1885.
Sonnabend, den 6. Juni
M 126
(Fortsetzung folgt.)
len. Ein Hochplateau etwa 1000 Meter über dem Meere.
6. Deutsches Gebiet am Congo, zwrschen den Stationen Nokki und Nuam Mpozo der Internationalen Congo-Gesellfchaft, gegenüber der Gouvernements-Station Vivi, wurde von der deutschen Congo-Expedition unter Lieutenant Schultze ange- kauft, und am 12. Dezember 1884 die deutsche Kriegsflagge daselbst aufgezogen.
7. Kaiser-Wilhelms-Land aus Neu-Gur- nea, circa 5200 Quadr.-Meilen groß, umfaßt das zwischen der Humboldt-Bai (141 °) und dem Huon-Golf (148° östl. Länge von Greenwich) ge- legene, im Süden von dem Neu-Guinea von Osten nach Westen durchziehenden Gebirgsrücken begrenzte Gebiet. Das Land an der Küste — das Innere ist noch unerforscht - ist sumpfig und ungesund. Verschiedene Buchten und kleinere Häfen. Hum- boldt-Bai, Astrolabe-Bai, Huon-Golf, Port Constantin, Friedrich-Wilhelms- und Prinz-Heiuxichs- Hafen sind sehr geeignet für Stationirung von Kriegsschiffen. Handels-Faktoreien bestehen auf Neu-Guinea noch keine, da die Eingeborenen sich nur selten an der Küste zeigen und überhaupt noch zu wenig Bedürfniffe haben. Die deutsche Flagge wurde an verschiedenen Plätzen Mitte November durch die Corvette Elisabeth aufgezogen.
8. Neu-Britannien-Archipel, bestehend aus den Inseln: Neu-Britannien (Birara), Neu- Irland (Tombara), Neu-Hannover, Herzog York- Gruppe, sowie den östlich davon gelegenen Adrni- ralitäts- und Hermit-Jnseln, hat einen Flächenraum von etwa 1000 Ouadr.-Meilen. Die deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Jnseln und die Firma Hernsheim & Co. in Hamburg haben circa 30 Faktoreien; die Hauptagentur der ersteren ist auf Mioko, Herzog York-Gruppe, die der letztem auf Matupi, einer Insel an der Blanche- Bai am Nordostende Neu-Britanniens. Das Klima ist zwar sehr heiß, soll jedoch gesund und der Boden äußerst fruchtbar sein. Auf sämmtlichen Inseln, namentlich aber auf der größten, Neu-Britannien, sind viele Vulkane, von denen jedoch die Mehrzahl erloschen ist. Die deutsche Flagge wurde auf Matupi und Mioko am 3. und 4. November, in Nusa und Kapsu auf Neu-Irland am 10. November 1884, sowie später auf den Admiralitäts- und Hermit-Jnseln durch die Korvette Elisabeth aufgehißt.
„Tollart."
* Die deutschen Kolonien in Afrika und in der Südsee.
(Schluß.)
3. Togo-Land an der Sklaven-Küste umfaßt die Orte: Danoe mit Faktorei der Firma Friedr. M. Vietor Söhne (Bremen), Lorn« oder Bep Beach (C. Goedelt, Wölber u. Brohm, Fr. M. Vietor Söhne), Bageida (Wölber u. Brohm, Fr. M. Vietor Söhne), Klein Popoe (Wölber u. Brohm), Fr. M. Victor Söhne, Max Grumbach), Groß Popoe (Faktoreien derselben Firmen), Whydah (C. Goedelt, Hamburg) und Porto Seguro. Dieselben liegen sämmtlich auf einer Landzunge, welche durch dem Hinterland (Dahoms) vorgelagerte Lagunen gebildet ist. Die deutsche Flagge wurde in dem erstgenannten Orte durch das Kanonenboot Möve, General-Konsul Nachtigal, am 5. Juli 1884, in Porto Seguro durch die Korvette Leipzig am 5. September 1884 gehißt und Heinrich Randad in Lome zum deutschen Konsul ernannt.
4. Kabitai- und Koba-Land, zwischen dem Gio Pongo und dem Dubrecka-Fluß gegenüber den englischen Loos-Inseln, etwa 10° nördlicher Breite, nebst den Mururu- und Konobomby- Jnseln, die den beiden genannten Flüssen vorgelagert sind, sowie das weiter gelegene Sum- buja-Land, zusammen circa 2400 Quadrat-Kilometer groß, wurden am 4. und 6. Januar 1885 durch die Corvette Ariadne, Corvetten-Capitain Chüders, unter deutschen Schutz gestellt. Die Bewohner des Landes sind die Susu, deren verschiedene Stämme in circa 95 Ortschaften durch das Land zerstreut wohnen und deren beide Könige Bangali und Te Uri daffelbe an Hrn. F. Collin in Stuttgart, der dort eine Faktorei besitzt, verkauften. Das zwischen dem Dubrecka- und ©um« buja-Fluß gelegene Gebiet wird z. Z. von Frankreich beansprucht.
