Einzelbild herunterladen
 

JW 116.

Sonnabend, den 23. Mai

I K

..

1885.

Di« .Fuldaer Zeitung^ erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumeitt in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

** Zum 25. Mai 1885.

(Nachdr. Derb.) gsrxie Sonnenkugel sinkt 5^1 F Purpurglühend hinab, Und in die Zeitenurne

Fällt die letzte Stunde Der acht mal hundert Jahre, Deren wolkengrauen, blassen Flor Sonnengewaltig immer wieder Und flammend durchbricht Gregors, des Heldenpapstes, Des hüttengebornen. Strahlende Größe.

Nicht dem Hirten vergleiche sein Bild Der an grünendem Hange Friedlicher Lämmer wacht;

Der streitenden Kirche Feldherr Stand er unerschüttert, heldengroß, Im Kampfe der Geister, Trieb er kühn das Schifslein Durch die Brandung der Zeit Ueber Klippen hinweg und stürmende Woge». Nimmer vergessen wir

Des eisernen Papstes Leuchtende Festigkeit und Kraft. Aber nimmer auch Vergessen wir, Kinder der deutschen Erde, — Des Königs Jammerbild, Der, eigner Noth gehorchend, Nicht dem inner'» Drange, Im Schloßhof zu Kanossa stand, Mit Dulderschmerz und Reuequal Ein treulos wankelmüthig Spiel zu treiben. Das war nicht deutsche Art, Durch Heuchlerlist und trotz'ge Tücke Den Fluch des Bannstrahls abzuwenden.

Das war nicht Davids Bild, des großen Büßers, Deß' Name klingt wie Harfenton

Und wie ein Rettungslicht den tief Gefall'nen

2) Maske gegen Maske. 156

Roman von A. Werner.

„War diese Engländerin die „Pique-Dame" ?" „Errathen. Eine solche Schönheit, sagte er, sei in ganz Paris nicht zu finden. Er war, wie ich merkte, in die Engländerin vernarrt. Er lud mich ein, mit ihm zu gehen, da er mir Gelegenheit verschaffen könne, sie kennen zu lernen. Ich lehnte die Einladung ab."

„Ach, wären Sie doch mitgegangen, dann wäre das Unglück verhindert worden!"

„Glauben Sie? Ich bin der Ansicht, daß man dann statt zwei, drei Leichname vorgefunden haben würde," versetzte Funeux mit kläglicher Geberde. „Würde ich der Einladung gefolgt sein, so säße ich jetzt nicht hier, um mit Ihnen Champagner zu trinken."

„Hat denn der Mörder zwei Personen getödtet?" fragte Herr Lebrun, sich unwissend stellend.

„Der Elende hatte Theilnehmer, — einen der­selben verhaftete man, als er sich anschickte, die ermordete Dame in einem Koffer fortzutragen, — erinnern Sie sich doch, es war der Taubstumme, den man später so geschickt entkommen ließ. — Und ferner, der Mörder hatte Collin tödtliche Rache geschworen und sich vorgenommen, ihn an diesem Abend zu tobten. Wie würde meine Ge­genwart ihn daran verhindert haben?"

„Woher wissen Sie, daß der Mörder ihm Rache geschworen und ihn tobten wollte?"

„Collin hat mir Anbeutungen gegeben, bie über diesen Punkt keinen Zweifel entstehen lassen. Er äußerte unter Anderm: „Wie glücklich würbe ich fein, wenn dieser Engländerin nicht ein Mann nachstellte, der sie zu entführen gedenkt. Er hat sie vor Jahren in London kennen gelernt und sie hier wieder gesehen. Sie sagte mir, daß er ihr gedroht hätte, sie zu ermorden, wenn Sie ihn ab»

Auf dunklem Pfade tröstlich winkt.

Kanossa — tönt es klagevoll

Durch Deutschlands ruhmbedeckte Gauen, Und von des Meeres Felsenküste Tönt das Echo dumpf zurück Den Schmerzenslaut Kanossa.

