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JM 115

Freitag, den 22. Mai

1885.

Fuldaer

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Das Limburger Bischofsfest.

(Schluß.)

Es war kurz nach 11 Uhr, als der Bischof von Fulda das Tedeum anstimmte, welches brausend durch die Hallen des Domes erklang, begleitet von dem Geläute der Glocken und dem Donner der Böller, die weithin verkündeten, daß die hl. Weihe vorüber sei. Nun durchschritt der Neugeweihte die Kirche und ertheilte dem auf den Knieen liegenden gläubigen Volke zum ersten Male den bischöflichen Segen. Alsdann nahm er, auf seinem Throne sitzend, die Huldigung des Diözesan-Klerus ent­gegen, welche die Geistlichen knieend leisteten, in­dem sie den bischöflichen Ring küßten.

Jetzt trat der Bischof vor und richtete in einer kurzen Ansprache ergreifende Worte an seine Diö­zesanen. Er gab dem Gedanken Ausdruck, daß er in dieser Stunde, in welcher er zum ersten Male als Bischof vor seine Diözesanen hintrete, sich der großen Verantwortung des bischöflichen Amtes wohl bewußt sei; er habe den festen Vor­satz, mit der Gnade Gottes dieses heilige Amt im Geiste Jesu Christi, nach der Lehre der Apostel und den Satzungen der Kirche, zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen zu verwalten. Alle Kräfte der Seele und des Leibes wolle er Gott in seinem heiligen Amte aufopfern. Er habe das feste Vertrauen, daß das gläubige Volk der Lim­burger Diözese, welches seinem nun in Gott ruhen­den würdigen Vorgänger mit so großer Txeue, Gehorsam und Liebe m guten und schweren Tugeu zur Seite gestanden habe, auch ihn mit gleichem Gehorsam, Liebe und Hingebung als Oberhirten anerkennen werde; gelte es doch nicht seiner un­würdigen Person, sondern dem Amte des Bischofs. Zum Schlüsse sagte der hochw. Bischof herzlichen Dank für die großen und zahlreichen Beweise der Liebe, welche ihm heute und in den letzten Tagen erzeigt wurden, und kündigte einen Hirtenbrief an, welcher am Pfingstmontag von allen Kanzeln der Diözese verlesen werden soll. Zum Hochaltäre zurückgekehrt, gab der Neugeweihte den feierlichen bischöflichen Segen.

In festlichem Zuge und unter dem Geläute aller Glocken wurde der Bischof, begrüßt von dem Jubel des Volkes, in seine Wohnung zurückge­leitet, worauf im bischöflichen Hause die offizielle Gratulation des Domkapitels, der Geistlichkeit, der

Behörden, des Festkomitee's und zahlreicher De­putationen erfolgte. An dem offiziellen Festesten im „Preußischen Hof" nahmen ungefähr 160 Per­sonen Theil.

Den ersten Toast brachte der Bischof von Lim­burg auf Papst und Kaiser aus, im Hinblick auf das Zusammenwirken der beiden Gewalten, welches ermöglicht habe, daß der Bischofsstuhl von Lim­burg wieder besetzt sei. Den zweiten Toast brachte der Bischof von Fulda aus. Schon bei der Kon­sekration der beiden Bischöfe von Trier und Hildes­heim habe man Hoffnung auf vollständigen Frieden zwischen Staat und Kirche gehabt; doch sei heute bei diesem dritten Bischof, welchen er konsekrirt habe, dieser Friede leider noch nicht vollständig. Mit seinem Toaste könne er deßhalb die Erfüllung der allgemeinen Friedenshoffnungen nicht feiern; sein Trinkspruch galt dem hochw. ncugeweihten Bischof von Limburg. Bischof Roos von Lim­burg erhob sich abermals, um die Bischöfe von Fulda, Trier und Hildesheim zu feiern, welche stets Freud und Leid mit der Diözese Limburg theilten. Ein weiterer Toast des Bischofs von Limburg galt dem Ober-Präsidenten von Hessen- Naffau, Graf zu Eulenburg, welcher sich stets als ein wahrer Edelmann gezeigt habe. Graf zu Eulenburg antwortete mit einem Toast auf den Regierungs-Bezirk Wiesbaden, speziell die Diözese Limburg.

