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J\® 103.

Donnerstag, den 7. Mai

1885.

eitung

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wo^henbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., Auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

* Die deutschen Pilger beim hl. Bater.

Die Antwort des hl. Vaters auf die gestern mitgetheilte Ansprache lautet nach der ,Germ.' folgendermaßen:

Geliebte Kinder! Die Freude, welche wie eine ersehnte Frucht Uns eure Anwesenheit am heutigen Tage bereitet, wird noch vermehrt und erhöht durch den Ausdruck eurer Ergebenheit, sowie des Beweggrundes, der euch voll Ver­ehrung gegen diesen hl. apostolischen Stuhl hierhergeführt hat. Mit väterlichem Herzen empfangen Wir daher einen Jeden von euch, indem Wir aus's lebhafteste euer gemein­sames Unternehmen anerkennen und Wir vertrauen voll Hoffnung auf Gott, den Urheber und Förderer aller guten Absichten, daß ihr das angestrebte Ziel erreichen möget, daß ihr nämlich aus dieser Stadt Rom, der Hauptstadt der Christenheit, die der hl. Petrus durch Vergießung sei­nes Blutes und durch Gründung des päpstlichen Stuhles geweiht hat, neue Anregung hinaustraget zu jedweder christlichen Tugend, vor Allem aber zur Standhaftigkeit, deren ihr zumal in gegenwärtiger Zeit bedürfet. Wir Unsererseits richten unausgesetzt Unsere Aufmerksamkeit auf die katholische Kirche in Deutschland und lange schon schauen Wir mit Bewunderung auf die vielen ausgezeich­neten Männer, die in so herrlicher und edelmüthiger Weise die Religion vertheidigen, auf den Eifer des Volkes in der Pflege der Frömmigkeit, aus seine unerschütterliche Anhänglichkeit an den römischen Papst, auf seine freudige Hingebung an seine Bischöfe, auf seine mit so viel Opfer­willigkeit gepaarte Thätigkeit in den Werken der Nächsten­liebe. Auch wollen Wir nicht unerwähnt lassen, wie auch das festeste und sicherste Band des Heiles, nämlich die Eintracht der Gesinnung und des Strebens unter einander verbindet, dafür legen, abgesehen von Anderem, eure jährlichen Generalversammlungen Zeugniß ab, in denen ihr, was für das'Gedeihen der Religion und der öffent­lichen Wohlfahrt am zuträglichsten erscheint, durch gemein­same Berathungen zu fördern bedacht seid.

Deshalb haben Wir denn auch gleich zu Anfang Un­seres Pontifikats in allem Ernste in Erwägung gezogen, was zu thun sei, um die Freiheit des christlichen Bekennt­nisses und den Frieden in Deutschland wieder herzustellen. Zunächst suchten Wir, die Verhältnisse genau kennen zu lernen und von dem Anfangs darauf verwendeten Eifer haben Wir auch im Laufe der Zeit nicht nachgelassen. In der Behandlung dieser Angelegenheiten haben Wir die größte Billigkeit angewandt und eine bis zu den äußersten Grenzen gehende Nachgiebigkeit walten lassen. Das gleiche Entgegenkommen zu zeigen sind Wir auch jetzt noch bereit, und wollte Gott, daß durch seine Gnade endlich jener Abschluß erfolge, der zu einem festen und dauernden Frie­den führt und den Katholiken die so lang ersehnte Ruhe zurückgiebt. Dies würde, meinen Wir, nicht bloß für die Kirche, sondern auch für das deutsche Reich von Se­gen sein.

Inzwischen wollen Wir, geliebte Kinder, während Wir auf diese wichtige Angelegenheit Unsere Sorgen und Ge­danken richten, daß ihr Alle, die ihr den katholischen Na­men lieb habet, voll Eifer mit Uns arbeitet an einer an­dern uns Alle berührenden Sache. Wir meinen die Be­harrlichkeit, womit wir den Bekämpfern der christlichen

(2) Maske gegen Maske. 141 Roman von A. Werner.

24. Kapitel.

In der Schlinge.

„Nicht möglich!" rief Pergon aus.

„Ich bin meiner Sache gewiß," wiederholte Lebrun.

„Wenn das der Fall ist, wäre Tollart einer der größten Schauspieler auf Erden. In seiner jetzigen Gestalt könnte er sich getrost in das Stadthaus begeben und sämmtliche Räume desselben betreten, es würde ihn Niemand erkennen."

