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Donnerstag, den 30. April

Jfultarr

mit der

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Q) Maske gegen Maske

Roman von A. Werner.

die Sympathie der eleganten Damen. Die Männer fanden, daß er eine vornehme Miene hätte und sich gewählt und ungezwungen zu be- nehmen verstände. Die Hausherrin empfing ihn mit ausgezeichneter Höflichkeit und dankte ihm für die Annahme ihrer Einladung, die sie an ihn ge­richtet hätte, ohne daß sie die Ehre gehabt, ihn zu kennen. ,

Arabella Disney machte eine Spezialität daraus, ausländischen, vornehmen Persönlichkeiten, die nach Paris kamen, um sich zu zerstreuen, ihr Haus zu öffnen. Sie stand mit sämmtlichen Hotelbesitzern in Verbindung und es gelangte kein asiatischer Prinz oder überseeischer Millionär nach Paris, an den sie nicht ein zierliches Billet absandte, sie mit seiner Gegenwart zu beehren. Kaum war sie daher unterrichtet worden, daß der unermeßlich reiche Nabob von Bahour die französische Haupt­stadt mit seinem Besuche beehrt habe, als sie ych beeilte, ihn einzuladen, und, als ihre Einladung angenommen, ihre Freunde und Freundinnen zu benachrichtigen, daß seine Hoheit am Donnerstag ihrem Empfangsadend beiwohnen "erde. Ma« hatte dem indischen Fürsten bereits im Gerrchts- saale die höchste Beachtung geschenkt, und seine Gegenwart bewirkte daher eine solche AnzrehungS-

lerischer und bureaukratischer Verkehrtheit, und auch gegen diejenigen „christlichen" Conservativen, welche bei guten Gesinnungen an der moralischen Feigheit leiden, ihre Grundsätze gegenüber Bismarck zu vertreten, gegen alle diese Culturkämpfer hat das Volk seit dem Jahre 1873 das drastische, aber sehr wahre und klare Wort: „Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber " Das soll bei den bevorstehenden Wahlen mehr als jemals auch in den Wahlkreisen mit katholischen Minderheiten geltend gemacht werden, wo wir irgend welche ausschlaggebende Bedeutung für die Wahlen ge­winnen können! Wer uns positiv näher steht, oder wer das kleinere Uebel im Vergleich mit dem Gegenkandidaten — der wird unterstützt, möge die „christliche" .Nordd. Allq. Ztg.' im Bunde mit gouvernementalen Con­servativen, deren „Christenthum" versagt, wo es noch so geringe Thaten fordert, auch sehr darüber schreien. Von dem „Christenthum" der ,Nordd. Allg. Ztg.' haben wir nie etwas gehalten. Aber auch das Christenthum derjenigen ist „schal", ist Heuchelei, die seit zwöls Jahren das Unglück des Culturkampfes beklagen, und niemals etwas zur Beseitigung desselben thun, wenn mcht der neue deutsche Zeus ihnen dabei huldreich zuwinkt! . . . . Um die Centrumswähler braucht die .Nordd. Allg. Ztg. kein- Sorge zu haben, die sind wieder einmal gründlich von einem Theil der conservativen „Freunde" aufgeklart

Es"'ist wahrlich nicht schmeichelhaft für das Preußen des 19. Jahrhunderts, daß sich rem konfessioneller Haß, staatskirchliche, absolutistische und freiheitsfeindtlche Gelüste der Regierung, sowie bureaukratische Beschränktheit vereinigen können, einem ganzen Drittel der Bevölkerung die ersten und natürlichsten Rechte, die der freien Religions­übung, noch dazu mittelst eines schweren Rechts­bruches zu rauben und zu versagen. Die,Franks. Zig/ bemerkt dazu mit Recht:

„Das Sperrgesetz vzaj eine ungerechte und unkluge Kampfesmatzregel, veren vollständige»» Fiustc der gemalt vielleicht die schwerste Niederlage im ganzen Cul- lurkampf gebracht hat, eine Niederlage sowohl politischer wie moralischer Natur. Mit her Forderung nach fttup freier Seelsorge gehen die Katholiken nicht über das Map der Religionsfreiheit hinaus, das ein civilisirter Staat allen seinen Bürgern gewähren muß. Gerade an dem Eingriff in di- Sphäre dieser nothwendigen Freiheit mußte der Culturkampf scheitern, denn er charakteristrt sich als Bedrückung der Gewissen, die fein Volk auf tote Dauer ertragen kann. Mag der Staat solchen Priestern, die den von ihm gestellten Forderungen nicht genügen, seine Anerkennung und damit gewisse Vortheile und Pn- vll^g'en versagen: Priester einer anerkannten Neligions- qemeinschast zu sein und die Functionen als solcher aus­zuüben, sollte er Niemanden verwehren. Hier beginnt das Gebiet, auf dem er von Rechtswegen Nichts zu sagen haben sollte, und Sache der Kirchen ist es auch, wie sie ihre Organe vorgebildet sehen, und wie sie die ^rsclplm über dieselben gestalten und ausüben wollen."

