JM 114.
Donnerstag, den 21. Mai
1885,
Fuldaer
kltung
— mit der
(53
O Maske gegen Maske
Roman von A. Werner.
Das Limburger Bischofsfest.
Obgleich wir unseren Lesern über das Limburger Bischofssest mehrfache Mittheilungen gemacht haben, dürfte ihnen der nachstehende Artikel des Mainz. I.', welcher einen Ueberblick über die Feier in ihrem Zusammenhänge gewährt, dennoch will- kommen sein.
Limburg, 17. Mai.
Festlich klangen gestern Abend 6 Uhr die Glocken der Stadt Limburg, am Vorabend der Feier der Konsekration und Inthronisation des hochw. Bischofs Dr. Joh. Christian Roos. Böllerschüsse verkün- beten weithin die Freude der Stadt und Diözese. In vollem Festschmuck prangte bereits die Stadt, welche eine freudige Menge durchwogte. Galt es doch, eine erhabene Feier einzuleiten, die Feier der Bischofsweihe, welche heute in großartiger Weise begangen wurde. In aller Frühe verkündeten die Glocken der altehrwürdigen Bischofsstadt, daß der ersehnte Tag angebrochen sei, an welchem die Diözese einen neuen Oberhirten erhalten sollte. Schon vor 5 Uhr füllten sich die Kirchen mit Andächtigen. Die ersten Morgenzüge brachten aus der ganzen Diözese und den Nachbar-Diözesen zahlreiche Fest- theilnehmer. Kurz nach 8 Uhr bewegte sich eine großartige Prozession, bestehend aus den Zöglingen sämmtlicher städtischen Schulen, den Vertretern der religiösen Genoffenschaften, dem Kirchenvorstand, den Ordinariats-Beamten, dem Bürgermeister und Gemeinde-Vorstand, den königlichen Beamten, dem Festcomito und den Zünften mit ihren Fahnen unter dem Geläute sämmtlicher Domglocken nach dem Bischofsplatz, welcher mit Ehrenpforten, Guir- landen, frischem Grün und Fahnen überaus festlich geschmückt war.
Hier reihte die hochwürdige Diözesan-Geistlichkeit und die Geistlichen aus anderen Diözesen sich in den Zug. Trotz des Sonntags, welcher Manchem die Betheiligung unmöglich machte, zählten wir ungefähr 80 Geistliche. Dann folgten die hochwürdigen Vertreter verschiedener Diözesen. Von Freiburg Herr Domkapitular Marmon; von Mainz die Herren Bisthumsverweser Dr. Moufang, Domdekan Dr. Heinrich und Domkapitular Dr. Haff, ner; von Fulda Herr Regens Dr. Komp. Dann folgte das hochwürdige Domkapitel von Limburg, der hochwürdigste Consecrandus, inmitten der Bi- schüfe von Hildesheim und Trier, und nach diesen
der Consecrator, der Bischof von Fulda. Nachdem der Zug des Klerus in die Prozession sich eingereiht hatte, bewegte diese sich unter dem Geläute sämmtlicher Glocken der katholischen Kirchen zum hohen Dome. Auf dem Domplatz schwenkten die Schulen ab und die Mitglieder des katholischen Gesellenvereins betraten als die Ersten von der Prozession die Kirche, in welcher mittlerweile der Ober- präjident Graf zu Eulenburg, Regierungspräsident v. Wurmb, Landrath v. Rolshoven, Landesdirek- tor Sartorius und die übrigen Behörden die für sie reservirten Plätze eingenommen hatten. Beim Eintritt der Herren Bischöfe in den Dom stimmte der Chor das Ecce sacerdoa magnus an. Hierauf ging der Zug zum Hochaltar. Vor dem Altäre angekommen, verrichteten die Bischöfe ein kurzes Gebet, worauf die heil. Handlung begann. Die weiten Hallen des Domes und sämmtliche Galerien waren mit Gläubigen dicht gefüllt, welche andächtig der ergreifenden Feier beiwohnten.