„Vielleicht! mir gegenüber aber hat er seinen Meister gefunden. Er bückte sich, um mir seinen Dank für das ihni zugestellte Geld auszudrücken, und bei dieser Gelegenheit konnte ich unter seiner grünen Brille seine Augen erblicken. Das genügte nur, um ihn sofort zu erkennen."

„Wenn er Sie nur nicht ebenfalls wieder­erkannt hat."

„Nein. Ich hielt mich gestern in seiner Nähe Stunden lang in einem Salon auf, der von vierzig Gaslampen erhellt war, und ich versichere Dich, daß er mich von Kopf bis zu den Füßen mit

Religion und der staatlichen Ordnung Widerstand zu leisten haben, vor Allem aber jenen geheimen Gesellschaften, welche durch den Spruch der Kirche verurtheilt sind, und von denen männiglich bekannt ist, was sie gegen Gott und gegen die Kirche im Schilde führen und wohin ihre Bestrebungen zielen. Namentlich aber müßt ihr, wie schon bisher, alle euere Sorgfalt und eueren Eifer darauf ver­wenden, den Sozialismus in seinem Laufe aufzuhalten, der die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft zu er­schüttern trachtet, ein Uebel, gegen welches kein Heilmittel zu hoffen ist, es sei denn in der christlichen Religion. Aus dieser Quelle des christlichen Glaubens laßt uns die Mittel schöpfen, um die schweren drohenden Gefahren, so­weit es in unseren Kräften steht, abzuwehren.

Eingedenk endlich der Liebe und Barmherzigkeit mögen Alle darnach streben, die Sage der ärmeren Volkskaffen und des Arbeiterstandes zu bessern, in der Ueberzeugung, daß alle Mühe, Aufopferung und Hingebung für das Wohl der Arbeiter gut angebracht ist. Denn gerade diese be­dürfen am meisten des Trostes, da sie in ihrer Lage mehr denn andere gefährlichen Verhöhnungen und Nachstellungen ausgesetzt sind. Durch die Uebung dieser Tugenden werden euere Sitten das Zeugniß ablegen, daß in jedem Staate die Bürger um so besser sind, je gewissenhafter sie den Vorschriften des katholischen Glaubens gehorchen.

Unterdeß flehen wir zu Gott, daß Er euch, geliebte Kinder, in jeder Pflichterfüllung stärken möge, und zum Unterpfande der himmlischen Wohlthaien, sowie zum Be­weise Unseres väterlichen Wohlwohlens ertheilen Wir euch, eueren Familien und allen Katholiken Deutschlands in aller Liebe den apostolischen Segen.

Nach der Ansprache ließ sich der h. Vater auf den Thronsessel nieder, um sämmtliche Pilger, nicht aber die in Rom ansässigen Deutschen, zum Handkusse zuzulassen. Viele von ihnen haben Geschenke über­reicht, viele unter Thränen dem gefangenen und .armen Hohenpriester den in ihren Kreisen gefqm- melten Peterspfennig überleben. Fast für alle hatte Leo XIII. ein gütiges Wort. Während dieser wahrhaft ergreifenden Ceremonie sang der Chor der Germaniker einen deutschen Festchor: „Es lebe Leo" von Töpler und die italienische Papsthymne: „Innalziam sulle rive del Tebro“ von Rosati.

Abermals erhob sich der Papst und segnete die Rosenkränze Kreuze und Medaillen der Pilger. Dann erklang aus mehr als tausend Stimmen feierlich der ambrosianische Lobgesang „Großer Gott, wir loben Dich", und zuletzt ein kräftiger deutscher Hochruf auf Leo XIII.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Mai.

* Heute Nachmittag gegen 3 Uhr hat ein junger Mensch mit einem Stein, den er vorher in der

Adleraugen gemessen hat. Ich habe aber die Probe bestanden und er hält mich für einen Nabob der reinsten indischen Abstammung. Wüßte er es, daß ich der Vater seines Opfers bin, er würde sich hüten, mit mir zu verhandeln."

„Es überrascht mich aber, daß er selbst erschienen ist, anstatt irgend eine zuverlässige Mittelsperson zu schicken."

„Weil er es nicht liebt, Jemanden in seine Karten sehen zu lassen, und eben dieser Umstand überzeugt mich, daß ich auf der richtigen Fährte bin. Wenn die Erbfolge des Majors ihn nicht so nahe berührte, er würde sich nicht so viele Mühe geben. Er erwartet mich und horcht aller Wahr­scheinlichkeit nach an der Thür."

„Das wird ihm nichts nützen, da er unser Ge­flüster nicht verstehen kann."

