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— mit der
* lieber bett Bauernstand
bringt die ,Pf. Ztg." einen Artikel, dessen Ausführungen im Einzelnen auf unsere Gegend weniger, bezw. gar nicht zutreffend erscheinen, nichts destoweniger aber auch für unsere Bauern von großem Interesse sein dürften. Der Artikel lautet:
„Es wird wohl die Behauptung keinem Widerspruch unterliegen, daß alle Behörden und staatlich organisirteu Vereine auf's lebhafteste bestrebt sind, die Landwirthschaft zu fördern. Man sucht die Kenntnisse in Bezug auf Alles, was die Landwirth- fchaft berührt, zu erweitern und zu verbreiten, durch Schulen, Versuchsanstalten, Vorträge, landwirth- schaftl. Blätter :c. Man sucht dis Ländereien möglichst ertragsfähig zu machen durch Kulturunternehmungen aller Art, durch DüngungSverbesserun- gen, durch Beschaffung besserer Saatfrucht. Man sucht die Viehzucht auf alle Weise zu heben, besseren Viehrayen Eingang zu verschaffen, besseres Futter zu beschaffen u. s. w. Man sucht die Schädlichkeiten, welche die Landwirthschaft gefährden, abzuwenden und zu bekämpfen. Man sucht dem Bauer gute Wege zu schaffen und geeignete Absatzquellen zu erschließen. Man sucht zu feinem Vortheile Konsum- und Kreditvereine in's Leben zu rufen. Zu seinen Gunsten tritt die Zollpolitik ein. Kurzum, es ist Alles auf's eifrigste bemüht, die Landwirthschaft, das vorzugsweise konservative und staatserhaltende Element, soviel nur immer möglich zu fördern.
Dies ist Alles sehr schön und gut und, wenn der Bauer hierbei entsprechend mitwirkt, sehr nützlich und der Landwirthschaft förderlich. Hierin macht der Bauer zu seinem Nutzen entschieden ebenso viele Schritte vorwärts. Der Bauer hat aber auch in den letzten Jahrzehnten Schritte gemacht, die nicht als Schritte vorwärts, sondern als Rückschritte bezeichnet werden mußten. Wir meinen die Schritte, welche über die bäuerliche Einfachheit hinaus gemacht wurden in der Lebsucht, in der Kleidung, in Vergnügungen, in Angewöhnung von Bedürfnissen aller Art. Das Abkommen von der bäuerlichen Einfachheit ist ein Grundübel, an welchem der Bauernstand krankt, ein liebel, das ihn krank erhält, trotz allen oben angedeuteten Anstrengungen und Bemühungen zur Hebung und Förderung. Der Bauer kann eher ab und zu Mißernten ertragen, als den Luxus, d. h. die ständig
Q) Maske gegen Maske.
Roman von A. Werner.
„Sie glauben also, Herr Lebrun," sagte Pergon, „daß Tollart die beiden Mordthaten verübt hat?"
„Ich glaube es allerdings. Wo aber sind die Beweise? Nur in einem Punkte bin ich meiner Sache gewiß, daß Tollart und diese Madame Arabella Disney unter einer Decke spielen. Ich Hörle ihn zu ihr sagen: Der Nabob ist eine willkommene Beute für uns!"
„Werden Sie bald wieder mit ihm zusammen treffen?"
„Sehr bald; er ist vollkommen überzeugt, daß ich nur deßhalb nach Europa gekommen bin, um die Erben des Majors O'Sullivan zu suchen. Er hat mir versprochen, mir einen Agenten schicken zu wollen, der die erforderlichen Nachforschungen anstellen wird, daß heißt, gegen eine reiche Belohnung."