Wir möchten trauern, möchten jubeln Bei dieses Schauspiels grellem Widerstreit, Denn wie das Feuer nicht Des Wassers Mischung duldet, So reckt, indeß wir Gregors Stärke Bewundernd schau'n, Der vaterländ'sche Stolz sich auf. Und Zorn ergreift die Mannesbrust.

Leise aber vom Himmel nieder Kommen Engel des Friedens, Das allzu menschliche Herz Mit Lilienstäben berührend, Und voll von hoher, göttlicher Milde, Weilt das Auge, versöhnungsinnig. An heiliger Stätte, Wo schützend über dem Kaisergrab Des Domes hohe Wölbung ragt. Und die Engel des Friedens Tragen hinauf zum Sternenthrone Des Allerforschers, des Allgerechten, Tiefbewegter Herzen Heißes Flehen:

Vater im Himmel, Urquell der Liebe, Starker Helfer in Sturm und Noth, Deinem Schutze vertrauen wir, Wenn die Sirenenklänge sündiger Lust Süß verlockend uns bethören, Oder die Schlangenlist der Welt Ränke schmiedet in heimlicher Falschheit; Stärke uns, Allweiser, im Kampfe Gegen die Lügenzungen und Heuchler, Die den vaterlandschirmenden Glauben hassen Und seine Hüter;

Erhalte Szepter und Hirtenstab In würdiger Hand

Und lenke die Machtgewaltigen immerdar

Auf die Wege des Friedens! D.

weisen würbe. Sie hatte ihre Koffer packen kaffen unb aus Besorgniß vor biefem Menschen mir mitgetheilt, baß sie noch in jener Nacht Paris verlaffen wolle.

„Hat er Ihnen weiter nichts mitgetheilt?" fragte Lebrun mit einer Stimme, bie unwillkürlich bebte. „Hat er Ihnen nichts weiter über ben Verfolger mitgetheilt?"

„O, ja. Er hat ihn mir als einen Mann von etwa breißig bis vierunbbreißig Jahren geschilbert, mit schwarzem Bart, breiten Schultern unb von kräftigem Körperbau. „Nichtsbestoweniger aber," prahlte Collin, „fürchte ich mich nicht vor ihm unb werbe ihn nach Gebühr bestrafen." Armer Collin, mit seinem Helbenmuthe war es nichts, benn ber eleube Verbrecher Lebrun streckte ihn mit einem Schlage seines Stockes zu Boden, ehe er Zeit gewann, eine Hanb zu erheben."

Als Funeux ben Namen Lebrun aussprach, zuckte ber unglückliche Vater zusammen, als wenn er zum zweiten Male bas Tobesurtheil seines Sohnes ver­nommen hätte.

Nach her Beschreibung ber Person, bie Funeux von bem Mürber entworfen hatte, konnte kein Zwei­fel mehr obwalten, baß sie bas Portrait seines Sohnes sei, wenigstens paßte sie nicht auf Tollart. Herr Lebrun, von einer bangen Ahnung erfüllt, wollte sich eben mit einer neuen Frage an feinen gesprächigen Tischgenossen roenben, als plötzlich bie Thür geöffnet würbe unb ber Wirth erschien, um Funeux zu einer Partie Piquet mit bem Maire bes Ortes aufzuforbern. Funeux bejahte unb er­hob sich schleunigst von seinem Sitze. Er bebauerte, einer so angenehmen Gesellschaft entsagen zu müs­sen unb empfahl sich. Lebrun begab sich ebenfalls auf sein Zimmer unb überließ sich hier einer Fülle von traurigen Gebauten unb Erwägungen.

Gegen 10 Uhr Abenbs traf Lebrun verabredeter- maßen mit Pergon vor ber Kirche zusammen.

Preß-Gebote für Mitarbeiter und Leser von Zeitungen.

1. Was Du auch einer Zeitung mittheilen willst, thue es rasch und schicke es sofort ein; denn was neu ist, wenn Du es denkst, wird es vielleicht nach wenigen Stunden nicht mehr sein.

