J\i 109.
Freitag, den 15. Mai
1885.
Fuldaer
titung
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Deutsches Reich.
Berlin, 14. Mai.
* Aus Rom wird der .Köln. Vztg.' telegraphisch gemeldet: Im Juni findet das nächste Confistorium statt. Erzbischof I)r. Paulus Melchers wird in 'demselben zum Cardinal ernannt werden und seinen Wohnsitz in Rom nehmen. Die formelle Erklärung des Bischofes Dr. Krementz von Ermeland über die Annahme des Erzbisthums Köln steht noch aus, wird jedoch vom apostolischen Stuhle gewünscht und erwartet.
* Einem römischen Telegramm des .Daily Chronicle' zufolge hat der Papst dieses Jahr der Kaiserin von Deutschland privatim die goldene Rose übersandt.
* Der Reichstag hielt gestern seine 100. Sitzung ab. Mit Rücksicht hierauf war von der deutschkonservativen Fraktion, wie wir der ,Germ.' entnehmen, auf dem Pult des Präsidenten ein Riesenbouquet in den deutschen Farben und mit der Inschrift „100" niedergelegt worden. Es wurden zunächst Wahlprüfungen und Petitionen erledigt und sodann zur Berathung der Novelle zum spanischen Handelsverträge übergegangen. Durch Vertrag vom 10. Mai dieses Jahres ist mit Spanien ein Abkommen dahin getroffen worden, daß das letztere auf die im Handelsverträge vom 12. Juli 1883 festgesetzte Bindung des Roggenzolles gegen anderweitige Zollkonzessionen bei der Einfuhr spanischer Südfrüchte und Oel nach Deutschland verzichtet. Es hat dies zur Folge, daß nunmehr gegenüber allen meistbegünstigten Nationen der erhöhte Roggenzoll von 3 M. in Geltung treten kann, während ohne den Vertrag der alte Roggenzoll von 1 M. Spanien und allen meistbegünstigten Nationen gegenüber bis zum Ablauf des spanischen Handelsvertrages (30. Juni 1887) gebunden gewesen wäre. Der Vertrag wurde ohne erhebliche Diskussion in erster und zweiter Lesung unverändert genehmigt. Ein sich auf den Vertrag beziehender, aber erst bei der Zollnovelle zur Berathung kommender Antrag der Abgg. Frege und Genossen will die durch die Aenderung des spanischen Handelsvertrages entstandene Frage, wie die vor dem Bekanntwerden der Abänderung bereits abgeschlossenen Verträge über Lieferungen von Roggen zu behandeln seien, dahin lösen, daß Roggen aus den meistbegünstigten Ländern noch bis zum 1. August
Ä Maske gegen Maske. 48
Roman von A. Werner.
„Wie! Sie kommen nicht von Herrn Lebrun? Dann habe ich mich geirrt," versetzte sie, „doch bitte ich Sie noch einmal, über diesen Vorfall zu schweigen und meine Erzählung nicht Lügen strafen zu wollen. Ich will meine Mutter nicht noch mehr beunruhigen."
An der Hausthür begegnete sie ihrer Mutter und beeilte sich zu sagen:
„Ich stell« Dir einen Herrn vor, der Dir etwas Wichtiges mitzutheilen hat. Unser Portier hat ihm vor einer Stunde den Einlaß verweigert, worauf er sich an mich gewandt hat."
„Ist es Ihnen yefäöig, in den Salon zu treten," sprach die Wittwe.
Daselbst angelangt, bot diese ihm einen Sessil an und fragte höflich:
„Womit kann ich Ihnen dienen und mit wem habe ich die Ehre?"
„Mein Name wird Ihnen ganz unbekannt sein," entgegnete der Fremde, „und es dürfte Sie überraschen, daß ich mir erlaubt habe, Ihre Villa zu betreten, denn ich bin nur ein schlichter Arbeiter. Rein Name ist Pierre Cambrenner, ich bin als
Weichensteller bei der Eisenbahn von Orleans angestellt,"
„Was führt Sie zu mir?"