5. Länder der Deutschen Gesellschaft ' für Colonisation in Ostafrika, zwischen dem zum Sultanat Zanzibar gehörigen Küstenstrich und dem Tanganika-See am Fluffe Wami zwischen dem 5. und 8. Grad südlicher Breite gelegen, um-
„Was sehe ich? Sie hier?" rief der Polizeidirektor Lebrun entgegen, als dieser zu ihm in's Bureau trat.
„Ja, ich bin's," erwiderte der Greis mit fester Stimme, „und ich bringe Pergon mit mir."
„Wissen Sie es nicht, daß Sie sowohl wie er steckbrieflich verfolgt werden?"
„Ich weiß es sehr wohl und ich stelle Ihnen anheim, mich verhaften zu taffen, nachdem Sie mich angehört haben."
„Was haben Sie mir rnitzutheilen?" fragte der Beamte zurückhaltend.
„Ich bringe Ihnen Beweise für die Unschuld meines Sohnes. Ich komme etwas spät, nicht wahr?" fügte er hinzu, als er bemerkte, welche Wirkung feine Worte auf den Polizeidirektor ausübten, „aber ich darf versichern, daß ich meine Zeit wohl angewandt habe. Seit vier Monaten habe ich unablässig dem Mörder nachgeforscht; und ich würde ihn unzweifelhaft weit eher entdeckt haben, wenn ich es nicht mit einem Elenden zu thun gehabt hätte, der in der Schule teuflischer Ränke erzogen worden ist —"
„Seinen Namen, seinen Namen!" rief der Polizeidirektor.
klar werden, daß sein Spiel verloren ist und er wird sich, wenn,es uns nicht gelingt, sich noch heute seiner Person zu bemächtigen, eiligst auf die Flucht begeben."
„Das ist wahr," murmelte Lebrun, „und nach seiner Flucht würde ich keinen Beweis für die Unschuld meines armen Sohnes in Händen haben, dex, wie Bernard mir mitgetheilt hat, nach drei Tagen hingerichtet werden soll. Hier ist die größte Eile nöthig."
„Befehlen Sie, daß ich nach Savigny zurück- kehre, dem Bürgermeister den ganzen Verlauf berichte, ihn veranlaffe, Gensdarmen zu requiriren und —"
„Nichts von alledem," entschied der Greis. „Es würde unnütz sein, denn ehe die schwerfällige Maschine eines Fleckenvorstehers in Bewegung gesetzt wäre, würde Tollart schon seinen Fuß auf Englands Küste gesetzt haben. Hier in Paris muß ich handeln und kein Anderer kann mir helfen, als mein bewährter Freund, der Polizeidirektor. Ich gehe sogleich zu ihm und Du wirst mich bekleiden, um als Zeuge auftreten zu können. Hilf mir beim Umkleiden, Pergon, wir haben keine Minute zu verlieren." Eine halbe Stunde später waren Lebrun und Pergon im Polizeigebäude.
Q) Maske gegen Maske.
Roman von A. Werner.
„Wie sehr hast Du Recht gehabt, mix vp.rzu- werfen, daß ich Tollart habe entkommen (af^xi!" rief Lebrun, sich vor die Stirne schlagend, Ms. „Aber er ist nichtsdestoweniger in unseren LMen, da die Beweise seiner Verbrechen ihn erprücken. Er wollte Gabriele Romont und Pauline Cam- brenner tobten, rote er Marie Fossil getödtet hat, um sich mit Georg Atkins in den Besitz der Erbschaft des Majors O'Sullivon zu setzen. Morgen, ich wiederhole es, werden Beide hier eintreffen."
„Nein, sie werden nicht erscheinen! Wissen Sie, was die verbrecherischen Bewohner der Mühle zu Yvette in diesem Augenblick thun? Sie schöpfen ihren Keller leer, um die beiden Leichen wieder herauszufischen, die sie an Tollart auszuli.fern haben, damit sie nach dem Bahngeleise transpor- tirt werden können. Tollart wird nun heute Abend von ihnen die überraschende Nachricht bekommen, daß man die Mädchen nicht gefunden hat. Er wird einsehen, daß sie entkommen sind und vielleicht schon die Elenden wegen ihrer Unthat denunzirt haben, welche ihrerseits ihn als den ursprünglichen Anstifter bezeichnen werden. Es muß ihnen sofort
Die.Fulda-r Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher ' 1 &° W’ "
g Landwirthschastllches.
