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1885.

Montag, den 1. Juni

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Die »Fuldaer Zeitung" erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. V-erteliahrlicher Abonn-mentspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., mtt der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 31. Mm.

* Der Kaiser hatte eine sehr gute Nacht. Das Befinden ist heute recht zufriedenstellend.

* Der Ausschuß des Bundesraths für Justiz­angelegenheiten hält morgen eine Sitzung, um den Antrag Preußens in der braunschweigischen Erbfolgefrage zu berathen. Der Ausschuß denkt die ihm übertragene Vorberathung dieser Vorlage so zu erledigen, daß diese vom Plenum des Bundesraths schon am Donnerstag der künf­tigen Woche berathen werden kann. Da die Mehr­zahl der Bundesrathsbevollmächtigten sich während dec Pfingstferien in ihre Heimath begeben hatte, so erwartet man, daß dieselben bei dieser Gelegen­heit Veranlassung genommen haben werden, sich mit den Instruktionen ihrer Regierung zu versehen, und daß daher in der nächsten Plenarsitzung des Bundesraths die Beschlußfassung über den preu­ßischen Antrag erfolgen könne.

* Nach Abwickelung der jetzigen Arbeiten des Bundesrathes in etwa vier Wochen werden die Urlaubsreifen der Preußischen Minister ihren Anfang nehmen. Im September dürsten dann die Arbeiten für den nächsten Landtag und Reichstag, die Aufstellungen für Staatshaushalt und Reichs­haushalt, beginnen.

* Minister v. Puttkamer soll auf den 3. Juni nach Münster Vertrauensmänner eingeladen haben, welche fich uiuer" jetnein Vörfitz über eine neue Kreis- und Provinzial-Ordnung für Westfalen auszusprechen hätte. Eine ähnliche Conferenz soll für die Rheinprovinz geplant sein, und vielleicht galt es auf der Reise des Ministers in der Rheinprovinz auch den Boden dafür zu sondiren.

* Das .Berliner Tageblatt', welches zu den be­geistertsten Verfechtern des Bismarck'schen Antrages in der braunschweigischen Thronfolgefrage gehört, bringt in auffälligem Druck das Folgende:

Man erzählt, daß Fürst Bismarck gewisse Bedenken unseres Kaisers zu überwinden gehabt habe, ehe sich der Monarch entschlossen, den preußischen Antrag beim Bundes­rath über die braunschweigische Thronfolge zu unterzeichnen. Dieses sehr plausible Gerücht hat natürlich bereits zu allerlei Legenden Veranlassung gegeben, wie ja überhaupt die historische Gestalt des „Kaisers Weißbart" von der fruchtbaren Volkephantasie sehr gern zur Folie für ihre Erfindungen benutzt wird. So wird denn erzählt, der Kaiser habe zu seinem ersten Rathgeber in Betreff seiner

Q) Maske gegen Maske.

Roman von A. Werner.

Pergon befand sich jetzt im Finstern und sein Geist ward sogleich in einen Zustand versetzt, der weder Schlaf noch Wachen genannt werden konnte. Es sauste ihm in den Ohren und flimmerte ihm vor den Augen, kurz, er verspürte ein unbeschreib- liches Unwohlsein, das sich von Minute zu Minute steigerte. Vergebens machte er Versuche, sich von seinem Lager zu erheben, er sank aber stets wieder­auf die Säcke zurück. In dem Maaße jedoch, wie seine Kräfte schwanden, schienen sich seine Sinne zu verschärfen. Das leiseste Geräusch hallte in seinen Ohren wie eine Explosion wieder. Seine Augen sahen in der Finsterniß so hell wie die einer Katze, doch vermochte er sich von dem, was er sah und hörte, keine klare Vorstellung zu machen. Ihm erschien Alles wie ein Traum. In diesem Zustande mochte er mehrere Stunden zugebracht haben, als er durch eine Spalte der Bretterwand einen Lichtstreifen in die Halle dringen sah. Un­willkürlich sah er hindurch und erblickte in einem kleinen Bretterverschlag an einem Tische, auf welchem eine Lampe flackerte, die Müllerin mit