„Mein Wunsch ist, zu wiffen, ob ihre Schwiegermutter den Mädchennamen Georgina O'Sulli- van geführt hat? Ich erlaube mir, hinzuzufügen, daß nicht Neugierde mich zu dieser Frage veranlaßt, sondern es sich vielmehr um ernste Dinge handelt."
„Ja, so hieß meine Schwiegermutter," erwiderte die Wittwe erstaunt.
„Es sei mir gestattet, Folgendes anzuführen," bemerkte Cambrenner. „Vor 7 Jahren verheiratete ich mich mit einer armen Nätheiin, welche mir der Tod geraubt hat und die. mir eine kleine Tochter hinterließ, welche jetzt 6 Jahre zählt. Meine Frau hieß vor ihrer Verheirathung Martha O'Sullivan."
„Dieser Name ist in Irland sehr gebräuchlich," unterbrach ihn die Wittwe.
„Das hat man mir gesagt, und ich würde mich sehr wenig um die Verwandten meiner Frau kümmern, wenn man mir nicht gerathen hätte, diese Nachforschungen im Interesse meiner Tochter anzustellen. Ich habe unter den vergilbten Papieren meiner Schwiegermutter eine sogenannte Stammtafel aufgefunden, welche die Namen sämmtlicher
d. I. zum alten Zollsatz von 1 Mark eingeführt werden darf, wenn die betreffenden Verträge nachweislich vor dem 11. Mai c. geschloffen worden sind. Nachdem sodann noch die in zweiter Lesung unverändert angenommene Konvention und Verträge mit Madagaskar, Birma, der Transoaal-Repubtck und Belgien auch in dritter Lesung ohne Debatte und unverändert angenommen waren, setzte das Haus die dritte Berathung der Zollnovelle beim Cichorienzoll fort. Der letztere war in zweiter Lesung mit einer Stimme Majorität auf 1 M. festgesetzt worden. Ein Antrag der Deutschfreisinnigen auf Streichung dieses Zolles wurde heute in namentlicher Abstimmung mit 158 gegen 140 Stimmen abgelehnt. Zwei Mitglieder enthielten sich der Abstimmung. Der Cichorienzoll ist also aufrecht erhalten. — Im weiteren Verlaufe der Sitzung, in welcher die Ferienstimmung schon stark vorherrschte, wurde der in zweiter Lesung beschlossene Cichorienzoll in namentlicher Abstimmung mit 158 gegen 140 Stimmen bestätigt. Der Holzzoll wurde im Wesentlichen nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen, nachdem sich Abg. Frhr. von Gagern und Minister Lucius für die Aufrechterhaltung dieser Beschlüsse ausgesprochen. Ein deutschfreisinniger Antrag, Eisenbahnschwellen statt mit 40 Pf. nur mit 20 Pf. zu verzollen, wurde abgelehnt. Der Zoll für halbseidene Kleider und Wäsche wurde von 450 auf 675 erhöht, ebenso der Zoll für Krep, Flor, Gace von 800 auf 1000 Mark. Um 5 Uhr wurde die Berathung abgebrochen und die Fortsetzung bovfotocu «uf SSCbenba ö vvnuyi. Xjcrii Öui* schlage des Präsidenten, in der Abendsitzung auch gleich die dritte Lesung der heute in erster und und zweiter Berathung erledigten Novelle zum spanischen Handelsvertrag vorzunehmen, wurde Namens der Sozialdemokraten von dem Abg. Kayser widersprochen. (Die 3. Berathung darf nach der Geschäftsordnung frühestens am zweiten Tage nach dem Abschlüsse der zweiten Berathung erfolgen, und eine Abkürzung der Frist ist nur zulässig, wenn ihr nicht 15 anwesende Mitglieder widersprechen.) Da der Protest des Abg. Kayser von 22 Sozialdemokraten und 3 Mitgliedern der Volkspartei unterstützt wurde, mußte der Prästdent von fernem Vorhaben abstehen. Der Abg Kayser zog sich bei dieser Gelegenheit noch einen Ordnungsruf zu, da er behauptet hatte, die Zollberathungen würden in „sausendem Galopp" geführt. Ebenso er
hielt der Abg. Hasenclever einen Ordnungsruf, als er sagte, die schutzzöllnerische Majorität sollte^ „das Schaf wenigstens mit Anstand scheeren".