„Im klebrigen legte er feine Worte ersichtlich auf die Wagschale und hat sich im Gespräche mit mir auch durch keine Miene verrathen. Eins ist mir indeß aufgefallen. O'Sullivan, dessen Erben, sowie die Freundin und Verbündete Tollarl's und
wiederkehrenden unnöthigen Ausgaben, für welche die Landwirthschaft die Mittel nicht bietet und noch nie geboten hat, selbst in den besten Zeiten nicht. Während früher der Bauer den Stoff wenigstens zu den alltäglichen Kleidern selbst gepflanzt, gesponnen und verarbeitet hat, hat er sich jetzt der städtischen Mode zugewendet und trägt nunmehr anstatt Der leinenen Kleider nur im Laden getaufte Stoffe, welche viel theuerer und viel weniger haltbar sind. Dasselbe ist der Fall mit der Leibwäsche, Strümpfen u. s. w. bei Männlein und Weiblein. Nur selten sieht man noch ein Spinnrad, nur selten wird gesponnen und gestrickt, nur selten sieht man Handarbeiten. Dafür besuchen aber Vie Mädchen mit den Burschen Abends das Wirths- haus. Wenn man dazu noch weiteren unnöthigen Luxus in der Bekleidung rechnet, so macht dies im Jahre eine für jeden einzelnen bedeutende un- nöthig ausgegebene Summe aus. Während früher der Bauer fein Brod selbst gebacken hat, befinden sich jetzt fast in jedem Orte, und zwar oft mehrere Bäcker und wird anstatt eines nahrhafteren und fättigenberen Brodes frisches, weißes unö theureres Brod gegessen. Auch die Wirthshäuser haben sich derart vermehrt, daß jetzt die Ertherlung von Konzessionen zum Wirthschaftsbetriebe wieder eingeführt werden mußte. Vor einigen Jahrzehnten gab es viele Gemeinden, in welchen gar fein Wirthshaus war, jetzt gibt es in jedem Orte deren mehrere. Auch die Vergnügungen und Gelegenheiten zu Geldausgaben hierfür haben bedeutend zugenommen, politische und Vereins-Zusammenkünfte und Festlichkeiten aller Art häufen sich in der übertrieben» sten Weise. Krieger-, Kampfgenossen-, Kn-!ppfchafts», Turn-, Gesang» und sogar Sterbekassen-Vereine müssen ihre Fahne haben, die natürlich eingeweiht und auch während des Jahres zu Festlichkeiten geschwungen wird. Was kosten den Bauer die Eisenbahnfahrten während eines Jahres in die Stadt? Rechnet man hierzu noch Ausgaben für die Jagd, für unnöthige Prozesse und vieles Andere, so muß man es ganz begreiflich finden, daß dies die Landwirthschaft nicht aufbringen kann. Dies konnte sie noch nie aufbringen, selbst nicht zur Zeit der besten Getreidepreise. An diesen stets wiederkehrenden unnöthigen Ausgaben muß der Bauer zu Grunde gehen. Was speziell die Ausgaben für Prozesse anlangt, fo würde eine statistische Zusammenstellung der Gerichts», Advokaten-, Reise- und Zehrungs-
die Pique-Dame stammen sämmtlich aus England. Tollart ist wenigstens zur Hälfte Engländer. Ich muß suchen, die Nachkommen des Majors kennen zu lernen, denn wenn zum Beispiel Marie Fassit mit ihm verwandt gewesen wäre, würde sich die Sache von selbst ergeben."
„Leider," seufzte Pergon, „haben unsere Nachforschungen in London uns über diesen Punkt keine Aufklärung verschafft."
„Paris ist der Ort, wo wir suchen müssen, mein Freund," sagte Herr Lebrun und fügte dann mit trüber Miene hinzu, „hast Du nichts Neues von Vernarb vernommen?"
„Nichts Besonderes. Er hat sich mit dem Wächter Ihres Sohnes verständigt, ihm täglich über den Zustand des Gefangenen Nachricht zu geben. Ihr Sohn soll seine ganze Zeit mit Schreiben zubringen."
