JW 127.
Montag, den 8. Juni
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1885*
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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementsprers vu»s...v,« “““ belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.
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Deutsches Reich.
Berlin, 7. Juni.
* lieber den Besuch des hochw. Bischofes von Ermland in Breslau wird der ,Schles. Ztg.' geschrieben : Kürzlich weilte der Bischof von Ermland Dr. Krementz Hierselbst zum Besuche bei dem Fürstbischöfe von Breslau Dr. Robert Herzog. Wie wir hören, dürfte es sich bei diesem Besuche darum gehandelt haben, einen Kleriker aus der Diözese Breslau ausfindig zu niachen, welcher geeignet erscheinen würde, von Seiten der Kirche als Nachfolger des bekanntlich als Erzbischof von Köln in Aussicht genommenen Dr. Krementz auf dem ermländischen Stuhle vorgeschlagen zu werden, oder einen oberschlesischen utraquistischen Cleriker zu finden, welcher von der Kurie als neuer Kandidat für den erzbischöflichen Stuhl von Gnesen- Posen nominirt werden könnte. Es ist nach unserer Information auch möglich, daß Bischof Dr. Krementz und Fürstbischof Dr. Herzog über die eine wie über die andere der beiden Fragen verhandelt haben. Als hierbei für den ermländischen Bischofssitz in Aussicht genommener Candidat aus dem diesseitigen Klerus wird uns der residirende Domherr an der hiesigen Kathedrale ad st. Jo- annem Baptistem Dr. Hugo Lämmer genannt. Derselbe sei Ermländer von Geburt (geboren zu Allenstein am 25. Jan. 1835), dem päpstlichen Stuhle, bei welchem er u. A. die Würde eines Protonökariüs'bekleidet, genehm und sogleich bei den Staatsbehörden persona grata, sodaß seine Candidatur eine besonders glückliche würde genannt werden können. Canonicus Lämmer ist allerdings körperlich leidend, dürfte aber den Anforderungen des bischöflichen Amtes in Ermland doch wohl gewachsen sein. Darüber, ob bei der Conferenz des Fürstbischofs Dr. Herzog mit dem Bischof Dr. Krementz ein oberschlesischer Kleriker gefunden worden ist, der als geeignet erscheinen würde, für Posen-Gnesen vorgeschlagen zu werden, verlautet nichts.
* Außer der Illg. Ev.-Luther. Kirchenztg.' hat die .Germania' nur noch ein konservatives Blatt gefunden, das sich in der braunschweigischen Frage im Wesentlichen auf den Standpunkt der Centrumspresse stellt: die ,Schaumb.-Lipp. Landeszeitung'. Neuerdings tritt auch der.Anzeiger für
Q) Maske gegen Maske.
Roman von A. Werner.
Der Polizeidirektor erwiderte, ohne Aufregung zu bezeigen:
„Es ahnte mir bereits, daß Sie früher oder später versuchen würden, auf einen Polizei-Angestellten den Verdacht der Thäterschaft zu wälzen. O, ich entschuldige das. Sie sind Vater und es ist einem Vater, der seinen Sohn vom Tode erretten will, jedes Mittel gestattet. Ich werde Ihre Verhaftung nicht verfügen, so wenig wie die meines früheren Untergebenen Pergon, obgleich demselben keineswegs eine solche Entschuldigung, wie Ihnen, zur Seite steht. Ja, es fällt mir nicht einmal ein, Sie zu fragen, was Sie während Ihrer langen Abwesen- heit gemacht haben, da ich Alles weiß."
„Wie Sie wüßten?"
„Unzweifelhaft, wir haben stets ein wachsames Auge auf den Nabob von Bahour gerichtet, und wenn wir desien Handlungen stillschweigend duldeten, so geschah es in Anbetracht der uns früher von Ihnen geleisteten wichtigen Dienste."
„Ich danke Ihnen", stammelte Lebrun, den die Großmuth seines ehemaligen Chefs tief bewegte,
das Fürstenthum Ratzeburg' sehr warm für das Erbfolgerecht des Herzogs von Cumberland ein.