„Schon gut! Es ist erforderlich, Pergon, daß Du Dich ebenfalls verkleidest und zwar so schnell als möglich, um diesem angeblichen Agenten nach­zuschleichen. Verliere ihn, sobald er dieses Haus verlassen hat, nicht aus den Augen und statte mir genauen Bericht ab, wo er bleibt. Er wird schwerlich seine Privatwohnung aufsuchen. Sobald Du fort bist, werde ich läuten und der Diener-

Tasche verborgen hielt, das bekannte Eckfenster im kaiserlichen Palais zertrümmert. Er wurde sofort verhaftet. Wie man der ,Fr. Z.' meldet, ist der Attentäter ein polnischer Arbeiter Namens Michael Grigolaitis (der Name klingt nicht pol­nisch, sondern griechisch) 25 Jahre alt und schein­bar ein halber Idiot. Er spricht nur mangelhaft deutsch, hielt sich seit G Tagen obdachlos hier auf und wollte sich durch die Tbat Unterkommen ver­schaffen. Der Kaiser war, als die That geschah, im Palais nicht anwesend.

* Das Herrenhaus hat in seiner heutigen Sitzung zunächst die Kreis- und Provinzialordnung für Hessen-Nassau unverändert angenommen und dann das Volksschullehrer-Pensionsgesetz be- rathen. Entsprechend den Wünschen des Finanz­ministers wurde auch der Maximal-Staatsbeitrag von 750 auf 600 M. herabgesetzt, nachdem die Minister v. Scholz und v. Goßler die Erklärung abgegeben hatten, vaß kas Gesetz andernfalls schei­tern werde. Auch in Betreff der Heranziehung des Stelleneinkommens wurden dieKommissionsbeschlüsse angenommen, welche dem im Abgeordnetenhause ab­gelehnten Anträge Rauchhaupt-Zedlitz entsprechen. Der Gesetzentwurf muß danach wieder an das Ab­geordnetenhaus zurückgehen.

* In der heutigen Reichstagssitzung wurde über die Anträge der Abgeordneten Richter und Kayser zur Börsensteuer-Vorlage verhandelt. Der Antrag Richter will, daß mit dem Inkrafttreten der neuen Börsensteuer der Petrcleumzoll aufge­hoben werden soll, während der Antrag Kayser wünscht, daß mit dem Inkrafttreten der Börsen­steuer die Salzsteuer aufgehoben, ev. der Ertrag der Börsensteuer zu einem Arbeiterinvalidenfonvs verwendet werden soll. An diese beiden Anträge knüpfte sich eine längere Debatte, die stellenweise weit von der Sache abschwerfte. Staatsminister v. Bötticher wies die Behauptung des Abg. Kayser, daß die staatliche Sozialreform „in's Stocken" ge- rathen sei, mit Entschiedenheit zurück, und sprach dabei von Neuem sein Bedauern darüber aus, daß sich die Sozialdemokraten so wenig an derselben betheiligten. Da sowohl vom Abg. Richter, wie vom konservativen Abg. v. Helldorf auf die neuer­lichen Zeitungsmeldungen über angebliche Spal­tungen innerhalb der sozialdemokratischen Partei angespielt worden war, glaubte Abg. v. Vollmar Namens der sozialdemokratischen Fraktion alle diese

schäft melden, daß ich für heute nicht mehr gestört zu werden wünsche."

Mit diesen Worten wandte er seinem angeblichen Diener den Rücken und öffnete leise die Thür des Salons. Der Fremde hatte seinen Platz nicht verlassen, und als er den Nabob erblickte, erhob er sich ehrerbietig, allein dieser gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, sich zu setzen und nahm selbst in stolzer Weise wieder seinen früheren Platz ein.

„Sie haben eine Frage an mich zu richten, Herr Holtz?" begann er.

„Ja, eine Aufklärung, welche unser Geschäft betrifft und wovon ich mich genau informiren möchte, ehe ich meine Nachforschungen beginne. Sie haben sich gestern Abend in sehr bestimmten Ausdrücken gegen Herrn Tollart dahin ausgesprochen, daß Sie beabsichtigten, die Mitglieder der Familie O'Sullioan zu bereichern und dabei angedeutet, daß eins von ihnen unermeßlich reich werden würde, weil der Verstorbene zehn Millionen hinter­lassen hat, die dem nächstberechtigten Verwandten der Seitenlinie zufallen müssen, Eure Hoheit haben ferner erklärt, daß Sie Ihr ganzes Ver­mögen den übrigen unberechtigten Erben des Majors hinterlassen würden."