— Eugen Richter wird im Herbst eine täglich erscheinende Zeitung gründen.
* Der hochwürdigste Herr Bischof von Hilzdes- heim wird am zweiten Pfingsttage im Dome zu Hildesheim und in der Pfingstwoche auf dem Eichs- felde das heil. Sakrament der Firmung spenden. Nach der Rückkehr von dort wird der Herr Bischof dem Vernehmen nach sofort das von Grund auf renovirte bischöfliche Palais am Domhofe wieder beziehen, nachdem dasselbe über ein Jahrzehnt leer gestanden und als stummer Zeuge von der Aera Falk traurigen Andenkens Zeugniß abgelegt hat.
* Aus Bochum wird der ,Frkf. Ztg.' geschrieben : Kein Mensch wird etwas dagegen haben, daß der Staat in ausreichender Weise für die Hinterbliebenen des seinem Berufe zum Opfer gefallenen Polizeiraths Dr. Rumpfs in Frankfurt a. M. gesorgt hat, aber zu wünschen bleibt, daß solche Fürsorge auch in anderen Fällen eintreten möge. Wie sich die Leser Ihrer geschätzten Zeitung entsinnen werden, wurde Anfangs Februar dieses Jahres zu Sevinghausen im hiestgen Kreise der Gensdarm Menzel in Ausübung seines Berufes meuchlerisch erschossen; der Mörder, der Bergmann Rensing, ist bereits vom Schwurgericht in Essen zum Tode verurtheilt worden. Menzel hat außer der trauernden Wittwe sechs Kinder hinterlassen, für welche der Staat noch w«> %vv. p vyt ßu yuvm
scheint. Zwei dieser Kinder werden nämlich in der seitens der Fechtschule für den Oberbergamtsbezirk Dortmund errichteten Waisenheimath erzogen. Diese Fechtschule ist in's Leben gerufen, um für Waisen verunglückter Berg- und Hüttenarbeiter sowie Eisenbahnbeamter zu sorgen. Für die Kinder des Gensdarmen Menzel sollte der Staat in verhältnißmäßig ebenso ausreichender Weise sorgen, wie für die des Polizeiraths Dr. Rumpfs. Da die Exekutivbeamten in hiesiger Gegend, deren Bewohner zum großen Theile aus aller Herren Länder stammen, einen schweren Stand haben, würde es die Energie der Beamten nur anspornen, wenn ste wüßten, daß, falls sie in ihrem Berufe zu Schaden kommen sollten, für sie und die Ihrigen genügend gesorgt wird.
* Limburg a. d. L., 14. Mai. Das für
Personen ihrer Familie enthält, und ich habe aus derselben entnommen, daß eine Tante meiner Schwiegermutter, eine geborene O'Sullivan, im Jahre 1819 einen Banquier, Namens Joseph Romont, geheirathet hat."
„Mein Großvater hieß Joseph und war Banquier," rief Gabriele aus.
„Die Mutter meiner Frau hieß Elisabeth," nahm Cambrenner auf's Neue das Wort, „die Gattin des erwähnten Banquiers führte den Vornamen Georgina."
„So hieß meine Großmutter," sprach Gabriele wieder. >
. „Alsdann," sagte der Weichensteller freudig, „hätte ich mich nicht geirrt, und meine kleine Tochter ist zweifelsohne Ihre Cousine. „O, fürchten Sie jedoch nicht, Madame," beeilte er sich hinzuzufügen, als er sah, daß das Antlitz der Frau Romont sich verfinsterte, „daß ich in der Absicht erschienen bin, um unsere Verwandschaft mit Ihrer Familie von Ihnen anerkannt zu wissen. Ich weiß, welcher gesellschaftliche Unterschied zwischen uns besteht. Glauben Sie jedoch nicht, daß ich gekommen sei, Sie um Beistand oder Protektion zu ersuchen. Ich verdiene, Gott sei Dank, mein tägliches Brod, und brauche keine Almosen."