* Bei der ,Nordd. Allg. Ztg.' ist — offenbar mit dem Siegel des Ministeriums des Innern — Folgendes eingetroffen:
„Aus den letzten Berathungen des Abgeordnetenhauses wird es noch erinnerlich sein, daß bei dem Etat des Ministeriums des Innern der Abgeordnete Freiherr v. Huene Gelegenheit nahm, über die Art und Weise, wie angeblich die Kreisblätter zu politischen Zwecken benutzt würden, dem Minister lebhafte Vorwürfe zu machen und ihm sein „caveant consules“ zuzurusen, damit nicht durch ein solches Verfahren das kommunale Selbstverwaltungsleben in den Kreisen, namentlich der östlichen Provinzen, gefährdet, oder, wie Herr v. Huene sich ausdrückte, „ver- giftel" würde. Zum Beweise wurden einige Citate aus einem unter der Redaktion des Landraths erscheinenden schlesischen Kreisblatte verlesen, in denen die bekannten Vorgänge im Reichstage bei der Berathung der zweiten Direktorstelle im Auswärtigen Amte besprochen worden waren. Regierungsseitig wurde Herrn v. Huene sofort erwidert, daß es den Anschein habe, als ob die gegen eine ganze Kategorie von Kreisblättern ausgesprochene Rüge ihre thatsächliche Unterlage nur in dem einen, speziell von ihm zitirten Blatte fände, und diese Vermuthung hat sich in vollem Umfange bestätigt. Die Nachforschungen, welche sich der Minister des Innern vorbehielt, und die inzwischen angestellt worden sind, haben ergeben, daß im gesummten preußischen Staate neben dem erwähnten schlesischen Kreisblatte nur noch vier, im Verlage und unter der Redaktion von La ndräthen erscheinende Kreis blätter vorhanden sind, welche mitunter auch Artikel politischen Inhalts enthalten. Sämmtliche übrigen Kreisblätter, s ü r die den Landr äthen die Verantw ortung zufällt, sind reine Anzeigeblätter und haben mit Politik nichts zu thun. Da der preußische Stadt über 500 Kreise und Aemter, und demzufolge ungefähr ebenso viele amtliche Publikationsorgane besitzt, so hMt rL sich rj>» um eine, verschwindend kleine Anzahl von Blättern, auf welche die Bemerkungen des Herrn v. Huene zutreffen könnten. Daß dem Minister des Innern die Existenz derselben verborgen geblieben, ist nach den gegebenen Ziffern wohl erklärlich. Andererseits glauben wir aber auch annehmen zu dürfen, daß, wenn Herr v. Huene gewußt hätte, auf wie schwachen Füßen seine Beschwerde stand, er dieselbe entweder überhaupt nicht oder doch wenigstens in einer Form vorgebracht haben würde, bei welcher er sich nicht dem berechtigten Vorwurfe der Uebertreibung ausgesetzt hätte."
Von mehr Interesse, als dieser nachträgliche Ordnungsruf gegen Herrn v. Huene wäre die Mittheilung gewesen, daß sich Herr v. Puttkamer veranlaßt gesehen hat, den Landräthen, die in ihren Kreisblättern Politik treiben, seine Meinung über das Maß des Erlaubten kund zu thun.
* Die neue Zeitung Richter's wird vom 1. September ab erscheinen und den Titel .Freisinnige Zeitung' führen. Als Chef-Redakteur wird
„und Sie würden mir Ihrerseits auch gedankt haben, wenn ich Ihnen eröffnet hätte, daß —"
„Sie mit Tollart gesellschaftlich verkehrt haben. Es ist mir das ebenso wenig entgangen, wie der Umstand, daß der Polizist Bernard um Ihretwillen mehrmals seinen Dienst versäumt hat, ohne daß ich ihn deßwegen zur Verantwortung gezogen hätte."
„Und Sie haben," fragte Lebrun mit bangem Herzklopfen, „auch Tollart nichts davon gesagt?"
„Nein! Sind Sie denn noch immer von dem Wahn gefangen, daß ich Ihr Feind sei?"
„Sie sind mein edelmüthigster Freund!" rief der Greis mit Thränen in den Augen.
„O, ich habe nur gerecht gehandelt. Von tiefstem Mitleid für Ihr Geschick erfüllt, beantragte ich bei meinen Vorgesetzten, mich zu bevollmächligen, Ihre Schritte nicht überwachen und Sie nicht verhaften zu brauchen. Ich bebaute, daß Ihre Nachforschungen fehlgeschlagen sind, ich bedaure Letzteres um so mehr, als von nun an in dieser Angelegenheit sich nichts mehr ändern läßt."
