Einzelbild herunterladen
 

/ulbacr

und

(60

Auf dieses Geräusch ward in der Bodenlucke ein weiblicher Kopf sichtbar, wahrend ein Mann gleichzeitig eine der eingefügten Bodenklappen vorsichtig aufhob. Das Geräusch war ebenso nach oben und nach unten gedrungen. Pergon, wel­cher hinaufsah, gewahrte indeß nur den Kopf der Frau.

„Liebe Frau," rief er ihr zu, „wollen Sie mir Handgeld geben? Ich habe Bücher, Zeitungen und billige Lieferungswerke."

Ein unwilliges Gemurmel erscholl, die Fall­klappe schlug zu und gleichzeitig kam die erwähnte Frau hastig die Treppe herab und richtete sich in ihrer ganzen Länge fast drohend vor Pergon auf. Es war eine große, hagere Gestalt, ihre Gesichts­farbe 2 ar pergamentartig und ihre Augen lagen tief in ihren Höhlen. Ihre spärlichen grauen Haare flogen ungeordnet umher und ihre ganze Gestalt zeigte den Typus einer echten Hexe; sie war ein wahrhaftes Medusenhaupt.

„Was haben Sie hier zu schaffen?" fuhr die Megäre ihn mit kreischender Stimme an.

sie stärker zu feffeln. Es hat dies eine gewisse Aehnlich- keit mit dem äußern Gottesdienste, welcher den großen Nutzen hat, daß durch den Widerschein der körperlichen Dinge Geist und Gedanke zu dem Wesen selbst hingesührt werden. Diese Früchte der Wissenschaft sind insbesondere von Basilius und Augustinus hervorgchoben, und Unser Vorgänger Paul III. hat den katholischen Schriftstellern anbefohlen, eines zierlichen Stiles sich zu bedienen, um die Irrgläubigen, welche allein das Verdienst der Gelehr­samkeit und die damit verbundene kluge Handhabung der Wissenschaften sich anmaßten, zu widerlegen.

Wenn Wir davon sprechen, daß die Pflege der Wissen­schaften von Seiten des Klerus nöthig sei, so meinen Wir damit nicht bloß die einheimischen Wissenschaften, sondern auch die griechischen und lateinischen. Wir müssen uns den Wissenschaften der alten Römer um so mehr hingeben, als die lateinische Sprache im ganzen Occidente die Begleite­rin und Helferin der katholischen Religion ist, und dann, weil nur Wenige oder doch nicht gar zu Viele damit eifri­ger sich befassen, so daß der Ruhm einer edeln und schönen lateinischen Schreibweise allmählich sich zu verlieren scheint. Aber auch in den griechischen Schriftstellern muß fleißig studirt werden; denn sie sind so vortrefflich und bieten nach jeder Richtung Beispiele, welche an Feinheit und Voll­kommenheit durch nichts übertroffen werden können. Dazu kommt noch, daß die griechischen Lettern bei den Orien­talen sich erhalten und sowohl in den kirchlichen Denk­mälern als auch im täglichen Gebrauche heute noch vor­kommen. Es soll dieses Studium nicht zum geringsten Theile auch deswegen gepflegt werden, weil die in den griechischen Wissenschaften Erfahrenen ein besseres Verständ- niß für die Latinität der Römer haben.

In Erwägung des Nutzens dieser Dinge hat die katho­lische Kirche, gleichwie sie alles Gute, Schöne und Lobens­würdige hoch hält, auch das Studium der freien Wissen­schaften, wie dies ihre Pflicht gewesen, stets hochgeschätzt und einen nicht geringen Theil ihrer Sorgen deren För­derung zugewendct. In der That haben die heiligen Väter der Kirche, so viel es die Zeitumstände einem Jeden ge­statteten, die Wiffenschaften gepflegt, und es gibt solche unter ihnen, welche so hoch standen im geistigen Schaffen, daß sie den hervorragendsten unter den alten Griechen und Römern nicht viel nachzugeben schienen. Der Kirche ist auch die überaus große Wohlthat zu danken, daß die alten Bücher der griechischen und lateinischen Dichter, Redner und Geschichtsschreiber dem Untergang entrissen wurden. Auch ist es Niemanden unbekannt, daß es Zeiten gegeben hat, wo die Wissenschaften theils der Sorglosigkeit und Vernachlässigung verfallen, theils unter dem Getöse der Waffen, welches ganz Europa erfüllte, verstummt waren und einzig und allein in den klösterlichen Niederlassungen und den Wohnstätten der Priester eine Zufluchtsstätte ge­funden gegen Zerstörung und Barbarei. Es darf ferner nicht übergangen werden, daß unter Unseren Vorgängern, den römischen Päpsten, viele gezählt werden, die berühmt waren durch ihre Wissenschaft in jenen freien Künsten, welche denen, die sie inne hatten, den Titel eines Gelehr­ten verliehen. Diesen Titel haben zu bleibendem Angeden­ken erhalten: Damasus, Leo der Große, Gregor der Große, Zacharias, Sylvester II., Gregor IX., Eugen IV., Niko­laus V„ Leo X. In der langen Reihe der Päpste wird

