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JM 116.

Sonnabend, den 23. Mai

Fuldaer

1885.

— mit der

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis o, „ „

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Erstes Blatt.

Die nächste Nummer dieses Blattes erscheint am Dienstag.

** Pfingsten.

(Nachdruck verboten.) /le heilger Geist, der auf die Jünger Du z'SZ Die Fülle Deiner Gaben ausgegossen,

So daß sie muthig traten in die Welt, Begeistert, glaubenseifrig und entschlossen, O gib auch mir ein Fünklein jener Gluth, Die allgewaltig zündet im Gemüthe, Daß meine Dichtung Dir ein Loblied sei. Und mich vor Wahn und Jrrthum Gott behüte. Wie thöricht sind die armen Menschen doch, Die da von einstudirter Weisheit strotzen Und, aufgebläht von eitlem Wissensqualm, Dem schlichten Wort der Gotteswahrheit trotzen; Sie mögen alle Fasern des Gehirns Und allen Wissenskram zusammenraffen, Der wahren Weisheit Born ist doch das Herz, Und nur Begeisterung kann Großes schaffen. Daß schlichte Männer aus des Volkes Schooß Urplötzlich nie erlernte Sprachen reden Und, klein an Zahl, doch mit Erfolg Dem Strome dieser Welt entgegentreten, Auch diese Wunderthat begreifst du nicht Mit deinem schwachen menschlichen Verstände; Es ahnt sie nur, wem je einmal das Herz In reiner Himmelsgluth für Gott entbrannte. Der Himmelsflamme hehre Wunderkraft Erwirbt sich nicht in mühevollem Ringen, Was Gott den Auserwählten gibt in's Herz, Es läßt sich nicht erlernen und erzwingen; Mas je ein Künstler Herrliches erdacht, Was je die Menschen göttlich Hohes schufen, Es mar ein Geisteshauch vom Himmel her. Es war das Werk, zu dem sie Gott berufen. Doch dieser Gottesgeist ist nicht der Geist Des Weines, der die Glieder, die erschlafften. Zu immer neuem Sinnentaumel reizt. Daß hell aufzischt die Gluth der Leidenschaften; Entsagung, Arbeit, Selbsterniedrigung, Das sind des Himmelslichtes gold'ne Wellen, Die jedem staubgebor'nen Erdenkind Das Herz erwärmen und den Geist erhellen. Und wo ein Menschenherz durchdrungen ist Von Himmelssonnengluth und Himmelsklarheit, Ihm ist, als wehe heute durch die Welt Ein frischer Hauch der Liebe und der Wahrheit; Was hilft des Landmanns Fleiß, was nützen uns Der Schöpfung schöne Formen und Gestalten, Was helfen alle Schätze dieser Welt, Wenn Wahrheit nicht und Liebe drinnen walten? O heil'ger Geist, o gib auch uns die Kraft, Dem breiten Strom der Thorheit nicht zu weichen Und zu des Menschendaseins hohem Ziel Auf Adlerschwingen kühn empor zu steigen. Und jeder Hauch und Funke mahne uns, Ob Wahrheit sei in unser'm Thun und Handeln, Ob Haß, ob Liebe sei in uns'rer Brust, Und ob wir stets die Wege Gottes wandeln.

Dann wird sich einst, wenn wir von hinnen geh'n, Ein guter Geist in's Herz der Kinder senken, Dann werden sie zu ihrem Tröste stets Des Wortes ihrer Väter gern gedenken. Und was wir Hohes, Herrliches gewollt, Und was nur Stückwerk blieb in unfern Händen, Das werden Kind und Kindeskinder einst Zur Ehre Gottes sieggekrönt vollenden. D.

£ Zum hl. Pfingstfeste.

(Nachdr. verb.)

