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Jfulbarr

1885.

Di- .Fuldaer Zeitung' erscheint t-iglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Ab°nn-m-ntspr°is °hn° Bri^ 1 Mk. 50 Pfg, - mit der

belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 SRI. 70 PsS-, auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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* Die deutschen Kolonien in Afrika und in der Südsee.

Eine vollständige Zusammenstellung der von Deutschland bis jetzt erworbenen Kolonialgebiete dürfte von Interesse sein. Nachstehend geben wir ein solches Verzeichnis unter Hinzufügung einiger von der .Franks. Ztg.' hinzugefügten Bemerkungen über die Beschaffenheit des Landes.

1. Groß Namaqua-Land: a. Angra Pe- quena (Lüderitzland) an der Westküste Afrika's vom Oranjefluß bis zum 26° südl. Breite. 20 Meilen landeinwärts von jedem Punkt der Küste an ge­rechnet, nebst den drei dazu gehörigen Inseln: Rob­ben-, Pinguin- und Haifisch-Insel hat einen Flächen­inhalt von 900 deutschen Quadratmeilen. Faktorei: Fort Vogelsang der Firma F. A. E. Lüderitz in Bremen. Der Hafen ist gut und eignet sich selbst für größere Kriegsschiffe. Schon lange suchen die in Bethanien und Berseba wohnenden rheinischen Missionäre die Einwohner des Landes, die Ramas, zu christianisiren. Mit dem Häuptling derselben, dem Kapitän Joseph Fredericks in Bethanien, schloß Lüderitz den Kaufvertrag ab, in Folge dessen am 7. August 1884 durch die Korvette Leipzig (Koro.- Kapt. Herbig) unter Assistenz der Korvette Elisa­beth (Kapt. zur See Schering) die deutsche Flagge aufgehißt wurde. Das Klima ist gesund, doch fehlt es an der Küste und in der viele Meilen nach dem Innern sich erstreckenden Sandwüste gänzlich an Trinkwasser, welches per Schiff vom Kap herge­bracht werden muß. b. Das östlich von Angra Pequena gelegene, *bem Kapitän Jos. Fredericks gehörige Gebiet, einschließlich der rheinischen Mrs- sionsstationen Bethanien und Berseba, wurde von Lüderitz durch Vertrag erworben und vom Gene­ralkonsul Nachtigal unter deutschen Schutz gestellt, c. Die Damara- undNamaqua-Küste vom 26.o bis zum 18.0 südlicher Breite, dem Kap Frio, Grenze der portugiesischen Besitzungen, mit Ausschluß der Walfischbai, welche englisch ist, wurde von dem Kanonenboot Wolf (Korv.-Kapt. v. Raven) unter deutschen Schutz gestellt. Die Damaras und Hereros treiben Viehzucht in großem Maßstabe. Sie werden ebenso wie die Namas von rheinischen Missionären christianisirt. Der einzige gute Hafen an der sonst öden Küste, die Walfisch­bai, ist in den Händen der Engländer.

2. Kamerun-Gebiet: Es reicht vom spa-

Q) Maske gegen Maske.

Roman von A. Werner.

Herr Lebrun packte also seine Sachen, bezahlte im Hotel seine Rechnung und kehrte mit dem ersten Zuge nach Paris zurück. Er ließ sein Gepäck auf dem Bahnhof zurück und begab sich zu Fuß nach der Straße Huchette, in welcher der Polizist Bernard in einem unscheinbaren Hause wohnte. Zum Glück hatte dieser einen dienstfreien Nachmittag. Die Unterredung ward kurz und sachlich geführt.

„Das Gnadengesuch meines Sohnes ist ver- worsen worden", begann der Greis. „Ich komme soeben von einer Untersuchungsreise zurück; — wie denkt man auf der Präfektur über die Sache?"

„Ich will Ihnen die Wahrheit nicht verhehlen, Herr Lebrun, man glaubt, daß an eine Abänderung der Strafe nicht zu denken sei."

„Ich erwarte das. Ist der Tag der Hinrich­tung schon bestimmt?"

„Wie man sagt, ist die Exekution aus nächsten Dienstag angesetzt".

