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JV 124.

Mittwoch, den 3. Juni

1885.

Fuldaer

(64

Wegen des hl. Frohnleichnamsfestes er- scheint die nächste Nummer dieses Blattes erst am Freitag.

2) Maske gegen Maske Roman von A. Werner.

*• Zum hl. Frohnleichnamsfeste. Zum Tempel werden Straß' und Feld, Es wölbt der Wald sich wie zum Chor; In Weihrauchwolken wallt empor Der Jubel durch die ganze Welt.

Aus seinem stillen Heiligthum Tritt der verborg'ne Gott hervor; Weit thut sich auf das hohe Thor Zu des erhab'nen Gottes Ruhm; Er segnet Stadt und Feld und Flur, Wohin Er im Triumphe zieht, Und wer am Wege niederkniet. Empfindet Seiner Nähe Spur.

Es ist ein sinniges Fest, welches wir morgen begehen. Die Natur, in ihren Gaben prangend, bringt den Tribut der Huldigung und des Dankes dem Erlöser dar. Es ist das Prangfest, wie das Volk in manchen Gegenden sehr bezeichnend sich ausdrückt. In der Zeit, in welcher ein hl. Fran­ziskus und Dominikus erstanden ist, in welcher die Glaubensinnigkeit die ganze Gesellschaft beherrschte und die Natur zum Dienste des Herrn erhob, in jener Zeit wurde auch das Prangfest, das hl. Frohnleichnamsfest zu ersten Male gefeiert. Und seitdem wurde es zu einem Lieblingsfeste des katholischen Volkes. Die durch menschliche Arbeit gepflegte Natur soll an der Freude der Erlösung, an dem Preise des Schöpfers theilnehmen. Die Früchte des Feldes, die Blumen der Wiesen, der Schmuck oer Walder Myen' in bie Kirche.hinein, den Altar des Herrn zu verschönern. Der Herr selbst zieht hinaus in die prangende Natur, dort den Tribut der Anbetung zu empfangen. Die glaubensinnige Zeit des 13. Jahrhunderts hat diesem hohen Gedanken in dem Frohnleichnamsfeste Ausdruck gegeben. Die Vertreter der „Wisien- schaft", ebenso frivol als unwissend, verbinden natür- lich das Frohnleichnamsfest mit heidnischen Ge­bräuchen, mit den Arvalien u. s. w. Sie möchten die Frohnleichnams-Prozession verbieten, wie dies voriges Jahr in einigen Städten Frankreichs that- sächlich geschehen ist. Sie kennen keinen Gottes­dienst mehr. Hohe Stellungen und hohe Gehalte, leckere Tafeln und seine Weine sind ihnen das Höchste. Egoismus und Hoffart, Sinnenlust und Habsucht sind ihr Gott. Möge das katholische Volk in den Gütern der Natur nur Mittel sehen,

„Pauline!" wiederholte Gabriele. „Pauline Cambrenner, welche ich so sehnlichst kennen zu lernen wünschte?"

„Ja," mischte Pergon. der sein erloschenes Licht inzwischen wieder angezündet hatte, sich jetzt in das Gespräch, „Sie sind Verwandte und eben aus dieser Ursache trachtet man Ihnen nach dem ßcbcn."

Während er so sprach, ergoß sich das Wasser in Strömen durch die Oeffnung der Mauer und bedeckte allmählig die Diele des Kellers.

Gabriele erblaßte bei diesem Anblick.

„Wir sind verloren", murmelte sie.

„Noch nicht," antioortete Pergon, dem ein glück­licher Gedanke einfiel. Ec ging nach der Seite, wo er eine Anzahl Fäsier und Tonnen gesehen hatte und suchte sich zwei Tonnen aus, die nach dem leichten Gewicht zu urtheilen, leer waren. Dann sagte er zu Gabriele:

„Fräulein, wir müssen jetzt, wo alle menschliche Hülse fehlt, auf den Beistand des allmächtigen Gottes vertrauen; wenn Gott uns beisteht, können diese Tonnen das Mittel unserer Rettung werden. Das Wasser steigt schnell. Wenn Sie Kraft und Muth besitzen, fich an den Ring dieser Tonne anzuklammern, sind wir gerettet."

