unb Hutten bie Reichs­acht traf, floh Letzterer zur Schweiz. Aber auch bort war fein Name bereits anrüchig geworben. Die Baseler Stadtbehörbe ließ ihn sreunblich bit­ten, ber Stadt den Rücken zu kehren, und auch Erasmus, mit dem er früher in Verkehr gestan­den, lehnte den angekündigten Besuch mit den ver­ständlichen Worten ab, er könne feine geheizten Zimmer vertragen, während Hutten wegen seiner Krankheit stets warmer Temperatur bedürfe. So floh der Unglückliche zu den Zwinglianern nach Zürich, wo er auf der Insel im Zürichersee an seinem mehrerwähnten Uebel am 28. August 1523 starb.

Das ist der Mann, an dem die deutsche Na­tion eine „nationale Ehrenschuld" soll abzutragen haben. Ihm ein Denkmal widmen, hieße ebenso wohl der öffentlichen Moral als der vaterländischen Gesinnung in's Gesicht schlagen. Em Stansbild Hutten's hätte nur eine Berechtigung in dem Sinne, daß man daffelbe als abschreckendes Beispiel der deutschen Nation errichtete. Freilich, auch über den Vorschlag ver Verherrlichung eines solchen Mannes darf man sich nicht mehr wundern, nach- dem vor gerade 10 Jahren der damalige preu­ßische Kultusminister Dr. Falk einen Ulrich von Hutten den Studirenden der Universität Greifs- wald als Vorbild und Ideal hingestellt hat!

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Juni.

* Die Abreise des Kaisers nach Ems, welche am Sonnabend ober Sonntag erfolgen sollte, ist, vorläufig bis Mitte resp. Enbe nächster Woche verschoben worben. Einmal ist bei bent hohen Herrn immer noch eine große Schwäche vorhanden, Pique-Dame und die Männer, welche mich begleiten, sind Polizeibeamte. Ich flehe Sie an, mir Ihren Beistand nicht zu versagen, damit mein Sohn nicht unschuldig hingerichtet werde. Seit vier Monaten arbeite ich Tag und Nacht an seiner Rettung — endlich, endlich ist Gott barmherzig gegen mich und läßt mich den wirklichen Verbrecher finden. Um einen Aufschub für die Hinrichtung meines Sohnes, die schon morgen früh stattfinden soll, zu erzielen, ist es nöthig, daß ich alle Verbrecher noch in dieser Nacht der Gerechtigkeit überliefere, besonders aber den Taubstummen. — O, helfen Sie mir, Herr Pastor, ihn auszuforschen. —"

„Von Herzen gern."

„Ich sehe mich genöthigt, Sie noch mit einer anderen Bitte zu behelligen. Mein Zeugniß ist parteiisch, und das des Taubstummen würde nicht genügen, aber Ihre Aussage wird entschei­dend sein. Sie sind Seelsorger, kennen die ganze Umgegend —"

„Ich bekleide dieses Amt schon seit zwanzig Jahren —"

„Nun wohl, Sie kennen diesen elenden Dermott, seine würdige Genossin, seinen Complicen Atkins und die verbrecherischen Jnsaffen der Mühle. Sie werden mit dem Taubstummen sprechen, werden vor