Das Festbankett endigte um 7 Uhr Abends. Mit begeisterten Hochs wurde der Neugeweihte auf .'seiner Rückfahrt \uä, dem bischöfliche» Pastris von den Volksmassen begrüßt, welche sich in den Straßen Limburgs bewegten.

Am Abend beim Fackelzug der Bürger strahlte ganz Limburg in einem Feuermeer. Vor dem bischöflichen Hause wurde dem Herrn Bischof eine glänzende Ovation dargebracht. Kaufmann Cahensly gab in beredten Worten der Liebe und Verehrung der Bürger Limburg's Ausdruck und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Herrn Bischof. Strahlend erglänzten nun in einem Feuermeer die Worte: Johannes Christian! Der Bischof erwiderte in herzlicher Weise und schloß mit einem Hoch auf die gute Stadt Limburg und seine treue Diözese. Zum Schluß ertheilte er dem Volke seinen Segen und in heiliger Begeisterung erscholl nun aus dem Munde aller der Lobgesang: „Großer Gott wir loben Dich". Unter noch«

Q) Maske gegen Maske. (M

Roman von A. Werner.

„Er ist also unverheiratet?"

„Ja, und auch weit über das Alter hinaus, in welchem man sich zu verheirathen pflegt. Er haßt alle Verdrießlichkeiten, die ein Hausstand nun einmal mit sich bringt."

„Was treibt dieser seltsame Hagestolz?"

„Nichts. Er war früher Affocie eines großen Geschäfts in Paris, aus welchem er sich mit reichem Gewinn zurückgezogen hat. Dann ist er nach Savignp gezogen, hat sich hier ein schönes Haus gekauft und läßt sich hier von einer alten Haushälterin bedienen."

„Weßhalb hat er nicht das prächtige Städtchen Jainville-le-Pont als Aufenthalt vorgezogen?"

„Meiner Treu, das weiß ich nicht, und ich möchte darauf eine Wette eingehen, daß er es selbst nicht weiß. Er ist ein Original, wie ich selten eins gesehen habe. Denken Sie sich, er süllt den ganzen Tag damit aus, umherzuschleichen, um Skandalgeschichten zu erfahren und dieselben von Thür zu Thür zu colportiren."

„Eine noble Beschäftigung, die nicht nach meinem Geschmack ist," äußerte Lebrun.

Der Wirth nickte zustimmend.

„Er ist nie aufgeräumter, dieser Herr Funeux, als wenn er beim Frühstück Jemandem antrifft, gegen den er die Bewohner von Savigny schlecht machen und ihm erzählen kann, wie viel Böses die Frauen seinen Freunden angethan haben."

„Ich bin begierig, seine Bekanntschaft zu machen," sagte Herr Lebrun lächelnd. „Wie aber, wenn ich mich weigerte, mit ihm zu frühstücken?"

„Man kann Niemandem dazu zwingen: in der Regel acceptiren die Reisenden jedoch gern seine Gesellschaft. Jndeß die Uhr ist zehn und Herr Funeux ist präcise wie die Uhr selbst." ~ Diese interessante Unterhaltung fand auf der Schwelle des Zimmers statt, und Herr Lebrun zog sie klüglicher Weffe in die Länge, da er aus Erfahrung wußte, daß man, wenn man sich mit Gastwirthen unterhält, stets etwas Neues erfährt.

„Was sagte ich Ihnen?" rief der Wirth fast triumphirend aus. „Da ist Herr Funeux schon; sehen Sie, er biegt so eben um die Ecke der Straße."