schönes Stück Geld eingebracht," entgegnete Pergon. „Uebrigens habe ich mir durch meine Colportage bereits viertausend Francs verdient, und wenn das so fortgeht, werde ich bald das große Stück Wiesenland "kaufen können, welches an meinen Garten stößt. Ich bin aus der Dauphine und habe daselbst ein schönes Häuschen erstanden. Freilich habe ich dafür sauer arbeiten muffen. Ich durchstreife Frankreich schon seit fünfzehn Jahren; man bekommt auf solchen Touren viele Menschen zu sehen, aber läuft sich zuletzt auch die Beine ab. Auf dem Jahrmarkts in Monih- lert) habe ich mir ein Paar neuer fertiger Schuhe gekauft, die mich drücken und den Fuß so wund gescheuert haben, daß ich vor Schmerzen nicht weiter kann. Da sagte ich mir denn beim An­blick dieser Mühle: Müller pflegen immer gute Leute zu sein. Ich will in die Mühle einkehren, und wenn ich dort auch nichts v rkaufe, um einen Labetrunk bitten. Man wird mir dort immerhin weniger anrechnen, als in einem Wirthshause."

„Ich habe nur Wein in Flaschen, welcher per Flasche dreißig Sous kostet."

„Das heiße ich allerdings nicht wohlfeil, aber ich bin's zufrieden, wenn er nur mundet."

Bei diesen Worten zog Pergon einen großen

kaum Einer gefunden werden, welchem die Wiffenschaften nicht sehr Vieles verdanken. Durch ihre Fürsorge und Freigebigkeit sind für die lernbegierige Jugend nach und nach Schulen und Kollegien, für strebsame Geister Biblio­theken errichtet worden; die Bischöse wurden veranlaßt, in ihren Diözesen der Wissenschaft dienende Institute zu er­öffnen ; die gelehrten Männer wurden mit Auszeichnungen geschmückt und durch die größten in Aussicht gestellten Be­lohnungen zur Erreichung des Besten angespornt. Dies Alles ist ebenso wahr als offenkundig, daß oft selbst dre Tadler des hl. Stuhles den ob ihres eifrigsten Strebens wohlverdienten römischen Päpsten öffentlich Beifall zollen.

Durch den offenbaren Nutzen und das Beispiel Unserer Vorgänger angetrieben, beschließen Wir daher, eifrig dafür Sorge zu tragen, daß auch diese Studien unter den Kle­rikern wieder erblühen unv Hoffnung geben für die Wie­dererlangung des alten Ruhmes. Durch deine Weisheit und Dein Wirken, geliebter Sohn, werden Wir, wie Wir zuversichtlich vertrauen, den eben dargelegten Plan in un- serm heiligen römischen Seminarium verwirklichen. Wir wünschen auf's Bestimmteste, daß in demselben eigene Schulen für Jünglinge schärferen Geistes und größeren Fleißes eröffnet werden, welche nach Vollendung des üb­lichen Kursus der italienischen, lateinischen und griechischen Wissenschaften unter geeigneten Lehrern in eben diesen drei Fächern sich weiter und vollkommener bilden können. Da­mit dieses nun nach Unserer Absicht gelinge, beauftragen Wir Dich, entsprechende Männer zu wählen, mit deren Rathschlägen und Thätigkeit unter Unserer Gewährleistung das Erforderliche geschehen möge.

Als Unterpfand der göttlichen Gnade und als Zeichen Unseres Wohlwollens ertheilen Wir Dir, geliebter Sohn, aus ganzem Herzen den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, den 20. Mai 1885, im achten Jahre Unseres Pontifikates. Leo P. P. XIII.

Q) Maske gegen Maske

Roman von A. Werner.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. M-n.

* lieber den Termin der Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause sind, nach der ,Magdeb. Ztg,', Beschlüffe noch nicht erfolgt. Man sei dieser Angelegenheit überhaupt noch nicht näher getreten. Es werde indessen vermuthet, daß die Wahlen erst gegen Ende Oktober stattftnden möchten. Treffe dies zu, so würde die nächste Session des preußischen Landtages kaum früher als in der zweiten Hälfte des November erfolgen können, vorausgesetzt, daß die Negierung daran festhält, überhaupt den preußischen Landtag vor dem Reichstag zu berufen.

* Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs- tags hat dem .Hamb. Korr/ zufolge in einer ihrer letzten Sitzungen die Frage erörtert, ob es zweck­mäßig wäre, einen Parteikongreß zu berufen. Es wurde beschloffen, für dieses Jahr davon ab-

„Wie Sie sehen", erwiderte Pergon demüthig, „bin ich ein sogenannter fliegender Buchhändler."