Entschließung über die Erbansprüche des Herzogs von Cumberland geäußert: „Ich bete alle Tage zu Gott, daß er Mich erleuchten möge in dem Konflikt, welcher Mein Innerstes in der Braunschweiger Frage erfüllt. Auf der einen Seite die Pflicht, das legitime Recht nicht zu ver­letzen, auf der andern die Sorge um das Wohl des Vaterlandes." Hierauf aber habe Fürst Bismarck das schöne Wort gesprochen: „Majestät verzeihen, aber die Pflicht kennt nur das letztere !" Der greise Monarch soll nach diesem Ausspruch den Kanzler einen Moment lang stumm angesehen und dann ohne Zögern den An­trag unterzeichnet haben.

Wir überlasien selbstverständlich dem liberalen Berliner Blatte die volle Verantwortlichkeit für seine Mittheilung. Das „schöne Wort" des Fürsten Bismarck, wenn es gesprochen worden ist, würde nur aus der Hegel'schen Anschauung vom Staate als dem „präsenten Gott" erklärlich sein.

* Der .Danziger Zeitung' wird aus Kiel die Nachricht von der Bildung eines Geschwaders an der Küste von Zanzibar mitgetheilt. Das Com- mando soll der Commodore Paschen übernehmen.

* Frankfurt. 29. Mai. Noch sind die Aus­lassungen der liberalen Redner auf dem Congreß deutscher Lehrer zu Darmstadt zu Gunsten der Simultanschulen nicht verhallt, und schon beeilt man sich in der demokratischen Stadtverordneten- Versammlung zu Frankfurt den Ehrenpreis in dem Kampfe um die Simultanschule zu erringen. In der gestrigen Sitzung wurde, wie man der der ,Köln. Vztg.' schreibt, ein Magistrats-Antrag auf Abschaffung des Schulgeldes in den Volksschulen behandelt Beschluß erhoben. Der Antrag des Magistrats war für die Volks- schulen überhaupt eingebracht. Dieser Akt von Gerechtigkeit war nicht nach dem Geschmacke der Demokraten. Das jüdische Mitglied Dr. Geiger beantragte, diese Vergünstigung nur den simultanen Volksschulen zuzuwenden mit Ausschluß der kon­fessionellen städtischen Volksschulen. Der Ober- Burgermeister hatte die Abschaffung des Schul­geldes auch damit motivirt, daß der Ausfall des Schulgeldes von beiläufig 50,000 M. pro Jahr durch die Erträgniffe der Agrarzölle hinlänglich gedeckt würde, welche von Staatswegen nach dem Gesetz Huene den Communen zugewendet werden, speziell zur Erleichterung in den Schullasten. Daß eine städtische Vertretung diese Erträgniffe gleich­sam für Parteizwecke verwenden könnte, ist doch geradezu undenkbar.

* Bayreuth, 30. Mai. Der Bismarck-At-

einem Manne, der über sechs Fuß maaß, von muskulösem Köperbau war und deffen Aeußeres auf einen entsprungenen Galeerensklaven schließen ließ. Zweifelsohne war er der Mann dieser Megäre. Er schlürfte Branntwein in vollen Zügen aus einem eisernen Trinkbehälter, und seine Frau sorgte dafür, daß das Gefäß stets wieder gefüllt wurde.

Wie war er in diesen Verschlag gelangt, da die Müllerin die Hausthür doch so sorgfältig ver- riegelt hatte? Was führte das unheimliche Ehe- paar im Schilde? Pergon zerbrach sich über diese beiden Fragen vergeblich den Kopf. Er folgte inzwischen jeder Bewegung der Beiden und hörte, — oder glaubte es wenigstens zu hören, — ihre Unterredung eben so deutlich, als wenn er an ihrer Seite geseffen hätte.

