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gegen gebracht wird. Es scheint immer mehr, als ob mit der Arbeiterversicherung bei uns die „Sozialreform" erschöpft sein soll. Da die öster­reichische Industrie zum Theil unter viel ungün­stigeren Bedingungen als die unserige produzrrt, sollte man meinen, daß wir mindestens zu derselben Fabrikgesetzgebung gelangen können, die dem öster­reichischen Arbeiterstand nunmehr zu Theil wird.

* Seit Bekanntwerden des letzten Steinwurfs- Attentats vor dem Palais des Kaisers ist eine verschärfte polizeiliche Aufsicht angeordnet worden, denn man befürchtet, daß das Bubenstück leicht Nachahmer finden könnte. Das Palais des Kaisers wird von einer verstärkten Schutzmannspatrouille überwacht und außerdem sind die Schutzmanns­posten in der Nähe des kaiserlichen Heims wesentlich verstärkt, so daß dadurch das Entweichen eines Attentäters geradezu unmöglich gemacht ist. Außer­dem wird der Verkehr Unter den Linden durch die Kriminalpolizisten unausgesetzt überwacht.

• Die Gesammtzahl der katholischen Missio­näre wird auf 6700 berechnet. Davon sind 1000 Kapuziner, 2500 Franziskaner, 300 Oblaten, 700 Priester der auswärtigen Missionen, 1500 Jesuiten, 200 Lazaristen, 500 Dominikaner; auch das deutsche Missionshaus für Weltpriester, Steyl in Holland (unweit Kaldenkirchen) beginnt kräftig tn die Weinbergarbeit einzugreifen.

* Düsseldorf, 23. Mai. Entsprechend einer Verfügung des Kultusministers wurde die bisherige Simultanschule in der Friedrichstadt heute Nachmit­tag in zwei konfessionelle Schulen getrennt.

Mainz, 25.Mai. Die von dem Landtags­abgeordneten Jost hier herausgegebene periodische Zeitschrift „Kleine Zeitung" - gedruckt bei Ullrich in Offenbach — wurde auf Grund der 11 und 12 des Sozialistengesetzes verboten. Vorerst war nur eine Probenummer erschienen, aber die Verfügung verbietet gleichzeitig das fernere Er­scheinen des Blattes.

Q) Maske gegen Maske.

Roman von A. Werner.

Ausland.

* Linz a. d. D., 23. Mai. Von den Kanzeln unserer Diözese ist am letzten Sonntage der erste Hirtenbrief unseres neuen Oberhirten, Bischofs Ernst Maria, verlesen worden und Hal derselbe wegen seiner freundlich milden Sprache und seines erbauenden Inhaltes den Weg zum Herzen aller

Nein. Die Mühlräder werden fast nie in Be­wegung gesetzt und der Müller und die Müllerm entfernen sich oft auf längere Zeit, ohne daß man weiß, wohin sie verreisen."

Das dürften ihre Nachbaren doch wissen.

",Sie haben keine Nachbarn. Der Ort ist in desWortes eigentlicher Bedeutung eine Wüste. Vor Jahren ist in der Mühle ein Mord verübt worden und das Gerücht sagt, daß in Nachtzeit dort Ge- spenster umgehen. Aus dieser Ursache meiden Die nächsten Bewohner diesen Ort, und die Bauern würden bei Eintritt der Dunkelheit um keinen Preis die Mühle betreten. Selbst am Tage gehen ste nicht gern dahin. Die Mühle und das Haus sind wegen dieses Aberglaubens für einen Spottpreis verkauft worden." ,

,Es erscheint allerdings sonderbar, daß em Frem­der" diese Einöde zum Aufenthaltsort erwählt hat, doch liefert dieser Umstand nicht den geringsten Be­weis dafür, daß der betreffende Besitzer mit Tol- lart in Verbindung steht. In England wuchern die Originale und sie reisen gern. Em Engländer ist entweder ein Jäger oder ein Fischer."