Pergon überzeugte sich indeß bald von der Ur­sache dieser Ueberraschung. Ein dumpfes Geplätscher, das Anschlägen des Gischtes an die Außenmauer ließ Pergon erkennen, daß die Fluth im Steigen begriffen war und wohl bald die Oeffnung in der Mauer erreicht haben würde.

„Ah", rief er händeringend aus, „die Elenden haben die Zugbrücke niedergelassen, der Kanal füllt sich mit Wasser an und wird, wenn er gefüllt ist, fein Bett überschreiten und sich in den Keller er­gießen. Wir müssen ertrinken. Darum hat man auch keinen von uns getödtet. Sie wußten, daß der Bach an ihrer Stelle diesen Liebesdienst vollführen würde. In einer halben Stunde wird das Wasser das Niveau der Oeffnung erreicht und den Keller in wenigen Minuten gefüllt haben."

Mit trüben Gedanken näherte er sich jetzt dem Winkel, wo Gabriele und Pauline sich umarmt hielten. Sie fragte das Kind unter Küssen nach feinem Namen.

„Ich heiße Pauline Cambrenner."

Gott zu verherrlichen. Möge es im Reichthume nur eine Gabe erblicken, Gottes Ehre zu erhöhen und der Mitmenschen Noth zu lindern! Wenn wir Frohnleichnam in diesem Geiste feiern, wird unter den gläubigen Katholiken keiner „in der Noth" zu Grunde gehen, sondern helfende Freunde finden. Die Christen der ersten drei Jahrhunderte be­standen nicht aus den Großen und Reichen der Welt, aber dennoch war kein Elender unter ihnen, wie die Geschichte uns bezeugt. „Es war ihnen Alles gemeinsam". Es herrschte nicht der Com- munismus des Besitzes, von welchem die Einfalt der Sozialisten träumt, sondern die Verwendung war zu Gunsten der Gesammtheit; der Reiche theilte von seinem Ueberflusse mit, der Arme, aber Gesunde erarbeitete sich seinen täglichen Verdienst in jener Zeit der Sklaverei, wo die Arbeit von den Heiden verachtet war; nur Greise erwerbs­unfähige Mütterchen, Waisenkinder, Krüppelhafte und Blinde mußten unterstützt werden. Und diese Unterstützung geschah mit Liebe und Freude, während des HI. Opfers brachten die Gläubigen ihre Spenden dar, opferten ihre Gaben Gott, und der Arme empfing vom Altäre die Spende als Gottesgabe. Das waren echt christliche Zeiten, von denen wir im 19. Jahrhundert noch Manches lernen könnten.

Deutsches Reich.

. ... . . -L«rli.>:, 2. Juni.

* In Uebereinstimmüng mit einer diesbetreffen- den Nachricht des .Moniteur' wird der .Gerni.' aus Rom gemeldet:

„Während die Kölner Bisthumsfrage jetzt definitiv geregelt ist, herrscht für Posen absoluter Stillstand. Von einer Candidatur des Herrn Propst Aßmann weiß man in Rom nichts. Preußen scheint zwar daran gelegen zu sein, daß über die Person des künftigen Erzbischofs von Posen bis zum nächsten Consistorium eine Verständi­gung herbeigeführt werde, dessenungeachtet werden immer neue Schwierigkeiten aufgethürmt, die eine Hoffnung auf endliche Regelung dieser Frage in weite Ferne rücken. Bezüglich der Fundamentalfrage über Erziehung und Vorbildung des Clerus ist man in Rom sehr pessi­mistisch geworden, weil noch nichts darüber verlautet, daß Preußen die Absicht habe, durch einen Gesetzentwurf diese hochwichtige Angelegenheit zu regeln. Unterhandlungen hierüber sind nicht im Gange, weshalb von Seiten des h. Stuhles Vorschläge in dieser Hinsicht nicht gemacht werden konnten. Man wartet bis jetzt vergeblich aus Vorschläge von preußischer Seite, es scheint aber Fürst