Herrlich und großartig, dem erhabenen Zweck entsprechend, ist der Ritus, welcher während der heiligen Handlung sich nun vollzieht. Wir theilen hier die wichtigsten Ceremonien mit:
1. Der Weihende besteigt den für ihn eigens bereiteten Sitz auf der Epistelseite. Hierauf wird der zu Weihende rm Chormantel und Birett vor ihn hingeführt, worauf das die Weihe betreffende päpstliche Schreiben verlesen wird. Nachdem der zu Weihende in feierlicher Weise den Eid auf das Evangelium geleistet hat, legt ihm der Weihende 17 Fragen vor, die sich theils auf die Beobachtung kirchlicher Canones, theils auf ben, orthoü«»« Glauben" beziehen. Nach deren Beantwortung beginnt die hl. Messe, welche der zu Weihende mildem Consecrator gemeinschaftlich mitcelebrirt.
2. Nach dem Graduale oder Alleluja (den Gebeten nach der Epistel).beginnt der heilige Weiheakt. Der Consecrator setzt ffch in der Mitte des Altares nieder, worauf der zu Weihende, angethan mit den bischöflichen Gewändern und dem Meßgewande, vor ihm erscheint. Wie bei den übrigen heiligen Weihen wird auch hier der Weiheakt mit dem Absingen der Allerheiligen-Litanei eingeleitet, in welcher die der Handlung entsprechende Bitte: „daß du diesen hier gegenwärtigen Erwählten segnen, heiligen und weihen wollest" eingefügt wird. Nach Beendigung der Litanei legt der Consecrator dem zu Weihenden das Evange- lienbuch auf Schultern und Nacken, um durch diese Cere- monie darauf hinzuweisen, daß dem Bischöfe die Last des apostolischen Predigtamtes auferlegt ist. Hierauf folgt die Handauflegung und Salbung des Hauptes, während dessen der Chor den Hymnus „Veni Creator Spiritus“ singt. Das Haupt des zu Weihenden ist bei der Salbung mit einem zusammengefalteten weißen Tuche umbunden. Während alsdann auch die Hände des zu Weihenden gesalbt werden, singt der Chor den : 32. Psalm:
Fuß, za Pferd ober zu Wagen nach seinem Schlupfwinkel begeben. Wir müssen ihm verkleidet das Geleit geben."
Pergon pflichtete der Ansicht des Herrn Lebrun bei, wünschte aber zu wissen, in welcher Verkleidung man Tollart verfolgen solle.
„Ich habe darüber lange nachgedacht," versetzte er, und mich dafür entschieden, daß ich als Wein- reisender die erwähnten Orte und deren Umgebung besuche und Du als Zeitungscolporteur jene Plätze durchstreifst."
„Werden wir dann nicht zusammen reisen?"
„Zusainmen — nein ; wohl aber nach demselben Orte und an dem nämlichen Tage. Ich werde die Städte und Flecken besuchen, während Du Deine Nachforschungen auf dem Lande beginnen wirst. Zu diesem Zwecke habe ich bereits das bedeutende Weingeschäft von Rawson, Jenkins & Co. in Liverpool ersucht, mich mit Vollmachten, Preiscouranten und Facturen dieses berühmten Hauses zu versehen, und harre auf eine Sendung. Jenkins ist mein intimster Freund und mir zugleich verpflichtet, da er es mir allein zu verdanken hat, daß er eine Summe von zwölf tausend Pfund, die ein Cassirer ihm entwendet, wieder erhalten
„Sich' wie gut und lieblich es ist, wenn Brüder in Ein- tracht leben.
Wre Salböl auf den, Haupte, das herabfließt auf den Bart, den Bart Aarons.
Das herabfließt bis auf seines Kleides Saum wie vom Hermon Morgenthau, der auf Sion's Berge herabfällt.
Dorthin sendet der Herr Segen und Leben auf ewige Zeit."
Unter entsprechenden Gebeten, die an die hohe Würde erinnern, werden dann Ring und Stab gesegnet und dem zu Weihenden übergeben, der Ring mit den Worten: „Nimm hin den Ring, das Siegel der Treue, auf daß du, geschmückt mit unbefleckter Treue, die Braut Gottes, die heilige Kirche unversehrt bewahrst." Das Evangelienbuch wird von seinen Schultern wieder abgenommen, worauf er zu seinem Altäre zurückkehrt, um mit dem Konsekrator die hl. Messe fortzusetzen.
3. Nach dem Offertorium opfert der Geweihte knieend vor dem Konsekrator zwei brennende Kerzen, zwei Brode, zwei Fäßchen Wein. In gewöhnlicher Weise wird alsdann die hl. Messe fortgesetzt bis zur Kommunion. Bei derselben therlt der Konsekrator die hl. Hostie, genießt die eine Hälfte selbst und reicht die andere Hälfte dem vor ihm etwas geneigt stehenden Geweihten hin, ebenso die Hälfte des hl. Blutes, so daß also durch diesen Akt, wie bei keiner andern Weihe, der Weihende und der zu Weihende die hl. Messe gemeinsam feiern.