„Mit Schreiben!" wiederholte der Greis unruhig, denn er befürchtete, daß sein Sohn die Eindrücke, eines zum Tode Verurtheilten dem Papiere anvertrauen möchte und zitterte bei dem Gedanken, daß man vielleicht feine unbedachtsamen Worte, welche die Verzweiflung ihm einflößen würde, als Zeugen seines Schuldbewußtseins gegen ihn gebrauchen könnte. Es war ihm aus seiner
kosten, welche durch muthwillige ober eigenwillige Prozesse in einer Gemeinde oder einem Bezirke entstehen, eine riesige Summe aufweisen, vor welcher der Bauer erschrecken würde."
Aus diesen Ausführungen läßt sich immerhin auch für unsere Gegend mancher Nutzen ziehen. Wenn auch das vom Spinnrad, Backofen und gemeinschaftlichen Wirthshausbesuch Gesagte nicht zutrifft, so kann doch anoererseits nicht geläugnet werden, daß das „Schnaps fäßchen" bei uns eine wahrhaft verheerende Rolle spielt, indem es nicht mehr bloß im Wirthshanse, sondern in fast jedem Bauernhause heimisch ist. Auch bieten die verschiedenartigen, an sich ganz löblichen Vereine zu viel Gelegenheit zu Ausgaben und zeitraubenden Vergnügungen. Mag Jedermann das vorstehend Gesagte auf die engeren Verhältnisse seines eigenen Haushalts ober Wirkungskreises anwenden und dann sehen, „wie er’S treibe". So viel ist gewiß, daß Einfachheit und Sparsamkeit die Grundpfeiler der Landwirthschaft bilden müssen, da ohne sie alle staatliche Hilfe und Unterstützung wenig helfen kann. _________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Mai.
* Wie man der ,Frkf. Ztg/ aus Wien meldet, steht jetzt fest, daß der Kaiser von Rußland im Laufe dieses Sommers dem österreichischen Kaiser einen Gegenbesuch machen wird. Heber den Oct und die Zeit der Zusammenkunft wird noch unterhandelt. Die Theilnahme des deutschen Kaisers steht prinzipiell fest. Die Zusammenkunft findet nicht vor dem August statt, wahrscheinlich tm August.
* Die .Germania' schreibt: „Der Monat April ist zu Ende und die Ernennung des Herrn Krementz zum Erzbischof von Köln ist noch nicht erfolgt", ruft heute die .Köln. Ztg.' und sucht dann die Sache als Aprilscherz hinzustellen. Mag die .Köln. Ztg.' glauben, was sie will, wir werden sie nicht stören. Die Antwort werden schon die Tatsachen geben; auf Tag und Stunde kommt es dabei nicht an.
* Die Kommission des Herrenhauses hat die Kreis- und Provinzialordnung für Hessen-Nassau in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Der Entwurf wird also zweifellos in die- fer Form Gesetz werden.
früheren Tätigkeit wohl bekannt, daß sich in den Gefängnißmauern nichts verheimlichen läßt, und daß man eben so gut Augen für schriftliche Geständnisse, wie man dort Ohren hat, um unbe» dachsam entschlüpfte Steuerungen aufzufangen.
„Ja", versetzte Pergon, „es scheint, daß er an seine Braut in Boulogne Briefe abfaßt. Ach, das arme Fräulein I Sie ist so herzensgut! Wie freundlich empfing sie mich, mich, der ich gekommen war, um ihren Verlobten zu verhaften!"
„Schweige!" rief der Greis aus. „Siehst Du denn nicht, daß deine Worte mir das Herz zerreißen?"
„Entschuldigen Sie, Herr Lebrun, die Erinnerung ist stärker als ich selbst. Jene Scene schwebt mir unablässig vor Augen und ich vergesse, daß ich Ihnen Kummer bereite, wenn ich in Ihrer Gegenwart davon spreche."
Es entstand eine längere Pause. Herr Lebrun war in diesem Augenblick so bewegt, daß es ihm Mühe gekostet haben würde, die Rolle eines Nabobs angemessen zu spielen. Zu seinem Glück sah Tollart ihn nicht meinen.
„Hat Bernard", begann er endlich, „Dir gesagt, wie man auf der Präfectur über meinen Sohn urtheilt?"