2. Sei kurz: Du sparst damit die Zeit des Redakteurs und Deine eigene. Dein Prinzip sei: Thatsachen, keine Phrasen, keine Reflexionen.

3. Sei klar: schreibe leserlich, besonders Namen und Ziffern.

4. Schreibe nicht „gestern" oder „heute", sondern den Tag oder das Datum.

5. Setze mehr Punkte als Kommata, aber vergiß keine von beiden.

6. Korrigire niemals einen Namen oder eine Zahl; streiche das fehlerhafte Wort durch und schreibe das richtige darüber oder daneben.

7. Die Hauptsache: Beschreibe nie, nie, nie beide Seiten des Blattes. Hundert Zeilen auf einer Seite ge­schrieben, lassen sich rasch zerschneiden und an die Setzer vertheilen; auf beiden Seiten beanspruchen sie die Arbeit eines Setzers für lange Zeit. Dadurch kommt es oft, daß ein Beitrag heute keine Aufnahme mehr finden kann und für morgen zurückgelegt werden muß, oder auch überhaupt nicht berücksichtigt wird, weil er veraltet.

8. Bei Allem, was Du schreibst, gib der Redaction Deinen Namen an. Nur dann kann dieselbe den Werth der Mittheilung beurtheilen.

9. Bezeichne Deine Adresse und sei dabei beruhigt, daß der Name eines Korrespondenten, wenn er es wünscht, unter allen Umständen geheim gehalten wird.

10. Lies stets das Geschriebene, ehe Du es abschickst, noch einmal durch: Du wirst fast immer noch etwas zu beffern finden.

11. Spare bei wichtigen Ereignissen das Telegramm nicht. Die Kosten werden gern ersetzt. Bei hervorragend wichtigen oder interessanten Ereignissen scheue auch ein „dringendes" Telegramm nicht, obschon die Kosten die dreifachen sind. Aber klar, wenn auch knapp, abfassen.__

„Bist Du auch Deiner Sache gewiß," fragte Lebrun, „baß uns Niernanb gefolgt ist, um unser Gespräch zu belauschen?"

„Sie brauchen nichts zu befürchten," beruhigte ihn Pergon.

„Ich frage Dich, weil ich heute Morgen mit einem ältlichen Herrn Bekanntschaft gemacht habe, ben ich für einen Spion halte."

„Er heißt Funeux, nicht wahr?"

„Woher kennst Du seinen Namen?"

„O, ich habe noch manches Anbere in Erfahrung gebracht, was uns von Nutzen fein kann. Uebrigens kennt ihn ganz Savigny. Inzwischen bin ich nicht müßig gewesen, mich nach Allem zu erkundigen habe mir erzählen lassen, baß ein Herr unb eine Dame aus Paris ein in nächster Umgegend be- legenes schloßartiges Gebäude auf ein Jahr gerate» thet hätten. Es liegt bei Morsang am Fuße eines Berges unb soll von ihnen nicht bewohnt sein, fon» bern sie kommen nur von Zeit zu Zeit dahin, um sich daselbst einige Tage aufzuhalten. Sie empfan­gen Keinen unb Niemanb kennt sie. Das scheint mir bas Wilb zu sein, welchem wir nachspüren."

„Jebensalls müssen wir darüber Nachforschungen anstellen. Hast Du noch mehr gehört?"

„Es soll sich ferner in der Umgegend Savigny's ein Engländer aufhalten, der in einem Hause wohnt, welches dicht neben einer Mühle liegt. Man sagt, daß er stets am Tage berauscht sei."

„Das ist doch nichts Außergewöhnliches," meinte Lebrun.

„Wer weiß! Sobald ich nur von einem Eng­länder höre, öffne ich Augen und Ohren. Die Pique-Dame war eine Engländerin — und über­dies erregt der Mann Aufsehen. Man sagt, daß er Kvrnspekulant gewesen sei und seinen Reichthura auf unehrliche Weise erworben habe. Niemand weiß, weshalb er sich hier ansässig gemacht hat."

„Er wird die Mühle betreiben." (Forts, f.)