„Auf Dienstag schon, wiederholte der Greis bitter, indem er sein Antlitz in seine Hände ver­grub. Sein Kopf drohte ihm zu zerspringen. Nach

Nischen Städtchen Eyo l1^0 nördlicher Breite bis zur Mündung des Rio del Rey 4720 nördlicher Breite mit Ausschluß der englischen Missionsstation Victoria an der Ambas-Bai. a. Von der Mün­dung des Rio del Rey bis König Wilhelmsstadt (Bimbia) finden sich folgende Orte: Rumbi, Bi- bundi, Bota ein vorzüglicher Hafen, Victoria, eng­lische Missionsstation mit Faktorei der Firma C. Woermann in Hamburg, König Wilhelmstadt oder Bimbia mit einer Faktorei derselben Firma. Nörd­lich von diesen Orten erhebt sich das Kamerun-Ge­birge mit seiner höchsten Spitze, dem Götterberge, 4000 Meter über dem Meere. Der Aufenthalt an der Küste ist ein sehr ungesunder. Die deutsche Flagge wurde dort durch das Kanonenboot Möve unter Leitung des General-Konsuls Nachtigal am 22. Juli 1884 gehißt, b. Kamerun-Plätze: König Bell's, König Aqua's, Joß, John Aqua's und Hickory Stadt sind von Dualla-Negern bewohnt, welche unter der Herrschaft der gleichnamigen Könige resp. Häuptlinge stehen, deren mächtigster König Bell ist. Nachdem die deutsche Flagge ge­hißt war, wurde Dr. Buchner zum deutschen Kon­sul ernannt. Das Klima ist das gleiche wie in König Wilhelmstadt, da die gemeinschaftlichen Mün­dungen des Kamerun- und Mungo-Flusses ganz von Mangrove-Sümpfen umlagert sind, welche die Luft mit ihren aufsteigenden Dünsten verpesten. Faktoreien der Hamburger Firmen: C. Woerniann und Jantzen u. Thormälen. Ein Aufstand der Be­wohner von Joß und Hickory Stadt gegen König Bell und die deutsche Herrschaft wurde vom 20. bis 22. Dezember 1884 durch die Korvetten Bis­marck und Olga, Kontre-Admiral Knorr, erfolgreich niedergeschlagen, c. Von der Mündung des Kame­run-Flusses bis zur Südgrenze des deutschen Gebie- tes bestehen gegenwärtig folgende Faktoreien: Ma- limba (C. Woermann), Klein Batanga (C. Woer­mann), Groß Batanga (C. Woermann, Jantzen und Thormälen), Campo Land (C. Woermann, Jantzen und Thormälen), Kap Bata (C. Woer­mann), Bata Bai (C. Woermann, Jantzen und Thormälen), Eyo oder Benito (C. Woermann). Ferner befinden sich noch Faktoreien der Firmen C. Woermann und Jantzen u. Thormälen im spa­nischen Orte Klein Eloby und dem französischen Gabun.

(Schluß folgt.)

kurzem, dumpfen Hinbrüten ermannte er sich indeß von seinem Schmerz und sagte:

„Bernard, ich brauche Dich für den ganzen Nachmittag".

„Ich stehe zu Diensten. Was kann ich für Sie vollbringen?"

„Ich begebe mich zuerst nach meiner Privat­wohnung, wo mein Costüm als indischer Nabob verwahrt ist. Von dort aus werde ich in einem Galawagen mich nach dem Grand-Hotel verfügen. Es muß den Anschein gewinnen, als käme ich direkt von dem Bahnhof Saint-Lazare. Inzwischen mußt Du Dich mit dem ersten abgehenden Zuge nach Savigny-sur-Arge begeben, nm Dich in dem dortigen Gasthofe nach Pierre Paladin zu erkun­digen. Diesen Namen hat Pergon angenommen. Wenn Du ihn triffst, wirst Du ihm sagen, daß ich ihn noch heute zu sprechen wünsche. Ist er nicht im Gasthose, so laß Dir den Weg nach der Mühle zu Avette zeigen und begieb Dich sofort dahin. Wenn die Besitzer der Mühle Dir sagen sollten, daß sie ihn nicht gesehen hätten, so kann man sicher annehmen, daß sie ihn ermordet haben."