„Hier wird nichts gekauft'." schrie sie wüthend.

„Nur nicht so rasch", äußerte Pergon. „Ich dringe meine Zeitungen Niemanden auf und bin hauptsächlich hier eingekehrt, weil meine ?,üße mich nicht weiter tragen wollen und ich vor Durst ver­schmachte. Kann man hier nicht für Geld und gute Worte ein Glas Wein bekommen, und sich einige Stunden auf Ihrem Mehlboden ausruhen? Ich bin kein Geizhals", fügte er nachdrücklich hinzu, indem er dabei auf seine um den Leid ge­schnallte Geldkatze schlug, die einen Hellen Metall­klang von sich gab.

„Hier ist keine Herberge", brummte die häßliche Bewohnerin dieser sonderbaren Mühle.

„Das weiß ich", sagte Pergon mit einschmei- chelndem Ton, „aber das ist immerhin kein trif­tiger Grund, einen Menschen abzuweisen, der nur den Wunsch hegt, sich gegen reichliche Ver- gütung zu erquicken und auszuruhen."

„Sie scheinen U-berfluß an Geld zu haben", äußerte die Frau, indem sie den Colporteur^ mit verdächtiger Miene vom Kopf bis zu den Füßen maß. . „ L.

„Die gestrige Rundreise hat mir allerdings em

Leo XIII. und das Studium der Wissenschaft.

Mittels Schreiben vom 20. d. an den Kardinal- Vikar Parochi hat der h. Vater die Errichtung einer besonderen Schule zur Pflege der klassischen Studien am Seminar zu Rom angeordnet. Das Schreiben, welches von neuem den Beweis liefert, wie sehr das Streben Leo's XIII. auf Hebung der geistigen und wissenschaftlichen Tüchtigkeit des Klerus gerichtet ist, hat folgenden Wortlaut:

Leo P. P. XIII.

Geliebter Sohn! Gruß und apostolischen Segen!

Gewiß ist dir sehr wohl bekannt, was Wir oft nicht ohne Ursache gesagt haben: daß mit besonderer An­strengung und mit beständigem Eifer gestrebt werden müsse, daß der 'Priesterstand mehr und mehr durch wissenschaft­liche Bildung erglänze. Die Zeitverhältnisse bringen das Hervortreten dieser Nothwendigkeit mit sich, weil in dem großen Wettstreite der Geister mit dem so eifrigen Streben nach wissenschaftlicher Ausbildung der Klerus nie und nimmer mit der entsprechenden Würde und dem erwünschten Nutzen seinem Amt und seinen Pflichten würde obliegen können, wenn er die Geisteseigenschaften, welche von allen Andern so sehr angestrebt werden, vernachlässigen würde. Deshalb haben Wir Unser Streben auf die wissenschaftliche Ausbildung vornehmlich der Aspiranten des Priesterstandes gerichtet, und haben, von den ernsten Wissenszweigen aus­gehend, zunächst das Studium der Philosophie und Theo­logie auf die alte vom h. Thomas von Aquin geschaffene Grundlage zurückzusühren gesucht — ein Unternehmen, dessen Angemessenheit der Erfolg, welcher bereits erreicht worden ist, bestätigt.

Da aber ein sehr großer Theil der Gelehrsamkeit, sowohl des angenehm Wissenswerthen, als für den praktischen Verkehr Erforderlichen, in den freien Wissenschaften besteht, haben Wir beschlossen, Einiges sür deren Verbreitung anzu­ordnen. Hierzu gehört in erster Linie, daß der Klerus selbst eine hohe Meinung von denselben habe, weil der Ruhm der Wiffenschaft der bei weitem edelste ist, indem diejenigen, welche sie besitzen, als solche angesehen werden, die Großes erreicht haben, während Jene, die derselben entbehren, vornehmlich bei den Menschen jeder Empfehlung ermangeln. Daraus ist zu erkennen, wie listig und ver­brecherisch jener Plan des Kaisers Julian war, der den Christen die Ausübung der freien Studien verbot. Er wußte, daß die in den Wissenschaften Unerfahrenen bald der Verachtung anheimfallen, und daß das Christenthum nicht lange blühen werde, wenn es von dem Volke als den freien Künsten fernstehend angesehen wird. Weil wir aber nun ein Mal von Natur aus so beschaffen sind, daß wir von dem sinnlich Wahrnehmbaren zu dem Uebersinn- lichen emporsteigen, so ist fast nichts der Erkenntniß förder­licher, als die Fähigkeit und Geschicklichkeit, zu schreiben. Durch die natürliche und zierliche Sprachweise werden die Menschen in wunderbarer Weise angeregt, zu hören und zu lesen, und die durch den Glanz der Sprache beleuchtete Wahrheit vermag die Geister besser zu durchdringen und

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; ber Wiederholungen entsprechender Rabatt.