Von jeher wurde Pfingsten auf das feierlichste und heiligste begangen. Schon im alten Bunde opferte man an diesem Tage dem Jehova die Erstlinge der Früchte, sieben mackellose Lämmer, ein Kalb und zwei Widder. Nach dem Tode Christi aber gab der Himmel ein deutliches Zeichen, daß es mit seinem ganzen Glanze auch in den neuen Bund mit herübergenommen werden sollte. Als an diesem Tage ungeheuere Schaaren von Juden sich in Jerusalem eingefunden hatten, kam

vor ihren Augen der heilige Geist in Gestalt feuriger Zungen auf die Häupter der Apostel herab. Das Pfingstfest wurde also vom ersten Anfang an dem Christenthume eingefügt und be­hielt in der Folge stets seinen feierlichen und hei­ligen Charakter bei. In Frankreich ahmte man während des Gottesdienstes das feierliche Brausen mit der Trompete nach, von den Gewölben fielen Feuerzungen, welche über den Häuptern der Gläu­bigen erloschen. In Sicilien läßt man noch heute einen Rosenregen von den Gewölben fallen. Aber mehr als die äußere Symbolisirung gilt uns das innere Wesen, die Spendung der Gaben des hei­ligen Geistes, von denen die Beredtsamkeit sich sofort auf dem ersten Pfingstfeste offenbarte. Auch heute ist die Gabe der Beredtsamkeit eine große Macht, aber leider macht sie sich vielfach nur zum Verderben der Menschen geltend. Während die Apostel mit Feuerzungen das Evangelium ver­kündeten und alle Völker der Erde einluden, sich demselben zu unterwerfen, findet heute vielfach das gerade Gegentheil statt. Unter den Aposteln der heutigen Wissenschaft, welche berufen sein sollten, die Wirkungen des heiligen Geistes auch in der studirenden Jugend lebendig zu erhalten, gibt es viele, welche nicht vom heiligen, sondern vom bösen Geiste getrieben werden, und deren beredte Lippen die Wahrheiten des Evangeliums verhöhnen, statt sie auf den Gebieten des Wiffens zum Grund- und Eckpfeiler zu machen. Es kann nicht bestritten werden, daß von den hohen Lehrstühlen herab der Grund zum Unglauben gelegt, und daß derselbe aus den Hörsäken hinaus in das Volk getragen worden ist. Aber damit war man noch nicht zu­frieden, auch die Volksschule sollte eine Stätte des Widerspruches, ein Heerd antireligiöser Anschau­ungen werden. Hier aber wird sich die Brandung des Meeres des Unglaubens finden, und die Felsen­ufer des treu gebliebenen Theiles der Christenheit werden die Waffer der Empörung auf die Urheber der Sturmwellen zurückschleudern. Die falsche Beredsamkeit macht sich auch in den Parlamenten und namentlich in der schlechten Preffe breit; dort ertönen vielfach nicht mehr die Feuerzungen der apostolischen Weisheit, sondern der Selbstsucht, des Eigennutzes, der Glaubenslosiqkeit und des Hasses gegen Christenthum und Kirche. Christus liebte die Armen und Bedrängten und lieh ihnen allent­halben seine Hilfe, und die göttlichen Gesetzbücher sind alle von den Feuerzeichen der christlichen Nächstenliebe durchleuchtet. Viele Gesetze unserer Tage sind in ihren Grundzügen auf die Macht der Starken gebaut; die Schwachen und Armen werden den zermalmenden Sohlen der Mächtigen preisgegeben. So aber ist die Botschaft des hei­ligen Geistes nicht zu verstehen. Das Brausen machte die zu Jerusalem Versammelten auf ein außerordentliches, ein neues Ereigniß aufmerksam, und als die Feuerzungen die Menschenzungen weckten, da war ihre erste Thätigkeit die Ver­kündigung des Evangeliums der Armen. Und dieses Evangelium sollte nimmer Wechsel nnd Aenderung erfahren, sondern bleiben und befolgt werden, bis am jüngsten Tage die Sterne vom Himmel fallen. Die Prediger des Unglaubens aber, welche die feurigen Zungen von ihren Häuptern verscheuchen, wirkten im entgegengesetzten Sinne; sie haben die Moral verdorben, die Herzen ver­fälscht, die Zucht verkehrt, die Gefängnisse bevöl­kert, den Eid zum Spott gemacht, die Kirche und ihre Diener in Fesseln geschlagen, Christenthum und christlichen Geist aus Staat und Familie ver­drängt, die Arnien zu Sklaven gemacht, die Sozialdemokratie und den Anarchismus gezeugt und großgezogen. Am lieblichen Pfingstfeste sprießen Blätter und Blüten zur Augenweide und