Bernard stieß einen Ausrus des Schreckens aus.

„Falls sie ihn getödtet haben sollten, werde

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Juni.

* Die braunschweigische Angelegenheit wird erst in der nächsten Woche im Bundesrath zur Berathung kommen.

• Der heutige offiziöse Artikel der ,Nordd. Allg. Ztg.' über das Verhältniß zu Zanzibar erregt ziemliches Aufsehen, denn er eröffnet, falls der Sultan von Zanzibar nicht rechtzeitig, d. h. also wohl bis zum Eintreffen der deutschen Kriegsschiffe nachgibt, die Aussicht auf ernste Eventualitäten. Es hieß schon seit einiger Zeit, daß mit England eine Verständigung erzielt sei, die Deutschland freie Hand bei seinem Vorgehen gegen Zanzibar sichert. Es soll das einer der Punkte sein, die bei der Anwesenheit Lord Rosebery's in Berlin geordnet worden sind. Vorher soll der Einfluß Englands auf den Sultan von Zanzibar in Deutschland ungünstiger gewesen sein. Die Abberufung des Generalkonsuls Rohlfs, der die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt haben soll, gilt für sicher.

* Die ,Posener Ztg.' will bestimmt wissen, daß der Generalvikar der Kulmer Diözese, Anton Klingenberg, von der preußischen Regierung als Kandidat für den erzbischöflichen Stuhl von Posen in Vorschlag gebracht ist.

* Es wird der ,Germ.' mitgetheilt, daß die Berliner Schul-Deputation die Rectoren der kat h o- lisch en Schulen aufgefordert habe, Vorschläge für einen neu einzuführenden Katechismus zu machen. In den katholischen Schulen zu Berlin war seit' jeher der Deharbe'sche im Gebrauch. Der Cultusminister hat nun eine Verfügung erlassen, nach welcher das Buch in den Schulen der Mo­narchie außer Gebrauch zu setzen sei. Jedermann fragt sich nach dem Grunde dieser Maßregel. Der Deharbe'sche Katechismus ist von aller Welt als brauchbar anerkannt. Er trägt die Approbation aller Bischöfe Baierns. Für Andersgläubige ist nichts Verletzendes darin zu finden. Falk, welcher doch sehr empfindlich in dieser Beziehung war, hat nichts anszusetzen gehabt. Jetzt wird auf ein Mal Abschaffung mitten im Semester beliebt, und den Eltern eine neue Ausgabe zugemuthet. Als- dann ist auffallend, daß von einem Einverständmß mit den Diöcesan-Behörden nichts verlautet. Wir können dem Cultus-Ministerium nicht die Befug- niß zugestehen, Religionsbücher ohne weiteres ab- ich sie mit Tollart auf's Schaffst bringen," ant­wortete der Greis mit eisiger Ruhe. „Bist Du Deiner Sache gewiß, so kehre noch heute zu mir zurück. Das ist Mes. Ich verlasse mich ganz auf Dich." , . . ,

Die letzten Worte sagte Lebrun bereits tn der Thür und eilte dann fort.

Eine Stunde später hielt er als Nabob von Bahour mit allem Pomp indischer Fürsten seinen Einzug in's Hotel. Er sagte, daß sein Intendant in Havre schwer erkrankt darnieder liege und daß Seine Hoheit sich herablassen würde, sich bis auf Weiteres von der Dienerschaft des Hotels bedienen zu lassen. Der falsche Nabob schien übrigens mit dem Ausfluge sehr befriedigt und geneigt zu sein, Besuche zu empfangen, denn er ertheilte den Befehl, Jeden vorzulassen, der ihm seine Aufwartung zu machen wünfchte. Er wollte damit bezwecken, Pergon sofort den Eintritt zu ihm zu ermöglichen, wenn Bernard ihn, wie er hoffte, nach Paris zu­rückgeführt haben würde. .

Pergon war aber nicht der Erste, der sich bei dem Gebieter von Bahour anmelden ließ, vielmehr präsentirte ein reich betreßter Diener dem falschen Fürsten auf einer silbernen Schale eine Visitkarte, welche den Namen Ho'.tz trug. Lebrun zitterte