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F 98.

Fuldaer

Freitag, den 1. Mai

1885

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dienen können. Es drückte gleichzeitig Erstaunen, Begierde und Unruhe aus. Das Erstaunen war indeß überwiegend und er hatte auch Ursache, überrascht zn sein. Die Nachkommenschaft des Majors O'Sullivan bildete eine Lebensfrage für ihn. Er hatte London verlassen, um sich dieser großen Aufgabe ungestört widmen zu können, und, bis jetzt, sich gegen Niemanden darüber ausgelasien. Plötzlich sah er sich nun einem Fremden gegen­über, der eigens in der Absicht Poudichery ver­lassen hatte, um die Erben des Majors aufzu- suchen. Tollart sah die unermeßliche Erbschaft schon im Geiste als sein Eigenthum. Wenigstens hatte er eine Mine zur Ausbeutung vor sich, eine goldene Mine, die weit reichere Ausbeute als eine californische versprach. Inmitten seiner Nachfor­schungen war dieser Fremde erschienen, der ihm nicht nur keine Konkurrenz zu machen drohte, son­dern vielmehr angedeutet hatte, sein Vermögen den Nachkommen des verstorbenen O'Sullivan ver­erben zu wollen.

Diele Absicht verdiente Rücksichtsnahme, und während Tollart dem Nabod gegenüber in diesem Sinne dessen Interesse zu wahren verhieß, nahm er sich vor, mit Klugheit zu manövriren, und sich vor allen Dingen darüber Gewißheit zu ver

O Maske gegen Maske

Roman von A. Werner.

„Wenn man reich ist und obendrein einen so hohen Rang bekleidet, wie Sie, Hoheit," antwortete Tollart mit verbindlichem Lächeln, „ist man in Paris immer jung. Das ist die Ansicht sämmt- sicher Damen, welche jeden Donnerstag sich hier vereinigen, und da Sie mir gestattet haben, Sie ihnen vorzustellen —"

„O, mit Vergnügen. Bevor ich indeß von Ihrem zuvorkommenden Anerbieten Gebrauch machen darf, ist es nöthig, ein wenig von meiner eigenen Person zu sprechen, da sie mich sonst wegen der Ursachen, die mich antreiben, das Pariser X'eben kennen zu lernen, mißverstehen könnten. Ich bin der letzte meines Stammes, da ich das Unglück hatte, vor Kurzem einen Sohn, den ich zärtlich liebte, zu verlieren."

Herr Tollart gab seine Sympathie zu erkennen. Der Nabob fuhr fort:

„In Indien besitze ich ein großes Vermögen, das an den Staat zurückfällt, wenn ich nicht da­rüber verfügt haben werde, und ich möchte dieses den Nachkommen eines Mannes zuwenden, welcher

theidigen, daß er seine Stellung zu dem Anträge Huene seit der ersten Lesung geändert habe, und erklärte sein Einverständniß mit den Kommissions­beschlüssen, wobei er gleichzeitig dem national­liberalen Anträge technische Vorzüge einräumen zu müssen glaubte. Abg. Dr. Gneist suchte unter großer Unaufmerksamkeit des Hauses den Antrag seiner politischen Freunde zu rechtfertigen. Nach demselben sprach Mg. Graf v. Schwerin-Putzar für die Kommissionsbeschlüsse. Die weitere Ver­handlung führte zur unveränderten Annahme des § 1 in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse. Die Majorität, welche diesen Paragraphen ootirte, setzte sich zusammen aus dem Centrum, den Polen, den Konservativen, dem größten Theile der Frei­konservativen und einigen wenigen Nationalliberalen. An der heutigen Debatte betheiligten sich im wei- teren Verlaufe der Sitzung die Abgeordneten Dr. Enneccerus, Dr. Wehr, v. Tiedemann (Labischin) und Bachem. Letzterer vertheidigte den Antrag als ein Correctiv im Sinne der Zoll- und Steuer­politik des Centrums und sprach sich gelegentlich einer Charakterisirung des Steuerdrucks für Ein­führung einer Progression in unser Steuersystem aus.