„Kems von Beiden. In den beiden Flüssen, welche sich vor seinem Hause vereinigen, befinden sich keine Fische und die Jagd im angrenzenden Walde ist an Pariser Edelleute verpachtet."

„Um all' diese Nebenumstände zu erfahren, hast Du wohl sehr viel mit den Einwohnern gesprochen? Du wirst Dich doch nicht verrathen haben?"

„Seien Sie unbesorgt, ich brauchte nur zuzu­hören. Von der Magd des Geistlichen an bis zur Frau Bürgermeisterin, denen ich meine Schriften zum Kauf anbot, erzählten Alle Geschichten von diesem Atkins."

„Die wohl in der Hauptsache erfunden fern werden, denke ich. Jener Engländer heißt also Atkins?"

„Ja, Georg Atkins. Er soll noch nicht vierzig Jahre alt sein und nach dem übereinstimmenden Ur- theile der Dame stattlich aussehen."

„Atkins, Atkins," murmelte Lebrun. „Dieser Name fingirt nicht in dem Verzeichniß, welches Cambrenner mir zugestellt hat."

„Was die Tochter Cambrenner's anbelangt, so habe ich mich angelegentlich nach ihr erkundigt, ohne indeß die geringste Spur von ihr entdecken zu können. Man wird die Kleine nirgends ge- sehen, auch keine Kindesleiche aufgefunden haben.

Zeitung' bei allen Postanstalten und Briefboten, sowie bei der Expedition und den Zeitungsträgern zum Preise von 50 Pfg. (excl. Bestellgeld) an­genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Mai.

* Es wird bestätigt, daß die nächste Sitzung des Bundesraths erst am 4. Juni stattfindet, da der Justizausschuß erst wenige Tage vorher die Be- rathung des preußischen Antrags, betreff. B r au n - schweig, beginnen wird. Daher ist es möglich, daß dieser Antrag am 4. Juni noch nicht zur Ent­scheidung kommt.

* Der Herzog von Cumberland hat laut der ,Fr. Z.' den hiesigen Blättern zufolge gestern an die europäischen Höfe ein Rundschreiben erlas­sen, welches gegen den preußischen Antrag beim Bundesrath protestirt und ihn als eine Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.

» Die seiner Zeit von der,Kreuzztg.' geäußerte Befürchtung, daß uns Oesterreich auf dem Ge- biete der Sozialreform überflügeln werde, kann nunmehr als vollständig eingetroffen gelten. Nicht allein, daß uns Westösterreich in der Handwer­kergesetzgebung durch die Einführung der obligatorischen Genossenschaften und des Befähr- qungsnachweis es schon vorangegangen ist, ist es uns auch auf dem Gebiete der Fabrikgesetz­gebung vorausgeeilt. Die unlängst vom Parla­ment beschloffene „Arbeiter-Ordnung' wird neuerdings mit Entschiedenheit zur Durchführung gebracht. Es fallen, wie Wiener Blätter berichten, die Verordnungen wegen der Sonntagsarbeit, der Arbeitspausen, der Ueberstunden, der zwölften Stunde über den elfstündigen Normalarbeitstag, der Nachtarbeit der jugendlichen Arbeiter und der Frauenspersonen, ferner die Verordnungen wegen Abänderung der auf die Fachschulen bezüglichen Bestimmungen bereits in der Ausarbeitung be­griffen sein, und demnächst zur Publikation ge­langen. Nach den echt manchesterlichen Auslassun­gen des Reichskanzlers über die Sonntagsarbeit ist bei uns wenig Hoffnung vorhanden, daß in den maßgebenden Kreisen dem Ausbau unserer Fabrikgesetzgebung das gebührende Interesse ent-

Diözesanen gefunden. Es ist ein Friedensgruß in des Wortes schönster Bedeutung und ein wahrhaft apostolisches Schreiben. — Das erste Ce ntena- rium des selbstständigen Bestandes unserer Diö­zese soll zu Michaeli festlich begangen werden und hat sich bereits ein Comito gebildet, das ein Pro­gramm für die aus diesem Anlaffe zu veranstal­tenden Festlichkeiten entwerfen soll.