Dieser ausländische, unbekannte Mann erregte Sensation unter den Emgeladenen der Frau Arabella Disney, — so nannte sich die Fremde, welche die Chronik des high life wegen ihre Ele­ganz mehr als jemals feierte.

Sämmtliche Blicke der Anwesenden richteten sich erwartungsvoll auf den vornehmen Herrn, den man auf eine so prunkvolle Weise ankündigte und die höchste Neugierde prägte sich in den Mienen der Anwesenden aus. Die Damen unterbrachen sür einen Augenblick ihre Unterhaltung und das Hazardspiel ward ebenfalls unterbrochen, — aber nur für kurze Zeit. Hauptsächlich war es Tollart, welcher nfit allen Zeichen der gespanntesten Er­wartung astf dem Gesichte dem Eintreten des vor­nehmen Fremden entgegensah.

Der Eintretende war ein Mann von maje­stätischer Gestalt, dessen Kleidung nach indischer Sitte in Seive, Gold und Diamanten prangte. Sein Gewand, sein schneeweißer, langer Bart, sein gebräunter Teint und seine blitzenden Augen sicherten dem Nabob sogleich das Wohlwollen und

Deutsches Reich.

Berlin, 29. April.

* Die Entrüstung, welche die Entheiligung des Charfreitags auf dem Spandauer Bock in allen Kreisen der gesitteten Bevölkerung erregt hat, und der entschiedene Ausdruck, den diese Entrüstung in der Presse aller Parteien gefunden, wird, sagt die .Nordd. Allg. Ztg/, hoffentlich für den Buß- und Bettag die gute Nachwirkung üben, daß Skandal-Scenen, für welche in früher» Jahren auch an diesem Feiertage bestimmte öffentliche Lo- kale den Schauplatz herzugeben pflegen, dieses Mal überhaupt unterbleiben. Innerhalb des Ber­liner Stadtbezirks kommt in dieser Hinsicht der Bockbier-Ausschank auf dem Tempelhofer Berg in Betracht, bezüglich dessen die Polizeibehörde beson- ders scharfe und energische Anordnungen zur Ver­hütung von Exzessen und Unzuträglichkeiten ge­troffen hat. Zur Nachricht für das die Bock­brauerei am Buß- und Bettage besuchende Pub­likum und zur Warnung für skandalsüchtige Ele­mente unter demselben sind wir in der Lage, mitzutheilen, daß durch Verfügung des Polizei- Präsidiums an die für den Wirthschaftsbetrreb auf dem Tempelhofer Berge verantwortlichen Per- sönlichkeiten denselben die Niederhaltung der groben Ausschreitungen manchfaltigster und unzulässigster Art, welche auch in diesem Jahre beim Bockbier- Ausschank stattgesunden haben, mit aller Entschie­denheit zur Pflicht gemacht ist. Es soll am Buß-und Bettage unbedingt alles unterbleiben, was die Ruhe dieses Feiertages zu. stören und peffen Hei­lighaltung in Frage zu stellen geeignet ist; für den Fall, daß es der Geschäftsleitung des Bockbier- Ausschanks nicht gelingen sollte, Ruhe und Ord­nung vollständig aufrecht zu erhalten, daß insbe­sondere der übliche mit wüstem Lärm, Singen, Aufschlagen mit Stöcken und Bierkrügen auf die Tische und dergleichen verbundene Unfug sich auch an diesem Tage wiederholen sollte, ist die sofor­tige Schließung des Ausschanks und Räumung aller Wirthschafts - Lokalitäten durch die Schutz­mannschaft angeordnet. Unter allen Umständen soll um 10 Uhr am Abend der Ausschank ge­schlossen und von Gästen vollständig geräumt sem.

* Die .Nordd. Allgem. Ztg/ quittirt über dre Geburtstags-Geschenke u. s. w., welche dem Reichskanzler am 1. April zugestellt wurden, mit kraft, daß die weiten Räume, welche Arabella im Boulevard Haußmann bewohnte, kaum die her­beiströmenden Gäste aufnehmen konnten.