„Sie irren sich", unterbrach ihn Lebrun. „Ich kann Ihnen beweisen, daß Tollart die Engländerin ermordet hat und Ihnen auch die Gründe dar- thun, die ihn zu diesem Verbrechen verleitet haben.
der Abgeordnete Parisius fungiren. Das Blatt soll hauptsächlich ein politisches Organ werden, und es wird deshalb dem lokalen Theil und dem Feuilleton nur einen bescheidenen Theil widmen.
* Zabrze, 5. Juni. Wegen unerhörter Beschimpfung der Mutter Gottes hatte sich vor längerer Zeit der hiesige Gerichtsvollzieher Smel- kofski vor der Strafkammer in Gleiwitz zu verantworten. Die Sache endete damals mit Freisprechung, weil das Gericht den Hauptbelastungszeugen, von welchem feststand, daß sie dem Smelkofski nicht freundlich gesinnt sind, keinen Glauben schenkte. Gegen das freisprechende Er« kenntniß legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, und das Reichsgericht in Leipzig verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer in Brieg. Dort wurde nun Smelkofski vor einiger Zeit zu drei Monaten Gefängniß ver- urtheilt. Das Gnadengesuch, welkes der Ver- urtheilte eingereicht hat, ist abschlägig beschieden worden.
* Kiel, 4. Juni. Das hiesige Gerichte ver- urtheilte 16 Apenrader junge Mädchen wegen Singens dänischer Lieder.
* Sigmaringen, 6. Juni. Die Beisetzung der Leiche des Fürsten Anton ist heute unter Betheiligung der zahlreich hier anwesenden Fürstlichkeiten, Generale, der weltlichen und geistlichen Behörden und der Deputationen der Regimenter, deren Chef der Verstorbene gewesen, erfolgt. Nach dem feierliMn Trauergottesdienst in der Stadt- rircha setzte sich der Leichenzug nach der Familiengruft in Wwegung7 'Unmittelbar hinter^ dem Sarge schritt Se. kaiserliche und königliche Hoheit der Kronprinz, ihm zur Seite Fürst Leopold von Hohenzollern und König Karl von Rumänien, sodann folgten der Großherzog von Baden, der Herzog von Anhalt, Prinz Wilhelm von Württemberg, Fürst von Fürstenberg und die übrigen zur Beisetzung erschienenen fürstlichen Personen. Se. kaiserliche und königliche Hoheit der Kronprinz hatte sofort nach seiner Ankunft einen Kranz am Sarge des Fürsten niedergelegt.
* Straßburg, 5. Juni. Eine Verfügung des Bezirkspräsidiums setzt das Publikum in Kenntniß, daß demnächst mit den Vorarbeiten zum Bau des Kanals vonStraßburgnachLudwigs- hafen a. Rh. begonnen werden soll und die Eigen- thümer der in Mitleidenschaft gezogenen Grundstücke
Sie wiffen, daß Tollart sich auf's Angelegentlichste mit einer Erbschaft beschäftigt, wobei es sich uni Millionen handelt."
„O, ja" , versetzte der Polizeidirektor mit der resignirten Miene eines Mannes, welcher sich verpflichtet glaubt, eine Rechtfertigung anzuhören, über die er sich längst selbst ein Urtheil gebildet hat. „Die Erbschaft des Majors O'Sullivan. Er hat mit das nie verhehlt und mir darüber vor einigen Tagen gesprächsweise mitgetheilt, daß er den rechtmäßigen Erben aufgefunden hätte."
„Den hat er schon längst im Hinterhalt gehabt und der sogenannte rechtmäßige Erbe entpuppt sich als ein Affocie, um nicht zu sagen, sein Mitschuldiger. Es befinden sich zum O'Sullivan'schen Testamente noch vier berechtigte Erben am Leben und von diesen ist der Freund Tollart's der entfernteste Verwandle, der erst dann die Erbschaft antreten kann, wenn die drei anderen beseitigt sind. Tollart hat am 13. Januar dieses Jahres damit den Anfang gemacht, Marie Fassit zu tobten, die nach der Stammtafel die nächste Erbin war."
„Was höre ich?" War die Pique-Dame eine O'Sullivan?" versetzte der Polizeidirektor.
„Sie war die Tochter der jüngsten Schwester des verstorbenen Majors. Wiffen Sie indeß, wer