Herzensfreude für Arme und Reiche. Laßt auch Halm und Aehre für Beide wachsen. Kehret zu­rück zur richtigen Beredsamkeit, deren Fundament die christliche Nächstenliebe ist. Thut ihr dieses, so werdet ihr nicht allein diese Gabe des heiligen Geistes haben, sondern auch die anderen in den Kauf bekommen. Wir rufen den Volksvertretern und den mächtigen Staatslenkern zu: Seid mit euerer Beredsamkeit für das Volk da, und nicht für selbstsüchtige Macht- und Parteiinteresten. Sorgt dafür, daß im ganzen lieben deutschen Vaterlande diejenigen, welche berufen sind, den heiligen Geist zu predigen, wieder unbehindert den Einzug desselben in die Herzen des Volkes bewerkstelligen können, werfet eine Brücke über den reißenden Strom des Kulturkampfes, laßt Friede und Glück wieder einkehren in die Herzen des katholischen und des ganzen christlichen Volkes, pfleget wieder den echt religiösen Geist in den gottentfremdeten Massen, lehrt sie, das Heil ihrer Seele höher schätzen, als irdische Vortheile. Wer die Gaben des heiligen Geistes in diesem Sinne anwendet, dem wird auch das heilige Pfingstfest wahrlich mehr sein, als ein Naturfest im Sinne des unchristlichen Zeitgeistes, es wird sein Herz in dankbarer Begeisterung, in Demuth und Gebet emporlenken zu dem, dessen Gnade und Güte wir Alles verdanken, und der von einem Jeden einst Rechenschaft fordern wird über die Gaben des heiligen Geistes, die er ihm anvertraut.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Mai.

* Der Kaiser, der etwas erkältet war, hat sich wesentlich erholt — Die Masernkrankbeit des Erbgroßherzogs von Baden verläuft regelmäßig und gefahrlos. — Die Abreise des Gouverneurs für Kamerun, Herrn von Soden, und des Kommissars von Kamerun, Herrn von Puttkamer, eines Sohnes des Vizepräsidenten des Staats­ministeriums, nach Westafrika ist auf den 1. Juni festgesetzt.

* Der mittelparteiliche Spuk taucht wieder auf wegen der preußischen Landtagswahlen. Dieses Mal macht die ,Schlesische Zeitung' den Anfang. Die selbstständigeren konservativen Blätter ver­halten sich den mittelparteilichen Zumutbungen gegenüber abermals ablehnend. Der .Reichsbote' sagt u. a.: „Uns evangelischen Konservativen würde es lieber sein, mit evangelischen Liberalen gehen zu können als mit dem Centrum — aber was ist denn mit diesen Liberalen anzufangen?" Die Centrumspartei wird es an entschiedener Stellungnahme zu der Mittelpartei auch dieses Mal nicht fehlen lasten.

* Zur braunschweigischen Frage, welche gegenwärtig in den Vordergrund der Diskussion gerückt ist, äußert sich die ,Germ.' u. A.: „Heute liegen auch die katholffchen Preßstimmen aus der Provinz vor, welche einstimmig in der Verurtheilung des bekannten Antrages sind. Das legitime Recht des Herzogs von Cumberland auf die Nachfolge in Braunschweig, welches nur vereinzelte Blätter aus dem gegnerischen Lager bestreiten, steht bei der katholischen Preste insgesammt fest. Von diesem prinzipiellen Standpunkt aus, der mit Personen­fragen nichts zu thun hat, wird dann der Antrag Preußens als Bruch mit der Legitimität hingestellt und als solcher wie in seinen Konsequenzen ver- urtheilt..... Es thut einem in der Seele weh, daß man eine monarchische Regierung gegen einen solchen Vorwurf, desten Logik unbestreitbar, nicht vertheidigen kann. Wenn die Demokratie jetzt schadenfroh den Stab über die Fürstenthümer bricht, so läßt sie dabei außer Acht, daß die