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Bismarck, von dem Alles abhängt, noch länger zögern zu wollen. Anders gestaltet sich die Lage in Betreff der Anzeigepflicht. Eine neuerdings gemachte Proposition scheint Aussicht auf beiderseitige Annahme zu haben. Do ch würde diese Verständigung gegenstandslos bleiben, wenn nicht Preußen mit annehmbaren Vorschlägen über die Regelung der Erziehung und Vorbildung des Clerus hervortritt. Die kirchenpolitischen Verhandlungen haben neuerdings auch dadurch eine bedauerliche S törung erfahren, daß Msgr. Pallotti, Secretair der Congregation der außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten, wegen Ueberanstrengung krank geworden ist und einen mehr­wöchentlichen Urlaub nehmen mußte. Msgr. Pallotti war sehr vertraut mit den preußischen Verhältnissen und leitete die kirchenpolitischen Verhandlungen. Seine Krankheit ist in einem verhängnißvollen Augenblick eingetreten, da sein Nachfolger sich zuvörderst in die sehr schwierige Lage hineinleben muß, ehe er erfolgreich die Verhandlungen weiter führen kann. — In Rom ist man sehr besorgt wegen der betrübenden Nachrichten über den Gesundheits­zustand des deutschen Kaisers. Man befürchtet, sem Ableben könnte einen nachtheiligen Einfluß auf die ktrchen- politischen Verhandlungen haben."

* Die Bismarckspende hat ein eigenthüm- liches Schicksal; sie hat, bevor sie zusammengekom- men ist, zu heftigem Streit auch im Lager der treuesten Verehrer des Reichskanzlers geführt, und jetzt macht ihre Verwendung, wie man der ,Frkf. Ztg.' u. A. schreibt, so viele Schwierigkeiten, daß die Urheber der Sache vielleicht schon bedauern, nicht auch die andere Hälfte zum Ankauf eines Gutes verwandt zu haben, weil dann die Lösung der schw.erigen Frage, was mit den gesammelten Mitteln anzufangen sei, eine viel schnellere und leichtere gewesen wäre. Das haben sich die Spen- der selbst nicht träumen lassen, daß für die von der „gesammten Nation" gesammelten Gelder schließlich keine andere Verwendung als zu Gun­sten der Philologen zu entdecken sein würde. Man wundert sich allgemein, was den Philologen plötz­lich die Gunst des Reichskanzlers verschafft hat. Nächstens werden wohl die Bauern, die in den letzten Jahren als die Schloßkinder des Reichskanz­lers ausgegeben wurden, auf die Herrn Professo­ren eifersüchtig werden.

* Simburg, 2. Juni. Bischof Johann Chri- stian hat neben dem Hirtenbrief auch ein lateinisch abgefaßtes Pastoralschreiben an den Klerus erlas­sen. Der Inhalt bekundet apostolischen Starkmuth, gepaart mit Milde. Aus jeder Zeile ist ersichtlich, daß der Verfasser in verschiedenen Stellungen im praktischen Leben gestanden hat, und die Irr- und Abwege kennt, auf die auch einzelne Priester ge- rathen können, wenn sie isolirt und nach einigen

„Und das Kind?" fragte sie, indem sie ängst- lich auf Pauline deutete.

„Ich werde die Kleine, da sie zu schwach ist, um sich an der Tonne festzuhalten, mit diesem Strick an dieselbe binden, und selbst zwischen den beiden Tonnen schwimmen, um sie gegen den Strom zu lenken, der uns fortreißen wird, sobald wir uns der Oeffnung zu nähern versuchen. Es wird noch einen harten Kampf gegen die Macht des Elements kosten, aber er wird glücklicher Weise nicht von Dauer sein, da wir, wenn das Wasser auf das Niveau der Oeffnung gebracht ist, sicher den Ausgang gewinnen werden. Hegen Sie keine Besorgnisse; als Soldat mar ich im Schwimmen stets der Erste, und ich verspreche Ihnen, daß ich, wenn Sie redlich mithelfen, Sie ohne Unfall auf die Brücke bringen werde."

„Ich bin bereit," antwortete Gabriele mit dumpfer Resignation.

Pergon befestigte nun einen Strick um Paulinens Leib und knüpfte denselben an den Ring einer der erwähnten Tonnen, während Gabriele den Ring der anderen Tonne mit beiden Händen erfaßte. Das Wasser war ihnen bereits bis an die Kniee gestiegen, da es sich mit dem Ungestüm eines Katarakts in