— Die s. Zeit gegebene Anregung, es möchten sich zur Förderung des Salzburger kathol. Uni- v e r s i t ä t s Projektes allerorts in den einzelnen Diö­zesen besondere Comitö's und Ortsgruppen bilden, wird jetzt in der St. Pöltener Diözese realisirt und hat sich dort ein besonderes Comito unter dem Vor­sitze des Domkapitulars Dr. Willmonseder gebildet.

* Brüssel, 24. Mai. Der internationale Kongreß für Binnenschifffahrt zählt bis jetzt 300 Theilnehmer. In der Ausstellung werden die Pläne und Modelle für den Frankfurter Hafen besonders beachtet. Morgen Früh ist die erste Sitzung, heute Abend festlicher Empfang ttn Börsenhause.

* Paris, 25. Mai. Da der Ministerrath be­schlossen hatte, das Entfalten von rothen Fahnen in den Straßen von Paris zu verbieten, so gab der Polizeipräfekt Befehl, bei der Feier, welche gestern zu Ehren der Todten der Commune statt­finden sollte, die Entfaltung rother Fahnen nur auf der Grabstätte der Föderirten zu erlauben, nicht aber in den Straßen und auch nicht in den übrigen Theilen des „Pere Lachaise“. Diese Anordnung war zu komplizirt, um verstanden zu werden. Bei dem einen Verein, der um 2 Uhr mit einer rothen Fahne in den Kirchhof einzog, befand sich Longuet, Redacteur der.Justice', wel­cher vor einen Polizeioffizier gezerrt wurde, aber von ihm eine Entschuldigung erhielt. Rach kurzem Handgemenge wurde die rothe Fahne eingezogen. Auf der Grabstätte wurden mehrere Reden gehalten. Eine neue Gruppe, welche mit einer rothen Fahne abmarschirie, wurde laut begrüßt, was der Polizei Anlaß gab, die Fahne in Fetzen zu reißen. Hierauf kam es zu einem blutigen Kampfe, allein nachdem die Polizei allmählig verstärkt worden war, säuberte sie den Kirchhof. Mehrere Polizisten sind durch Steinwürfe tödtlich verwundet. Man zählt im Ganzen Verwundete: 15 Polizisten, 15 Gardes Republicaines und 55 Demonstranten. Einige Anarchisten, welche in der Salle Graffard ver-

Sollten die Elenden das arme Kind hierher ge­bracht haben, so bewachen sie es sorgfältig und haben es bis jetzt nicht getödtet. Heber diesen Punkt habe ich mich beruhigt."

„Wie aber, wenn man den Leichnam im Keller vergraben oder in's Waffer geworfen hätte?"

„Allerdings", erwiderte Pergon, „fehlt es dieser Gegend nicht an Waffer. Man könnte hundert Mühlen wie diejenige des Engländers damit in Bewegung setzen."

„Wie viele Personen bewohnen die Mühle?" „Man sieht dort drei Leute: einen Mann, eine Frau und einen Burschen, der die Hausarbeiten verrichtet. Uebrigens soll dort ein fortwährender Personenwechsel stattfinden. Einer geht, ein An­derer kommt, und nach einigen Tagen erscheint Ersterer wieder."

„Das ist allerdings sonderbar."

„Um nicht zu sagen, verdächtig", bemerkte Per- gon. „Ich habe mich entschloffen, morgen unter irgend einem Vorwande in das Innere der Mühle zu bringen."

„Und ich will morgen dem Engländer einen Besuch abstatten."

„Sie werden ihm Ihren Wein offeriren, nicht wahr? Das ist bei ihm angebracht, denn der Wein

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