Wie unentbehrlich das Kochsalz für den gedeihlichen Bestand unserer Hausthiere ist und wie anregend dasselbe auf alle Lebensvorgänge im Thierkörper einwirkt, einen ebenso nachtheiligen Einfluß übt das Kochsalz auf den Thierorganismus, wenn es entweder in zu großer Menge ober in kleinen Gaben andauernd verabreicht wird. Namentlich sind die Schweine gegen die Wirkung des Kochsalzes höchst empfindlich und es stirbt erfahrungsgemäß alljährlich eine große Anzahl von Thieren in Folge des übermäßigen oder anhaltenden Genusses von Kochsalz ; sei es nun, daß die Thiere dasselbe als direkte Zugabe zu Nahrungsmitteln oder zufällig in den Küchen oder anderen Abfällen in giftig wirkender Menge genießen Desgleichen ruft die Verabreichung von Pöckelbrühe und Fischlacke unter gleichen Bedingungen Vergiftung Bei den Thieren hervor, welche auf die Gegenwart von Kochsalz, wenn auch nicht ausschließlich zurückzuführen ist. Die Beimeng- ungen von Fettsäuren, Trimethylanim re. nehmen jedenfalls einen nicht unbedeutenden Antheil an der giftigen Wirkung der Fleisch- und Fischlacke. Je nach der Menge des genossenen Kochsalzes treten die Krankheitserscheinungen acut ober chronisch auf. Entzündung und Verätzung der Verdauungsorgane in verschiedenen Gruden, sowie Reizung des Gehirns, welche sich von epileptiformen Krampfanfällen bis zur Sfumpfheit der Sinne steigert, bilden die Grundzüge des allgemeinen Krankheitsbildes.
Gottesdienst-Ordnung in Fulda.
Sonntag, den 7. Juni.
Domkirche: 5, 6, 6Vr, 7 U. hl. Messen, 7i/2 U. an einem Seitenaltare8 U. bischöfliches Hochamt, danach die feierliche Frohnleichnamsprozession; 4 U. Pfarrbruder- schaft; um 7‘/2 U. in der Gruft des hl. Bonifatius Andacht und Schluß der achttägigen Feierlichkeit. — Stadtpfarrkirche: 5 U. hl. Messe mit Aussetzung des hochw. Gutes und Predigt; 6, 6 >/2 u. 7 U. hl. Messen vor ausgesetztem hochw. Gute; die 11-Uhr-Messe beginnt erst nach Beendigung der Frohnleichnamsprozession; von 1—6 U. Betstunden. — Michaelsberg: 6 U. Segensmeffe. — Severikirche: 7 U. hl. Messe. — Hospitalkirche 6i/8 U. hl. Messe vor ausgesetztem hochw. Gute; 5 U. Abendandacht. . _
Montag, 8. Juni, in der Ho spitalkirche des Morgens um 6,' 7, 7i 2 U. hl. Messen; 8 U. Hochamt, 9 bis 10i/z 11. hl. Messen; des Nachmittags von 1—6 11. Betstunden. An jedem anderen Tage der' Oktav des Morgens 61/211. hl. Messe vor ausgesetztem hochw. Gute; des Abends um 5 U. sakramentale Andacht. — Am Mittwoch werden in der Stadtpfarrkirche in herkömmlicher Weise die Betstunden abgehalten. Die Frohnleichnamsoktav hindurch ist jeden Abend um 8 11. Andacht vor ausgesetztem hochw. Gute mit Ausnahme des Sonntags und Mittwochs, weil an diesen Tagen den Tag über Betstunden gewesen sind. — Donnerstag in der Domkirche Anbetung des Allerheiligsten. 5 11. Anfang, 6, 61/2, 7, 7i/2, 8 11. hl. Messen; um 9 11. Hochamt. Die Anbetung fängt wieder an um 1 11. und wird fortgesetzt bis 5 U. Abends, wo die letzte Betstunde mit Schluß der Oktav ist.
Freitag: Fest zum allerheiligsten Herzen Jesu. Anbetung im allerheiligsten Sakramente in gleicher Weise | wie gestern, um 9 11. Hochamt mit Predigt.
faßt die Länder Usagara, Useguha, Ukarni und Nguru. Größe circa 2500 englische Quadratrnei- |