„Dann werde ich mich an den Tisch setzen," bemerkte der angebliche Weinreisende, „das wird Sie der Mühe entheben, mich ihm vorzustellen. Theilen Sie ihm gefälligst mit, daß ich ein Freund

maligem Hochrufen bewegte sich der aus mehr als 1000 Fackelträgern bestehende Zug durch die festlich beleuchtete Stadt. Ein Festkonzert in dem großen Saale der „Alten Post" beschloß die er­hebenden Festlichkeiten.

Die Stadt und Diözese Limburg kann stolz sein auf den Tag der Bischofsweihe. Er gab ein glänzendes Zeugniß der großen Liebe und Anhäng­lichkeit, mit welcher das treue, katholische Volk zu seinem Oberhirten steht. Wir schließen unfern Bericht, der nur ein schwaches Bild der groß­artigen Feier geben kann, indem wir dem Neu- geweihten aus innerstem Herzen zurufen: „Ad mul- tos annos eosque faustos!“ (Auf viele und glück­liche Jahre!)

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Mai.

* Der vatikanisch-offiziöse »Moniteur de Rome' bemerkt zu der Nachricht, daß der Erzbischof Melchers im nächsten Konsistorium, das im Juni stattfindet, zum Kardinal ernannt würde: „Wir glauben, daß diese Nachricht nicht ganz grundlos ist und der Nachfolger des Mgr. Melchers sehr wahrscheinlich Mgr. Philipp Krementz, Bischof von Ermland, sein wird."

* Der Bundesrath hat Heute, wie erwartet, das Börsensteuergesetz genehmigt; zwar nicht ein­stimmig, aber, wie verlautet, fast einstimmig. Baden soll eine Verweisung an die Ausschüffe beantragt haben, die aber abgelehnt wurde. Die- Zolltarifnovelle ist auch fast einstimmig an­genommen worden und der preußische Antrag be­treffend die braunschweigische Erbfolge« frage wurde dem Justizausschuß überwiesen. Schließlich wurde noch die Bildung der Berufs« genossenschaften berathen; das Resultat war, daß die bekannten Anträge des Reichsversicherungs­amtes mit geringeren Aenderungen genehmigt wurden. Unter anderen werden die Tabakfabrikanten und Klavierbauer Genossenschaften für das ganze Reich bilden.

* Der Aufruf des Freiherrn v. Los zur Feier des Anniversariums Gregor's VII. findet auch in Rom Anklang. Der ,Moniteuer de Rome' vertheidigt deshalb den Aufruf gegen die Angriffe der gegnerischen Presse, welche erbittert ist über den „Brief des Freiherm v. Los, den er an die

von Scherzen sei und mich nicht scheute, für einen lebenslustigen Tischgenossen eine Flasche Champagner zum Besten zu geben. Das wird ihn in gute Laune versetzen und ihm die Zunge lösen."

Mit diesen Worten begab sich Herr Lebrun hastig in den Speisesaal, wo ein runder Tisch einladend servirt war. Er wählte seinen Platz so, daß sein Tischgenoffe in voller Beleuchtung ihm gegenüber zu sitzen kam.

Die Thür öffnete sich und der Wirth führte einen Mann in den Speisesaal, indem er mit wich« tiger Miene die Worte äußerte:

„Treten Sie doch herein! Das Frühstück wird kalt und der fremde Herr erwartet Sie bereits seit zehn Minuten.

Es war eine Manie des Herrn Funeux, (eine Manie, welcher der Wirth klüglich schmeichelte,) die durchreisenden Gäste glauben zu machen, daß er seine Mahlzeiten gewöhnlich im Hotel einnähme. In Uebereinstimmung liebte er es auch, sich von Herrn Bonasson vertraulich behandelt zu sehen, welcher achselzuckend fortfuhr:

„Sie werden doch gewiß pünktlicher auf Ihrem Comptoir gewesen sein, als Sie noch Associ« der Firma Collin Bajard & Co. waren.