Seine Sinne verwirrten sich mehr und mehr; er vergaß Alles um sich her und es schien ihm, als wenn er jählings in eine Tiefe stürze, sich wie im Wirbel um sich selbst herumdrehe und jetzt einen furchtbaren Fall erlitte. Er vermochte es nicht, die Augen zu öffnen. Noch einmal griff er, wie nach einem Halt suchend, um sich, dann aber verließ ihn vollends das Bewußtsein und er sank kraftlos auf sein Lager zurück.

tentäter Böttgergeselle K u l l m a n n, der im hiesi­gen Zuchthause sitzt, hat neuerdings am Straforte großen Krawall gemacht und wird in Folge dessen am 6. Juni vor der hiesigen Strafkammer wegen Majestätsbeleidigung, falscher Anschuldigung, Amts­ehrenbeleidigung und Sachbeschädigung verhandelt. Die Verhandlung verspricht in psychologischer Hin­sicht sehr intereffant zu werden, da die Vermuth- ung naheliegt, Kullmann sei geistesgestört.

* In Freiburg tagte am 26. d. die Diözesan- Conferenz der katholischen Gesellen-Vereine Badens. Es waren 37 Vertreter erschienen. Die Berathungen dauerten fast ununterbrochen von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, lieber dasKranken-Unterstützungsgesetz und die Resolutionen der Kölner General-Conferenz wurde eingehend be­rathen. Die Conferenz in ihrem einmüthigen, ver- ständnißvollen und ernsten Zusammenwirken bot ein herrliches Bild und läßt auf die segensreiche Thätig- feit schließen, welche die Gesellenpräsides zum Wohle unserer jugendlichen Arbeiter und Gesellen entfalten.

Ausland.

* Wien, 30. Mai. In polnischen Kreisen erregt es freudigste Sensation, daß gerade jetzt eine neue kaiserliche Bewilligung für die lieber» schwemmten Galiziens von 150,000 fl. als Geschenk und 300,000 fl. als unverzinslicher Vorschuß aus Staatsmitteln erfolgte. (Fr. Z.)

* Paris, 31. Mafi Dos »Journal offi-fiel' macht bekannt, daß bei dem Leichenbegängniß Vic­tor Hugo's keine andere Fahne als die nationale oder eine solche fremder Stationen zugelaffen wer­den wird. — ,Cri du Peuple' und Jntranfigeant' machen das letzte Dekret ver Regierung dafür ver­antwortlich, wenn am Montag bei der Leichenfeier Blut fließen sollte.

* Rom, 27. Mai. Gestern empfing der hl. Vater die Deputation der holländischen Katho­liken. Msgr. Snickers verlas die Ergebenheits- Adreffe. Der hl. Vater hielt eine längere An­sprache in familiairem Tone. Holland, so sagte er, verdiene seine ganz besondere Liebe wegen des Seeleneifers seiner Bischöfe und seines Klerus, wegen des wahrhaft katholischen Lebens, das in den Familien blühe, und der großherzigen Gesinnung, mit der es überall katholische Schulen gründe. Ein besonderes Lob spendete der hl. Vater Holland,

31. Kapitel.

In Todesgefahr.

Als Pergon seiner Sinne wieder mächtig ward, befand er sich auf einer lockeren Maffe liegend und fühlte seinen Mund mit einem klebrigen Gegen­stände verschloffen, der wahrscheinlich den Zweck hatte, ihn am Schreien zu verhindern. Er schüttelte sich, richtete sich empor, entfernte die klebrige Masse von seinen Lippen, tastete vorsichtig umher und begriff jetzt, was mit ihm vorgegangen war. Man hatte ihn kopfüber über einen Sandhaufen hinab­geworfen, und zwar so heftig, daß er nur wie durch ein Wunder dem Tode des Erstickens ent­ronnen war. Pergon, durch den heftigen Stoß zum Bewußtsein zurückgekehrt, erwog seine mißliche Lage. Er sagte sich, daß die Frau ihn in eine Falle gelockt und sein Bett auf einer Klappe bereitet gehabt hätte, von der sie nur eine Feder zu berühren brauchte, um ihren Gast in das unter­irdische Verließ der Mühle zu stürzen. Sein Leben hing offenbar an einem Faden; denn man hatte ihn selbstverständlich nicht in der Absicht in die Tiefe geschleudert, um ihn dort zu ernähren und zu bewachen. Beabsichtigte man ihn zu er­morden, oder wollte man ihn^ verhungern lassen? Er erging sich darüber ^in nutzlosen Gedanken