* Wie in Göttingen, so hat auch in Allenstein der „Erste Staatsanwalt" beim dortigen Land- gericht, Herr Mantell, den Anspruch geltend ge­macht, daß ihm gegenüber auch beim mündlichen Dienstverkehr seitens der Beamten des Gerichts die volle Titulatur in Anwendung gebracht, also die Anredeform „Herr Erster Staatsanwalt' statt der vielfach gebräuchlichen abgekürzten „Herr Staatsanwalt" gebraucht werde.

* In Crefelv ist nun endlich auch von den Stadtverordneten die Einwilligung zur Aufhebung der letzten Simultanschule ausgesprochen worden.

* Metz, 30. April. Herr Landgerichtsrath Göhring hat seine definitive Einberufung als Kaiserl. Regierungskommiffarius für Angra Pequena erhalten, und trifft alle Vorberei­tungen zu seiner sofortigen Ueberfiedelung an seinen neuen Volten. Es ist noch nicht entschieden, ob er seine Residenz im Hafen von Angra Pequena oder in Bethanien aufschlagen roirb.

Ausland.

• Linz a. d. D., 30. April. Am Sonntag wird in unserer Kathedrale die feierliche Jnthro-

* Der Reichstag kam in seiner heutigen, außer­ordentlich schwach besuchten Sitzung über die zu­erst auf der Tagesordnung stehenden Wahlprüsun- gen nicht hinaus. Eine längere Reihe von Wah­len wurden nach längerer Debatte für giltig erklärt, zugleich aber der Reichskanzler aufgefordert, über verschiedene bei den Wahlen vorgekommene Unregel­mäßigkeiten amtliche Erhebungen anstellen zu lassen. Bezüglich der Wahl des nationalliberalen Abg. Dr. Haarmann (Bochum) wurde die Beschlußfassung ausgesetzt. Morgen 12 Uhr soll die zweite Be- rathnng der Zollnovelle fortgesetzt werden.

• Das Abgeordnetenhaus trat heute in die zweite Berathnng des Antrages Huene be­treffend die Ueberweisung landwirthschaftlicher Zölle an die Kommunalverbände. Wie dies bei den Spezialberathungen wichtigerer Gesetze gewöhnlich der Fall ist, gestaltete sich die Spezialdiskussion über den § 1 des Entwurfs zu einer förmlichen Generaldebatte. Zunächst nahm Abg. Richter das Wort gegen den Entwurf, den er namentlich be- züglich seiner allgemeinen finanziellen Bedeutung einer abfälligen Kritik unterzog und als eine Vor­stufe neuer Steuern und Zölle bezeichnete. Das Verhalten der Regierung und der Nationalliberalen gegenüber dem Anträge des Abgeordneten Huene fand eine nicht minder abfällige Bmrtheilung. Indessen mochte der Abg. Richter selbst fühlen, daß sein prinzipiell ablehnender Standpunkt schwer zu begründen sei, und deshalb erweiterte er seine Kritik auf alle Einzelheiten des Entwurfs. Abg. Frhr. v. Huene entgegnete auf Ue Ausführungen Richter's. Derselbe wies auf die eigenthümliche Erscheinung hin, daß die Linke als Wächter der Finanzpolitik sich hinstellt und stets auf das Defizit im Reichshaushalt verweist, aber die Mittel zur Deckung dieses Defizits verweigert. Sein Antrag sei die einfache Konsequenz der vom Centrum seit 1879 eingenommenen Haltung. Nachdem der är­mere Steuerzahler von der Staatssteuer befreit worden, halte das Centrum den Zeitpunkt für ge­kommen, auf eine Entlastung der Kommunen Be­dacht zu nehmen und die Umwandlung der Grund- und Gebäudesteuer in die Wege zu leiten. Die Abänderungsanträge bezeichnete Redner unter gleich­zeitiger Empfehlung der Kommissionsbeschlüsse als unannehmbar. Finanzminister von Scholz suchte sich, laut Bericht der ,Germ.', gegenüber den An­griffen des Abgeordneten Richter dagegen zu ver-

vor vielen Jahren meinem Vater das Leben ge­rettet hat. Leider kenne ich die Nachkommenschaft nicht, und eben, um diese zu entdecken, bin ich nach Europa gekommen.