Diese vornehme Engländerin hatte sich erst vor vier Monaten aus den Ehamps-Elisses, bei Jagd­partien und in den modernen Theatern gezeigt. Sie war direkt aus London gekommen und da sie prächtige Equipagen und glänzende Toiletten hatte, fand sich Niemand veranlaßt, nach ihrer Herkunft zu forschen. Es verbreitete sich übrigens sehr bald das Gerücht, daß sie sich wegen Zwistes von ihrem Gemahl, einem reichen und hochangesehenen englischen Lord, momentan getrennt habe, und daß ihr Aufenthalt in Frankreich überhaupt nur von kurzer Dauer sein werde. Herr Tollart, welcher sie jenseits des Kanals hatte kennen gelernt, ließ es sich ganz besonders angelegen sein, dieses Ge­rücht zu verbreiten, um der schönen Lady Disney die Thüren einer Welt zu öffnen, in welcher er sich bewegte. Er gehörte nicht zu den Letzten, die sich dem reichen Fremden näherten, welcher so­eben eingetreten war und der Königin dieses liebenswürdigen Kreises seine Huldigung darbrachte. Er redete ihn in englischer Sprache an, da er I dachte, daß diese Sprache jenem geläufiger sei als I die französische. Der Nabob antwortete zwar in

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* Die Landtagswahlen,

welche im Sommer stattfinden, werden wieder vor Allem unter dem Zeichen des „Kulturkampfes" abgehalten. Die Centrumsblätter sprechen allen Ernstes die Absicht aus, mehr als jemals die Frage der Gewissensfreiheit zum Angelpunkt der Wahlbewegung zu machen. „Abgelehnt ist der Antrag auf Aufhebung des Sperrgesetzes, abge­lehnt der Antrag auf Freiheit der heiligen Ge­heimnisse des Altars, auf Straflosigkeit der un­entbehrlichsten Seelsorge! Nur der linke Flügel der Deutsch - Freisinnigen und einzelne Alt­konservative entbehrten des traurigen Muthes, den preußischen Katholiken zu versagen, was selbst in China und Japan und am Congo Rechtens ist." Der ,Wests. M/ ruft zuletzt den Konservativen, welche dabei die „denkbar traurigste" Rolle ge­spielt hätten, zu: „Bei den Wahlen werden sie das Echo ihrer heutigen Reden vernehmen." Aehnlich äußert sich die .Germania':

Es genügt nach den gemachten Erfahrungen nicht mehr, daß wir von zu unterstützenden Candidaten anderer Par­teien schöne Reden entgegennehmen über die Verwerflichkeit des Culturkampfes und die Nothwendigkeit seiner Beendi­gung. Ja, es genügt nicht einmal mehr die Versicherung, für die Wiederaufnahme der kirchenpolitischen Verfassungs­artikel in die preußische Verfassung oder für eine „orga­nische Revision" der Maigesetze stimmen zu wollen, obgleich diese beiden letzteren Punkte schon mehr besagen und der erstere von den beiden sogar viel mehr bedeutet als blos allgemeine Redensarten über die Verwerflichkeit des Kulturkampfes. Den Hauptprüfstein aber müssen ganz concrete Fragen abgeben, wie die folgenden:

Straffreiheit des Messelesens und des Sakramente- i spendens,

vollständige Aufhebung des Sperrgesetzes, staatliche Penstonirung der sämmtlichen Staatspfarrer und des einer ganz katholischen Gemeinde aufgedrängten altkatholischen Pfarrers in Herzogswalde.

Gleichstellung der katholischen barmherzigen Schwestern und barmherzigen Brüder in allen Rechten mit den Diakonissen und den Brüdern vom rauhen Hause. Jeder Abgeordnete, welcher gläubiger Christ ist, oder, wenn das nicht, wenigstens nur eine Spur von Freiheit auch für seine katholischen Mitbürger will, kann — und muß sogar — diesen vier concreten Fragen zustimmen, und die vierte forscht auch ein wenig nach über die pari­tätische Gesinnung. Wer aber nicht einmal paritätisch fühlt auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und Nächsten­liebe, sondern sogar hier eine Bevorzugung der Pro­testanten vor den Katholiken billigt durch Privilegien der Diakonissen und der Hamburger Brüder vom rauhen Hause, wie könnte der auch ttur eine katholische Stimme erwarten? Gegen alle Kulturkämpfer, einschließlich der­jenigen „christlich" Conservativen, welche Cultur­kämpfer sind aus Katholikenhaß oder staatsomnipotenz-