4. Noch fehlen dem Geweihten die bischöflichen Insignien: Mitra und Handschuhe. Dieselben werden nach dem „Ite missa est“ geweiht und dem Geweihten aufgesetzt, resp. angezogen. Im vollen bischöflichen Ornat wird jetzt der Geweihte inthronisirt, d. i. auf seinen bischöflichen Thron geführt, um von seiner Kirche feierlich Besitz zu ergreifen.
(Schluß folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Mai
* Der Gesetzentwurf, betreffend die Ueberwei- sung von Beträgen, welche aus landwirthschaft- lichen Zöllen eingehen, an die Kommunalverbände (Antrag Huene) hat die königl. Genehmigung erhalten.
* Im Schlosse Monbijou, wo sich das Hohen- zollernmuseum befindet, brach in vergangener Nacht gegen 1 Uhr ein größeres Feuer aus, welches den Dachstuhl in Asche legte. Die Kunstschätze sind sammtlich gerettet und nur teilweise durch Wasser beschädigt. Von den dort aufbewahrten Gegenständen wurde nur ein Theil der Listen der Karser- Wilhelmsspende mit ihren 4 Millionen Unter- schriften zerstört, da sie auf dem Boden verwahrt wurden; das Feuer scheint durch Unvorsichtigkeit in einer Dachkammer ausgekommen zu sein.
* Die Abendblätter melden, Kommis Singer, welcher das Fenster im Kaiserpalais einwarf und bisher behufs seines Gemüthszustandes
29. Kapitel.
Weitere Nachforfchungen.
„Was mich betrifft, so bin ich der Ansicht, daß Tollart außerhalb Paris eine Wohnung haben roirb", bemerkte der angebliche Nabob gegen feinen Intendanten Pergon, als sie am nächsten Morgen ungestört im Grand-Hotel ihre Lage erwogen. „Ob das Haus in einer Stadt ober in einem $orfe liegt, bas weiß ich selbstverstänblich nicht, glaube aber mit Gewißheit annehmen zu bürfen, daß man mit ber Eisenbahn von Orleans bahin gelangt. Tollart bebient sich jeboch auch mitunter eines Wagens, wie es gestern Abend erst der Fall war, als er mit feiner Vertrauten Paris nach Mitternacht verließ, zu welcher Zeit kein Bahnzug wehr fährt. Ich schließe hieraus, baß man nach i»er« bis sechsstündiger Fahrt dahin gelangt. Sein Versteck wird an der Eisenbahn zu Orleans belegen sein, und hätten wir besonders die Sta-
. Zuvisy, Savigny, Epinay und Saint Michel in's Auge zu fassen. An einer dieser vier Matronen wird Tollart aussteigen und sich zu
I Die erwähnte Firma handelt vorzugsweise mit spanischen Weinsorten."
Damit endete die Unterhaltung. — — —
Drei Tage später traf Lebrun, welcher jetzt als Weinreisender Henry Calumnet hieß, in dem so malerisch belegenen Marktflecken Savigny ein, und eine Stunde darauf hielt Pergon, ber den Namen Pierre Paladin angenommen hatte, ein schweres Packet mit Zeitungen auf dem Rücken, gleichfalls daselbst seinen Einzug. Lebrun nahm sein Logis im „Goldenen Hirsch", bem ersten Gasthofe bes Orts unb hätte schwerlich eine bessere Wahl treffen können, ba ber Besitzer desselben, ein Herr Bo- nasson, aus Saoigny gebürtig, und auf drei Mei- len in ber Runde so genau mit den Verhältnissen bekannt war. daß er die kleinsten Details über Vermögen, Beziehungen und was dergleichen mehr, über jede einzelne Familie an den Fingern her- zählen konnte. Von Natur neugierig, war er sehr gesprächig, um nicht zu sagen: schwatzhaft. Um ihn sich geneigt zu machen, verfehlte Lebrun nicht, das beste Zimmer des Gasthofes zu verlangen, wie er sich benn auch pomphaft als Repräsentant ber in ber ganzen Welt bekannten Wein- hanblung „Rawson, Jenkins & Co." zu Liverpool anfünbigte unb bem Wirth mittheilte, er werde
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