„Ich würde mich glücklich schätzen, Hoheit, Ihnen dienen zu können," nahm Tollart lebhaft das Wort, indem er bereits eine günstige Gelegen­heit witterte, durch Ausbeutung seines Talents als Spion eine große Summe Geldes zu ge­winnen.

„Ich danke Ihnen, mein Herr," erwiderte der Indier, „und ich bin überzeugt, daß Sie bei Ihren zahlreichen Bekanntschaften mir kostbare Aufklärungen werden verschaffen können. Der Freund meines Vaters war Offizier in der eng­lischen Armee. Er hieß O'Sullivan." ■

„O'Smllivan!" wiederholte Herr Tollart. „Sie meinen doch nicht etwa den Major Jacques O' Sullivan, welcher im 33. Regiment der Infanterie zu Bombay diente und zu Poonah im Jahre 1811 gestorben ist?"

„Wie! Sie wissen das?" rief der Nabob er­staunt aus. „Kennen Sie denn auch feine Familie und seine Erben?"

Das Antlitz des Herrn Tollart hätte in diesem Augenblick einem geschickten Maler zur Studie

Deutsches Reich.

Berlin, 30. April.

* Die .Germania' schreibt: „In den preußisch- vatikanischen Verhandlungen bildet die Kölner Frage noch immer den Ausgangspunkt. Wie wir hören, ist nur noch eine kleine Bedingung zu er- füllen, um ein Abkommen perfekt zu machen. Störend haben die Erklärungen des Cultusministers v. Goßler bei der kirchenpolitischen Debatte ein­gewirkt. Daß sie einen ungünstigen Eindruck im Vatikan gemacht, haben wir auch schon berichtet. Nach unseren neueren Informationen bestätigt sich diese Nachricht vollkommen. Der h. Vater ist sehr unangenehm berührt, und in maßgebenden Kreisen hat man sich sehr scharf ausgesprochen.

* Bezüglich des englisch-russischen Konflikts soll jetzt in hiesigen maßgebenden Kreisen, die sich bisher gegen eine kriegerische Eventualität skeptisch verhielten, eine sehr ernste Auffassung der Situation Platz gegriffen haben. Die ,Kreuz-Ztg.' bringt einen auffälligen Artikel, in dem sie behauptet, daß gewisse Nachrichten einzelner Zeitungen betreffs der englisch-russischen Verwickelungen, im Interesse bedeutender Finanzkräfte lancirt seien. Sie nennt speziell die ,Köln. Ztg.', die ,Nat.-Ztg.' und die ,Times.'

* Eine gewaltige Bewegung geht durch die deutsche Handwerkerwelt. Man ist unzufrieden mit der Gewerbeordnung und wünscht einschneidende Abänderungen. Haben frühere Verzeichnisse der bei dem Reichstage eingegangenen Petitionen Zeug, niß von der unter unfern Handwerkern herrschenden Bewegung abgelegt, so thut es das neueste wieder tu eklatantester Weise. Mehr als 400 Petitionen, und nicht von einzelnen Personen, sondern von Korporationen, sind nach demselben bei dem Reichs­tage eingegangen und verlangten Annahme des von dem Abg. Ackermann und Genossen vorge­legten Gesetzentwurfs, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung.

* Der Reichstag ist nunmehr 6Monate ver­sammelt und hat in fast täglichen Sitzungen eine bedeutende Thätigkeit entwickelt. Man hofft jetzt mit der Regierung eine Verständigung dahin zu erreichen, daß die Session wahrscheinlich bis in die Woche vor Pfingsten hinein dauern und unter Zuhilfenahme von Abendsitzungen zum Schluffe gebracht werden könne.